Irrtümliches 1 Euro Sofortkaufangebot

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Es passier immer wieder:

Ein Verkäufer stellt bei Ebay versehentlich einen vergleichsweise teuren Artikel als Auktion mit Startpreis 1 Euro mit Sofortkaufoption zu einem Euro ein. Es gibts sogar Schnäppchenjäger, die auf genau diese Angebote spezialisiert sind und dem Verkäufer (oft erfolgreich) weismachen wollen, hier sei ein verbindlicher Kaufvertrag zustande gekommen und er müsse den Artikel tatsächlich für einen Euro liefern.

Normalerweise ist das so:

Der Verkäufer macht bei Ebay ein Angebot, das durch die Annahme (das Höchstgebot) des Käufers zum Abschluss der Auktion bzw. beim Sofortkauf sofort zu einem wirksamen Kaufvertrag gemäß § 433 BGB führt.

Das Angebot der Verkäufers ist dabei eine Willenserklärung, bei deren Abgabe man irren kann und die man deshalb nach §119 I BGB anfechten kann. Tut man das, so kommt der Kaufvertrag überhaupt nicht zustande und der ursprüngliche Anbieter ist nicht zu Verkauf des Artikels verpflichtet.

Bei so einer Anfechtung einer Willenserklärung könnte der Anfechtende aber einen Schadensersatz nach §122 BGB verpflichtet sein. Dabei handelt es sich aber nur um den sogenannten Vertrauensschaden: Es wird nur ersetzt, wes der verhinderte Käufer an Aufwendungen ür den Kauf hatte - also in der Regel nichts oder allesfalls ein paar Cent für die verschwendete Onlinezeit.

Dazu kommt noch, dass gemäß §122 II BGB kein Schadensersatz zu leisten ist, wenn der Geschädigte den Grund der Anfechtung kennen musste. Das dürfte bei so einer Konstellation immer ein Fall sein.

Das Amtsgericht Kassel hatte so einen Fall zu entscheiden, dort wurde ein Verkäufer auf Erfüllung des angeblichen Kaufvertrages verklagt. das Gericht wies die Klage ab.

Fazit:

Wer als Verkäufer versehendlich eine Auktion mit Sofortkauf von einem Euro eingestellt hat, kann seine Willenserklärung wirsam anfechten und ist dann nicht verpflichtet, den Artikel zu diesem Preis abzugeben.

Was anders ist es natürlich, wenn bei einer Auktion mit Startpreis von einem Euro am Ende nicht das erlöst wird, was der Verkäufer erhofft hatte: In dem Fall kann der Verkäufer nicht wegen Irrtums anfechten und ist an den Kaufvertrag gebunden.

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