Intelligent steuern – wie Sie sich mit Schaltuhren die Arbeit im Fotolabor erleichtern

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Intelligent steuern – wie Sie sich mit Schaltuhren die Arbeit im Fotolabor erleichtern

Geht es heutzutage um das Thema Fotografie, werden im selben Atemzug immer wieder Smartphones und kompakte Digitalkameras erwähnt – damit wird schnell deutlich, dass sich die Digitalfotografie gerade im Alltag bei vielen Anwendern mehr oder weniger durchgesetzt hat. Das hat viele gute Gründe: Das Ergebnis lässt sich sofort betrachten, bei Smartphones schnell auch mit Freunden in den sozialen Netzwerken teilen und: Falsch belichtete oder verwackelte Bilder werden ganz einfach gelöscht, während selbige Fehler bei der Entwicklung eines Films erst im Nachhinein sichtbar werden.

Wird die Fotografie zum Hobby, geht die Tendenz zu komplexen D-SLR-Kameras mit ihren vielen Möglichkeiten, für viele Berufsfotografen vor allem im journalistischen Bereich praktisch eine Notwendigkeit: Es muss zumeist schnell gehen, Bilder werden entweder direkt auf entsprechende Internet-Seiten hochgeladen oder via Internet an die zuständigen Redaktionen versendet. Es spricht also vieles für die digitale Fotografie.

Im Umkehrschluss ist das Gegenteil der Fall: Bei der Frage, warum noch analog fotografiert wird, kommt häufig das Argument zum Tragen, dass man sich bewusst Zeit nehmen möchte, Bilder werden nicht einfach nur geknipst, sondern man macht sich vorab Gedanken über das Motiv, die Komposition und den Bildaufbau.

Das Equipment für die Fotografie

Auf dem Markt finden Sie eine große Auswahl etwa an analogen Spiegelreflexkameras für gehobene Ansprüche mit dazu passenden Objektiven, sofern die Ausrüstung nicht bereits vorhanden ist – häufig mit ein Grund, der Analogfotografie treu zu bleiben. Das klassische Format in diesem Zusammenhang wird unter der Bezeichnung Kleinbild geführt, als weitere Formate stehen Mittelformat-Kameras wie auch Großbild-Kameras zur Verfügung. Letztere sind vor allem in der Landschafts- und Architekturfotografie sinnvoll, um etwa stürzende Linien auszugleichen, was mit normalen Kameras so nicht möglich ist. Klassische Mittelformatkameras haben Filmgrößen von 6 cm x 6 cm oder 6 cm x 7 cm, das Großformat geht los ab 9 cm x 12 cm.

Die Lust am Experimentieren

Manchmal ist es einfach nur die Lust am Experimentieren, die Menschen zur analogen Fotografie bringt. Eine ganz eigene Bewegung stellt dabei etwa die Lomografie (original als Lomography bezeichnet) dar: Bei diesen sehr einfach aufgebauten Kameras werden die mangelnde Bildqualität sowie zusätzliche Fehler und Störquellen bewusst mit einbezogen. Diese führen gerade deshalb zu teilweise erstaunlichen Ergebnissen, die man nur mit viel Aufwand am Rechner mit entsprechender Software wie etwa Photoshop von Adobe und entsprechendem Know-how realisieren kann.

In Bezug auf die Experimentierfreudigkeit kommen zudem noch die unterschiedlichen Filmmaterialien mit ins Spiel. Abgesehen von Speziallösungen sind dies im Wesentlichen:

Bei der Auswahl sind es noch weitere Faktoren, die das Ergebnis mit beeinflussen, dazu zählt vor allem die Filmempfindlichkeit, die gleichzeitig mit der Körnung verbunden ist: Je empfindlicher der Film selbst ist, desto größer wird die sichtbare Körnung, die gerne auch als Stilelement eingesetzt wird.

Wie Sie sehen, gibt es in der gesamten Prozesskette der analogen Fotografie viele Möglichkeiten, das Ergebnis bereits in der Planungsphase zu beeinflussen oder eben den Überraschungseffekt mit einzubeziehen.

Das eigene Fotolabor – die analoge Konsequenz

Wird der Gedanke der analogen Fotografie konsequent zu Ende gedacht, kommt die Frage nach dem eigenen Fotolabor fast schon zwangsläufig mit ins Spiel. Selbstverständlich gehört eine ordentliche Portion Enthusiasmus dazu, sich für das eigene Labor zu entscheiden, Kosteneinsparungen spielen dabei allenfalls eine Nebenrolle.

Nach wie vor dürfte das S/W-Labor am weitesten verbreitet sein, zum einen, weil die Investitionen insgesamt relativ überschaubar sind, zum anderen, weil die Filmentwicklung selbst sowie das Vergrößern von Abzügen viele Optionen der Einflussnahme ermöglichen. Hierbei schwingt immer auch ein wenig Nostalgie mit, da sorgfältig komponierte und vergrößerte S/W-Bilder einen ganz eigenen Reiz ausstrahlen, als kämen sie aus einer längst vergangenen Zeit.

Um ein eigenes Fotolabor einzurichten, bedarf es nicht zwingend einen separaten Raum: Wichtig ist zunächst einmal, dass ein Wasseranschluss vorhanden ist, egal ob hier das heimische Bad oder die Waschküche in die engere Auswahl kommen. Ein weiteres Kriterium ist, dass der Raum komplett abgedunkelt werden kann, von Außen per Rollladen, von innen durch das Abhängen der Fensterflächen und Türspalten etwa mit schwarzen Tüchern. Geht es um das Equipment, benötigen Sie ntaürlich auch das entsprechende Zubehör – von den Chemikalien bis hin zu Schaltuhren.

Farbe vs. S/W – die unterschiedlichen Prozesse

Grundsätzlich gibt es drei unterschiedliche Prozesse, um Filme im eigenen Fotolabor zu entwickeln, die sich jeweils an dem verwendeten Material orientieren:

  • S/W-Prozess
  • C-41 für Farbnegativ-Filme
  • E-6 als Standardprozess für Dia-Umkehrfilme (Alternativ CR-56 von Fuji oder AP-44 von Agfa)

Für alle genannten Prozesse gilt, dass das Wechseln des Filmmaterials in die Entwicklerdose bei absoluter Dunkelheit durchgeführt werden muss. Wer dabei auf Nummer Sicher gehen möchte, wird für diesen Vorgang zusätzlich einen Film-Wechselsack verwenden, um Einflüsse durch das Tageslicht vollkommen auszuschließen.

Am einfachsten zu handhaben ist nach wie vor die Entwicklung von S/W-Filmen, was vor allem an der größeren Toleranz in Bezug auf Entwicklungstemperatur- und Zeit liegt. Im Prinzip sind neben den Chemikalien eigentlich nur eine Entwicklungsdose, die passende Filmspirale sowie eine Kaskade und Filmklammern, um den Film nach der Entwicklung effektiv zu wässern, vonnöten. Für die Zeitmessung kann hier eine normale Stoppuhr verwendet werden oder auch ein Smartphone mit entsprechender Funktion.

Gezielt Effekte und Verfälschungen hervorrufen

Erfahrene "Laboranten" schätzen bei allen drei Verfahren die Möglichkeit, gezielt Effekte durch Verfälschungen der Prozesse hervorzurufen. Zum Beispiel kann es interessant sein, einen Dia-Farbilm-Film in einem C-41-Prozess zu entwickeln oder umgekehrt – dabei handelt es sich letztlich um die sogenannte Cross-Entwicklung. Allgemein empfohlen wird, einen Diafilm zu crossen, da hier die Effekte deutlich interessanter sind: Es entstehen härtere Kontraste, zum Teil knallige Farben und eine gröbere Körnung. Wird ein Negativ-Film im E-6-Verfahren entwickelt, stehen vor allem Farbstiche im Vordergrund. Nachfolgend noch zwei weitere experimentelle Techniken:

Das Pushen: Eine Technik, die vor allem in S/W-Bereich angewendet wird, aber auch bei den Farbfilmen möglich ist. Es handelt sich dabei um eine gezielte Veränderung des ISO-Wertes, der die Empfindlichkeit angibt. Es erfolgt eine Unterbelichtung, die durch eine Verlängerung der Entwicklungszeit kompensiert wird. Das Ergebnis sind stärkere Kontraste, intensivere Farben und eine kräftigere Körnung.

Das Pullen: Hier wird der entgegengesetzte Weg eingeschlagen, indem der Film beim Fotografieren durch die Veränderung des ISO-Wertes überbelichtet und die Entwicklungszeit entsprechend verkürzt wird.

Wie Sie sich mit Schaltuhren die Arbeit im Fotolabor erleichtern

Im Gegensatz zu Schaltuhren für den normalen Hausgebrauch sollten Schaltuhren für das Fotolabor in Bezug auf den Bedienkomfort anderen Ansprüchen gerecht werden: Ein einfacher Drehregler zur Einstellung der Zeit ist nach wie vor wohl die beste Lösung. Alternativ lassen sich die Eingaben bei Digitalmodellen über größere Druckknöpfe ebenfalls noch sehr bequem einstellen.

Beim C-41- und E-6-Prozess führen Fehler deutlich schneller zu unerwünschten Ergebnissen. Empfehlenswert ist der Einsatz von Entwicklungsmaschinen, die eine gleichmäßige Rotation der Entwicklungstrommel gewährleisten ebenso wie die Konstanz der Temperatur. In Verbindung mit einer Schaltuhr lässt sich der gesamte Prozess sehr exakt entsprechend den jeweiligen Anforderungen durchführen, in den Entwicklungsmaschinen selbst ist diese zumeist bereits integriert. Beide Prozesse lassen sich wie die S/W-Filmentwicklung auch von Hand realisieren, was allerdings viel Erfahrung voraussetzt, um die Temperaturen im exakten Bereich zu halten.

Reine Fotolabor-Schaltuhren sind mit Einstellungsmöglichkeiten bis 99 Sekunden nicht geeignet: Die Gesamtdauer für die Entwicklung von Farbfilmen mit den verschiedenen Bädern liegt insgesamt zwischen 24 Minuten und 32 Minuten. Im Prinzip kommt man gut mit einer normalen Stoppuhr zurecht, die auf die gesamte Laufzeit eingestellt wird. Was man jetzt natürlich wissen muss ist, welche Bäder in welcher Reihenfolge fällig sind, bei dem E-6-Originalprozess zum Beispiel sieben verschiedene. Im Gegensatz dazu sind es bei der S/W-Filmentwicklung nur vier Schritte: Entwicklung, Zwischenwässerung, Fixierbad und die Schlusswässerung, um Chemikalienreste auszuspülen.

Von der Filmentwicklung zur Fertigung von Abzügen

Gerade im S/W-Labor kommt der Zeitschaltuhr eine größere Bedeutung zu, da über diese das Vergrößerungsgerät genau gesteuert werden kann: Man muss sich der richtige Belichtungszeit in Kombination mit der gewählten Blendenöffnung Schritt für Schritt annähern. Das bedeutet, dass man die Schaltuhr immer wieder neu einstellen muss, um sich über Belichtungsstreifen das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Zudem ist die Schaltuhr auch dann wichtig, wenn man einen Abzug mehrfach möglichst identisch reproduzieren möchte. Erfahrene Anwender wissen jedoch, dass sich der Entwickler erschöpft, je mehr Bilder vergrößert werden, was sich am Ende auch auf die Belichtungszeit auswirkt.

Diese Funktionen sollte eine Schaltuhr auf jeden Fall haben

  • Zeitablauf rückwärts
  • Rücksetzung auf den Startpunkt
  • Stopptaste
  • Dauerlichttaste

Es gibt zudem noch Schaltuhren in Kombination mit einem Belichtungsmesser, die die Arbeit bei richtiger Anwendung zusätzlich erleichtern können, speziell bei der Fertigung von Farbabzügen. Im S/W-Bereich funktioniert die Annäherung an die richtige Kombination zwischen Blendenöffnung und Belichtungszeit wie gesagt wohl immer noch am besten über Belichtungsstreifen: Mit unveränderter Blende wird ein Stück Fotopapier etwa von Ilford stufenweise mit drei bis fünf unterschiedlichen Zeiteinstellungen belichtet, entwickelt und im Anschluss beurteilt.

Schaltuhren in ihren verschiedenen Variationen sind zwar nicht unentbehrlich, können die Arbeit im Labor jedoch wesentlich erleichtern, vor allem bei der Fertigung von Papierabzügen – genau genommen handelt es sich also um Belichtungs-Schaltuhren. Für den Prozess der Filmentwicklung, ob Farbe oder S/W, sind diese nicht gedacht, hier erfüllen normale Stoppuhren den Zweck. Was auf jeden Fall mit ins eigene Fotolabor gehört, ist der persönliche Enthusiasmus und die Freude am Selbermachen.

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