Inkontinenz

Aufrufe 6 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war

Inkontinenz ist das Unvermögen, Harn und/oder Stuhlabgang willkürlich zu kontrollieren.
                                            
Ursache einer Inkontinenz können Fehlbildungen bzw. verschiedene Krankheits- oder Verletzungsfolgen sein.


HARNINKONTINENZ:
                                              
Harninkontinenz tritt in verschiedenen Arten auf (Definition nach der ICS, International Continence Society):

Streßinkontinenz:

Harnabgänge ohne vermehrten Harndrang bei körperlicher Belastung wie Husten, Niesen, Lachen, Treppensteigen und schwerem Heben. Die Blasenmuskelaktivität ist normal. Es besteht meist eine Beckenbodenschwäche aufgrund morphologischer Veränderungen, so dass die Drucktransmission auf die Harnröhre und deren Verschlussmechanismus aufgrund der Senkung und der morphologischen Veränderungen nicht mehr effizient genug sind.

Dranginkontinenz: (Urge-Inkontinenz), motorisch:

Es kommt zu unwillkürlichen Harnabgängen in Verbindung mit zwanghaft gesteigertem Harndrang und messbarer Hyperaktivität des Blasenmuskels. Bei Einsetzen der Blasenmuskelkontraktion ist eine willentliche Unterdrückung nicht mehr möglich.

Dranginkontinenz: (Urge-Inkontinenz), sensorisch:

Es kommt zu zwanghaftem Harndrang, dem nachgegeben werden muss. Bei der Blasendruckmessung sind keine ungehemmten Detrusoraktivitäten nachweisbar.

Reflexinkontinenz:

Ähnlich der motorischen Urge-Inkontinenz, das Gefühl für den Harndrang fehlt allerdings. Die Ursache ist immer neurogen und beruht auf einem pathologischen spinalen Reflex, häufig
im Verbund mit paradoxer Schließmuskelreaktion.

Überlaufinkontinenz:

Fehlendes oder vermindertes Harndranggefühl. Bei Überschreiten der Maximalkapazität kommt es zur gewaltsamen Öffnung des Blasenauslasses und zur Entleerung, bis der Blaseninnendruck wieder unter den Verschlussdruck absinkt. Tritt häufig nach langfristig wirksamer Obstruktion (siehe auch motorische Urge-Inkontinenz) sekundär auf, wenn eine myogene Schädigung bei chronisch überdehntem Detrusor manifest wird. Auch neurogen bei Schädigung des sakralen Miktionszentrum oder peripher. Nicht selten auch medikamentös bedingt (Arzneimittel-Nebenwirkung).

Extraurethrale Harninkontinenzformen:

Treten meist als angeborene Missbildungen auf oder im Falle von harnabsondernden Fisteln als Folge operativer oder entzündlicher Ereignisse.

Vor der Dauerversorgung mit Inkontinenzhilfen ist eine fachärztliche (urologische, gynäkologische) Abklärung anderer Therapiemöglichkeiten unbedingt erforderlich.

Hilfsmittel zur Urin-Inkontinenzversorgung sollen Harnausscheidungen auffangen, möglichst hautfern ableiten und speichernd sammeln, um Infektionen und Hautläsionen und sonstige Störungen zu verhindern.

Diese Produkte lassen sich in zwei wesentliche Gruppen einteilen:

Aufsaugende Versorgung

Produkte dieser Gruppe saugen Körperausscheidungen auf und sollen dadurch eine Dauerbefeuchtung der Haut im Anwendungsbereich vermeiden. Geeignet sind Produkte, die körpernah getragen werden und dabei eine feuchtigkeitsdichte Abschlussschicht an der Haut abgewandten Seite haben. Die Produkte selbst gibt es als

- Vorlagen,
- Windelhosen.

Dazu gibt es sogenannte

- Netz- oder Fixierungshosen (für Vorlagen),
- ferner die Befestigung von Windelhosen durch Klebestreifen.


Ableitende Versorgung                                   

Produkte dieser Gruppe leiten die Körperausscheidung Harn direkt oder über Verbindungsschläuche in entsprechende Auffangbeutel o.ä. Zu ihnen gehören u.a.:                  

- Katheter verschiedener Art
- Urinalkondome verschiedener Art in Verbindung mit
  - Auffangbeutel, mit Schlauch, verschiedene Systeme
  - Urinalbandagen (Tragevorrichtung)

Die Urinauffangbeutel und -schläuche sind mehrheitlich auch mit entsprechenden Kathetern verwendbar.


Stuhlinkontinenz:

Die Stuhlinkontinenz beruht ebenfalls auf einer direkten oder indirekten Störung der analen Schließmuskelfunktion verschiedenen Grades. Üblich ist das Auffangen des Stuhles in Vorlagen oder Windelhosen. Da bei derartigen Versorgungen immer mit Geruchsbelästigung und Störung des Gehens/Laufens gerechnet werden muss, sind Verschlussversorgungen konzipiert worden.


Leistungspflicht der GKV:

Die Verordnung von Inkontinenzhilfen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung kommt dann in Betracht, wenn

- diese in direktem Zusammenhang mit der Behandlung einer Krankheit (bei Harn- oder/und Stuhlinkontinenz, z.B. im  Rahmen einer Dekubitusbehandlung oder bei Dermatosen) not-  wendig werden oder

- neben der Harn- oder/und Stuhlinkontinenz so schwere   Funktionsstörungen (z.B. 
  Halbseitenlähmung mit Sprachverlust) vorliegen, dass ohne Einsatz von Inkontinenzhilfen
  der Eintritt von Dekubitus oder Dermatosen droht, der Betroffene die Harn- und/oder
  Stuhlabgabe nicht kontrollieren und sich insoweit auch nicht bemerkbar machen kann
  oder

- nur durch den Einsatz von Inkontinenzhilfen das allgemeine Grundbedürfnis einer
  Teilnahme am gesellschaftlichen Leben befriedigt werden kann. Voraussetzung hierfür ist
  jedoch eine "aktive Teilnahme" am gesellschaftlichen Leben. Eine "aktive Teilnahme" am 
  gesellschaftlichen Leben  liegt vor, wenn der Versicherte - ggf. unter Zuhilfenahme  von
  Mobilitätshilfen - in die Lage versetzt wird, seine Mobilität zu aktivieren und ihm damit eine
  von Pflegekräften nicht ständig überwachte Alltagsgestaltung ermöglicht wird.

Ist eine der o.g. Voraussetzungen erfüllt, besteht die Leistungspflicht unabhängig davon, ob sich der Betroffene in häuslicher Umgebung aufhält oder in einem Alten- oder Pflegeheim untergebracht ist.

Die Notwendigkeit einer Inkontinenzversorgung sollte in regelmäßigen Abständen (3 - 6 Monate) vom behandelnden Arzt oder dem Medizinischen Dienst überprüft werden. Dies ist erforderlich, damit es nicht zu einer routinemäßigen Hilfsmittelversorgung beim einzelnen Patienten kommt.

Insbesondere bei einer über einen längeren Zeitraum notwendigen Versorgung mit Inkontinenzhilfen sind unter Berücksichtigung des Wirtschaftlichkeitsgebotes des § 12 SGB V alle in Frage kommenden Einsparmöglichkeiten (z.B. Direktbezug) zu nutzen.

Ausschließlich der Erleichterung hygienischer und pflegerischer Maßnahmen dienende Inkontinenzhilfen begründen keine Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung. (Siehe Pflegehilfsmittel im Rahmen der Pflegeversicherung)

Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn aufgrund des körperlichen oder geistigen Zustands dauernde Bettlägerigkeit vorliegt und Inkontinenzhilfen, abgesehen von den zuvor be-
schriebenen medizinischen Indikationsstellungen (Dekubitusbehandlung und -prophylaxe), allein aus hygienischen oder pflegerischen Gesichtspunkten zum Einsatz kommen.

Da Krankenunterlagen nicht körpernah (direkt am Ausscheidungsort) wirken, können sie nicht der Produktgruppe "Inkontinenzhilfen" zugeordnet werden. Die Voraussetzungen für
eine Verordnung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung sind in der Produktgruppe "Krankenpflegeartikel" definiert.

Ebenfalls gelten Vorlagen, die der Hygiene dienen (i.S. der Monatsbinden), nicht als Inkontinenzhilfen. Sie dienen mehr einem persönlichen Sicherheitsbedürfnis, dessen Befriedigung evtl. die Einleitung einer gezielten Diagnostik und Therapie verhindert oder verzögert. Sie dienen im übrigen eher dem Schutz der Kleidung, da bei geringen Urinmengen sekundäre Hautveränderungen nicht zu erwarten sind.

Penistaschen verfügen ebenfalls nur über eine zu geringe Saugleistung und stellen daher keine adäquate Inkontinenzversorgung dar.

Es entspricht durchaus der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Kinder bis zum dritten Lebensjahr mit Windeln versorgt werden. Daher besteht grundsätzlich bis zu diesem Lebensalter keine Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung.

Versorgungssets für die ableitende Inkontinenzversorgung sind dann zu Lasten der GKV verordnungsfähig, wenn das Set aus zugelassenen Produkten besteht. Für die Abrechnung sind die Pos.-Nr. der zugelassenen Einzelprodukte anzugeben. Nicht zugelassene Teile eines Sets können nicht zu Lasten der GKV verordnet werden. Sofern ein Set aus Hilfsmitteln
und Verbandsstoffen besteht, gelten die üblichen Regelungen.


Querverweise:

Krankenunterlagen: siehe PG 19 "Krankenpflegeartikel"

Urostomieversorgung: siehe  PG 29 "Stomaartikel"

Elektrostimulationsgeräte bei Inkontinenz: siehe PG 09
"Elektrostimulationsgeräte"

Siehe auch "Pflegehilfsmittelverzeichnis"

Indikation:
Blasen- oder/und Darminkontinenz durch z.B.:

- Angeborene Fehlbildungen
- Lähmungen bei Apoplexie                                 
- Paraplegie
- Tetraplegie                                             
- tumoröse Funktionsstörungen                            
- Zentrallähmungen oder Bewußtseinstörungen           
- Vigilanzstörungen                                     
- Lähmungen sonstiger Genese                              
- sonstige Erkrankungen der ableitenden Harnorgane
- Funktionsstörungen Beckenbodenmuskulatur
                                                           
                                                           
                                                           
                                                           
                                                           
                                  

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden