Industrieware oder traditionelle Handarbeit? Ratgeber für den Kauf einer Violine

Aufrufe 2 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Industrieware oder traditionelle Handarbeit? Ratgeber für den Kauf einer Violine

Die Violine oder auch Geige ist eines der beliebtesten und vielseitigsten Instrumente. Im Orchester ist die Violine unverzichtbar, auch in Streichquartetten und kleineren Ensembles schätzt man den vielseitigen Klang des Instruments. Dabei ist die Violine nicht nur ein reines Instrument für das Orchester. Auch Solisten können sich mit der Geige virtuos austoben und das Publikum entzücken. In der großen Auswahl an diesen Instrumenten finden sich viele verschiedene Violinen, die sich teilweise erheblich im Preis unterscheiden. Wollen Sie sich eines dieser beliebten Streichinstrumente kaufen, so schauen Sie sich in der großen Auswahl von eBay um.

Geschichtliches zur Violine

In Europa sind seit dem 11. Jahrhundert die Fidel und die Rebec bekannt, die Vorläufer der heutigen Violinen sind. Die Modellvorbilder für die heutigen Geigen stammen aus Oberitalien. Im 16. Jahrhundert gab es zahlreiche berühmte Geigenbauer in Italien, darunter Andrea Armati, Antonio Stradivari und Gasparo da Salò. Besonders die Violinen von Stradivari wurden später zum großen Vorbild beim Instrumentenbau, was zu einer sehr starken Vereinheitlichung der Bauweise führte. Etwas ältere Geigen werden meist als Barockviolinen bezeichnet und hauptsächlich für historische Aufführungen von alter Musik verwendet. Im 19. Jahrhundert veränderte sich die Bauweise der Violine wesentlich. Der Hals wurde länger und der Bassbalken verstärkt. Durch den etwas schrägeren Ansatz des Halses verstärkte sich die Spannung der Saiten. Durch diese veränderte Bauweise wurde das Instrument lauter. Diese Anpassungen waren durch die immer größer werdenden Orchester und Konzertsäle notwendig geworden.

Aufbau und Funktionsweise der Violine

Den größten Teil der Violine nimmt der Resonanzkörper ein, der für die Verstärkung des Klangs zuständig ist. Oben am Korpus ist der sogenannte Hals befestigt, der zum einen als Griff dient. Außerdem werden daran die vier Saiten befestigt, die fast über die komplette Länge des Instruments gezogen sind. Seitlich am Hals befinden sich die Stimmwirbel, mit denen Sie ähnlich wie bei einer Gitarre die Spannung der Saiten verändern können. Dadurch wird die Tonhöhe der einzelnen Saiten angepasst. Eine Geige besitzt üblicherweise vier Saiten mit den Tönen g, d, a und e. Wenn Sie mit dem Bogen über eine Violinsaite streichen, bleibt dieser aufgrund seiner Struktur immer wieder an der Saite hängen. Die Saite wird somit in Schwingung versetzt, diese wird anschließend auf den Steg und von dort in den Korpus übertragen. Im Resonanzkörper wird die Schwingung verstärkt und über die F-Löcher tritt der Ton nach außen. Mit den Fingern können Sie den Teil der Saite, der in Schwingung versetzt wird, verkürzen und so den Ton anpassen.

Verschiedene Größen bei den Violinen

Wie bei anderen Streichinstrumenten, gibt es auch bei der Violine unterschiedliche Größen. Sie werden in der Regel als Bruchteile einer Violine in voller Größe angegeben. Eine Geige mit normaler Größe wird auch 4/4-Geige genannt, kleinere Größen sind beispielsweise die 1/2-Geige und die 3/4-Geige. Die Bezeichnungen können aber etwas irreführend sein, da eine 1/2-Geige nicht halb so groß ist wie eine ganze Violine, sondern lediglich 12 % kleiner. Eine 3/4-Geige ist dagegen um etwa 6 % kleiner. Die richtige Größe hängt nicht vom Alter oder der Erfahrung ab, sondern rein von der Körpergröße des Spielers. Eine Faustregel besagt, dass die Finger der ausgestreckten linken Hand um die Schnecke der Geige herum reichen sollten. Wenn Ihr Kind also Violine lernen will, sollten Sie unbedingt zuerst überprüfen, welche Größe die richtige ist. Bei den kleineren Violinen macht es im Allgemeinen eher wenig Sinn, richtig viel Geld auszugeben. Zu schnell kann das Instrument für Ihr Kind zu klein werden und ein größeres Modell wird benötigt. Natürlich sollten Sie auch bei den kleineren Violinen nicht zu sehr geizen und kein qualitativ minderwertiges Modell kaufen, sonst kann Ihr Kind recht schnell die Motivation beim Lernen verlieren. 

Wichtige Qualitätsmerkmale bei Violinen

Bei einer Violine tragen viele verschiedene Faktoren zu einem guten Klang und guten Spieleigenschaften bei. Beachtenswert ist dabei zum einen die richtige Saitenlage. Ist diese zu hoch, müssen die Saiten weiter heruntergedrückt werden, was den Kraftaufwand erhöht. Bei zu flacher Saitenlage beginnen die Saiten, unschön zu schnarren. Auch auf die Qualität des Stegs sollten Sie achten, da dieser den Klang wesentlich beeinflusst. Die Stegfüße sollten vollflächig auf der Decke aufliegen und auch die Neigung des Stegs muss genau richtig sein. Besonders bei Anfängerinstrumenten sollte die Wölbung nicht zu flach sein, ansonsten besteht die Gefahr, zwei Saiten gleichzeitig zu streichen. Die Saiten werden durch die Wirbel in Position gehalten. Wenn diese richtig eingefasst sind, hält die Stimmung deutlich länger. Ansonsten verstellen sich die Saiten allzu schnell und Sie müssen das Instrument häufiger nachstimmen. Zu schwergängig sollten die Wirbel aber auch nicht sein, sonst wird das Stimmen erschwert. Sowohl für die Wirbel als auch für das Griffbrett eignet sich vor allem Ebenholz als Material, da es robust und verschleißfest ist. Das Griffbrett sollte außerdem möglichst eben sein.

Die äußere Verarbeitung einer guten Geige ist makellos, es gibt keine scharfen Kanten an den Leimstellen. Besonders bei älteren handgefertigten Instrumenten entstehen im Laufe der Zeit natürlich kleinere äußerliche Makel, solange diese aber das Spielgefühl und den Klang nicht beeinträchtigen, ist das halb so schlimm. Oft werden neu produzierte Violinen künstlich alt gemacht, indem beispielsweise der Lack beschädigt wird oder ein paar Kratzer erzeugt werden.

Das Holz der Violine – wichtigstes Material und ausschlaggebend für die Qualität

Eine Violine besteht zum großen Teil aus Holz, deswegen ist das verwendete Holz ein entscheidender Faktor, was den Klang und die Qualität des Instruments betrifft. Bei den Violinen gibt es Exemplare, die aus Massivholz gefertigt sind, während andere aus gesperrtem Holz bestehen. Massive Instrumente sind in der Regel hochwertiger und klingen besser. Allerdings sind die Herstellungskosten und deshalb auch der Preis höher. Es gibt zudem Violinen, bei denen beispielsweise die Decke aus Massivholz ist, Boden und Seiten dagegen aus Sperrholz. Für die Decke wird üblicherweise Fichtenholz verwendet, da es ein gutes Schwingungsverhalten besitzt. Der Boden und die Zargen sind häufig aus Ahornholz, welches wesentlich härter als Fichtenholz ist.

Industriell gefertigte Geigen – günstig und nicht immer minderwertig

Dank moderner Produktionstechniken können Violinen bereits recht günstig produziert werden. Waren früher viele Stunden Handarbeit und enorme Exaktheit notwendig, erledigt heutzutage vieles die Maschine. Besonders aus Asien kommen viele verlockend günstig erscheinende Violinen. Dass diese prinzipiell schlecht sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Es gibt inzwischen sehr gute Instrumente aus China, Taiwan oder Südkorea, deren günstiger Preis von den Kostenvorteilen bei der Massenproduktion herrührt. So können Sie durchaus auch Glück haben und mit einer Violine aus Fernost ein echtes Schnäppchen machen. Auch in Deutschland gibt es viele industriell gefertigte Modelle, deren Qualität sich auf den ersten Blick nicht immer leicht beurteilen lässt. Allein durch den Preis lässt sich leider eher selten auf die Qualität schließen. Es gibt sowohl gute und günstige als auch teure, aber minderwertige Violinen. 

Der größte Vorteil von industriell gefertigten Instrumenten ist sicherlich der Preis. Durch die Produktion von großen Mengen lassen sich die einzelnen Violinen deutlich günstiger herstellen. Beim Kauf sollten Sie aber auf die oben genannten Qualitätsmerkmale achten, um nicht ein minderwertiges und schlecht klingendes Instrument zu erwerben. Mitunter wird bei minderwertigen Violinen besonders auf tolles Aussehen geachtet, damit die mangelnde Qualität in den Hintergrund tritt. Deshalb sollten Sie sich nicht blenden lassen und nicht von der Optik auf die Qualität der Violine schließen.

Handgefertigte Violinen – deutlich höherer Preis

Violinen, die in reiner Handarbeit hergestellt werden, kosten in der Herstellung natürlich deutlich mehr als Industrieware. In vielen Stunden Arbeit fertigt der Geigenbauer das Instrument selbstständig an. Neben den verwendeten Materialien ist allein das Geschick des Geigenbauers für die Qualität des Instruments verantwortlich. Kleine Fehler können bereits einen deutlich schlechteren Klang bewirken. Gute Geigenbauer haben sich über Jahre hinweg das nötige Know-how erarbeitet und wissen ganz genau, worauf es bei der Produktion ankommt. Oftmals steht allein der Name des Geigenbauers schon für Qualität und hohen Wert der Instrumente. Ein Beispiel ist der italienische Geigenbauer Stradivari, dessen Instrumente nach Hunderten von Jahren immer noch zu den gefragtesten gehören.

Auch wenn das Preisniveau von den handgefertigten Modellen üblicherweise deutlich über dem von Industrieware liegt, lässt sich keine allgemeingültige Aussage über die Qualität treffen. Bei unsachgemäßer Herstellung, bei falscher Lagerung oder der Verwendung von schlechten Materialien können auch teure Violinen aus Handarbeit schlecht klingen oder minderwertig verarbeitet sein. Wer solistische Ambitionen hegt, in einem renommierten Orchester spielt oder Berufsgeiger ist, kommt allerdings um Violinen aus Handarbeit kaum herum. Für den Kauf müssen Sie auf jeden Fall dann das nötige Kleingeld bereithalten. Ein Vorteil der hochpreisigen Instrumente ist allerdings, dass der Wert relativ konstant bleibt. Eine sehr gute Violine können Sie deswegen durchaus auch als Geldanlage betrachten, bei richtiger Behandlung sinkt der Wert auch über Jahre hinweg nicht. Dies gilt bei Violinen in unteren Preisklassen nicht, hier verlieren die Instrumente recht schnell an Wert. 

Passendes Zubehör für die Geige

Während Sie bei industriell gefertigten Instrumenten häufig bereits einen passenden Bogen dazubekommen, müssen Sie besonders bei Violinen aus Handarbeit oft den Geigenbogen separat erwerben. Vor dem Spielen müssen Sie die Haare Ihres Bogens mit Kolophonium präparieren, damit die Saiten richtig auf das Streichen mit dem Bogen reagieren. Durch einen Geigenkoffer wird das empfindliche Instrument vor äußeren Einflüssen geschützt. Sollte bei Ihrer Geige kein Koffer mitgeliefert werden, können Sie problemlos auch ein passendes Modell einzeln erwerben. Ein Stimmgerät ist ein praktisches Hilfsmittel zum Stimmen der Saiten. Natürlich benötigen Sie zum Spielen auch geeignete Noten für die Violine, die für Anfänger, Fortgeschrittene und Könner in großer Auswahl erhältlich sind. 

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden