In- und outdoor: Blitzgeräte für jeden Einsatzzweck

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In- und outdoor: Blitzgeräte für jeden Einsatzzweck

Für ambitionierte Hobbyfotografen oder Fotografieliebhaber im semiprofessionellen Segment reicht oft der Blitz der kompakten Autofokus- und Systemkameras nicht aus. Selbst das integrierte Blitzlicht bei den naturgemäß teureren Spiegelreflexkameras stößt schnell an seine Grenzen, wenn es nicht mehr nur der übliche Schnappschuss bei schlechten Lichtverhältnissen sein soll. Das Ergebnis sind entweder unterbelichtete Aufnahmen oder solche, bei denen die Ausleuchtung schlichtweg nicht den Erwartungen entspricht. Systemblitze verschiedener Hersteller wie Sigma, Cullmann oder Metz schaffen Abhilfe.

Realistisch blitzen nur mit System- und Spiegelreflexkameras

Ihre Freunde stehen nach einem gelungenen Urlaubstag am Strand, die Sonne geht langsam unter, und Sie möchten diese schöne Szene festhalten. Wenn Sie nun mit Ihrer digitalen Autofokuskamera versuchen, sowohl Freunde als auch Sonnenuntergang zu fotografieren, so stoßen Sie schnell an die Grenzen. Entweder schluckt das intensive Gegenlicht des Sonnenuntergangs Teile des Blitzlichts und Ihre Freunde stehen komplett im Dunkeln, oder die Gesichter und helle Kleidung der Personen strahlen später auf dem Bild unangenehm hell, da sie stark reflektieren. Auch der berühmte „rote Augen"-Effekt und zu harte Schattenwürfe sind unangenehme Nebeneffekte, die schnell das perfekte Urlaubsbild verderben. Die Lösung stellen hier externe Blitzgeräte dar. Doch leider bieten Autofokuskameras nur sehr selten einen sogenannten Systemschuh. Dabei handelt es sich um eine standardisierte Einschubvorrichtung an der Oberseite von digitalen und analogen Kameras, die zur Aufnahme von Zubehör dienen, wobei das in den meisten Fällen ein Systemblitz ist. Alle Kameras, die einen solchen Systemschuh besitzen, können folglich mit einem externen Blitz ausgestattet werden.

Da kompakte digitale Kameras in der Regel keinen Systemschuh besitzen, müssen Sie zumindest auf Systemkameras oder eine Spiegelreflexkamera zurückzugreifen. Während alle Spiegelreflexkameras über diese technische Ausstattung verfügen, kann immerhin ein Großteil der Systemkameras einen externen Blitz aufnehmen.

Selbstverständlich gibt es bei der Auswahl des geeigneten Blitzgerätes für Sie bestimmte Dinge zu beachten. Dazu sollten Sie sich mit den Grundsätzlichkeiten der Blitzlichtfotografie vertraut machen.

Grundlagen für gute Fotos: Den Blitz verstehen

Um die Vorteile externer Systemblitze zu nutzen, müssen Sie die Technik dahinter verstehen. Üblicherweise verfügen Blitzgeräte über einen schwenkbaren Reflektorkopf, der es ermöglicht, das für einen Bruchteil einer Sekunde ausgestrahlte Licht zu lenken. Damit können Sie zum einen natürlich das Motiv direkt anstrahlen, haben aber zum anderen auch die Möglichkeit, die Umgebung des Motivs auszuleuchten.

Ebenso vielfältig sind die Möglichkeiten, die Lichtmenge, Lichtintensität und den Winkel des Lichts zu steuern. Nicht nur der Reflektorkopf, sondern auch aufsetzbare Filter, die das aggressive Licht weicher werden lassen, oder Scheiben zur Begrenzung oder Erweiterung der Lichtstreuung bieten Ihnen vielfältige Optionen.

Der einfachste Einsatz des Blitzes findet über den Automatikbetrieb statt. Dabei erfasst ein Lichtsensor am Blitz die einfallende Lichtmenge. Ist diese zu gering, werden der Blitz zugeschaltet und Blende sowie Verschlusszeit in Abhängigkeit mit den Kameraeinstellungen automatisch eingestellt.

Wenn Sie sich mit den Grundlagen der Fotografie schon auskennen und bevorzugen, die Blende und Belichtungszeit an Ihrer Kamera manuell einzustellen, dann ist es ratsam, auch den Blitz manuell zuzuschalten. Dabei müssen Sie jedoch beachten, dass der Blitz üblicherweise mit der vollen Lichtleistung arbeitet. In der Regel können Sie diese über das Blitz- oder Kameramenü allerdings drosseln. Ein Vorteil ist jedoch, dass Sie auch mehrfach Blitzen können. Dazu sollten Sie die Blende und Verschlusszeit Ihrer Kamera manuell auf hohe Werte einstellen und den Blitz mehrfach manuell betätigen. So können Sie selbst große Räume wie Hallen oder Kircheninnenräume perfekt ausleuchten.

Eine sehr effektive Methode, ein Blitzgerät zu benutzen, ist der TTL-Blitzbetrieb. TTL steht für „through the lens" – also durch die Linse. In diesem Fall übernimmt nicht der Lichtsensor des Blitzgeräts, sondern die Kamera die Messung des einfallenden Lichts und die Berechnung der Blitzstärke. Üblicherweise ist diese Einstellung zu empfehlen, da der Lichtsensor der digitalen Kameras zuverlässigere Werte liefert.

Abschließend ist es wichtig, die Leitzahl eines Blitzgeräts zu kennen, um beim Kauf zu entscheiden, wie stark der externe Blitz sein soll. Vereinfacht gesagt drückt die Leitzahl die Stärke des Blitzes aus. Es gilt also die Faustformel: Je weiter das auszuleuchtende Motiv entfernt ist, desto höher muss die Leitzahl sein. Berechnet wird die Leitzahl aus der einzustellenden Blendenöffnung und der Entfernung zum Motiv. Gute Blitzgeräte etwa von Metz, Sigma, Canon oder Nikon bieten mindestens eine Leitzahl von 40 und erfüllen somit leicht den Anspruch für wirklich gute Bilder.

Blitzen in Räumen – direkt oder indirekt?

Wenn Sie sich mit Fotografie auseinandersetzen, die mehr als Momentaufnahmen bietet, dann möchten Sie Ihre Motive auch innerhalb von Räumen perfekt ausleuchten. Während integrierte Blitze von Autofokuskameras meist nur wenige Einstellungen kennen und maximal zur Verhinderung roter Augen vorblitzen können, bieten komplexe Systemblitzgeräte für Spiegelreflex- und Systemkameras viele weitere Möglichkeiten.

Nachdem Sie das Motiv in Szene gesetzt haben, ist es wichtig, sich darüber bewusst zu werden, wie die Lichtverhältnisse im Raum sind und welchen Effekt Sie später auf dem fertigen Foto sehen möchten. Die Gefahr, das Motiv zu stark auszuleuchten, besteht mit einem Systemblitz bei den richtigen Vorkehrungen nicht. Mit einem fest installierten Blitz leuchten Sie immer direkt auf das Motiv, da Blitz- und Fotorichtung identisch sind. Ein Systemblitz ist aber durch seinen schwenkbaren Reflektorkopf in der Lage, das Licht am Motiv vorbei zu lenken. So fällt nur eine gewisse Lichtmenge auf das Motiv.

Damit ist es nicht nur möglich, zu dunkle Räume angenehm auszuleuchten, sondern auch bei bestehendem Licht interessante Effekte zu erzeugen. Sie können also getrost die Stehlampe in der Ecke angeschaltet lassen und ihren angenehmen Schein im Raum bewahren, ohne dass die Person, die Sie fotografieren, durch das Gegenlicht nur noch als dunkle Kontur zu erkennen ist.

Mit ein wenig Übung und einem Grundverständnis für Blitztechnik und vorherrschende Lichtverhältnisse können Sie schnell wesentlich hochwertigere Aufnahmen anfertigen. Die Zeiten, in denen Sie durch direktes Blitzlicht Schatten im Gesicht einer im Portrait festgehaltenen Person produzierten, sind dann vorbei. Richten Sie einfach den Reflektorkopf im entsprechenden Winkel an eine möglichst weiße Decke. Schon ist die Person ohne störende Schlagschatten im Gesicht perfekt in Szene gesetzt, wenn das Licht von der Decke weich reflektiert wird. Sie werden grundsätzlich mit indirektem Blitz die besseren Ergebnisse erzielen.

Außenfotografie – die richtige Licht-/Blitz-Kombination ist wichtig

Natürlich ist es sinnvoll, bei schlechten Lichtverhältnissen, egal ob innen oder außen, den Blitz im entsprechenden Modus zuzuschalten. Aber auch, wenn das Licht augenscheinlich vollkommen ausreichend ist, werden Sie bei Benutzung eines Blitzes oft bessere Ergebnisse bei Außenaufnahmen erzielen. Wenn Sie die Lichtverhältnisse des Tageslichtes mit den Möglichkeiten Ihres Blitzgeräts intelligent verknüpfen, werden Sie in vielen Fällen ein besseres Foto erhalten. Stellen Sie fest, wie die Sonne steht und ob es weitere Lichtquellen wie Scheinwerfer gibt. Es ist wichtig, dass Sie dem natürlichen Lichtverlauf folgen und erkennen, wie die Schatten des Motivs fallen. Steht beispielsweise die Sonne sehr hoch, so wird eine Person gegebenenfalls in ihrem eigenen Schatten stehen und zu dunkel auf dem Bild erscheinen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Gegenlicht herrscht und entweder nur der Hintergrund korrekt belichtet wird oder aber die Person. Durch die Zuschaltung des Blitzes in Abhängigkeit mit Ihren Kameraeinstellungen verhindern Sie diesen Effekt und belichten beides korrekt. Dazu sollten Sie die empfohlene TTL-Methode nutzen und dort den Modus „Aufhellblitz" benutzen. Selbstverständlich können Sie auch Ihren Blitz vollkommen manuell einstellen. Wenn Sie mit der Kamerablende 11 arbeiten, so sollte der Blitz auf den Blendenwert 8 eingestellt werden. An sehr hellen Tagen werden Sie allerdings unter Umständen je nach Location nicht darum herum kommen, einen Studio-Blitz einzusetzen, der eine vielfach höhere Leistung erbringen kann als ein Systemblitz. Diesem sind bei der Leistungsabgabe Grenzen gesetzt.

Ein weiterer, häufiger Anwendungsfall sind Nachtaufnahmen. Starre, einfache Blitze kompakter Kameras bieten hier kaum variable Einstellungsmöglichkeiten. Systemblitze eröffnen Ihnen eine ganz andere Welt. Sie müssen nicht mehr befürchten, dass das Motiv komplett ausgeleuchtet ist, die Umgebung jedoch im Dunkel vollständig verschwunden ist. Dazu wählen Sie am Systemblitz die manuelle Einstellung und verhindern, direkt auf das Motiv zu blitzen. Je höher die Leitzahl des Gerätes ist, desto mehr Fläche werden Sie ausleuchten. Auch hier können schwere und große Studioblitze oder Portys empfehlenswert sein.

Besonders interessant ist auch die Kombination aus Langzeitbelichtung durch die Kamera und Verwendung des Blitzes. Wird über lange Zeit bei feststehender Kamera auf einem Stativ belichtet, ohne einen Blitz zu benutzen, so werden Sie die Scheinwerferspuren eines vorbeifahrenden Autos auf Ihrem Bild sehen. Doch das Auto selbst sehen Sie nicht. Blitzen Sie nun direkt auf das Auto und halten die Verschlusszeit groß, so werden Sie nicht nur die Scheinwerferspuren, sondern auch das Auto selbst abbilden. So entstehen perfekte und effektvolle Nachtaufnahmen.

Entfesselt blitzen wie die Profis

Abschließend soll die Möglichkeit des entfesselten Blitzens beschrieben werden. Dabei haben Sie die Möglichkeit, den Blitz von der Kamera zu entfernen und frei zu positionieren. Ist ein Systemblitz schon etwas für den ambitionierten Hobbyfotografen, so ist das entfesselte Blitzen quasi die Königsklasse. Sie haben hierbei die Möglichkeit, das künstliche Licht von einer beliebigen Position aus auf das Motiv, beziehungsweise indirekt am Motiv vorbei strahlen zu lassen. Das Stichwort lautet hier "gerichtetes Licht". Viele Hersteller, wie zum Beispiel Canon, Cullmann und Nikon, bieten sogar die Möglichkeit, kabellos einen Blitz einzusetzen. Diese in der Fototechnik bahnbrechende Technologie eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, mit Lichteffekten zu arbeiten. Ihrer Kreativität sind beim Einsatz eines guten Systemblitzes keine Grenze mehr gesetzt.

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