Immobilienkauf in Frankreich: pro und contra

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Stellen Sie sich die Frage: „Lohnt sich die Immobilie in Frankreich für mich“? Wertsteigerungen sind erst langfristig zu erwarten, Folgekosten hingegen kommen sofort auf Sie zu. „Das teuerste Hotel kostet weniger als die billigste Immobilie“ (Steuber). Nachrechnen macht nachdenklich: Eine Zweizimmerwohnung in Cannes kostet zum Beispiel soviel, wie 300 bis 500 Übernachtungen in einem der Hotelpaläste der Küste. Wären anderthalb Jahre Carlton oder Negresco nicht angenehmer und ausreichend?

Hier dennoch ein paar Gründe als Appetitanreger:

  • Die Immobilienperlen verschwinden. Herausragende Standorte und außergewöhnliche Objekte gehen an die Vorreiter. Je länger Sie warten, desto weniger Exquisites bleibt übrig. Die Preise für solche Immobilien ziehen an.
  • Die Deutschen sind in Frankreich beliebt. Die beiden Staaten sind so miteinander verwachsen, daß Franzosen es fast schon als unhöflich empfinden, Deutsche als étrangers (Ausländer) zu bezeichnen. Zu Schweizern und Österreichern besteht eine weniger intensive Beziehung - beide Völker treten jedoch auch zahlenmäßig schwächer auf.
  • 2000 kamen nämlich über 15 Millionen Deutsche nach Frankreich. Die Deutschen stellen die meisten der über 70 Millionen Touristen jährlich, die Frankreich zum attraktivsten Urlaubsland der Welt machen, vor Spanien und den USA.
  • Das Land ist nah, die Autobahnen bequem, die Züge schnell, das Flugnetz eng. France Télécom arbeitet mit modernsten Anlagen, einen Anschluß bekommt man in einigen Tagen, auch weitab auf dem Land. Die Mobilfunkunternehmen haben inzwischen auch entlegene Provinzen weitestgehend abgedeckt.
  • Im Vergleich zu anderen Mittelmeeranrainern herrscht politische und wirtschaftliche Stabilität. Kulturangebot und künstlerische Produktion Frankreichs haben Weltrang. Auch wenn die haute culture von Paris ausgeht, bieten die Provinzen ein interessantes Programm.
  • Ähnliches gilt für das Gesundheitswesen: die Universitätskliniken und Hospitäler der großen Städte sind menschlich und technisch auf dem neuesten Stand. Auf dem Land hingegen arbeitet das Tandem Landarzt und mobile Krankenschwester äußerst zufriedenstellend und preisgünstig. Der médecin nimmt derzeit rund 20 €, davon werden 70% erstattet (die restlichen 30% eventuell von einer Zusatzversicherung), die infirmière setzt Spritzen oder wechselt Verbände für cirka 4 €, beide Tarife gelten für Hausbesuche beim Patienten. Wird ein Klinikbesuch notwendig, fährt Sie dahin der örtliche ambulancier, ein privater Krankenfahrer.
  • Das Land ist familienfreundlich. Im Krippen-, Vorschul- und Schulsystem können die Kinder ab dem Babyalter ganztägig und kompetent betreut werden. Das erlaubt mehr Frauen, Berufen nachzugehen. Die Kinderfreundlichkeit Frankreichs spiegelt sich in einer 30% höheren Geburtenziffer als in Deutschland wieder. Frankreich führt 2001 vor Irland die Rangliste der geburtenstärksten Nationen in Europa an (Deutschland: Platz 14).
  • Rohmilchkäse und Rotwein können Sie überall in großer Auswahl und zu vernünftigen Preisen erhalten. Imagekampagnen für Hollandgemüse sind überflüssig. Frisches kommt aus eigener Produktion und reift bei 2.000 bis 3.000 Sonnenstunden pro Jahr in den südlichsten Anbaugebieten.
  • Weniger Menschen steht mehr Grund und Boden zur Verfügung. Das Land ist um die Hälfte größer und hat 40% weniger Einwohner als Deutschland. Die Bevölkerungsdichte beläuft sich auf 106 Einwohner pro Quadratkilometer gegenüber 235 Einwohner pro Quadratkilometer in Deutschland. Zudem ballt sich ein Fünftel der Bevölkerung Frankreichs auf 1/50 der Fläche im Pariser Becken. So bieten die Provinzen - vor allem die Südlichen - noch mehr Lebensraum und günstige Grundstücke; statistisch verfügt jeder Südfranzose über mehr als 2 Hektar Grund.
  • Trotz südlichen Klimas gibt es genug Wasser, wenige provenzalische Flecken ausgenommen.
  • Der Reichtum von über das Land geschütteten Bauwerken ist erstaunlich. Viele überstanden die Kriege der letzten Jahrhunderte unversehrt und warten darauf, wiederhergestellt und belebt zu werden.
  • Die Behörden haben wichtigeres zu tun, als einen Innenausbau zu überwachen. Der Denkmalschutz listet nur 5.500 der über 40.000 französischen châteaus, für die restlichen und die zahlreichen Herrenhäuser und Fermen gibt es keine pingeligen Auflagen. Die meisten Beamten sind umgänglich und hilfsbereit, Alltägliches erledigt der Rathaussekretär.
  • Nachbarschaftliche Beziehungen gestalten sich dank der Weite des Landes und der Mentalität seiner Bewohner entspannt. Überwachung, Streit und Denunziation kommen selten vor, dafür werden Neuankömmlinge freundlich aufgenommen.

Was Sie vielleicht nerven wird!


Einmal in Frankreich ansässig, stoßen einem doch die einen oder anderen nationalen Besonderheiten auf. Hier die Augenfälligsten:

  • Streiks, wenn Sie in Paris arbeiten, von Lille nach Perpignan reisen oder ein wichtiges Paket erwarten! Ansonsten ein eher sympathischer Ausnahmezustand, der zu unverhofften zwischenmenschlichen Annäherungen führt.
  • Der Mehrwertsteuersatz von 19,6%, für lebensnotwendige Produkte wie Lebensmittel gilt ein ermäßigter Steuersatz von 5,5%, für bestimmte Presseerzeugnisse und Medikamente 2,1%.
  • Die Allmacht der Familie Bouygues, der Welt größter Baufirma, auch Eigentümer des führenden Fernsehsenders TF1. Öffentliche Meinungsmacher als öffentliche Auftragnehmer in Sachen Beton, Mobilfunk. Die Bouygues sind natürlich beste Kumpels von Monsieur Sarkozy.
  • Eben dieser!
  • Die 1,5 Millionen Jäger, ein wichtiges Wahlpotential von Familienpatriarchen. Auf der Pirsch im allgemeinen mittwochs und an Wochenenden zwischen September und Februar. Außerhalb der Saison angelt der Jäger. Die Tierwelt teilt er auf in Kategorie a) eßbar und b) seinen Interessen schädlich, worunter selbstverständlich alle natürlichen Feinde der Kategorie a) fallen. Die Adepten der Weltanschauung bewundern große Waidmänner wie den Grafen Clary, der Zeit seines 46-jährigen Lebens immerhin 316.160 Tiere erlegte, darunter 2.256 Raubvögel und einen Schwan.
  • Klebriges Bier (kein Reinheitsgebot, bis zu 60 verschiedene chemische Zusätze)! Nur 26 Brauereien, das Duopol BSN-Danone und Heineken kontrolliert 80% des Ausstoßes.
  • Das Umweltbewußtsein vieler Franzosen, das in dem Klospruch Sauvez un arbre - tuez un castor! (Rettet die Bäume - tötet die Biber!) zum Ausdruck kommt. Ärgerlich:
  • Mineralwasser in Plastikflaschen (160.000 Tonnen Abfall pro Jahr, Recyclingquote 1,5%). Sie liegen überall!
  • Die Abwesenheit von Fahrradwegen und Alltagsradlern im Land der Tour de France.
  • Die Strommasten des staatlichen Stromversorgers EDF (Electricité de France), die kreuz und quer in der Landschaft stehen. Nur 20% der 1,2 Millionen Kilometer Kabel liegen in der Erde. Allerdings ist auch EDF einsichtig geworden; in 2001 wurden 95% der neuen Stromleitungen unterirdisch verlegt.
  • Landwirtschaftliche Nutzbauten aus Blech, Backstein und Eternit - häßlichste Warzen in den schönsten Regionen.
  • Die jährlich wiederauftretenden Waldbrände (über 55.000 seit 1973), oft mutwillig verursacht aus wirtschaftlichen oder landwirtschaftlichen Gründen.
  • Getunte Mofas, die bei bis zu 100 km/h einen ohrenbetäubenden Krach veranstalten (sind Gendarmen taub?). Ein Einziges soll nach Le Monde bei einer Paris-Durchquerung um 4 Uhr morgens eine halbe Million Menschen aus dem Schlaf röhren.
Auszug aus "Frankreichimmobilien ", 4. Auflage.

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