Immer eine Herausforderung: Science Fiction-Rollenspiele stellen hohe Ansprüche an den Spielleiter

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Anspruchsvolle Unterhaltung gesucht? Science Fiction-Rollenspiele stellen hohe Ansprüche an den Spielleiter

Einige Formen von Rollenspielen sind schon bei Kindern sehr beliebt. Hierzu zählen als Beispiele „Mutter-Vater-Kind", „Räuber und Gendarm" oder auch „Cowboy und Indianer". Diese Rollenspiele, die von Kindern ungeplant und in ständig variierenden Szenarien gespielt werden, gehören zu der Gruppe der frei assoziierten und spontanen Rollenspiele. Sie werden während des Spiels selbst mit der Fantasie und geeignetem Spielzeug wie beispielsweise Kaufläden oder Spielzeugwelten wie Playmobil, Lego und anderen von den Spielteilnehmern selbst gestaltet.

Eher für ältere Spieler eignen sich die sogenannten reglementierten Rollenspiele, bei denen für die Spieler feste Spielregeln, Spielpläne oder Drehbücher sowie bestimmte Spielmittel gelten. Unterschieden werden diese Rollenspiele sowohl nach Genre als auch nach Spielweise, den verwendeten Hilfsmitteln und den Darstellungsformen. 

Wichtige Elemente des reglementierten Rollenspiels und mögliche Genres

Wie auch bei den freien Rollenspiel-Varianten bewegen sich die Spieler als fiktive Charaktere in einer erdachten Welt. In dieser erleben sie soziale Situationen respektive Abenteuer, die lediglich durch eine Kombination aus der eigenen Fantasie, derer der Mitspieler und dem zugrunde liegenden Regelwerk strukturiert und begrenzt werden. Die Einhaltung dieser Regeln ist eine der Aufgaben des Spielleiters. Für die Entwicklung der Charaktere der Spieler werden umfassende Talent- oder Fertigkeitensysteme benutzt. Hierdurch werden Werte wie Stärke, Geschicklichkeit, Charisma oder Intelligenz bestimmt, die sich wiederum auf Fähigkeiten wie Reiten, Überreden oder Schwimmen auswirken. Verbessern können die Spieler diese Charakterwerte nach und nach durch den Einsatz von Erfahrungspunkten. Diese werden durch das Bestehen von Abenteuern – sogenannten Quests – gewonnen.

Rollenspiele in unterschiedlichen Genres

Als Hintergrund für die Spielwelt eines solchen Rollenspiels können alle möglichen Genres verwendet werden. Eine große Spielerschaft haben beispielsweise Fantasy-Rollenspiele, die sich in Fantasiewelten abspielen. Aber auch außerhalb des Fantasy-Genres sind durchaus Elemente des Fantastischen in reglementierten Rollenspielen enthalten: So gibt es auch in Science Fiction sowie den Unterformen Cyberpunk und Space Opera, aber auch in Western, Horror und Steampunk übernatürliche Aspekte, die nicht mit den realen Naturgesetzen übereinstimmen. Hinzu kommen die sogenannten Crossover-Rollenspiele, bei denen verschiedene Genres miteinander vermischt werden – zum Beispiel bei Space Gothic. Als Multiversen wiederum werden Spiele bezeichnet, in denen verschiedene Genres eher nebeneinander gestellt als vermischt werden; als Beispiel kann hier TORG dienen. 

Das Pen-&-Paper-Rollenspiel als Grundform des Rollenspiels

Es werden drei Kategorien von Rollenspielen unterschieden: Pen-&-Paper, Live-Rollenspiel und Konsolen-Rollenspiele, wobei zu letzteren genauso Computer-Rollenspiele wie auch Rollenspiele für PlayStation 2, PlayStation S3, Xbox 360 und Wii zählen. In ihrer Spielweise könnten die drei nicht unterschiedlicher sein; sie alle basieren aber auf der Form des Pen-&-Paper-Rollenspiels.

Bei Pen-&-Paper-Rollenspielen basiert das oftmals recht umfangreiche Regelwerk auf einfacher Mathematik und Würfeln. Durch diese werden sowohl die Charakterwerte als auch der Spielverlauf bestimmt. Hierbei entscheiden beispielsweise das Zusammenrechnen verschiedener Eigenschaftswerte sowie das Zufallselement des Würfelns den Ausgang eines Kampfes. Zusätzlich dazu ist der Spielleiter maßgeblich für den Fortgang der Geschehnisse verantwortlich: Er schildert die Szenerie, die Reaktion der Umwelt auf die Aktion der Spieler und übernimmt auch die Rolle von Gegnern und Verbündeten der Spielergruppe. Außerdem überlegt er sich die Abenteuer, die die Gruppe zu bestehen hat und überwacht die Einhaltung der Regeln. Alle Entwicklungen werden – wie der Name des Rollenspiels schon ankündigt – mit Stift und Papier festgehalten. Bekannte Spiele dieser Richtung kommen aus dem Fantasy-Genre, wie beispielsweise „Das schwarze Auge", oder „Dungeons & Dragons". Sie können aber auch eine Vielzahl an Pen-&-Paper-Rollenspielen aus anderen Genres entdecken. Hinzu kommen abstrakte Regelsysteme, die nicht auf ein besonderes Genre zugeschnitten sind wie zum Beispiel „GURPS" und „D20".

Weiterentwicklungen des Rollenspiels: Live-Rollenspiele und Konsolen-Rollenspiele

Physischer geht es bei der Form des Live-Rollenspiels zu, das auch als Live Action Role Playing – kurz LARP – bezeichnet wird. Hier stellen die Spieler sprichwörtlich ihre eigenen Charaktere dar, sodass auch von einer Mischung aus Improvisationstheater und Pen-&-Paper-Rollenspiel gesprochen werden kann. Die Stimmung des Spiels wird durch ausgewählte Spielorte und die passende Gewandung der Spieler unterstützt. Zusätzlich werden Requisiten und ungefährliche Polsterwaffen benutzt, um die Geschehnisse möglichst realistisch aussehen zu lassen. Vorab wird durch die Spielleitung das Regelsystem ausgewählt, nach dem sich die Spieler während des Spiels richten müssen. Auch wenn grundlegende Handlungsbögen existieren, wird zumeist kein klar definiertes Spielziel vorgegeben. Im Vordergrund des Spiels steht bei dieser Form des Rollenspiels eher der Spaß am Darstellen der Figuren.

Bei Computer-Rollenspielen – und auch anderen Konsolen basierten Rollenspielen – gelten als Basis oftmals die Regelwerke aus dem Pen-&-Paper-Rollspiel, die allerdings an das jeweilige Medium und dessen Möglichkeiten sowie Beschränkungen angepasst werden. Auch wenn der Spieler an seinem Rechner beziehungsweise seiner Konsole alleine ist, kann er über das Internet mit anderen Spielern zusammen spielen. Als beliebte Formen sind hier Rollenspiele über Chat, ob mit Stimme oder ohne, in Foren und über E-Mail bekannt. Etwas abweichender vom klassischen Pen-&-Paper-Rollenspiel sind die Varianten des „Multi User Dungeons" und „Massively Multiplayer Online Role-Playing Games". Weit verbreitete Titel sind: „World of Warcraft", „Final Fantasy", oder auch „Star Wars: The Old Republic".

Science Fiction-Rollenspiele als Pen-&-Paper-Varianten und Computer- respektive Videospiele

Da Live-Rollenspiele sich zumeist auf Fantasy-Themen beschränken, sind bei den Science Fiction-Rollenspielen vor allem Pen-&-Paper-Rollenspiele und Computer- respektive Konsolen-Rollenspiele zu nennen. Ein Spielleiter im ursprünglichen Sinne wird allerdings nur für die Pen-&-Paper-Rollenspiele benötigt. Insgesamt stellt Science Fiction – ähnlich wie in der Literatur – neben Fantasy die größte Genre-Gruppe dar. Sie wird als literarische Gattung vor allem durch Autoren wie H. G. Wells, Stanislaw Lem und Isaac Asimov geprägt, aber auch besonders durch den Science-Fiction-Film und die seit den 1950er-Jahren im Fernsehen vorhandenen Science-Fiction-Serien. Hier sind vor allem Klassiker wie Star Trek und Star Wars zu erwähnen. Innerhalb des Genres gibt es zudem Unterscheidungen zwischen utopischen und dystopischen Spielwelten. Als Beispiele des Dystopischen, auch als Dark Future bezeichnet, sind die Subgenres des Cyberpunk, des Steampunk und der Postapokalypse zu nennen. Weniger dystopisch sind die Genres der Military Science Fiction und der Space Opera. Nicht nur als Rollenspiele, sondern auch als Tabletop-Spiele, gibt es beispielsweise die Form der Mech-Rollenspiele.

Dystopische Abenteuer: Cyberpunk und Postapokalypse und Space Opera

Bei den Cyperpunk-Rollenspielen sind vor allem die Serien „Shadowrun" und „Cyberpunk 2020" zu nennen. Beide gibt es schon seit den späten 1980er Jahren. Ausgehend von dieser Zeit spielen sie in einer dystopischen Variante der nicht allzu fernen Zukunft. Shadowrun nimmt allerdings eine Sonderrolle ein, da in dieser Spielwelt im Gegensatz zu anderen Science Fiction Welten auch magische Elemente aus der Fantasy enthalten sind. Als klassische Pen-&-Paper-Rollenspiele werden beide mit 6- respektive 10-seitigen Würfeln gespielt. Bei den Videospielen können Sie beispielsweise „Dystopia", „Restricted Area" und die „Deus Ex"-Serie erwerben.

Weitere dystopische Abenteuer ereignen sich in postapokalyptischen Szenarien und damit Spielwelten, die nach einem Ereignis spielen, das große Teile der Menschheit inklusive der Zivilisation vernichtet hat. Hier regiert zumeist das Recht des Stärkeren. In dieser Welt geht es um das Überleben der wenigen Verbliebenen, den Aufbau einer neuen Gesellschaft oder auch die Zurückeroberung der Erde. Als Beispiele für Pen-&-Paper-Rollenspiele dieser Richtung können die Titel „Heredium", „Degenesis" und „Engel" dienen, die alle nach der Jahrtausendwende erschienen sind. Computerspiele dieser Richtung gibt es schon seit den 1980er-Jahren. Hier lassen sich beispielsweise die „Fallout"-Reihe und die „Necron"-Serie nennen.

Eher romantischere Zukunftsvisionen werden in der Gattung der Space Opera angetroffen, bei der fremde Welten und Völker, Überlichtgeschwindigkeitsreisen und Raumschiffkämpfe im Vordergrund stehen – und nicht zwangsläufig Themen wie der Weltuntergang. Bei den Videospielen stehen an der vordersten Stelle der Beliebtheitsskala die Spiele der Serien „Mass-Effect", „Starcraft", „Halo" sowie „Space Quest". Das Pendant auf Seiten der Pen-&-Paper-Rollenspiele hierzu bilden alle voran die Reihen „Star Wars" und „Star Trek". Ähnlicher Beliebtheit erfreut sich das Spiel „Warhammer 40.000", das sowohl als Tabletop- beziehungsweise Pen-&-Paper-Rollenspiel als auch als Videospiel erhältlich ist.

Die Aufgaben des Spielleiters im Pen-&-Paper-Rollenspiel

Der Spielleiter steuert das Spiel und ist gleichsam der Erzähler: Er ist Auge und Ohr der Spieler, beschreibt somit, was den Charakteren widerfährt und übernimmt außerdem die Rollen aller Nicht-Spieler-Charaktere, die in der Geschichte auftauchen. So ist es beispielsweise seine Aufgabe, sowohl für die Bewohner eines Dorfes oder eines Landes zu sprechen und zu handeln, als auch für Monster oder andere Feinde der Spielergruppe. Die Herausforderung liegt hierbei darin, dies in allen Rollen möglichst plastisch und glaubhaft zu präsentieren.

Gleichzeitig fungiert er als Schiedsrichter und Moderator. Bildlich gesprochen skizziert der Spielleiter die Geschichte, und die Spieler sind mit ihren Charakteren seine Darsteller. Außerdem ist er der einzige, der alle Hintergründe der Geschichte kennt – nicht zuletzt, da er sie sich auch selbst ausdenken kann. Ansonsten kann er sich natürlich auch an vorgegebenen Erzählungen der jeweiligen Spielsysteme orientieren, die Sie als Rollenspielabenteuer im ungefähren Umfang einer Kurzgeschichte finden können. Er muss die Rahmenhandlung sowie die bedeutenden Begebenheiten und Hintergründe der Spielwelt kennen, um die Aktionen und Reaktionen der Charaktere seiner Mitspieler ins Spiel einflechten zu können. Diese Handlungen wiederum werden durch die Hintergrundgeschichte der Figuren, ihre grundlegenden Fähigkeiten und Ziele, die ihnen durch die Spieler gegeben wurden, bestimmt.

Somit werden an den Spielleiter hohe kreative Anforderungen gestellt; vor allem in Bezug auf die überzeugende Umsetzung der ständig anfallenden Änderungen im Verlauf der Geschichte, die durch die Handlungen der Spieler hervorgerufen werden. Dies alles muss so geschehen, dass den Mitspielern das Gefühl der Handlungsfreiheit bewahrt bleibt. Wenn der Spielleiter die Spielercharaktere lediglich zu einem vorbestimmten Ziel führt, bleibt für diese der Spielspaß auf der Strecke. Somit braucht der Spielleiter auch ein großes Maß an Flexibilität und Improvisationstalent, um auf alle Eventualitäten seiner Spieler angemessen reagieren zu können.

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