Ihr Fotolabor für zu Hause – Schwarz-Weiß-Fotos erfolgreich selbst entwickeln

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Ihr Fotolabor für zu Hause – Schwarz-Weiß-Fotos erfolgreich selbst entwickeln

Auch im Zeitalter der Digitalkameras hat die analoge Fotografie nichts von ihrer Faszination verloren. Besonders, wenn man sich damit beschäftigt, belichtete Kleinbildfilme selbst zu entwickeln, um Schwarz-Weiß-Fotos aus der eigenen Dunkelkammer präsentieren zu können.

Dabei genügt es nicht, sich die Ausstattung und die notwendigen Chemikalien für das Entwickeln von Filmen zu besorgen. Auch ein geeigneter Raum als Dunkelkammer muss natürlich zur Verfügung stehen.

Grundausstattung für das eigene Fotolabor

Die Ausstattung für die eigene Dunkelkammer ist weder sehr teuer noch allzu kompliziert. Viele Gegenstände kann man auch bequem als Set bei eBay bestellen. Aber zunächst sollte ein Blick auf das Haushaltszubehör geworfen werden. Hier wird man mit Sicherheit schon in einigen Punkten fündig.

  • Messbecher 500 ml
  • Ein weiterer kleiner, aber sehr genauer Milliliter-Messbecher
  • Schere
  • Edding/Schreibstift
  • Stoppuhr oder Kurzzeit-Küchenwecker mit Sekundenanzeige
  • Wäscheklammern (als preiswerte Alternative zu professionellen Filmklammern)
  • Flaschenöffner (anstelle des Filmdosenöffners)

Das weitere Zubehör, das zur Einrichtung einer Dunkelkammer gehört, besteht aus Utensilien und Chemikalien, die gesondert angeschafft werden müssen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Entwicklertank mit Entwickler-Spule,
  • Flüssigkeitenthermometer (eventuell im Haushalt schon vorhanden),
  • 0,5-Liter-Flaschen mit weitem Hals zum Aufbewahren der angesetzten Chemikalien,
  • zwei Kanister (etwa 2,5 Liter Fassungsvermögen) zum Sammeln von Altchemikalien,
  • Entwicklerflüssigkeit,
  • Fixierer,
  • Stoppbad
  • Netzmittel

Damit später aus dem entwickelten Film auch die passenden Schwarz-Weiß-Fotos entstehen können, sind natürlich noch zusätzliche Ausrüstungsgegenstände notwendig. Die Chemikalien zum Entwickeln, Stoppen und Fixieren der späteren Fotos sind jedoch dieselben.

Es gibt immer wieder Hobbyfotografen, die ihre Dunkelkammern auflösen oder umgestalten und verschiedene Geräte auch gebraucht anbieten. So kann man unter Umständen bei der ersten Einrichtung eine Menge Geld sparen.

Was Sie bei Fixierer & Co. beachten sollten

Die Chemikalien sind Verbrauchsutensilien, die genau wie Fotopapier zum Beispiel laufende Kosten verursachen. Allerdings sind diese so gering, dass sie niemanden davon abhalten sollten, sich das Vergnügen zu gönnen, Schwarz-Weiß-Fotos im heimischen Fotolabor selber zu entwickeln.

Mischungen, die für den Fixierer und das Stoppbad angefertigt wurden, lassen sich wiederverwenden. Deshalb sollten Flaschen mit einem genügend weiten Hals vorhanden sein, um die Chemikalien nach dem Gebrauch umfüllen zu können.

Achtung: Verwenden Sie niemals Flaschen, die ansonsten für Lebensmittel verwendet werden. Das führt zu Verwechslungsgefahr mit hohen gesundheitlichen Risiken. Beschriften Sie jede Flasche exakt mit dem genauen Inhalt und dem Datum, wann Sie die Mischung abgefüllt haben. Unbegrenzt haltbar sind diese angemischten Chemikalien nicht. Achten Sie dementsprechend genau auf die Packungsbeilage oder informieren Sie sich über die Wiederverwendbarkeit und das Haltbarkeitsdatum auf der Webseite der Herstellerfirma.

Das Einspulen der belichteten Filme in die Entwicklerspule erfordert ein wenig Fingerspitzengefühl und jede Menge Übung.

Tipp: Kaufen Sie einen möglichst preiswerten Film und trainieren Sie das Einspulen. Zuerst arbeiten Sie mit Licht, anschließend mit geschlossenen Augen und dann in der Dunkelkammer. Erst wenn Ihnen das Einspulen ohne Probleme gelingt, sollten Sie damit beginnen, Filme für die Entwicklung in die Entwicklerspule zu befördern.

Ein wichtiger Faktor beim Entwickeln von Filmen ist die Zeit. Zwar benötigen die einzelnen Schritte jeweils immer nur ein paar Minuten, aber besonders für Einsteiger ist das Arbeiten unter Zeitdruck keine gute Idee. Es muss außerdem sichergestellt werden, dass niemand die Tür zur Dunkelkammer öffnet. Das gilt besonders dann, wenn man mit Provisorien wie einem abgedunkelten Badezimmer oder einem Kellerraum vorlieb nehmen muss, zu dem auch andere Personen Zutritt haben. Ist man gerade mit dem Einspulen eines Films beschäftigt und es fällt ungewollt Licht darauf, sind die Aufnahmen zerstört.

Schritt 1: Vorbereitung

Es gibt einige vorbereitende Arbeiten, die mit dem eigentlichen Entwickeln von Fotos noch gar nichts zu tun haben. Dazu gehören unter anderem:

  • Das Bereitstellen aller benötigten Chemikalien und Utensilien, sodass man sie auch im Dunkeln problemlos finden und verwenden kann.
  • Seife und ein Handtuch bereitlegen, das möglichst nur für die Dunkelkammer verwendet werden sollte.
  • Kleidung anziehen, die schmutzig werden darf. Flecken von der Entwicklerlösung lassen sich nicht vermeiden, aber leider auch nie wieder entfernen.
  • Bei empfindlich reagierender Haut sollten Handschuhe getragen werden.

Schritt 2: Einspulen des Films

Wenn alles bereitgestellt ist, kommt die wichtigste und zu Beginn auch meist schwierigste Aufgabe: das Einspulen des Films. Die Filmdosen für Kleinbildfilme haben eine Öffnung, durch die sich der Film herausziehen lässt. Dazu muss aber zunächst die Dose geöffnet werden. Jetzt zieht man den Film ein wenig heraus, um die Lasche sicher fassen zu können. Diese Lasche wird durch die Öffnung gezogen, sodass der Film später exakt abrollen kann. Danach sollte die Dose wieder verschlossen werden.

Die Einspulvorrichtungen sind von Modell zu Modell manchmal etwas unterschiedlich. Beachten Sie dazu unbedingt die Bedienungsanleitung. Auf jeden Fall muss die Lasche gerade abgeschnitten werden, damit sie in der Mitte der Entwicklerspule gerade eingehakt oder eingeklemmt werden kann.

Achtung: Hier muss zu Beginn ausgesprochen sorgfältig gearbeitet werden. Wenn der Film bereits am Anfang schief eingesetzt wird, setzt sich dieser Fehler fort.

Wenn der Film komplett in die Entwicklerspule eingespult wurde, schneiden Sie die restliche Plastikachse einfach mit einer Schere ab. Außerdem sollte eine Kontrolle erfolgen, ob auch die letzte Windung der Entwicklerspule mit Filmmaterial gefüllt ist. Ist das nicht der Fall, liegt er Film irgendwo doppelt. Dann müssen Sie den gesamten Einspulvorgang noch einmal wiederholen.

Schritt 3: Entwickeln

Ist alles ordnungsgemäß aufgespult, kommt die Entwicklerspule in den Entwicklertank. Der Deckel muss absolut fest verschlossen werden.

Tipp: Versehen Sie den Tank auf jeden Fall mit einer eindeutigen Warnung, dass sich ein belichteter Film im Inneren befindet. So verhindern Sie, dass der Deckel unbeabsichtigt geöffnet und der Film belichtet und damit zerstört wird.

Da der Film im Entwicklertank lichtdicht aufbewahrt ist, kann jetzt die Beleuchtung in der Dunkelkammer wieder eingeschaltet werden. Alle nun folgenden Arbeiten sollten jedoch in der Nähe des Waschbeckens erfolgen.

Wichtig ist es, herauszufinden, wie lange ein Film entwickelt werden muss. Das hängt unter anderem von diesen Faktoren ab:

  • Welche Art von Film wurde verwendet?
  • Mit welcher Empfindlichkeit (ISO) wurde fotografiert?
  • Welche Art von Entwickler ist vorhanden?
  • Nach welchem Schema wird der Entwickler verdünnt?
  • Wie viel Milliliter Entwicklerflüssigkeit passen in den Tank?

Die Angaben zum Film und zum Entwickler finden Sie in der Regel in der jeweiligen Packungsbeilage beziehungsweise aufgedruckt auf den jeweiligen Behältern. Ansonsten kann ein Besuch der jeweiligen Herstellerwebseite hier genaueren Aufschluss geben.

Entwicklertanks für Kleinbildfilme haben in der Regel ein Fassungsvermögen von 250 Millilitern. Das Wasser zum Verdünnen sollte eine möglichst konstante Temperatur von 20 Grad Celsius haben. Mithilfe eines kleinen Messbechers wird nun die benötigte Menge an Entwickler abgemessen und in das Wasser gerührt. Danach gehört die Entwicklerflüssigkeit möglichst umgehend in den Tank.

Jetzt kommt die Stoppuhr zum Einsatz. Der Entwicklertank muss alle 30 Sekunden mindestens drei Mal auf den Kopf gedreht und wieder aufgerichtet werden. In den ersten 30 Sekunden nach dem Einfüllen der Entwicklerflüssigkeit sollte man dies übrigens ohne Unterbrechung ständig machen. Hier sind kräftige Armbewegungen gefragt, damit sich eventuell vorhandene Luftblasen vom Film lösen können.

Ist die Zeit für die Entwicklung abgelaufen, füllen Sie die Entwicklerflüssigkeit in die dafür vorbereitete Flasche und befüllen den Tank nun mit dem inzwischen angesetzten Stoppbad. Dieser Prozess, der etwa 30 bis 60 Sekunden dauern sollte, unterbricht den chemischen Entwicklungsprozess des Films und entfernt Unreinheiten aus dem Tank.

Schritt 4: Fixieren

Es gibt eine relativ einfache Methode, die richtige Zeitspanne zum Fixieren des Films herauszufinden. Die abgeschnittene Filmlasche wird in den vorbereiteten Fixierer gegeben und die Stoppuhr gestartet. Nun beobachten Sie das Filmstückchen. Anfangs fast undurchsichtig wird es mit der Zeit zuerst milchig und dann vollständig klar. Deshalb wird diese Zeitspanne auch als sogenannte „Klärzeit“ bezeichnet.

Kleinbildfilme fixiert man in etwa mit der doppelten Klärzeit. Füllen Sie also nun den vorbereiteten Fixierer in den Tank. Denken Sie auch hier daran, dass der Tank regelmäßig alle 30 Sekunden gekippt werden muss, und behalten Sie die Stoppuhr im Auge.

Ist die Fixierzeit abgelaufen, wird auch der Fixierer in eine vorbereitete Flasche umgefüllt. Danach wird der Film gewässert, indem der Tank einige Male mit frischem Wasser befüllt und wieder geleert wird. Das spült die überschüssigen Chemikalien aus dem Tank. Dem letzten Spülvorgang setzt man etwas Netzmittel hinzu und lässt es einwirken. Die Einwirkzeit finden Sie in der Packungsbeilage.

Schritt 5: Trocknen

Nun wird der Film aus der Entwicklerspule genommen und kräftig ausgeschüttelt, damit die Wassertropfen sich lösen. Anschließen hängen Sie den Film zum Trocknen auf. Befestigen Sie am unteren Ende eine Film- oder Wäscheklammer als Beschwerung, damit der Film möglichst gerade hängt.

Achtung: Der Ort zum Trocknen muss staubfrei und hoch genug sein. Ein abgewickelter Kleinbildfilm erreicht eine Länge von 1,60 Metern.

Schritt 6: Zuschneiden

Den vollkommen durchgetrockneten Film kann man nun in handliche Streifen zerschneiden. Üblich sind sechs Negative auf einem Streifen. Wer die passende Einrichtung in der Dunkelkammer hat, kann dann die Schwarz-Weiß-Abzüge selbst herstellen. Negative von Kleinbildfilmen lassen sich aber auch gut digitalisieren.

Achtung: Chemikalien, die nicht mehr verwendet werden können, gehören nicht in den Abfluss. Sie müssen bei einer entsprechenden Schadstoffsammelstelle entsorgt werden.

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