Hunde: Halti, Hundehalfter, Master Control

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Immer wieder beobachte ich aufmerksam das Pro und Contra zum Thema Halti.

Wie in so vielen Dingen, ist nicht das Produkt schlecht, gut, böse oder hilfreich, sondern die Anwendung.

Aus langjähriger Erfahrung im Einsatz, zig Beratungsgesprächen und auch einigen Trainingsstunden mit verschiedenen Hundehaltern, schreibe ich jetzt über meine positive Erfahrung mit dem Halti, aber auch über falsche Anwendung und Hoffnungen.

Das Halti

Je nach Hersteller auch Mastercontrol oder schlicht Hundehalfter genannt (Halti ist das Produkt aus England, das erste und Qausi Orginal, unter dem ich es vor 15 Jahren kennen gelernt habe, gemeint sind auch alle anderen Produkte dieser Art).

Es ist ähnlich wie das Halfter beim Pferd, mit einem Riemen um die Schnauze, der sich durch einen Ring bei Zug schließt, ein Nackengurt und die Verbindungs Gurte an der Seite.
Die Größe des Haltis sollte so bemessen sein, dass der Halsgurt hinter den Ohren liegt und Platz für 2 Finger lässt. Der Nasengurt darf nicht zu dicht an den Augen liegen, er sollte je nach Schnauzenlänge min. 1-2 Fingerbreit unter den Augen sicher auf der Schnauze liegen.

Haltis gibt es in jeder Größe von Yorki bis Deutsche Dogge, für sehr kurznasige Rassen wie Rottweiler gibt es spezielle Größen, oder auch einen Mittelgurt, der mittig über den Kopf läuft und den Sitz stabilisiert.


Einsatzbereich

Ich denke 90 % aller Hundehalter entscheiden sich für ein Halti, weil der Hund unkontrolliert an der Leine zieht. Gerade wenn das Kräfteverhältnis zwischen Hund und (meist) Frauchen nicht ausgeglichen ist, kann ein Halti zum Einsatz kommen.

Was sehr häufig vergessen wird, gerade von Kritikern ist, dass ein Halti auch sehr gezielt in der therapeutischen Arbeit eingesetzt werden kann, als Beispiel die Bodenarbeit nach Linda Tellington Jones (TTeam)

Pro und Contra

Viele Kritiker glauben (und es kommt leider tatsächlich vor), dass Hundehalter sich ein Halti kaufen um den Hund führen zu können, ohne in eine Grunderziehung zu investieren. das macht natürlich wenig Sinn, da man immer an den Ursachen arbeiten sollte und nicht nur an den Symptomen. Als begleitende Hilfe, finde ich ein Halti durchaus sinnvoll.

Bei unsachgemäßer Anwendung leidet nicht nur die Beziehung zwischen Hund und Herrchen, sondern schlimmstenfalls auch die Gesundheit des Vierbeiners. Deswegen darf ein Halti niemals als ausschließliche Führung benutzt werden, sondern immer in Kombination mit einem flachen Halsband oder Geschirr.

Gehe ich nun von einem bestimmungsmäßigem Gebrauch aus (den man sich am allerbesten zeigen lässt, da die Handhabung mit 2 Leinen gar nicht so einfach ist) ist das Ziel sowieso dem Hund gewisse Dinge zu vermitteln um später auf das Halti als Hilfsmittel verzichten zu können.

Einen Hund außschließlich am Halti zu führen lehne ich ab, da selbst der bravste Hund einen Satz zur Seite machen kann und dann unsanft den Kopf herumgerissen bekommt.

Warum und wie es wirkt

Kommen wir nochmal auf das Beispiel Pferd zrück. Warum nur kommt kaum ein Mensch auf die Idee ein Pferd statt am Halfter an einem Halsriemen zu führen? Weil ein sicheres Führen über den Kopf viel einfacher ist.

Bei einem entspannt laufenden Hund, hat das Halti an der durchhängenden Leine keine Wirkung. Nimmt man die Haltileine auf und strafft sie passieren 2 Dinge:

Der Kopf des Hundes wird in Richtung Halter gelenkt (dabei wird ein Sichtkontakt mit einem Reiz, z.B. Hase, anderer Hund) unterbrochen, der Hund ist besser "ansprechbar"
Gleichzeitig imitiert das sich zuziehende Nasenband den Schnauzengriff, der dem Hund signalisiert: dein Verhalten ist "unschön"
(An dieser Stelle sage ich gernemal, dass der Schnauzengriff unter Hunden recht selten benutzt wird, wenn dann aber mit ziemlicher Nachhaltigkeit - weniger ist mehr)

Im Gegensatz zum Halsband, an dem sich viele Hunde schon das ständige Zerren angewöhnt haben, gibt ein Halti (bei Richtigem gebrauch sehr sanft) eindeutige Signale. Viele Hunde haben nie gelernt auf leichte Halsbandsignale zu reagieren, weil sie ständig damit bombardiert werden.

Ein Halti verlangt auch vom Halter Mitdenken und Umdenken. Nur dann kann es nachhaltig funktionieren.

Der Einsatz an 2 Leinen

Da für mich das Ziel heißt, dem Hund zu vermitteln auf Signale zu reagieren, bin ich uneingeschränkt (auch aus Sicherheitsgründen) für das führen mit 2 Leinen.
Und da fängt die Arbeit für den Menschen an. Man muss ziemlich viel nachdenken, vorrausdenken und motorisch feiner werden. Der Hund soll ganz normal an seinem Halsband (Keine Würger und keine mit begrenztem Zug, da diese Halsbänder Signale verzögert oder falsch weitergeben) geführt werden. Eine zweite leichte Leine am Halti soll duchhängen und nur zum Einsatz kommen, wenn auf ein Halsbandsignal oder Kommando keine Reaktion erfolgt.



Beispiel: Der Hund zieht plötzlich in Richtung eines anderen Hundes
Erst verbaler Befehl: Fuß (hilft das - prima - Thema erledigt) ---- Keine Reaktion - kurzes zuppeln am Halsband  -- ( hilft das wunderbar ) --- keine Reaktion: Haltileine straffen
Der Hund bekommt zwangsläufig die Aufmerksamkeit abgezgen vom Reiz (nur wenige Hund laufen woanders hin als sie schauen), zügig und lobend ausser Reichweite des Reizes gehen und Haltileine wieder locker lassen, wenn der Hund sich beruhigt hat.

Da es generell schwierig ist eine Anleitung auf die Ferne zu schreiben  ohne individuell auf das gespann Mensch-Hund einzugehen, empfehle ich jedem, der ein Halti nutzen möchte ein paar Trainingseinheiten mit einem guten Trainer.

Meine persönlichen Erfahrungen

Mir hilft das Halti einen sehr ängstlichen Hund erstmal sicher zu führen und ihn freundlich darn zu erinnern in Paniksituationen (und das war anfangs so ziemlich alles außerhalb der Wohnung) nicht kopflos sich aus Halsband und Geschirr zu befreien und blindlings davon zu laufen, sondern sich daran zu erinnern (Blickkontakt) ahja, Führer ja auch noch da - was nun?

Ohne Halti kamen wir in extrem gefährliche Situationen für den Hund. Inzwischen brauchen wir das Halti nur noch bei ganz schweren Übungen in sehr belebten Gebieten. Neben dem allgemeinen Beziehungsaufbau hat das Halti geholfen, den Hund in seiner Panik trotzdem noch ansprechen und führen zu können.

Auch mit einem sehr gut führbaren Hund habe ich das Halti verwendet, als wir nach vielen Jahren beschlossen hatten doch noch eine Prüfung abzulegen. Ich lege keinen großen Wert darauf, dass Fuß auch wirklich der Prüfungsnorm entspricht - mit dem Halti konnten wir sehr schnell zu einem Prüfungsordentlichen Fuß gelangen.

Und es gibt da noch einige Fälle aus meiner Erfahrung, bei dem ein Halti selbst für einen dauerhaften Einsatz gerechtfertigt war.

Nur als Beispiel eine sehr zierliche Dame mit einem ziemlich kräftigen Rüden. Die Dame litt unter Gelenkschmerzen und das ständige Ziehen des Rüden überforderte sie körperlich. Auch wenn ich ein Befürworter einer guten Grundausbildung von Hunden bin. Hier stand einfach zur Debatte Hund (der sowieso schon mehrfach wieder im tierheim landete) abgeben zu müssen, da der Weg zu den Gebieten, in denen er frei laufen konnte für die Hundehalterin kaum noch zu bewältigen war. Hier finde ich muss man abwägen. Sie hing an ihrem Hund und bis auf die Leinenführigkeit klappte es ganz gut. Rottwilermischlinge haben generell nicht so gute Vermittlungschancen. Das Halti ermöglichte ihr eine kraftunaufwändigere Führung und beide hatten ein Stück Lebensqualität zurückgewonnen.

Die Herausforderung an den Halter

Ein Halti kann nur dann auch wirklich nachhaltige Verbesserung bringen, wenn Mensch dazulernt. Man muss so viele beachten: 2 Leinen, was will ich jetzt von meinem Hund, wie sage ich es ihm, was tue ich wenn er nicht reagiert. Ganz wichtig auch das sofortige lockern der Leine, sobald der Hund tut was man will (Sonst bekommt er ja weiterhin den "Schnauzengriff"). Motorik und Timing sind oftmals sowieso die Schwachstelle der Zweibeiner - hier ist Mensch wirklich gefordert!
Eine Verbesserung tritt dann ein, wenn beide lernen. Ein Halti entbindet den Menschen nicht vom Denken und Führen.

Ganz klar kann ich auch ohne Denken meinen Hund am Halti führen, ganz einfach weil die Kraftübertragung auf den Kopf viel wirkungsvoller ist, als auf den Hals. Ohne Denken und Lernen wird man das Halti aber nie weglassen können.

Später auf ein Hilfsmittel (wie auch Leckerlies in der Konditionierung z.B.) verzichten zu können ist aber das Ziel eines jeden Hilfsmittels in der Erziehung

Ich bin generell PRO Halti, wenn der Anwender sich Gedanken darüber macht.
Tut er es nicht, kann er auch ein Stachelhalsband verwenden, dass genau wie das Halti irgendwann keine Wirkung mehr zeigt, weil der Hund abstumpft gegen sinnlos Signale, die er nicht versteht, weil man es ihm nicht vermittelt hat.
Macht ein Hundehalter sich gar keinen Kopf über Eziehung und wie und warum, kann er eigentlich alle Hilfsmittel weglassen, es gibt sie, die Hundehalter bei denen Hopfen und Malz verloren ist.

Meine Erfahrung zeigt mir aber, dass ein großteil der Haltibenutzer sich durchaus einen Kopf machen und sich mit ihrem Hund weiter entwickeln und zusammenwachsen. Sie begreifen, dass ein Halti nicht die ultimative Kontrolle ist, sondern ebenso wie Clicker, Leckerlies, Longentraining ein Hilfsmittel und setzen es gezielt neben anderen Maßnahmen ein. Und wer wirklich an einer verbesserung interessiert ist und investieren will, der scheut sich nicht sich fachkundige Hilfe zu holen. Auf dem Hundeplatz, bei Hundetherapeuten oder ausgebildeten Trainern. Das Halti ist eines von vielen Mögichkeiten. Richtig angewendet bin ich von den Lernerfolgen auf beiden Seiten der Leine(n) überzeugt.


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