Hüfttragegurte: Rückenschonende Variante zum Tragen von Babys

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Hüfttragegurte: Rückenschonende Variante zum Tragen von Babys

Wer kennt das nicht: Man ist unterwegs und das Kind kann nach einigen Schritten nicht mehr laufen. Also nimmt man es auf den Arm. Das ist besonders bei größeren Kleinkindern anstrengend und führt schnell zu schmerzenden Armen. Doch auch das Tragen auf den Schultern ist nicht für jeden geeignet. Ist die Schultermuskulatur nicht übermäßig ausgeprägt, kann das schnell zu Nackenschmerzen führen.

Eine Alternativ bieten Hüfttragegurte. Diese werden um die Hüfte getragen, ähnlich einem breiten Gürtel. Im Bedarfsfall wird das Kind einfach darauf gesetzt. Der Vorteil dieser Gurte ist, dass sie weitgehend rückenschonend sind.

Was Sie bei der Auswahl eines Hüfttragegurtes beachten müssen und weitere Tipps zum Thema Kinder tragen, lesen Sie in diesem Ratgeber.

Die Funktionalität des Hüftgurtes

Ein Hüfttragegurt erinnert an einen Gürtel mit integrierter Bauchtasche. Angelegt wird er mit einem Sicherheitsverschluss. Die Länge lässt sich stufenlos anpassen, wodurch alle Träger von Kleidergröße S bis XL einen Hüftgurt tragen können.

Die Sitzfläche, auf der das Kind abgesetzt wird, kann sowohl auf der linken als auch auf der rechten Hüfte getragen werden. Es empfiehlt sich auszuprobieren mit welcher Trageseite Sie besser zurechtkommen; in der Regel präferiert jeder Mensch eine Seite. Oftmals tragen Linkshänder auf der linken Seite und Rechtshänder auf der rechten Seite. Es lohnt sich dennoch beide Seiten zu testen.

Die Sitzfläche besteht aus festem Kunststoff. In den Kern der Sitzfläche kann ein zusätzliches Polster eingeschoben werden. Gut geeignet ist beispielsweise eine Windel. Diese dient dann gleichzeitig als Ersatz, falls Sie unterwegs die Windel wechseln müssen.

Unterhalb der Sitzfläche befinden sich außerdem verschiedene Fächer, sodass der Hüfttragegurt zugleich als Bauchtasche genutzt werden kann. Wird kein Kind mehr getragen, kann die Sitzfläche auch komplett abgenommen werden, wodurch der Gurt zur vollwertigen Bauchtasche wird.

Wird der Gurt angelegt, kann er somit getragen werden, ohne dass er im Alltag stört. Will das Kind auf den Arm, wird es einfach hochgenommen und an der Hüfte auf den Sitz gesetzt.

Der Hüftgurt zum Tragen des Kleinkindes

Der Hüftgurt ist laut Hersteller für Kinder ab 6 Monaten geeignet und kann für Kinder bis zu einem Alter von 3 Jahren beziehungsweise einem Körpergewicht von 17 Kilogramm verwendet werden.

Auch, wenn die Herstellerempfehlung anders lautet, ist unbedingt davon abzuraten, Kinder im Alter von einem halben Jahr in diesen Hüftgurten zu tragen. In diesem Alter ist es besonders wichtig, beim Tragen auf eine ergonomisch korrekte Anhock-Spreiz-Haltung zu achten. Diese ist bei einem Hüfttragegurt nicht gegeben, da die Beine einfach an der Seite herabhängen. Bei längerem Tragen des Babys mit diesem Hüftgurt können Fehlstellungen der Hüfte die Folge sein. Der Gurt ist aus diesem Grund frühestens ab einem Alter von etwa einem Jahr zu empfehlen - und auch dann nur für kurze Strecken und kurze Trageintervalle.

Die Vorzüge und Nachteile des Hüfttragegurtes

Der Hüfttragegurt soll dafür sorgen, dass einseitigen körperlichen Belastungen durch das Tragen des Kindes auf dem Arm vorgebeugt wird. Dadurch, dass das Gewicht des Kindes durch den Gurt auf der Hüfte verteilt wird, soll eine Ausgleichsbewegung, etwa das seitliche Vorschieben einer Hüfte, verhindert werden. Verspannungen und starken Belastungen der Wirbelsäule soll damit vorgebeugt werden.

Tatsächlich ist diese Entlastung nur bedingt zu beobachten. Zwar ist die Ausgleichsbewegung geringer als ohne einen Hüfttraggurt. Dennoch kommt es trotz Gurt zu einer Verschiebung der Wirbelsäule beim Tragen. Aus diesem Grund sollte der Gurt nicht für längeres Tragen eingesetzt werden, sondern ist ausschließlich für Kurzstrecken geeignet.

Der Hüfttragegurt ermöglicht es, das Kind zu tragen, ohne dass der Körperkontakt so intensiv ist, dass es zu übermäßigem Schwitzen kommt. Besonders im Hochsommer ist das ein entscheidender Vorteil der Hüfttragegurte. Außerdem kann der Gurt bei Bedarf in der Waschmaschine bei 30 Grad gewaschen werden, da er aus Baumwolle besteht.

Was der Vorteil ist, ist zugleich auch der Nachteil: Der nur minimale Körperkontakt von Mutter und Kind, der bei der Hüfttrage gewährleistet wird, macht den Hüfttragegurt zur falschen Wahl für alle Eltern, die ihr Kind bereits ab dem Babyalter tragen wollen. In diesem Alter geht es zum einen darum, den Eltern zwei freie Hände zu schaffen, und zum anderen darum, dem Kind Geborgenheit durch beständige Nähe zu schenken. Beides ist mit einem Hüfttragegurt nicht möglich.

Der Hüfttragegurt hilft Eltern, eine Hand freizuhaben, wenn das Kind auf dem Arm ist. Der zweite Arm wird benötigt, um das Kind leicht umfassend zu stützen, denn allein der Hüfttragegurt kann das nicht.

Wann ist der Hüfttragegurt empfehlenswert

Der Hüfttragegurt eignet sich insbesondere für viele kleine Situationen zu Hause: Während die Mutter eigentlich kocht und das Essen zubereiten möchte, ist das Kind bereits leicht müde und quengelt, dass es auf den Arm möchte. Wer das Kind dann auf die Hüfte nimmt und im Arm hält, kennt die Rückenschmerzen am Ende des Tages. Für die kurzen Tragesequenzen eine Gurttrage oder ein Tragetuch zu binden, lohnt oft nicht. Genau dann sind Hüfttragegurte die perfekte Wahl. Sie können schnell, auch mit einer Hand angelegt werden, und bieten zumindest eine teilweise Entlastung des Rückens und der Wirbelsäule. Das Kind kann sich recht frei bewegen und drehen, es ist weniger im Aktionsradius eingeschränkt als in einem Tragetuch. Es sollte allerdings nur für Kinder ab dem Laufalter verwendet werden.

Ein weiteres Einsatzgebiet sind kurze Einkäufe. Mit einem Hüfttragegurt muss das Kind noch leicht abgestützt werden, sodass Sie genügend Kraft und Energie haben, um auch noch eine Tüte mit Einkäufen zu tragen.

Komfortables Tragen auch für Babys

Wenn Sie sich ernsthaft mit dem Thema Tragen auseinandersetzen, dann stellt sich schnell die Frage, wie man ein Neugeborenes sicher tragen kann. Es gibt eine Reihe von Tragen mit Gurtsystemen und Tragetücher. Nicht alle sind für Neugeborene geeignet. Am universellsten ist ein Tuch, denn das kann gebunden und damit individuell auf den Tragling und den Träger angepasst werden. Ein Tragetuch eignet sich zum Tragen ab dem ersten Tag bis weit ins Kleinkindalter hinein. Je nach Wetter kann die Bindeart angepasst werden. Besonders positiv ist, dass die Träger mit einem Tragetuch beide Hände freihaben, während das Kind sicher und vor allem in ergonomisch korrekter Anhock-Spreiz-Haltung gestützt wird. Tücher gibt es in verschiedenen Stoffqualitäten, wodurch Sie auch bei der Auswahl bereits bestimmte Jahreszeiten berücksichtigen können. Während sich Wolle eher für den Winter eignet, sind Seide und Leinen angenehme Stoffe, um auch im heißen Sommer angenehm ein Baby zu tragen.

Verschiedene Tragen vor dem Kauf testen

Viele Eltern kommen mit dem Binden nicht klar. Abhilfe bringt ein Termin bei einer Trageberaterin. Wer sich dennoch nicht mit einem Tragetuch anfreunden kann, kann bei einer Trageberatung verschiedene weitere Tragen testen. Die Trageberaterinnen haben oft eine ganze Auswahl, die auch leihweise getestet werden können. Neben dem klassischen Tragetuch, bringt die Beraterin auch immer eine Auswahl an Gurttragen mit. Einige von diesen werden mithilfe der Gurte gebunden, andere funktionieren mit Schnallen. Die Beraterin zeigt die Handhabung der Tragen. Es lohnt sich, diese mit einem Baby zu testen, um das richtige Modell für sich zu finden. Ein einmaliges Probesitzen genügt oft nicht. Besser Sie wagen den Alltagstest und nehmen zwei oder drei Lieblingsmodelle leihweise zur Probe.

Rückenschonend Tragen

Wenn Sie wirklich rückenschonend Tragen wollen, dann sollten Sie darauf achten, das Kind in Körpermitte zu tragen. Es empfehlen sich deshalb alle Bindearten und Tragen bei denen das Kind mittig vor dem Bauch oder mittig auf dem Rücken getragen wird. Nur bei diesen Trageweisen wird das Gewicht wirklich gleichmäßig auf den Körper verteilt und entlastet den Rücken damit optimal.

In jedem Fall sollte das Kind mit Blick zum Träger getragen werden, alle anderen Trageweisen sind ergonomisch inkorrekt und können zu schweren Haltungsschäden führen. Wird das Kind vor dem Bauch getragen, muss es mit Blick zum Bauch des Trägers gebunden werden. Wird das Kind auf dem Rücken getragen, muss es auch zum Rücken des Trägers blicken.

Wollen Sie ihr Kind seitlich tragen, dann eignen sich Hüfttragegurte für ältere Kinder, für Babys sollten Sie ein Tuch mit seitlicher Bindeweise oder einen Sling verwenden. Bei allen seitlichen Tragen ist allerdings zu beachten, dass keine optimale Entlastung des Rückens gewährleistet ist. Wenn auch nur leicht, spätestens nach längerem Tragen werden immer Ausgleichshaltungen vom Träger eingenommen, was eine einseitige Belastung der Wirbelsäule zur Folge hat.

Die Vorzüge des Tragens

Babys benötigen Wärme, Geborgenheit und das sichere Gefühl behütet zu sein. Tragen schenkt Babys genau diese Momente. Es ist statistisch erwiesen, dass Babys, die täglich über mehrere Stunden hinweg getragen werden, weit weniger weinen als Babys, die nicht oder selten getragen werden und demgegenüber mehr in ihrem Bett liegen.

Die erste Zeit mit einem Baby kann sehr anstrengend sein, besonders dann, wenn das Baby sehr einnehmend ist und viel Aufmerksamkeit fordert. Damit der Alltag mit Baby für die Mutter dennoch funktioniert, eignet sich eine Tragehilfe. So kann das Baby unterwegs immer dabei sein, wenn es müde wird, schläft es durch die sanften Schaukelbewegungen ein, und wenn es wach ist, werden seine Sinne durch Eindrücke, die es beschützt im Beisein der Bezugsperson erlebt, stimuliert.

Das Tragen des Kindes erspart einen schweren, sperrigen Kinderwagen. Besonders in der Stadt aber auch im Wald ist das von Vorteil. Während mit dem Buggy der Weg genau geplant werden muss, kann mit einem Kind, das getragen wird, jeder Weg einfach passiert werden.

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