Hits von früher im Echtformat: Oldies auf Musikkassetten

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Hits von früher im Echtformat: Oldies auf Musikkassetten

Ihre Lieblingshits von früher auf Musikkassetten

Lief früher die Hitparade oder Ilja Richter kündigte den nächsten Star an, mussten alle ganz ruhig sein: Record und Play wurden gleichzeitig gedrückt und die Aufnahme lief.
Mit den Musikkassetten wurden von den sechziger bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts alles aufgenommen, was im Radio an Musik geboten wurde. Die Musikkassette war eigentlich nichts anderes als ein Tonband, welches für die einfachere Handhabung in ein Gehäuse aus Kunststoff eingebaut war. Mit diesem elektromagnetischen Datenspeicher oder Tonträger ließen sich analog Töne aufzeichnen und wiedergeben.
Umgangssprachlich wurde die Musikkassette auch einfach als Kassette bezeichnet - und Musikkassette oder MusiCassette (MC) wurden diejenigen Kassetten genannt, welche bereits mit aufgezeichneter Musik verkauft wurden. Das Aufnehmen der Musikkassette geschah ebenso wie das Abspielen mit einem so genannten Kassettenrekorder.

Beliebter Tonträger über Jahrzehnte

1963 wurde die Musikkassette vom niederländischen Hersteller Philips eingeführt und blieb über Jahrzehnte ein sehr beliebter Tonträger. Auf der internationalen Funkmesse in Berlin wurde die Musikkassette am 28. August zum ersten Mal vorgestellt - der dazu benötigte Kassettenrekorder kostete damals noch 299 DM. Eigentlich war die Kassette als Aufnahmeband für Diktiergeräte gedacht. Doch es wurde schnell erkannt, dass sich diese kleine kompakte Einheit hervorragend zur mobilen Speicherung von Musik eignete.
Seit den frühen siebziger Jahren war die Kassette neben der Schallplatte ein äußerst beliebtes Medium zur Speicherung von Musik, bis sie letztendlich erst von der Compact Disc abgelöst wurde. In den Industrieländern hat die Musikkassette fast kaum noch eine Bedeutung. Trotzdem gibt es eine große Anzahl an Fans, die beispielsweise auf eBay alte Kassetten anbieten und finden. Selbstverständlich, dass die Musik der großen Stars von damals nicht nur auf Schallplatten, sondern auch auf Kassetten zu finden war: Oft mit dem gleichen Cover versehen, konnten die Musikkassetten auch damals schon mobil ihren Charme entfalten.
Ob im Autoradio mit Kassettenspieler oder dank der tragbaren Kassettenrekorder - endlich konnte die Lieblingsmusik dort erklingen, wo sich die Menschen gerne aufhielten, ob im Gartenhäuschen oder auf der langen Autofahrt in den Urlaub nach Italien.

Musikkassette ist nicht gleich Musikkassette

Ferro-Kassetten

Die ersten Musikkassetten waren die so genannten Ferro-/ Ferrit-Kassetten. Bei diesen war das Tonband ein braunes Band aus Eisenoxid, das einen hohen Abrieb hatte. Weil das Band relativ grob war, schmirgelte es den Tonkopf mit der Zeit ab, so dass die Qualität der Wiedergabe immer schlechter wurde. Durch die Ferrit-Kassetten wurde neben dem Tonkopf auch die Andruckrolle beansprucht. Hier musste der Kassettenrekorder regelmäßig entweder mit Spiritus oder mit Hilfe einer Reinigungskassette gereinigt werden. Im tiefen Frequenzbereich waren die Ferro-Kassetten hervorragend, nur die hohen Tonbereiche gingen auf diesen schnell verloren.

Chromdioxid-Kassetten

Die nächstbesseren Kassetten, die erhältlich waren, waren die Chromdioxid-Kassetten. Dank ihrer glatten und polierten Oberfläche hielt der Tonkopf viel länger und musste nur seltener gereinigt werden. Die hohen Frequenzen der Musik ließen sich sehr gut aufnehmen und blieben auch lange gespeichert. Dafür gab es bei den Chromdioxid-Kassetten leider Defizite bei den tiefen Tönen. Viele Hersteller der Chromdioxid-Kassetten bauten in der Kassettenhülle eine spezielle Mechanik ein, die auf dem Label mit SM, Special Mechanism, gekennzeichnet war: Zwei kleine Arme in der Kassette sorgten dafür, dass das Band besser und ruhiger im Kassettenrekorder lief.

Ferro-Chrom-Kassette

Die positiven Eigenschaften des Ferrit-Bandes mit der guten Musikwiedergabe in den niedrigen Frequenzen und die positiven Eigenschaften des Chromdioxid-Bandes mit seiner guten Wiedergabe in den hohen Tönen wurden in den Ferrochrom-Kassetten vereinigt.

Was ist bei den unterschiedlichen Bandsorten beim Abspielen zu beachten?

Die Bandsorten wie Ferro-Kassette oder Chromdioxid-Kassette unterscheiden sich deswegen so sehr voneinander, weil sie unterschiedlich magnetisierbar sind. Während die Ferro-Kassetten bereits bei ziemlich geringer magnetischer Feldstärke, das heißt Lautstärke, voll magnetisiert sind, lassen sich mit den Metallbeschichtungen der Chromdioxid-Kassetten auch noch stärkere Feldstärken unterscheiden.
Somit sind die Aufnahmen lauter und höher aussteuerbar, und der Umfang der Dynamik sowie der Rauschabstand erhöhen sich. Der Regler für die Lautstärke kann bei gleicher Lautstärke beim Abspielen leiser gestellt werden, wenn die Aufnahme höher ausgesteuert ist: Deswegen sind die Bandgeräusche und das Geräterauschen im Hintergrund nicht so deutlich zu hören wie bei den niedriger ausgesteuerten Aufnahmen.
Mit dem zweischichtigen Ferrochrom-Band wurden die Vorteile der Ferro- und der Chromdioxidkassette vereinigt. Sind diese Kassetten vorbespielt, wie das bei den beliebten Oldies aus dieser Zeit der Fall ist, dann sind diese häufig mit einer Aufnahmevorverzerrung bespielt. Beim Abspielen der Kassette auf dem Kassettenrekorder sollte dieser deswegen auf die Ferro-Kassette eingestellt werden, sofern es diese Unterscheidung gibt. Dadurch werden die höheren Frequenzen auf dem Band besser wiedergegeben. Als Nebeneffekt wird auch noch das Rauschen an sich etwas verringert.

Auswahl an Musikkassetten

Früher gab es in den Kaufhäusern unendlich lange Regale mit bereits vorbespielten Musikkassetten in allen möglichen Stilrichtungen. Gerade in den Glanzzeiten der Kassetten war die Anzahl der einzelnen Anbieter fast genauso unüberschaubar, wie die verschiedenen Bezeichnungen für die einzelnen Typen der Musikkassetten.
Kassetten liefen damals einfach überall: Ob im Schneewittchensarg der Eltern, der Stereo-Kompaktanlage oder im Kinderzimmer, im Walkman und im Autoradio. Selbst die ersten Computerspiele liefen auf den Musikkassetten. Heute werden Musikkassetten, bespielt mit der Musik der damaligen Tage und somit heute als Oldies bezeichnet, auch auf eBay gehandelt. Denn im Handel sind diese nostalgischen Erinnerungsstücke kaum mehr zu bekommen.

Einst fast Ersatz für die Schallplatten

Als die Musikkassetten ihren Siegeszug durch Europa und dabei auch durch Deutschland antraten, wähnten Kulturkritiker bereits das Aus für die Schallplatte. Denn bereits 1971, gerade einmal acht Jahre nach der ersten Vorstellung, wurden in Deutschland vier Millionen bespielte Kassetten verkauft, die unter anderem heute als Oldies auf Musikkassetten bei eBay gehandelt werden. Zusätzlich wurden auch acht Millionen leere Kassetten in diesem Jahr verkauft. Sieben Jahre danach waren es schon 75 Millionen leere Musikkassetten, die in Deutschland über die Ladentheken gingen.
Aber nichts kann das wunderbare Gefühl beschreiben, wenn die kleinen Plastikgehäuse geöffnet wurden und eine musikalische Welt offenbarten. Auch die ganzen Geräusche, die von der Anlage selbst produziert wurden, das Klacken des Kassettenfachs beim Schließen oder das laute Plock, mit dem die Stopp-Taste heraussprang, wird wohl kaum jemand vergessen.
Immer mehr Menschen gestalteten mit der Kassette ihre eigene Hitparade und nahmen ihre Lieblingslieder vom Radio auf. Aber auch Schallplatten ließen sich ganz einfach auf die Musikkassetten kopieren und so mobil mit sich nehmen. Selbst ein Band aufzunehmen, das erforderte damals schon ein wenig handwerkliches Können: Die Auswahl der Titel war ebenso wichtig wie deren Reihenfolge. Denn die Kassette als analoges Medium will von Anfang an gehört werden. Bei der Musikkassette lässt sich nicht einfach ein Titel überspringen, in dem auf eine "Weiter"-Taste gedrückt wird, wie das später beim CD-Spieler so einfach möglich war. Ob die Länge der Pausen zwischen den einzelnen Liedern oder die beste Aussteuerung der Anlage während der Aufnahme - es gab viele Fragen, wenn jemand seine Lieblingslieder so gut wie möglich auf die Kassette bannen wollte. Denn diese schienen einfach für die Ewigkeit zu sein.

Mehr als ein nostalgisches Gefühl

An der Kassette erfreuen sich bis heute viele Menschen. Deswegen lassen sich auf eBay immer wieder ganze Sammlungen von Oldies auf den heiß und innig geliebten Musikkassetten entdecken. Zum Glück ist die Kassette damit längst nicht tot, auch wenn sie kaum noch produziert wird. Sie ist außerordentlich robust, ihre Bandspulen klacken, wenn sie geschüttelt werden. Die Musikkassette ist relativ hart im Nehmen und steckt viel an achtloser Behandlung klaglos weg, wo die modernen CDs längst das Handtuch werfen würden.
Auch wenn es immer wieder Ärger mit Bandsalat gab, vielen Menschen, nicht nur den älteren, ist die Musikkassette einfach ans Herz gewachsen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es bis heute noch so viele Musikkassetten mit Oldies gibt, die lange gelagert wurden und werden. Oft sind die Abspielgeräte längst kaputt - doch die Kassetten bleiben und finden über eBay wieder ein neues Zuhause.
Auch wenn in Amerika oder in Europa kaum noch Musikkassetten produziert werden, in Afrika und Südamerika ist die Kassette immer noch ein heiß begehrtes Medium, um Musik aller Art zu speichern. Denn die kleine robuste Musikkassette ist relativ unempfindlich gegen solche Zumutungen wie Staub oder einem eher derben Zugriff - so halten sich diese Musikmedien noch auf einem kleinen Teil unserer Welt.

Eine ganz besondere Erinnerung: Das Band der Liebe

Für die Angebetete, oder, wie damals gesagt wurde, die "Flamme", nahmen diejenigen, die alles ernst nahmen, natürlich auch ein eigenes Liebes-Band, oder Tape, auf. Hier zählte alles: Denn die Botschaften der Liebe ließen sich mit Hilfe von Schlagern und Oldies einfach viel schöner und souveräner an die Angebetete bringen, als ein selbst gestammeltes Geständnis. Mit den richtigen Sounds wollten die Jungs ihre Flamme erobern und aus einem schüchternen Schulmädchen eine echte Geliebte zaubern. Wie viele dieser Liebesbänder wohl noch in Schubladen vor sich hin schlummern und erhalten blieben?
Genauso wichtig wie die richtige Reihenfolge der Liebeslieder war bei einer solchen Liebeskassette die extravagante Gestaltung der Kassettenhülle, oder vielmehr, des Einlegers aus Pappe. Nur die Liste der aufgenommenen Titel aufschreiben - das reichte auf gar keinen Fall. Für dieses kleine Stückchen Pappe wurde mindestens genauso viel Zeit und Liebe und Herzblut investiert, wie in das Aufnehmen des gesamten Tapes. Dank des Einlegers in der Kassettenhülle wurde aus jeder Massenware ein einzigartiges und unverwechselbares Unikat. Und in gewisser Weise trifft dieses ja für die Kassette als solche auch zu. Mit ihr ließ sich der ganz eigene Musikgeschmack festhalten und bilden.
Zwar geht heute das Brennen einer CD oder das Herunterladen von digitaler Musik viel einfacher und schneller, doch so viel Mühe, wie damals auf die Musikkassette verwendet wurde, macht sich heute damit niemand mehr. Die Musikkassetten mit den Oldies werden nicht nur in den Erinnerungen ewig leben. Sie sind die perfekten Tonträger in allen Lebenslagen, nehmen auch eine etwas rauere Behandlung keineswegs krumm und sind ein wunderbares Sammelsurium an vergangenen Momenten und Erlebnissen. Deswegen rufen die Aufnahmen der Oldies so viele Gefühle hervor und sind bis heute ein hoch gehandelter Schatz.

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