Historische USA - Aktien und Anleihen (Stocks & Bonds)

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Eine kleine Einführung von Joachim Hahn - © sammleraktien-online

USA-Aktien (engl. = Shares, amerik.= stocks) und Anleihen (Bonds = allgemein; debenture = Anleihe; Mortgage Bond = Pfandbrief, Hypothekenpfandbrief; convertible = Wandelanleihe) sind in der Regel Namenspapiere. Das heißt, auf jedem Stück ist auf der Vorderseite der Name des Wertpapierbesitzers eingetragen.Heute führen allenfalls noch sehr kleine Gesellschaften Ihre Aktienbücher selbst, die größeren und öffentlich börsennotierten Firmen lassen Ihre Aktienverwaltung von bekannten Serviceanbietern wie Computershare, Equiserve, Mellon Investor, Bank of New York oder anderen ausführen. Diese Firmen verschicken ebenfalls die Geschäftsberichte, HV-Einladungen etc. an die Aktionäre.
Wenn die Anteile verkauft werden, werden Sie von den Transfergesellschaften- oder Depotbanken der Firmen eingezogen und entwertet. Dies geschieht meist durch Lochung, oder Stempel.
Diese stellen die entwerteten Stücke dann ggf. gegen Bezahlung dem Sammlermarkt zur Verfügung, wenn die Firmen selbst nichts dagegen haben. Einige, teils sehr bekannte Unternehmen wie z.B. Coca Cola, McDonalds, Microsoft, Intel, Boeing, Harley etc. bestehen aber darauf, dass die gebrauchten Wertpapiere vernichtet werden. Deren Papiere sind daher auf dem Sammlermarkt allenfalls zu sehr hohen Preisen bzw. nur als gültige Stücke oder preiswerte Nachdrucke zu finden.
Ansonsten gibt es aus der Vielzahl der existierenden und nicht mehr bestehenden Aktiengesellschaften in den USA eine große Anzahl zur Verfügung stehender Titel. Sehr hohe Preise sind daher auch selten und meist nur bei Autographen, musealen oder sehr alten Stücken, oft Eisenbahnen um oder vor 1850 und bei noch gültigen Stücken die schwer zu beschaffen sind.  Der Großteil der Preise von bekannteren Namen oder Stücken mit sehr schönen oder ausgefallenen Bildern (Vignetten) bewegt sich im Bereich von 5 bis 200 EUR.
Allerdings stammen z.B. auch zwei der bekanntesten historischen Aktien, die "Standard Oil", mit den original Unterschriften von John D. Rockefeller und Henry M. Flagler, sowie die "American Express" von Henry Wells und William Fargo aus den USA. Auktionserlöse von mehreren tausend EUR sind hier normal und das einige Male pro Jahr.
Die Druckqualität ist im Allgemeinen sehr gut, fast immer mit Vignetten und in Stahlstichtechnik, die lange für an öffentlichen Börsen notierte Gesellschaften vorgeschrieben war. Der Druck erfolgt in den Notenbankdruckereien, Marktführer ist dabei bis heute die American Bank Note Company. Der Name der Druckerei steht meist  am unteren oder seitlichen Rand des Wertpapiers.
Bei genauer Betrachtung findet man bei der ABN oft auch noch das Signet der Stahlstecher, das Stecherzeichen. Wenn, dann meist klein und unscheinbar bei der Haupt-, oder einer Nebenvignetten.
Die Druckereien benutzen sehr oft ein Sicherheitspapier mit unscheinbaren kleinen bunten Farbpunkten. Das sieht zunächst aus wie "bekleckert" ist aber im Papier integriert, dient der Sicherheit und ist praktisch nicht nachzumachen.
Seit 2003 erscheint eine neue preiswerte Druckvariante - die komplett oft erst beim Ausstellen gedruckt wird. Beispiele hierfür sind die neuen Zertifikate von Harley Davidson oder Apple.
...fully paid and non-assesable shares of the common stock... liest man auf vielen Aktien unter der ausgeschrieben Stückzahl und heißt, dass die Aktien wie z.B. auch in Deutschland (früher) beim Kauf und Verkauf nicht steuerpflichtig sind.
Common Stock - ist das Grund-(Stamm)kapital (deutsch abgeleitet: Grundstock = Grundkapital). Prefered Stock ist Vorzugskapital. Gibt es Common- und Prefered (eher selten) Kapital, ist das Gesamtkapital der Capital Stock. Der Nennwert (par value) ist anders als bei deutschen Aktien mehr als uneinheitlich. Man findet 10$, 5$, 3$, 2$, 1$ aber auch Zwischenwerte (durch Splits entstanden) wie z.B. 2.50$, 1.25$, 0.50$. Sehr frühzeitig gab es aber auch schon Stückaktien, nennwertlose Aktien (without par value), die sich im Laufe der Zeit immer mehr verbreitet haben.
In den USA sind hohe Aktienkurse unbeliebt wegen der psychologischen Sperre sehr teure Titel  zu kaufen. Daher wird häufig ein Aktiensplit durchgeführt. Aus einer Aktie zu 100$ werden einfach 2 oder 4 St. mit dem neuen Kurs zu 50$ bzw. 25$ gemacht. Die alten Stücke sind unverändert gültig. Die neuen kommen nur dazu.
Im Fall von festen Nennwerten müsste sich auch der Nennwert halbieren, da sich durch die doppelte Aktienanzahl beim Split z.B. 2:1 das Grundkapital ja nicht verändert. Das heißt, alle Aktien müssten neu gedruckt, oder die vorhandenen überdruckt werden, was früher zum Teil auch geschehen ist. Von IBM u.a.  gibt es z.B. solche Stücke vereinzelt auch auf dem Sammlermarkt.
Im Gegensatz zu deutschen Aktien, wo bei 50 oder 5 DM Nennwert meist 1er, 2er, 20er, 50er, manchmal 2000er Stücke fertig gedruckt existieren gibt es bei älteren US-Titeln meist nur gedruckte 100er. Alle anderen Stückzahlen werden einzeln ausgestellt. Wer also 470 St. Aktien kauft, erhält nur ein Aktienzertifikat mit der entsprechenden Stückzahl eingetragen, genauso wie derjenige, welcher nur 1 Stück ordert.
Werden heute US-Aktien ausgestellt gibt es generell keine vorgedruckten Stückelungen mehr, alle Stückzahlen - auch glatte 100 - werden individuell bei der Ausstellung eingetragen.
Die Unterschriften sind meist Faksimile (gedruckt), außer bei älteren Stücken oder kleinen Gesellschaften - vom Präsident (CEO = Chief Executive Officer) oder  Vorstandsvorsitzenden (COB = Chairman of the board) und vom "Secretary", meist ebenso ein Vorstandsmitglied. Entgegen anderen Aussagen gibt es Originalunterschriften auf Aktien kleinerer Firmen bis in die 1960-er Jahre, bei nicht Börsennotierten bis heute.
Dazu bei großen Firmen noch vorderseitig die Unterschrift(en) eines Vertreters der Depot- und/oder Transferbank(en). Kleine Gesellschaften verwalte(te)n ihre Aktien oft selbst, dann fehlen diese zusätzlichen Unterschriften.
Rückseitig ist Platz für die Übertragungsvermerke bei Eigenverwahrung und privatem Verkauf. Der Käufer wird eingetragen, der bisherige Aktionär bestätigt die Abtretung mit seiner (von spezieller Stelle beglaubigte) Unterschrift.
Der neue Besitzer muss das Papier nun beim Transfer Agent einliefern um rechtsgültiger Aktionär oder Bondbesitzer zu werden. Der Registrierservice entwertet es. Der neue Käufer erhält ein neu ausgestelltes Zertifikat.
Für die Anleihen (Bonds) gilt im wesentlichen das selbe. Sie sind optisch oft auf den ersten Blick kaum von Aktien zu unterscheiden. Was in der Regel vorderseitig abgedruckt ist, ist der Nominalzins und die Endlaufzeit. Sehr oft findet man 25-, 30-oder 50-jährige, also auch Stücke deren Ablaufdatum nach dem heutigen Datum in der Zukunft liegen kann. Ein 30-jähriger Bond von 1989 wird z.B. erst 2019 fällig. Das tatsächliche Ausstellungsdatum (Tag der Geldanlage) und der Anlagebetrag sind individuell eingetragen. Vorgedruckte Stückelungen gibt es auch hier eher wenige (meist 1.000 $ und 5.000$). Rückseitig sind die genauen Bedingungen im Detail abgedruckt.
Aktien und Bonds sind in den USA Gebrauchsgegenstände und dem Alter entsprechend in gutem, aber gebrauchtem Zustand. Lochentwertung und/oder Stempel ist der Normalfall. Knickfalten (Briefformat) kommen vor, ebenso kleine Löcher von Büroklammern oder Stücke mit Klammern. Ausnahme sind die neuen noch gültigen Stücke, die noch nicht im Umlauf waren, aber auch hier gibt es schon Umlaufspuren vom Namenseindruck oder insbesondere rückseitige Klebstoffreste von den beim Ausstellen angehefteten Durchschlägen bzw. Quittungen/Stubs.
Entwertet oder nicht, wertvoll oder nicht ? Oft werden längst vergessene alte USA-Wertpapiere in einer Schublade gefunden oder vererbt. Unabhängig vom ideellen oder Sammlerwert ist ein USA Papier dann "wertlos", wenn der momentane Besitzer nicht selbst namentlich auf der Vorderseite des Papiers steht bzw. der rechtmäßige Erbe der eingetragenen Person ist oder das Papier auf irgendeine Art entwertet ist (meist nadelfeine Lochperforation).
Übertragung unentwerteter USA-Wertpapiere in rechtsgültiger Form ist von Deutschland/Europa aus praktisch unmöglich, bzw. logistisch und kostenmäßig nicht realisierbar. Die restriktiven Vorschriften der US-Registrierstellen verlangen eine persönliche Beglaubigung der Verkäuferunterschrift von speziell zugelassenen Stellen, die es außerhalb der USA nicht gibt. Zudem müsste der neue Aktionär das Papier erneut in die USA schicken um dann ein neu ausgestelltes zu bekommen. Ein rückseitiger Namenseintrag kann also immer nur zu Geschenkzwecken dienen und ein Effekt ohne Rechtsgültigkeit sein.
Bedeutung der verschiedenen Namenszusätze: Eine Company ist eine Gesellschaft, Handelsgesellschaft oder Genossenschaft ohne zunächst zwingend die genaue Rechtsform zu bezeichnen (bei uns z.B. AG, GmbH, KG). Die typische Bezeichnung für eine US-Aktiengesellschaft ist Corporation. Der meist abgekürzte Namenszusatz Inc. (incorporated, Incorporation) bedeutet das die Firma (als Handelsgesellschaft) ins Firmenregister eingetragen ist.
Firmensitz (Headquarter) und Gesellschaftssitz (incorporated under the laws of...) unterscheiden sich sehr häufig und stiften meist bei Neusammlern Verwirrung und sorgen für Verwunderung. Eine Gesellschaft kann sich ins Register eines US-Bundesstaates seiner Wahl eintragen lassen so lange sie dessen jeweilige Vorschriften erfüllt. Das muss aber nicht zwingend der Staat sein, in dem sich der eigentliche Firmensitz befindet. Ein beliebter Gesellschaftssitz ist z.B. Delaware, dessen Vorschriften für AG's und auch die Steuergesetze etwas lockerer sind, als in anderen US-Staaten. Unterschiede kommen auch durch Verlagerungen, Umzüge und Zusammenschlüsse der Gesellschaften zu Stande.
Firmengründung und Gründungssiegel auf den Wertpapieren müssen zeitmäßig nicht übereinstimmen. Auf vielen Aktien und Bonds sieht man ein rundes Gründungssiegel mit Datum. Darauf steht der Firmenname und der Staat in dessen Firmenregister man steht ggf. mit dem Datum an dem diese Eintragung als öffentliche Gesellschaft (zum ersten Mal) erfolgte. Eine (private) Firma kann aber auch schon sehr viel älter sein als dieses Datum im Siegel angibt.
Abschaffung gedruckter Aktien-Zertifikate: Seit 2004 waren Bemühungen im Gange die Abschaffung der Druckverpflichtung voranzutreiben, seit 2011 ist es so weit. Im Jahr 2012 gibt es von bekannten Firmen wie Apple, Microsoft, Intel, Facebook und weiteren bereits keine gedruckten Aktien mehr. Man muss davon ausgehen, dass sich diese Entwicklung beschleunigt und aus den USA von den meisten Firmen bald keine gedruckten Aktien mehr zu beschaffen sind.
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1997-2013 - Vers. 5.40
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