Historische Tasteninstrumente erwerben – worauf Sie beim Cembalo achten sollten

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Historische Tasteninstrumente erwerben – Worauf Sie beim Cembalo achten sollten

Man hört den Klängen deutlich an, dass sie aus einer lange vergangenen Zeit stammen. Vor einigen Jahrhunderten war ein Cembalo etwas, das man heute ein populäres Musikinstrument nennen würde. Heute tun sich selbst bekennende Liebhaber klassischer Musik etwas schwerer mit den Tönen, wie sie aus einigen Modellvarianten klingen. Das ist besonders dann der Fall, wenn es sich nicht um ein Original oder einen Nachbau anhand historischer Vorlagen handelt. Unwillkürlich verbindet man mit den Klangfolgen gepuderte Perücken, schwere Gewänder aus bestickten und teuren Stoffen, Kniebundhosen bei den Herren und ausladende Reifröcke bei den Damen. Die Blütezeit des Tasteninstruments war in einer Ära angesiedelt, als genau dieses Aussehen Mode war. Viele kennen die dazugehörige Musik nur aus historischen Filmen, wenn die Akteure sich bei einem Ball zu seltsam anmutenden Tänzen auf dem Parkett zusammenfanden. Und doch hat das Cembalo unter Liebhabern alter Musikinstrumente seine Fans. Sie bevorzugen zum einen die ungewöhnlich klingenden Tonfolgen und wissen darüber hinaus die Handwerkskunst zu schätzen, mit der bis auf den heutigen Tag Cembalos -wieder- in all ihren Varianten gefertigt werden. 

Ein Blick auf die Geschichte und den Aufbau des Cembalos

Die ersten Instrumente dieser Art kamen im 15. Jahrhundert auf und feierten den Höhepunkt ihrer Entwicklung zur Zeit der Barockmusik. Hintergrund war der Wunsch von Meistern des Instrumentenbaus wie auch von Komponisten und Spielern, das Repertoire zu erweitern und das Spiel von einfachen Saiteninstrumenten zu verfeinern und weiterzuentwickeln. Genaueres ist nicht darüber belegt, wer als Erster auf die Idee kam, die Saiten von außerhalb des Resonanzkörpers oder aus einem Rahmen wie bei Laute bzw. Leier in einen „Kasten" zu verlagern. Das Konzept aber ging auf und durch die Erweiterung des Instruments mit Tasten wurde es auf eine neue Weise spielbar. Das gut gelagerte Holz und seine meisterliche Verarbeitung garantierten einen angenehmen Klang, der bei Anlässen in der Gesellschaft ebenso gefragt war wie beim Einsatz des Cembalos in der Oper. Durch seinen Resonanzkörper hatte es die Fähigkeit, die Töne weithin hörbar zu machen.

Das Klavier verdrängt das Cembalo

Im Lauf der Entwicklung wurde das Cembalo verdrängt. Das Klavier und ähnliche Instrumente eroberten Orchester, Konzertsäle und privat Musizierende. Der Verlust der Popularität des Cembalos kann mit der Veränderung in der Fertigung zusammenhängen. Die alten Traditionen gerieten aus dem Fokus und wurden durch damals zeitgemäßere Verfahren ersetzt. Diese waren nicht in der Lage, dem Instrument dieselbe, spezielle Klangfülle zu verleihen, wie es in den besten Zeiten des Cembalos der Fall gewesen war. Die Instrumente wurden größer, andere als die herkömmlichen Holzarten wurden für den Bau verwendet und somit ging ihr Klang verloren. Selbst bei der zu Beginn der 1900er-Jahre angesiedelten „ersten" Wiederentdeckung des Cembalos wusste man sich nicht auf die traditionelle Bauform zu besinnen. Die Orientierung an damals populären Instrumentenformen wie der des Klaviers „verdarb" den Klangcharakter des geschichtsträchtigen Instruments.

Wie in einem Cembalo bis heute die speziellen Töne erzeugt werden

Die Kombination von Saiten und Tasten bei Musikinstrumenten vergrößert die Zahl an Tönen, die hervorgebracht werden können. Außerdem erleichtern sie das Spielen anspruchsvollerer Musikstücke oder ermöglichen es erst. Auf einem Saiteninstrument wie Gitarre oder Geige findet jeweils nur eine begrenzte Anzahl der klingenden Strings Platz. Die Instrumentenbauer von damals entwickelten die Technik ihrer Produkte in Fortführung der Spielweise anderer Saiteninstrumente weiter. Neben den blanken Fingern war die Verwendung von Plektren aus unterschiedlichen Materialien üblich oder auch von Federkielen. Darauf fußend werden die Saiten in einem Cembalo auch heute noch von einem Kiel angerissen, wenn die entsprechende Taste auf der Klaviatur gespielt wird. Während der „Springer", an dem der Kiel befestigt ist, seine Bewegung vollendet, schwingt die Saite im Instrument und erzeugt den Ton. Ein Stück Filz an anderer Stelle des Springers beendet den Ton, wenn das Bauteil in seine Ruheposition zurückkehrt. Dieses Zupfen der Saite ähnelt dem herkömmlichen Stil einer Laute vielmehr als beim später entstandenen Klavier. In dieser Technologie liegt neben den Materialien und der Bauform des Cembalos der besondere Klang begründet.

Dem Cembalo verwandt: ähnliche Saiten- und Tasteninstrumente

Für manchen gilt das Cembalo aus der fernen Renaissance als Ursprung der Tasteninstrumente. Wird berücksichtigt, dass das Hammerklavier oder Pianoforte den einstigen Favoriten bei Hof und Adel ablöste, mag das berechtigt erscheinen. Heute existieren viele Bauformen mit unterschiedlichen Klangbildern und Einsatzgebieten in der Welt von Tasten-/Saiteninstrumenten. Eine große Auswahl davon gibt es auch zu kaufen. Zu Konzerten wird sehr gern der Flügel eingesetzt, da er mit seinen weittragenden Tönen auch größere Räume mit Atmosphäre erfüllen kann. In kleineren Räumen, besonders auch in Bars, Cafés und Lounges waren früher Pianos die erste Wahl, um für Unterhaltung zu sorgen. Ein anderer, zumindest halböffentlicher Rahmen, in dem Tasteninstrumente zum Einsatz kommen, sind Kirchen. Auch die Orgeln dort sind Verwandte des Cembalos, was anhand ihrer Tastatur zu erkennen ist. Außerdem verfügen sie über technische Feinheiten, die je nach Bauart auch im Cembalo Verwendung finden. Diese „Register" zum Beispiel sind wesentlicher Bestandteil gerade von Kirchenorgeln, die in der traditionellen Ausführung als Pfeifenorgeln konstruiert wurden, da sie Repertoire und Klangfülle des Instruments enorm erweitern.

Cembaloklänge auf dem Keyboard

Sie können auch moderne Ausführungen von Tasteninstrumenten in Form von Heimorgeln kaufen. Diese verzichten auf Saiten, da die Tonerzeugung eine elektronische Basis hat. Frühere Modelle verfügen wie die klassischen Orgeln über Fußpedale und sind daher nur mit einiger Anstrengung zu erlernen. Moderne Ausführungen verwenden immer mehr digitale Technik. Auf Fußelemente wird verzichtet, daher ähneln sie viel mehr einem Keyboard, wie es auch in der populären Musik zum Einsatz kommt. Durch Synthesizer sind die computergesteuerten Prozesse in diesen Instrumenten heutzutage in der Lage, komplexe Klangteppiche zu weben. Mitunter imitieren oder ersetzen sie andere Instrumente oder gar Instrumentengruppen. Nimmt man die richtigen Einstellungen vor, sind sie unter Umständen sogar in der Lage, die Klänge eines Cembalos nachzuahmen.

Das Cembalo als Musikinstrument und Sammlerstück

Wer Klavier spielen kann, wird auch das Cembalo beherrschen. Sollten Sie auf der Suche nach einem Tasteninstrument für sich sein, können Sie sich also entweder ein Cembalo oder Klavier kaufen. Außerdem auch Noten und anderes Zubehör. Interessant zu wissen ist, dass viele der heute als Klavierpartituren geltenden Stücke von Mozart eigentlich von ihm für das Cembalo geschrieben wurden. Es gilt als erwiesen, dass er den Klang dieses Instrumentes im Ohr hatte, als er die Noten niederschrieb. Für den, der bisher nur Interpretationen von Piano oder Flügel kannte, kann es ein unterhaltsames Erlebnis sein, die „Originale" zu hören oder sogar selbst zu spielen. Weitere bekannte Komponisten, die sich mit der Schöpfung von Musikstücken für das Cembalo befassten, waren Johann Sebastian Bach, Friedrich Händel, Joseph Haydn und andere. Neben der Nutzung als Instrument ist ein Cembalo, gerade wenn Sie eines der alten Originale besitzen oder sich eines der getreu nachgebauten Modelle anschaffen, ein Blickfang in Ihren eigenen vier Wänden. Es schafft Atmosphäre und stellt zudem eine krisenfeste Wertanlage dar.

Erhalt der Tradition: Bauweise und Klang des Cembalos neu entdeckt

Heute wird die Auferstehung des Musikinstruments von der Wiederentdeckung der meisterlichen Handwerkskunst im Instrumentenbau begleitet. Immer mehr Handwerker spezialisieren sich darauf, die alte Meisterschaft zu erreichen, um ihr neues Leben einzuhauchen. Was Sie derzeit an Cembali, Clavichords oder auch Spinetten bekommen, sind kunstfertige Produkte, die auf historischem Wissen vom Bau der Instrumente wissen, ohne Plagiate zu sein. Sie dienen damit dem Erhalt der Tradition. Meister, die heute wieder so bauen, folgen den alten Überlieferungen, die heute in zwei Linien existieren und mitunter einige Unterschiede aufweisen. Die eine ist die modernere, die sich an die Bauweise der Klaviere anlehnt und verstärkt im Zuge der Weltausstellung von 1889 in Umlauf kam. Sie ist wesentlich moderner als die in den Jahrhunderten davor gepflegte Weise. Bei dieser neueren Variante kommt zum Beispiel ein gusseiserner Rahmen zum Einsatz, und der Klang erinnert eher an eine Orgel. Das Instrument tönt metallisch tief und ist nicht besonders weittragend. Die eigentliche Handwerkskunst, wie sie auch von Ruckers im Flämischen des 17. Jahrhunderts betrieben wurde, gilt vielen Meistern als die einzig wahre. Hier wird das Cembalo in Kastenbauweise hergestellt, ist dünnwandig und filigran. Der Klang aus diesem Korpus kommt viel präsenter daher, tönt kaum metallisch, dafür lebhaft weittragend.

Pflege und Wartung eines Cembalos 

Instrumente aus historischen Zeiten sind sehr wertvoll und deshalb oft schwer zu bekommen. Achten Sie auf die typischen Merkmale eines wirklich antiken Stücks, wenn Sie ein besonderes entdeckt haben. Im Zweifelsfall hilft Ihnen der Rat eines Fachmanns. Dieser wird Ihnen auch bestätigen können, dass die empfindliche Mechanik und das verwendete Holz eine besondere Pflege benötigen. Sie beginnt schon mit den für das Instrument einzuhaltenden Umgebungsparametern wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Was die Optik der Oberflächen anbelangt, sollten sie nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sein. Wie alle empfindliche Mechanik benötigt die des Cembalos gelegentlich Wartung. Besonders dann, wenn Sie das Instrument selbst spielen, sollten Sie es regelmäßig stimmen lassen. Wenn Sie diese einfachen Regeln beherzigen, werden Sie lange Freude an Ihrem Cembalo haben.

Cembalo selber spielen, live hören oder von der CD abspielen?

Nutzen können Sie die historischen Instrumente bei kleineren Partys, um ein besonderes Erlebnis zu gestalten. Falls Sie Musik lieber hören, statt selbst zu spielen, besuchen Sie die gelegentlichen historischen Konzerte, die meist in dazu passenden Locations in festlichen Schlosssälen oder Burganlagen aufgeführt werden. Sind Ihnen die Abstände zwischen den Events zu lang oder in Ihrer Nähe aktuell keine im Angebot, können Sie auch auf Tonträger zurückgreifen, um in den Genuss der Musik zu kommen. 

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