Hilfreiches Wissen beim Kauf von historischen Notgeldscheinen

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Hilfreiches Wissen beim Kauf von historischen Notgeldscheinen

Notgeldscheine gibt es schon seit vielen Jahrhunderten. Doch am bekanntesten ist wohl immer noch das Notgeld, das während des Ersten Weltkriegs und bei der etwas später folgenden Weltwirtschaftskrise ausgegeben wurde.
Dabei wurde Notgeld nicht nur von Deutschland ausgegeben. Selbst in der jüngeren Vergangenheit kam es in Europa zur Ausgabe von Notgeld. Die Materialien, auf die ein nominaler Geldwert gedruckt wird, können ebenfalls sehr unterschiedlich sein.

Das erste Notgeld: Belagerungsscheine

Die erste nachgewiesene Ausgabe von Notgeld gab es in Spanien im Jahr 1483. Damals wurde die Festung Alhama von Mauren belagert. Daher hatte dieses erste Notgeld auch die Bezeichnung "Belagerungsgeld". Für das älteste noch erhaltene Notgeld zeigt sich ebenso Spanien verantwortlich. Die Spanier besetzten 1574 die holländische Stadt Leiden (damals noch Leyden). Aufgrund der Belagerung wurden die Prägewerkzeuge dann nicht mehr für Goldmünzen eingesetzt. Stattdessen wurden die aus fester Pappe bestehenden Einbände katholischer Kirchenbücher verwendet. Noch heute sind einzelne Stücke dieser Belagerungsgeldscheine erhalten.
Auch im späteren Verlauf der folgenden Jahrhunderte kam es oft zur Ausgabe von Belagerungsgeld. Damit war aber auch immer ein gewisses Risiko verbunden. Die Herrscher einer Stadt lösten dieses Belagerungsgeld gegen echtes Geld ein, sobald eine Belagerung erfolglos ausging. Siegten die Belagerer jedoch, war mit einer Einlösung dieses Ersatzgeldes nicht mehr zu rechnen.

Notgeldscheine ab 1914

Zur fast schon exzessiven Ausgabe von Notgeldscheinen kam es dann zum Kriegsbeginn 1914 in Deutschland. Unter anderem benötigte die Rüstungsindustrie für die Kriegswaffenproduktion große Mengen von Metall. Daher wurde das Münzgeld vom Staat eingezogen. Oft sogar, ohne dieses Vorgehen der Bevölkerung mitzuteilen. Zunächst wurde nur Notgeld mit geringem Nominalwert ausgegeben, denn es wurde vornehmlich das Metall von beispielsweise Kupfermünzen benötigt, das für Münzen im Pfennig-Bereich zur Verfügung stand.

Doch wurde die bereits durch den Krieg angefachte Inflation damit noch weiter nach oben getrieben. So kam es bald auch zu einem Mangel an Silbermünzen, denn der nominale Wert lag plötzlich weit unter dem Wert des Münzmaterials. Diese ersten Notgeldausgaben zu Beginn des Ersten Weltkriegs waren in der Gestaltung noch sehr primitiv, dennoch wurde nicht zu sehr auf das Design geachtet. Trotzdem hatten die Bürger in den Kriegszeiten überraschend großes Vertrauen in das Notgeld.

Schon zu Ausgabezeiten entstanden Sammlervereine

Bereits zur damaligen Zeit etablierten sich Sammlervereine, die das Geld einbehielten. Die Gemeinden, Kommunen, Vereine und selbst Privatunternehmen, die bis dahin Notgeld herausgaben, erkannten hier ein neues Geschäft. So wurden nun Notgeldscheine hergestellt, die nur an Sammler gingen. Dieses Geld wird heute als Serienscheine bezeichnet und kann münzuntypische Nominalwerte wie 75 Pfennige aufgedruckt haben.
Allerdings wurde nun aufgrund des Anspruchs des Sammelns der Gestaltung des Notgeldes mehr Beachtung geschenkt und so kam es zu den ersten Notgeldscheinen, die sich durch professionell in Szene gesetzte Motive auszeichneten. Nahezu jede Stadt druckte es - es gab Notgeld in Köln ebenso wie in München. Vom Staat wurde diese Ausgabe mehr oder weniger toleriert. Korruption und die politische Lage machten ein Verhindern nicht einfacher.

Inflationsgeld in den 1920ern

Dann jedoch kam es zur Inflation. Ab 1921 wurde jetzt wieder Notgeld ausgegeben. Allerdings stiegen die aufgedruckten nominalen Werte fast genau so schnell wie die Inflation selbst. 1923 waren Geldscheine im Wert von mehreren Billionen keine Seltenheit mehr. Eine Billion Reichsmark als Notgeld entsprach zu jener Zeit einem Wert von rund einem US-Dollar.
Nachdem dann in ausländische oder vergangene Währungen sowieso ein wesentlich größeres Vertrauen bestand, wollte der deutsche Staat dem davongaloppierenden Nominalwert Einhalt gebieten und brachte Notgeldscheine in Goldmark heraus.

Ebenso gab es dieses Inflationsgeld als US-Dollar. Dieses Geld wurde nach der Hyperinflation herausgegeben, um das Vertrauen in die eigene Währung wieder zu stärken und herzustellen. Dazu kamen Schatzanweisungen - und selbst Kriegsanleihen aus dem vorangegangenen Krieg wurden noch gehandelt. Das Material für das Notgeld bis 1923 war vielfältig. Leder, Porzellan, Aluminium, Papier, Pappe und selbst Spielkarten und Schecks wurden zu Notgeld umfunktioniert. Auch Länder wie Belgien oder Österreich brachten in dieser Epoche Notgeldscheine heraus.

Notgeld nach 1945

Nach dem Niedergang des Dritten Reichs kam es 1945 ebenfalls wieder zu einer Notgeldsituation. Nun wurde jedoch kein Notgeld herausgegeben. Stattdessen erfüllten Produkte wie Zigaretten und Kaffee diese Aufgabe. Später, in den 1970ern, gab es dann eine Periode, in der in Italien Notgeld ausgegeben wurde. Dabei handelte es sich um Anweisungen mit der Bezeichnung "Miniassegni". Allerdings waren Einsatz als auch Akzeptanz regional sehr stark eingeschränkt.
In Südamerika kam es 2000 und 2001 zu einer Wirtschaftskrise in Argentinien. Die Regierungen einzelner Provinzen nutzten Schuldverschreibungen, um ihre Bediensteten zu bezahlen. Diese "Patacones" sollten später in reguläre Pesos zu tauschen sein.

Notgeld unter anderen Voraussetzungen: Lager, Ghettos, Gefängnisse und KZs

Eine weitere Art von Notgeld stellt das sogenannte Gefängnis-, Ghetto- oder Lagergeld dar. Gefangenen und Ghetto-Bewohnern – auch unter den Nazis – wurde alles an Wert abgenommen, stattdessen mussten sie mit einem besonderen Notgeld bezahlen.

Der Wert von Notgeld und Belagerungsgeld

Wie auch bei anderen nominalen Werten wie historischen Wertpapieren, die auf Papier gedruckt wurden, hängt der Wert vom Notgeld von vielen Umständen ab. So ist das älteste, erhaltene Belagerungsgeld aus dem 14. Jahrhundert von enormem Wert. Einerseits hängt das mit dem Alter zusammen, die Knappheit und wohl der Umstand, dass es das älteste erhaltene Geld seiner Art ist, spielen ebenfalls eine Rolle.
Aber auch das Notgeld der späteren Jahrhunderte kann enormen Wertzuwachs erfahren. Gerade bei Städtebelagerungen wurden die Belagerungsscheine meist vom amtierenden Herrscher unterzeichnet. Aber auch Generäle und andere ranghohe Offiziere, die zum Teil in die Geschichtsbücher eingingen, unterzeichneten dieses Belagerungsgeld.

Der Wert von Notgeld ab dem Ersten Weltkrieg bis zur Hyperinflation

Die ersten Ausgaben mit kleinen nominalen Aufdrucken und auch Serienscheine können einen verhältnismäßig hohen Wert besitzen, kamen sie doch in sehr geringen Auflagen unter das Volk. Dementsprechend wenig ist heute davon erhalten. Da die zweite große Periode von Notgeld, also Anfang der 20er, von teilweise nicht mehr nachvollziehbaren Auflagen bestimmt war, kann dieses Notgeld heute noch in Bündeln zu einem geringen Preis erstanden werden.
Doch natürlich gibt es auch von diesem Geld einige Ausgaben von Unternehmen oder Gemeinden und Ländern, die nicht so hoch ausfielen und damit einen entsprechend höheren Wert besitzen. Selbiges gilt für Notgeld aus außergewöhnlichen Materialien und Produkten.

Von druckfrisch bis stark abgenutzt und in Fragmenten erhalten

Darüber hinaus ist das Notgeld aus dem frühen 20. Jahrhundert im Wert auch vom Zustand geprägt. So gibt es beispielsweise in Duderstadt Notgeldscheine, die nie verteilt wurden. Diese Scheine sind praktisch druckfrisch ohne jegliche Beschädigungen. Überhaupt ist der Grad der Beschädigungen und Gebrauchsspuren auf Notgeldscheinen wie auch auf anderen Banknoten von großer Bedeutung.
Nachfolgend finden Sie eine Einteilung nach dem Zustand von Geld, wie sie unter Händlern und Sammlern üblicherweise vorgenommen wird.

Banknoten-Bewertungen

  1. Ziffer I, unzirkuliert (unz) oder kassenfrisch (kfr) bzw. uncirculated (unc): Druckfrisch - selbst minimalste Schäden sind absolut ausgeschlossen.
  2. Ziffer II, vorzüglich (vzgl oder vz) bzw. extremely fine (ef oder xf): Kurz im Umlauf. Diese Scheine können mittig gefaltet sein oder an den Ecken kleine Knicke aufweisen. Keine Verschmutzungen.
  3. Ziffer III, sehr schön (ss) oder very fine (vf): Regulär umlaufende Note mit deutlichen Gebrauchsspuren wie Knicken und dezenten Verschmutzungen. Keine erheblichen Schäden wie Risse oder Abrieb.
  4. Ziffer IV, schön (s) bzw. fine (f): Banknoten, die übermäßig lange im Umlauf waren. Ausfransungen oder Risse am Rand, allerdings nicht bis zur Mitte des Geldscheins reichend.
  5. Ziffer V, sehr gut erhalten (sgh) oder very good (vg): Massive Verschmutzungen und Beschädigungen der Banknote können gegeben sein. Löcher oder Abrieb an wiederkehrenden Faltpositionen möglich.
  6. Ziffer VI, gut erhalten (ge) bzw. good (g): Die Banknote kann in sehr schlechtem Zustand sein. Beschädigungen wie zuvor, darüber hinaus können sogar kleinere Teile (Ecken, außen an häufigen Faltstellen) fehlen - jedoch ist die Note zum großen Teil erhalten.
  7. Ziffer VII, gering erhalten bzw. very poor (vp): Erhebliche Teile des Geldscheins können fehlen, selbst ein kleineres Fragment als Angebot ist möglich.

Weitere Möglichkeiten zur Beurteilung des Werts von Notgeld

Des Weiteren haben Sie die Möglichkeit, in Notgeld- und Inflationsgeld-Katalogen nach entsprechenden Druckserien und Auflagen zu recherchieren. Viele Notgeldscheine sind dort beschrieben und bewertet.
Außerdem kann jederzeit eine gewisse Popularität für bestimmte Serien und Auflagen einsetzen - sei es nach Städten, Ländern oder der herausgegebenen Stückzahl. Folglich ist es immer ratsam, sich auch bei Sammlern zu erkundigen, wie diese den Wert eines Notgeldscheins einstufen würden.

Unterscheiden Sie zwischen Händlern, Sammlern und privaten Zufallsverkäufern

Beachten Sie zudem, dass Sie zwischen Sammlern, Händlern und Verkäufern von Zufallsfunden und Erbschaften unterscheiden müssen. Händler finanzieren ihren Lebensunterhalt aus dem Erlös von den Sammlerstücken, die sie verkaufen. Dementsprechend werden Händler stets die hohe Exklusivität, Seltenheit und das Besondere an dem von ihnen angebotenen Notgeld betonen.
Lassen Sie sich beim Kauf nicht unter Druck setzen, sondern nutzen Sie die Erfahrungen und Einschätzungen über Banknoten- und Münzkataloge sowie von Sammler-Profis.

Wahren Sammlern hingegen bedeutet ein steigender Wert meist nichts, schließlich sind sie stolz und froh, einen bestimmten Schein zu besitzen. Scheine, die von solchen Sammlern verkauft werden, sind meistens Dubletten, also Notgeldscheine, die sie doppelt besitzen. Der Verkaufspreis kann hoch, aber fair sein.
Bei angebotenen Dachbodenfunden und Erbschaftsmassen haben Sie dafür auch ausgesprochen gute Chancen, preisgünstig an echte Raritäten zu gelangen.

Holen Sie Informationen zum Notgeld ein, das Sie kaufen möchten

Insbesondere bei hochpreisigen Stücken ist es jedoch immer sinnvoll, solche Scheine einer genauen Untersuchung zu unterziehen, denn unter Umständen kann es auch ein Nachdruck sein. Ermitteln Sie möglichst viele Daten zu einem Notgeldschein und vergleichen Sie sämtliche Daten in Ruhe.
Selbst Auflagen von kleinen Stückzahlen müssen nicht zwangsläufig einen hohen Wert besitzen. Der wird stets durch das Verhalten des jeweiligen Sammlermarkts bestimmt: die Nachfrage bestimmt den Wert des Angebots. Preiswertes Notgeld, das oftmals auch unter 10 Euro im Konvolut angeboten wird, können Sie auf jeden Fall kaufen, denn es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Sie diese geringen Kaufpreise später nicht mehr erzielen können.

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