Hilfe, mein Mann schaut jedes Fußballspiel!

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Der Fernseher ist seit Tagen im Dauerbetrieb und auf dem Bildschirm flimmert nur eins: Fußball. In vielen Partnerschaften sorgt das für Streit.  Doch was können Frauen tun, um ihren Mann während der Europameisterschaft vom Fernseher wegzulocken? Gibt es da Tricks, die funktionieren? Und wieso schauen Männer eigentlich so gerne Fußball? Die Paartherapeutin Dr. Beatrice Wagner klärt auf und gibt wichtige Tipps, wie der Fußballwahn für Frauen erträglicher wird.
Bei 51 Spielen in 4 Wochen würden viele Frauen am liebsten mal "Auszeit" schreien. (Bild: Thinkstock via The Digitale)
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Bei 51 Spielen in 4 Wochen würden viele Frauen am liebsten mal "Auszeit" schreien. (Bild: Thinkstock via The Digitale)

Warum stehen eigentlich so viele Männer auf Fußballschauen?
Fußball ist doch toll! Während die Zuschauer gemeinsam die Spieler anfeuern, stellt sich ein Gemeinschaftsgefühl ein, das ihnen guttut. Die Männer erleben dabei Gefühlsausbrüche, Hochs genauso wie Tiefs, was oftmals ein Ersatz für das tägliche Leben ist, in dem sie sich solche Gefühlsäußerungen nicht erlauben. Insofern löst ein Fußballspiel innere Spannungen. Und schließlich sind die Fußballregeln plausibel und eindeutig. Jeder kann sie verstehen. Jeder ist ein Experte. Das ist prima fürs Selbstbewusstsein.

Kann man Männern das Fußballgucken aberziehen?
Das kann frau nicht und das sollte sie auch gar nicht erst nicht versuchen. Ein Mann, dem man sein Fußballspiel nimmt, ist unausgeglichen und schlechtgelaunt.
Wenn Deutschland spielt, holt ihn keine Frau vom Fernseher weg. (Bild: Thinkstock via The Digitale)
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Wenn Deutschland spielt, holt ihn keine Frau vom Fernseher weg. (Bild: Thinkstock via The Digitale)

Was können Frauen denn tun, wenn er mal wieder 4 Wochen lang vor dem Fernseher sitzt?
Diese Zeit geht natürlich der Beziehungszeit verloren. Insofern wäre mein Vorschlag, den Liebsten mal zum Public Viewing zu überreden. Das ist oft auch für Frauen schön, draußen, in der Sonne, mit vielen Freunden und ein paar Cocktails. Und das Paar macht etwas Gemeinsames.

Gute Idee, wenn es nicht regnet... Wie stehen denn die Chancen, dass der Mann sich vom Fernseher durch attraktive Alternativen wegbewegen lässt? Und welche könnten da funktionieren?
Ganz schwer. Die Männer kommen ja schon mit dem Spielplan in meine Praxis, damit der nächste Termin bloß nicht auf einen wichtigen Spieltag fällt. Männer geben allerdings auch zu, dass nicht jedes Spiel gleichermaßen wichtig ist, und dass sie für die Beziehung auch schon mal die Prioritäten verändern können. Hier könnte eine Frau eventuell ansetzen und Aktivitäten vorschlagen, die beiden Spaß machen.

"Männer brauchen Erfolgsgefühle"

Häufig kommt es ja zum Streit, wenn die Frau das Thema „Immer sitzt du vorm Fernseher und guckst Fußball“ anspricht. Wie vermeidet man das?
Die Ausdrücke „Immer“ und „nie“ sind nicht geeignet, um etwas zu erreichen. Der andere fühlt sich damit sofort angegriffen. Ich würde auf weibliche Überzeugung bauen: „Schatz, ich weiß, das Spiel ist wichtig, aber ich würde mich sehr freuen, wenn du mich an diesem schönen Sommerabend mit dem Rad in den Biergarten begleitest.“ Das wirkt überzeugender. Die Männer würden dann zwar immer noch lieber Fußball gucken, aber sie verzichten, um der Partnerin eine Freude zu machen. Die Partnerin muss sich dann natürlich entsprechend freuen, damit der Mann ein Erfolgsgefühl verspürt.
Auf den Ton kommt es an - Frauen sollten auf ihre "weibliche Überzeugung" setzen, so die Expertin. (Bild: Thinkstock)
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Auf den Ton kommt es an - Frauen sollten auf ihre "weibliche Überzeugung" setzen, so die Expertin. (Bild: Thinkstock)

"Ein fußballbegeisterter Mann ist vier Wochen lang fremdgesteuert"

Nur einmal, um das klarzustellen: Was stört Frauen eigentlich am Fußballfieber der Männer? Ist es das Spiel? Dass er den Fernseher blockiert? Oder das Gefühl, vernachlässigt zu werden?
Naja, ein fußballbegeisterter Mann ist vier Wochen lang fremdgesteuert. Telefonate mit der Liebsten oder das gemeinsame Abendessen finden nicht dann statt, wenn es sinnvoll ist, sondern in der Spielpause. Kann schon sein, dass es die Frauen stört, dass sie in dieser Zeit nicht die oberste Priorität haben. Und die Beziehung wird in dieser Zeit definitiv nicht gepflegt. Zudem ist der Fußball überall in den Medien präsent. Eine Frau kann dem Thema gar nicht ausweichen. Das kann schon auch nerven.
 
Müssen Frauen lernen, mit der Fußballleidenschaft ihres Mannes besser umzugehen? Was könnte man ihnen da raten?
Wenn Sie versuchen, die Männer von der Leidenschaft zu heilen, ist der Schaden größer als der Profit. Wenn Sie hingegen mal mitschauen, wird er Ihnen das hoch anerkennen. Ärgern Sie ihn in dieser Zeit nicht, fangen Sie keine tiefgreifenden Diskussionen kurz nach dem Anpfiff an und lassen Sie ihm seinen Spleen. Er wird dadurch glücklich, fühlt sich verstanden und macht dann auch gerne mal wieder etwas für die Partnerin.

"Rechnen Sie mit allen Tricks, aber nehmen sie es ihm nicht übel"

Könnten Argumente helfen, einen Kompromiss herbeizuführen? Wie könnte der aussehen? Und welche Argumente würden sie der Frau da an die Hand geben?
Es dürfen natürlich keine Pflichten und Termine vernachlässigt werden, die wirklich wichtig sind. Auch sollten Frauen selbstbewusst für ihre eigenen Bedürfnisse eintreten. Sie sollten den Mann aber explizit darauf hinweisen, dass etwa ein gemeinsamer, lang geplanter Termin ansteht, denn es kann schon sein, dass er ihn ansonsten vergisst. Der Mann meiner Freundin ist kurz vor einer gemeinsamen Einladung plötzlich sehr krank geworden und musste sich hinlegen. Sie hat sich Sorgen gemacht, bis ihr eingefallen ist, dass an dem Tag ein Eröffnungsspiel stattfand. Also rechnen Sie mit allen Tricks, aber nehmen Sie es ihm nicht übel.
Dr. Beatrice Wagner, Paar- und Sexualtherapeutin aus München. (Bild: Hannes Kohlmaier)
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Dr. Beatrice Wagner, Paar- und Sexualtherapeutin aus München. (Bild: Hannes Kohlmaier)

Denken Sie an Sepp Herberger

Was würden sie fußballgeplagten Frauen allgemein raten? Wie können sie sich ablenken, was macht ohne Mann vielleicht auch viel mehr Spaß? Und könnte die Neuentdeckung eines eigenen Hobbys dazu führen, dass Frauen Frieden mit dem Fußballwahn des Mannes zu schließen?
Ja eben, genau richtig. Idealerweise klebt ein Paar in seiner Freizeit nicht dauernd aufeinander. Jeder sollte auch seinen eigenen Bereich haben und seine eigenen Interessen pflegen. Und für diese Bereiche bleibt während der Europameisterschaft mehr Zeit als sonst. Ist ja auch positiv. Und ansonsten möchte ich allen genervten Frauen einfach das leicht veränderte Zitat von dem berühmten Sepp Herberger ans Herz legen: „Der Ball ist rund und die EM dauert 4 Wochen.“ Und dann ist es erst mal wieder geschafft!
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