High Heels - die Lust am Bein

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Der Diktator kam nicht auf leisen Sohlen. Als sein metallisches Klackern gegen 1932 zum ersten Mal durch die Gassen des italienischen Städtchens Varese hallte, konnten die dortigen Schuhmacher noch nicht ahnen, daß ihr Erzeugnis die nächsten 50 Jahre Geschichte in den Asphalt hämmern würde. Denn heute drängt er schon wieder mit Macht an die Macht - der Stöckelschuh.

Diesmal bringt das nur noch einen kleinen Teil der Mediziner, Feministinnen, Gesundheitsfantiker und Putzteufel auf die Barrikaden, die noch vor 20 Jahren den Untergang des Abendlands unterm spitzen Absatz befürchteten.

Er trat nach Meinung gestrenger Damen und Herren nicht nur die öffentliche Moral mit Füßen, sondern auch die sorgsam gehegten Parkettböden in öffentlichen Gebäuden. Der Generaldirektor der französischen Museen erließ 1964 ein generelles Eintritts-Verbot für Damen auf Stöckelschuhen, ein Bürgermeister in Nordrhein-Westfalen ließ an einer neuen Straße ein Schild aufstellen: „Gesperrt für Pferde und Damen mit Pfennigabsätzen!" Was den Siegeszug der steilen Hacken zwar in dieser Straße, aber ansonsten keineswegs aufhielt. Im Gegenteil.

Überall, wo holde Weiblichkeit beim Mann starken Eindruck hinterlassen wollte, wurde der Stöckel bemüht. Was wohl nicht nur am Geräusch gelegen hat und liegt - Psychologen vermuten versteckte sadistische Regungen beim Mann, der die Frau solchermaßen zu kleinen Schritten gezwungen sieht, in der Phantasie quasi gefesselt hat. Dazu noch der durch die hohen Absätze wiegende Schritt - und fertig ist das Freud'sche Bild der Super-Machos, die kleine Mädchen an der Leine halten. Und noch eins drauf.

Die Chinesen hatten den geheimgehaltenen Effekt des Trippelschritts schon vor Jahrhunderten erkannt und Mädchenfüße kleingebunden. Heut ist es raus: Der hohe Schuh erzielt denselben Effekt, wie amerikanische Wissenschaftler nachwiesen - hohe Absätze stimulieren neben dem Blutkreislauf besonders die Muskeln des Genitalbereichs. Und schon wieder freut's die Männer. Nur eins paßt nicht ins Bild. Damals wie heute kommt die Motivation zum Kauf des Stöckelschuhs überwiegend von den Frauen selbst, die schon immer genauer wußten, was Männer denn tatsächlich mögen. Denn die Männerwelt hält sich zurück, weiß in den wenigsten Fällen von den wundersamen Eigenschaften des grazilen Schuhwerks, läßt sich sogar noch von den hohen Hacken der Wunsch-Domina in den Hintern treten. Oder hat womöglich echte Angst vor hochbeschuhten Damen.

Nicht jeden trifft's so hart wie Ephraim Kishon, den Satiriker: „Bis vor kurzem wußte ich mit absoluter Sicherheit, daß ich, bequem im Stuhle lümmelnd, die Frisur der besten Ehefrau von allen direkt in Augenhöhe hatte, wenn sie vor mir stand. Im Januar dieses Jahres traf mein Blick im Sitzen nur noch auf ihre Stirne, im März standen wir uns Aug' in Aug' gegenüber und seit April reiche ich ihr bestenfalls bis zum Kinn. Wenn das so weitergeht, werde ich ihr demnächst wie ein ungezogenes Kind unter den Armen durchschlüpfen."

Diesen ungestümen Wildwuchs hoher Hacken verhindert zwar die Biologie. Da die Plateausohle in der Versenkung verschwunden ist, ein bestimmtes Länge-Höhe-Verhältnis aber nicht überschritten werden kann, hört die Maximalerhebung via Schuhwerk bei Größe 41 in der Gegend um 15 Zentimeter auf. Für kleiner gewachsene Herren ist das freilich schon ein Grund echter Besorgnis. Für die Damen mit Hang zu Höherem aber genau das Richtige, um wohlgeformte Beine noch ein Stück länger erscheinen zu lassen. Denn nach der Brust- und Po-Euphorie vergangener Jahre hat die heutige Generation ganz klar das Bein zum erotischen Signal Nummer eins erklärt. Was die Begeisterungsstürme bei der erneuten Machtübernahme des Mode-Diktators „Stöckel" hinreichend erklärt...

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