HiFi-ZEILE Info: Kontaktsprays und ihre Folgen

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  Kontaktsprays und ihre Folgen


Verschiedene Sprühmittel – sogar Ballistol und andere klebrig schmierenden Öle – werden trotz ihrer bekannten Mängel als „oxidlösende Reinigungsmittel“ empfohlen und verwendet. Im Unterhaltungselektronik-Alltag nennt man sie unkritisch salopp „Kontaktsprays“.

Immer wieder bekommen wir HiFi-ZEILE Techniker den Reparatur-Auftrag für einen Verstärker oder Receiver, der mit solch einer Substanz behandelt wurde. In den meisten Fällen hatte ein gut meinender Techniker damit versucht, das Gerät wieder flott zu machen.

Oxidation, Ablagerung von Zigaretten-Rauch oder ein verbogenes Einzelteil verursachen Kontakt-Unterbrechungen. Kontaktsprays reinigen für kurze Zeit einen unterbrochenen Signal-Kontakt. Aber sie wirken für nur ein paar Tage, oft nur wenige Stunden.

Wenn die Wirkung der Sprays oder Öle nachlässt, fallen einzelne Kanäle wieder aus, das Kratzen und Knistern ist wieder zu hören. Aber die gefährlichen Nebenwirkungen, die von derartigen Sprays oder Ölen verursacht werden, lassen nicht nach: Regler bleiben verklebt, unter dem Sprühfilm zeigen sich blasenartige Aufwerfungen (wir Techniker nennen das: ausblühen), der Alterungsprozess der Bauteile wird beschleunigt.

Bei einem weniger aufwändig gebauten Verstärker (z.B. Denon, Kenwood) benötigen wir HiFi-ZEILE Techniker vier bis sechs Stunden, um das Gerät von allen Kontaktspray-Rückständen zu befreien. Bei einem NAD dauert diese Reinigung einen vollen Arbeitstag.



Bevor ein Gerät unsere HiFi-ZEILE Werkstatt verlässt, reinigen wir alle Schalter und Regler, entfernen wir gründlich alle etwaigen Spray- und andere Schmutz-Rückstände. Diese Arbeit kann bei einem elektro-mechanisch anspruchsvoll konzipierten Verstärker wie dem harman/kardon PM 665Vxi sogar mehr als acht Stunden in Anspruch nehmen.

Luxman-Verstärker sind bekannt für ihre hochwertigen Regler und Schalter. Kontaktspray sollte bei diesen Geräten absolut tabu sein. Mindestens vier (beim L 190), acht (beim L 410) oder sogar zwölf (L 525) Arbeitsstunden kann es erfordern, solch ein feinmechanisches Meisterwerk von öligen Rückständen zu befreien.

Bei einem Accuphase-Verstärker, der mit Kontaktspray kontaminiert wurde, müssen wir für unsere Arbeit dem Auftraggeber mindestens 16 Stunden in Rechnung stellen. Schon der Elektromechanik-Laie erkennt beim Blick durch die Lüftungsschlitze eines E 205 oder E 206: diese teilweise winzigen Accuphase-Einzelteile verlangen beinahe schon die Sorgfalt eines Uhrmachers bei der Reinigungsarbeit.

Falls Sie unsere Hilfe benötigen, weil ein Kontakt-Sprayer sogar Ihrem überaus empfindlichen Revox-Verstärker Schaden zufügte, unterbreiten wir Ihnen erst einmal einen Kosten-Voranschlag für unsere Cleaning-Maßnahme. Denn wegen der aufwändigen Revox-Feinmechanik kann diese Arbeit zwischen 20 und 35 Stunden erfordern.

Bitte verstehen Sie uns richtig: Wir möchten mit unserer Warnung vor Kontaktsprays und anderen „Wundermitteln“ nicht die Reparatur- und Tuning-Methoden unserer Mitbewerber verunglimpfen. Schließlich leisten die Kollegen überwiegend ordentliche Arbeit – auch im LoFi- und Mittelklasse-Breich, wo der harte Konkurrenzkampf („Geiz ist geil“) schon mal zum Griff nach der Spray-Flasche verführt.

Wir HiFi-ZEILE Techniker verwenden Kontakt optimierende Mittel nur dann, wenn es absolut sinnvoll ist – zum Beispiel bei unserem Chinch-Kabel. Bevor wir dieses Kabel ausliefern, behandeln wir seine vergoldeten Stecker mit Pro-Gold; dieses Korrosions-Schutzmitttel wurde bislang nur von der Luftfahrt-Industrie verwendet und hat sich dort bereits bewährt.

Alle übrigen Kontaktsprays gehören auf keinen Fall in eine Werkstatt, wo Geräte von unwiederbringlichem Wert generalüberholt werden. Denn wir HiFi-ZEILE Techniker kennen nur zu gut jenen Arbeitsaufwand, den wir für das Reinigen eines Kontaktspray-geschädigten HiFi-Klassikers benötigen:

- Wir überprüfen jeden Schalter und Regler, der mit Kontaktspray behaftet sein könnte;

- Wir bauen die betroffenen Schalter und Regler aus;

- Wir zerlegen sie – wie ein empfindliches Automatic-Uhrwerk - in ihre Einzelteile;

- Wir polieren alle Metallteile auf;

- Wir reinigen (metallisch-rein) die einzelnen Bauteile in einer speziell abgestimmten
  Ultraschallbad-Lösung (die Rückstände entsorgen wir anschließend fachgerecht);

- Wir versiegeln die Einzelteile mit einem Anti-Oxidations-Mittel;

- Wir setzen die Schalter und Regler wieder zusammen;

- Wir überprüfen sämtliche Funktionen des Geräts.


Bei all diesen Tätigkeiten müssen wir darauf achten, dass wir keines der empfindlichen Bauteile verbiegen. Aber der Aufwand lohnt sich. Denn genau diese feinmechanisch ausgeklügelten Schalt- und Regel-Elemente sind mitverantwortlich für die klanglichen Vorzüge, die ein hochwertiges Audio-Gerät bieten kann.

Vertrauen Sie deshalb Ihren wertvollen HiFi-Klassiker nur einem Techniker an, der Ihnen ausdrücklich garantiert: „Ich verwende KEIN Reinigungsmittel, das den Wert Ihres Geräts schädigen könnte.“

Haben Sie weitere Fragen zum Thema „Kontaktsprays“? - Wir stehen Ihnen mit unserer Erfahrung aus mehr als 25 Jahren Service-Arbeit mit HiFi-Klassikern gerne zur Verfügung.

Pierre Wittig 
 
Ihr Spezialist für Audio-Klassiker von gestern und morgen

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