HiFi, Vintage, Classic, Raritäten

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Classic Vintage Hifi Nostalgie

Hallo lieber Leser,
ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Hifi und möchte ein paar Tips geben um den Kauf eines Vintage Gerätes zu erleichtern.

Die Geräte der 70-ziger sind einfach nur schön und lassen das Herz jedes Nostalgikers höher schlagen.
Früher waren die Geräte so teuer das sie sich ein normal Sterblicher kaum leisten konnte, hier im Ebay kann man sich nun den einen oder anderen Traum erfüllen.

Die bekannten USA/Japan-Namen: Marantz, Pioneer, Sansui, Kenwood hatten richtige Boliden auf die Beine gestellt.
Man kaufte so ein Gerät nach Gewicht. Dann wusste man, dass auch ausreichend Leistung zur Verfügung stand. Auf die Leistungsangaben konnte man sich sowieso nicht verlassen.
Die Zeitschrift Stereoplay hatte mal einen Marantz Receiver 23xx getestet, der mit 120 Watt pro Kanal angegeben war. Die tatsächliche gemessene Leistung nach deutschem Standard lag bei 240 Watt p/C.
Die Hersteller waren damals sehr viel vorsichtiger in Ihren Leistungsangaben.

Die Geräte waren massiv, alles aus Metall und zur Verschönerung Holzverkleidungen, da die Geräte einzeln und nicht im Rack aufgestellt wurden. Plastik war nur zur Isolation gedacht und kam dann Ende der 70-ziger mehr und mehr zum Einsatz, um die Produktionskosten zu senken. Die Verstärkertechnik war damals meistens klassisch (B), reine Leistungsverstärker, klanglich mit heutigen Geräten nicht mehr zu vergleichen.
Wer keinen Wert auf das letzte Quäntchen Klang legt, erhält hier gute Geräte die einmal in der Spitzenklasse angesiedelt waren.

So sind zum Beispiel die Pioneer Receiver, trotz ihrer geringen Leistungsangaben warm und rund im Klangbild und enorm druckvoll im Bass. Man hat auch hier das Gefühl das, dass ein oder andere Watt verschwiegen wurde.

Aber hier geht es ja nicht um Klang sondern um das Aussehen.

Gute Technik kam aber aus Deutschland, die Vorreiter Klein und Hummel, BASF, Grundig, Saba, Wega, Braun, ELAC.

Wega war der Designer schlecht hin und immer für ausgefallene, technische Neuerungen bekannt. SONY kaufte die Firma Wega und brachte seine Hi-End Edelmarke unter dem Namen SONY-Wega heraus.

Braun hatte auch ungewöhnliche Designs für diese Zeit. Heute sind die Röhrenverstärker von Braun sehr beliebt, klanglich aber recht bescheiden.

HIFI von höchster Güte! Klein und Hummel, in Sachen Technik und Klang der Vorreiter schlecht hin, baute für die Ewigkeit.
Viele japanische Hersteller haben hier erst mal reingeschaut bevor sie sich einen Namen machten. Die alten Verstärker von Klein und Hummel klingen auch heute noch überdurchschnittlich gut, egal ob Transistor oder Röhre.
Nostalgie gepaart mit gutem Klang. So findet man zum Beispiel in Saba Telewatt- Röhrenverstärkern, Klein und Hummel Technik.
Der K+H Tuner FM 2002 war das Non plus Ultra und kaum bezahlbar auch heute wird man noch viel Geld dafür hinlegen müssen.

Die Kassettentoplader von ELAC sahen aus wie die Henkelmänner von heute. ELAC Kassettendecks hatten für die damalige Zeit ein ungewöhnlichen guten Klang, kein Wunder, die Geräte wurden von Nakamichi gebaut.

Grundig verbaute als erster Hersteller ICs in Ihren Tunern. Auch die Receiver der 80er waren tolle Geräte, technisch und im Design.

Wenn Sie nun so ein Gerät erwerben möchten, sollten Sie darauf achten, dass es technisch in Ordnung ist.
Defekte Geräte, Ausfall einer Endstufe lassen sich noch günstig reparieren.
Schlechter sieht es aus wenn die Transformatoren defekt sind. Diese sind so gut wie nicht mehr zu erhalten, wenn doch steht der Preis in keinem Verhältnis zu einem neuen Gerät. Es gibt natürlich noch die Möglichkeit den Trafo bei einem Transformatorenwickler reparieren zulassen, dass kann aber locker die 100 € Marke überschreiten.

Tips:

1. Achtung vor Angaben "Dachbodenfund", "Kellerfund". Wenn so ein Gerät auf dem Dachboden stand war es extremen Temperaturen ausgesetzt. Das Gerät ist meistens technisch verrottet.

2. Anbieter die schreiben, "konnte das Gerät nicht testen", wollen Schrott zu Geld machen. Wahrscheinlich haben sie das Gerät in irgendeiner Mülltonne gefunden.
Wo ist das Problem? Stecker in die Steckdose, Lautsprecher dran, ausprobieren.

3. Schlimmer ist es bei Röhrenverstärker. Faustregel: "Teste niemals einen Röhrenverstärker ohne angeschlossene Lautsprecher". Nur wenige Schaltungen lassen dieses zu.
Auch hier gilt wieder, "konnte das Gerät nicht testen" also Müll oder "habe ihn eingeschaltet alle Röhren glühen hell scheint zu funktionieren" auch Müll.
In diesem Fall kann ein Spannungsüberschlag die Röhren oder die Übertrager zerstören.

4. Riesige Leistungsangaben 600 800 Watt
Verkauft sich gut oder? So wurden hier einige Pioneer Receiver angeboten. Natürlich war das die aufgenommene Leistung des Gerätes und nicht die tatsächliche Angaben der abgebenden Leistung des Verstärkers, die lag mal gerade bei 80 Watt p/C. In den seltesten Fällen wurde darauf hingewiesen.
Glatter Betrug um einen höheren Preis zu erzielen und dann wird noch behauptet man kennt sich da nicht so aus.
Wenn nicht ausführlich darauf hingewiesen wird fragen Sie den Anbieter, um welche Leistungsangabe es sich handelt.

5. Ein guter Verkäufer gibt Ihnen eine ausführliche Beschreibung, stellt Bilder zur Verfügung und weist auf Mängel hin.
Ein Klassiker von 30-40 Jahren hat Kratzer und Wehwehchen damit muß man rechnen und diese sollten auch vom Verkäufer deklariert werden.

6. Als wichtigster Punkt bei geplanter Anschaffung eines Klassikers.
Googlen Sie im Internet, es gibt viele Klassik- Liebhaber die auf Ihren Seiten Informationen zu den Geräten bereitstellen.
Informieren Sie sich vorher. Schauen Sie in den einschlägigen Foren nach, auch hier finden Sie interessantes.
Die meisten Informationen über Klassiker erhalten Sie auf US-Seiten.

Ich hoffe dem Unbedarften hier ein bisschen weiter geholfen zu haben, um nicht ins Blaue zu steigern und später rot zu sehen.

Diese Zeilen sollten keinen HIFI Test, oder irgend eine Firmenhistorik darstellen und jeder sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Klassiker mit dem heutigen High-End Standard nicht mehr vergleichbar sind, jedoch im Design, Verarbeitung und Anmut den heutigen Geräten in nichts nachstehen.

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