HiFi Geräte im Mischbetrieb sowie die Entmagnetisierung

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Definition Mischbetrieb: Alte und neue HiFi-Geräte in einer Kette betreiben

Habe eine interessante Erfahrung gesammelt, die ich interessierten und ambitionierten HiFi- und Highend- Freunden nicht vorenthalten möchte.

Alte HiFi-Geräte aus den sechszigern, siebzigern und achtzigern sollte man sinnvollerweise auch an einer Kette aus gleicher Epoche betreiben. Dies gilt besonders für Lautsprecher. Schließt man ältere Geräte an eine aktuelle Highend-Kette an, wird man in den meisten Fällen enttäuscht sein. Die aktuellen Geräte und Lautsprecher lösen deutlich besser auf und decken somit "Schwächen" des Vintage-Gerätes gnadenlos auf. An einer alten Kette gehört, klingt es noch ganz pasabel, an einer neuen Kette drückt man ganz schnell den Aus-Schalter. Ich habe das bei Tunern und CD-Playern mehrfach feststellen dürfen. AUSNAHME sind Röhren Vor- und Endverstärker, wenn diese einer Generalüberholung unterzogen worden sind, klingen sie auch an einer neuen Kette gnadenlos gut. Transistorverstärker aus jener Zeit neiden tendenziell zu einer gewissen Härte im Klangbild, das an alten Lautsprechern jedoch nicht auffällt. Auf aktuellen Lautsprechern gehört, werden derartige Schwächen offenbar. 

Entmagnetisierung

Ältere Lautsprecher entwickeln im Laufe der Zeit auch eine gewisse Härte, weil sich die Spulen im Lautsprecher magnetisieren und daher das Ein- und Ausschwingverhalten sich verschlechtert.  Tipp: Mit einer Densen Entmagnetisierungs-CD können diese Härten wieder gelöst werden, einfach CD einlegen, mit Zimmerlautstärke 3 Minuten abgespielt - fertig *). Die anschließend eingelegte CD hört sich deutlich entspannter und runder an. Mit dieser Entmagnetisierungs-CD werden in schneller Folge Frequenzen abgespielt, die die Membranen zu einer Entmagnetisierung anregen. Aber Achtung: Dieser Prozeß des Entmagnetisierens läßt sich nicht mehr umkehren (nur durch wieder sehr langes hören), d.h. wenn man den harten Klang liebt z.B. bei Rock und Pop aus den 60zigern und 70zigern, dann sollte man auf keinen Fall entmagnetisieren. Mir persönlich gefiel es in allen bisher durchgeführten Entmagnetisierungen bei verschiedenen Anlagen "nachher" immer besser, auch bei Rock und Pop - auch auf aktuellen Ketten.

Stichwort Entmagnetisieren: Moving Coil (MC) Tonabnehmersysteme sollten regelmäßig entmagnetisiert werden (so alle 3 Monate). Man benötigt dazu kein separates 300 EUR teueres batteriebetriebenes Kästchen. Man zieht die Phonokabel vom Plattenspieler ab, legt eine Single Platte mit 45 u/Min auf, schließt linken und rechten Kanal am Cinchstecker mit jeweils einer separaten Büroklammer kurz (Mittel-Pin mit Masse verbinden), spielt die Single komplett ab - fertig. Die hier auftretenden Ströme sind ja nicht höher als im normalen Spielbetrieb und können daher zu keinen Schäden führen *).  Wer noch ein Tonbandgerät oder Cassettenlaufwerk besitzt und es auch betreibt sollte die Tonköpfe und den Löschkopf von Zeit zu Zeit ebenfalls entmagnetisieren. Die Löschdrossel wird eingeschaltet nahe an die Köpfe herangeführt und einige Bewegungen in Kopfnähe durchgeführt. Anschließend die Drossel im eingeschalteten Zustand ca. 1 bis 2 meter vom Gerät wegführen, dann erst ausschalten. Ich wickele gerne ein Tuch über die Löschdrossel, falls man doch an den Tonkopf dran kommt verhindert dies Kratzer. DAT-Laufwerke benötigen diese Prozedure nicht, jedoch ab und zu eine Reinigung der Köpfe mittels eines Cleaning-Tapes (ca.8-10 Sekunden). Für Tonbandgeräte gibt es Reinigungsutensilien, für Cassettengeräte gibt es ebenfalls Reinigungs-Cassetten.

Was immer geht ist ein aktuelles Gerät an einer alten Kette hören, z.B. CD-Player. Man wird das volle Potenzial nicht völlig ausschöpfen können, aber man hat auf jeden Fall einen deutlichen Klang zugewinn auf der alten Anlage. Umgekehrt altes Zuspielgerät an neuer Kette geht in der Regel nicht. Wurde das alte Gerät generalüberholt kann es allerdings schon wieder anderst aussehen, wie uns das Beispiel Röhrenverstärker zeigt. Überholte alte Lautsprecher an einer aktuellen Kette gehört macht meistens auch keinen Sinn, man braucht dann keine aktuelle Kette.

Wovon ich dringend abrate, ist der Betrieb von 110 Volt Geräten in Deutschland. Ein passendes Netzteil, das die benötigten 110 Volt bereitstellt ist dabei nicht das Problem. Das Problem ist die Herz-Zahl die bei 110 Volt  60 beträgt und bei unseren 220/230 Volt 50 Herz. Das Gerät ist für eine Herzzahl abgestimmt und klingt nur damit optimal. Die Reduzierung von 230 Volt auf 110 Volt verändert jedoch nicht die Herzanzahl, das Gerät klingt deutlich schlechter. Dieser Umstand ist besonders bei Verstärkern dramatisch. Wenn gleich es oft verlockende 110 Volt-Angebot gibt, oft auch mit versteckten Hinweis, sollte man die Finger davon lassen, oder es in einem Fachbetrieb umbauen lassen (nicht unerhebliche zusätzliche Kosten!).

Fazit: Will man HiFi im Mischbetrieb betreiben (aus welchen Gründen auch immer), dann sollten die Komponenten sorgfältig ausgewählt und abgestimmt sein. Um eine Hörprobe kommt man ohnehin nicht drumrum. Deshalb beim Kauf ein Rückgaberecht einräumen lassen.

*) Die hier vorgestellten individuellen Erfahrungen können auf anderen Anlagenketten zu anderen Ergebnissen führen. Insofern dient dieser Ratgeber lediglich zur Orientierung. Ob und was Leser davon anwendet liegt nicht in der Verantwortung des Authors, jeder handelt auf eigene Gefahr. Sollte sich nicht das gewünschte Ergebnis einstellen oder wider Erwarten Schäden entstehen, können gegen den Author keinerlei Schadensersatz- bzw. Regressansprüche erhoben werden. Ich bitte um Verständnis !

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