Hermes - Kurze Wege, lange Lieferzeiten

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Vor etwa einem Jahr stolperte ich buchstäblich über ein Plakat vor einem Zeitschriftenladen in meiner Wohngegend: Hermes Paket-Shop. Die angeschlagenen Preise fand ich so überzeugend günstig, dass ich neugierig geworden bin. So habe ich mich erst einmal hier bei Ciao über den Hermes-Versand informiert und war zunächst von der geringen Durchschnittsnote abgeschreckt - bis ich feststellte, dass der Konkurrent DHL (vormals Deutsche Bundespost) eine noch niedrigere Durchschnittsnote hatte und viele Berichte zu Hermes schon etwas älter waren. Also habe ich den Hermes-Versand bei der nächsten Gelegenheit ausprobiert und versende seitdem alle meine Päckchen/ Pakete nur noch mit Hermes.
= Tarife =
Für die Abgabe in einem "Paket-Shop" gibt es folgende 3 Tarifstufen: Größe S (bis 50 cm) 3,90 EUR, Größe M (50 - 80 cm) 5,90 EUR, Größe L (80 - 120 cm) 8,90 EUR; bei Benutzung des Online-Paketscheins jeweils 20 Cent weniger. Die Größe berechnet sich dabei jeweils aus der Summe der längsten und der kürzesten Seite. Wichtig ist, dass die Zuordnung zu einer Tarifstufe unabhängig vom Gewicht und allein nach der Größe der Sendung erfolgt; bei Abgabe im Paket-Shop ist ein Gewicht von bis zu 25 kg je Sendung zulässig. Der Preisunterschied zu DHL, wo die Einstufung nach Gewicht geschieht, macht sich also vor allem bei kleinen, aber schweren Gegenständen wie z.B. Büchern bemerkbar. Außerdem sind alle Sendungen immer versichert (bis 500 EUR) und ihr Status kann per Online-Sendungsverfolgung überprüft werden. Dies bekommt man bei DHL nur bei einem Paket, nicht bei einem Päckchen.
Die Versicherung ist auf 500 EUR begrenzt und kann auch nicht gegen Aufpreis erhöht werden, daher ist Hermes nicht für den Versand sehr wertvoller Gegenstände geeignet. Außerdem kostet die Zustellung auf den deutschen Inseln einen Zuschlag von 6,90 EUR, der die Sendung in Vergleich zu DHL dann sogar teurer machen würde.
Daneben besteht die Möglichkeit, die Sendung bei sich zu Hause vom Paketboten abholen zu lassen. Die Tarife hierfür sind teurer als bei der Abgabe im Paket-Shop, nämlich bei Größe S 6,90 EUR, Größe M 11,90 EUR und Größe L 15,90 EUR. Dafür darf hier eine Sendung bis zu 31,5 kg wiegen. Für die Abholung von zu Hause gibt es außerdem noch zwei zusätzliche Tarifstufen, nämlich Größe XL für 25,90 EUR und Größe XXL für 30,90 EUR. Für die Abholung (genauso wie für die Zustellung) kann aber keine Uhrzeit vereinbart werden, nur ein Datum, deshalb habe ich diesen Abhol-Service noch nie genutzt und möchte deshalb auch nicht weiter darauf eingehen.
Übrigens enthalten alle Preise (im Gegensatz zu denen der Deutschen Post) die gesetzliche Mehrwertsteuer von z.Zt. 16%. Zum Vorsteuerabzug Berechtigte können hier also mit den Netto-Preisen ab 3,19 EUR (Paket S mit Online-Paketschein) rechnen.

= Vorbereitung zum Versand =
Man kann sein Paket für den Versand auf 2 Weisen vorbereiten: entweder man druckt zu Hause einen online ausgefüllten Paketschein aus, oder man füllt im Laden von Hand einen Paketschein aus, der dann aufgeklebt wird. Ich habe mich immer für die Variante des Online-Paketscheins entschieden, weil dann die Abgabe im Paket-Shop besonders schnell geht, die Sendung bereits mit allen Bar-Codes usw. versehen ist und man außerdem 20 Cent spart. D.h. bei einem online ausgefüllten Paketschein kostet das kleinste Paket nur noch 3,70 EUR usw.
Dazu ruft man die Homepage von Hermes, www.hlg.de (Hermes Logistik-Gruppe), auf und wählt den Punkt "Online-Paketschein". Es öffnet sich ein Browserfenster mit einer Eingabemaske für alle Absender- und Empfängerdaten, die klar beschriftet und leicht auszufüllen ist. Wenn man sich auf der Seite registriert, sind die Absenderdaten schon vorausgefüllt und man kann die Empfängerdaten ggf. aus eBay importieren, was ich aber aber noch nie ausprobiert habe. Was recht gut funktioniert, ist der umgekehrte Weg, also über die "Versandvorbereitung" von eBay dieses Online-Formular bei Hermes aufzurufen, das dann schon zum Teil ausgefüllt ist. Wenn man das Formular ausgefüllt und abgeschickt hat, öffnet sich ein weiteres Fenster mit dem Paketschein, den man ausdruckt. Das heißt auch, dass keine spezielle Software installiert werden muss oder etwas in der Art - Browser und Drucker genügen. Jetzt ist etwas Bastelarbeit angesagt, denn der Paketschein muss vom Rest (Quittung) abgeschnitten und auf das Paket aufgeklebt werden. Im Paket-Shop erhält man aber auch vorgestanzte DIN-A4-Blanko-Aufkleber von Hermes, auf die man den Paketschein zu Hause drucken kann, und damit einen Teil der Bastelarbeit spart.
Zusätzlich erhält man eine Bestätigung per Mail, in der auch die Sendungsnummer (Auftragsnummer) steht. Mit dieser Nummer kann man die Sendungsverfolgung nutzen.
= Der Paket-Shop =
Vielleicht sollte ich zunächst einmal klarstellen, dass die "Paket-Shops" keine Filialen von Hermes oder etwas in der Art sind, sondern ganz normale, eher kleinere Geschäfte in der Nachbarschaft, meistens eine Reinigung oder ein Zeitschriftenladen. Entsprechend ist das Personal auch kein Personal von Hermes, sondern es sind die ganz normalen Angestellten oder Inhaber des jeweiligen Ladens; man darf hier also keine Beratung zu den Leistungen von Hermes erwarten. Die Motivation für einen Ladenbesitzer, Hermes-Pakete anzunehmen, liegt auch kaum in der Provision, die ihm gezahlt wird, sondern darin, dass dies zusätzliche Bekanntheit und Laufkundschaft erzeugt.
Und genau so nutze ich das auch: Das fertig vorbereitete Paket gebe ich einfach morgens im Vorbeigehen im Zeitschriftenladen ab. Ich bezahle die Sendung (in Bar) und bekomme die Einlieferung quittiert (deshalb die mit ausgedruckte Quittung unbedingt mitnehmen). Das war's.
Ich habe das Glück, dass der nächste Paket-Shop sehr nahe an meiner Wohnung liegt, und zwar sehr viel näher als die nächste DHL-Filiale (neudeutsch für Postamt). Das ist für mich wichtig, weil es mir Zeit und Wege spart, noch dazu, wo einem die Arme ganz schön lang werden können, wenn man so ein Paket zum Postamt trägt. Außerdem hat der Laden viel kundenfreundlichere Öffnungszeiten als das Postamt - das schließt nämlich Samstags schon um 13.00 Uhr (und das in der Berliner Innenstadt!) und die Schlange ging schon einmal bis auf die Straße.
Den nächstgelegenen Paket-Shop kann man auch über die Homepage von Hermes suchen, indem man seine Postleitzahl eingibt und dann auf einem Stadtplan die Lage der Shops einschließlich deren Adresse und Öffnungszeiten angezeigt bekommt.

= Laufzeiten =
Hier nun neben dem Preis der andere große Unterschied zum Konkurrenten DHL: die Laufzeiten der Sendungen. Diese betragen nämlich regulär 2 bis 3 Werktage nach Abholung, wobei Montags grundsätzlich nicht abgeholt und nicht zugestellt wird.
Außerdem sollte man sich vielleicht auch einmal nett mit dem Ladeninhaber des Paket-Shops unterhalten, zu welchen Uhrzeiten (und an welchen Tagen) der Paketbote immer so vorbeikommt. Gibt man nämlich z.B. sein Paket an einem Samstag ab, nachdem der Paketbote schon da war, wird es überhaupt erst am Dienstag befördert und also frühestens am Donnerstag zugestellt.
Über den Status der Sendung kann man sich jederzeit über die Sendungsverfolgung informieren, auch hierzu geht man auf die Homepage www.hlg.de, wählt "Sendungsstatus" und kopiert die Auftragsnummer aus der Bestätigungsmail in das Eingabefeld. Die Angaben sind, wenn man nicht registriert ist, etwas eintönig, nämlich "Die Sendung befindet sich auf dem Weg zur zuständigen Niederlassung" oder "Die Sendung befindet sich in der Zustellung" oder "Die Sendung wurde zugestellt" und werden auch nur einmal täglich aktualisiert, aber für eine grobe Orientierung reicht es.
Ich empfehle allen eBay- oder Amazon-Verkäufern ihre Käufer auf die Laufzeiten von Hermes hinzuweisen und ggf. dem eBay-Käufer die Wahl zwischen Hermes und DHL zu überlassen - es ist schließlich sein Geld. Außerdem würde ich auch immer die Auftragsnummer (s.o.) an den Empfänger weitergeben, sodass dieser sich selbst anhand der Online-Sendungsverfolgung über den aktuellen Status der Sendung informieren kann, dann entsteht auch nicht der Eindruck, die Ware würde noch beim Verkäufer herumliegen.
Ich hatte jedenfalls noch nie Beschwerden und meine Pakete waren immer alle wie geplant nach 2 bis 3 Werktagen beim Empfänger.
= Zustellung =
Hermes verspricht bis zu 4 Zustellversuche. Wie gut es klappt, sich eine Sendung zu einem bestimmten Termin zustellen zu lassen, wenn man nicht zu Hause war, oder was nach dem 4. Vesuch passiert, kann ich nicht sagen, weil bei mir immer der Empfänger zu Hause war oder das Paket einfach bei einem Nachbarn oder in einem Geschäft abgegeben wurde. Da schon mehrere Sendungen, die an mich mit der Post geschickt wurden, wieder an den Absender zurück gingen, obwohl sie korrekt adressiert waren, oder ich nur eine Benachrichtigungskarte im Briefkasten fand, obwohl ich zu Hause war, denke ich mir, dass Hermes auch nicht viel schlechter sein kann. Auf jeden Fall erfolgt die Zustellung nur gegen Unterschrift (wegen der Versicherung). Aber auch meine Retouren an Versandhändler wie z.B. Amazon kamen immer problemlos an, ebenso wie ein Paket an einen Patienten in einem Krankenhaus.
Natürlich sollte man auf jeden Fall seine Einliefer-Quittung (s.o.) unbedingt so lange aufbewahren, bis man die Bestätigung über den unbeschädigten Empfang der Ware erhalten hat. Meine Sendungen kamen zwar immer alle ohne jede Beschädigung an und in einer davon war sogar Glas, aber es gibt sicher einen Grund, weshalb man auf der Hermes-Homepage das Thema Verpackung so betont.

= Zusammenfassung =
Pluspunkte:
+ Übersichtliche, transparente Tarife
+ Auch nach der Preissenkung von DHL immer noch günstiger: versichertes Paket bis 25 kg mit Online-Sendungsverfolgung ab 3,90 EUR, mit Online-Paketschein schon ab 3,70 EUR
+ Oft kürzere Wege zum Paket-Shop als zum Postamt und bessere Öffnungszeiten
+ Übersichtliche Homepage, auf der man trotzdem alle notwendigen Informationen erhält
Minuspunkte:
- Die Zustellung erfolgt frühestens am 2. Werktag nach der Abholung der Sendung im Paket-Shop
- Montags keine Zustellung oder Abholung
- Keine Möglichkeit, Uhrzeiten zu vereinbaren
- Keine Nachnahme, Express oder sonstige Sonderleistungen
- Beratung nur durch Selbstinformation auf der Homepage oder über eine kostenpflichtige 0900er-Nummer

= Fazit =
Für mich die Alternative zu Post-Paketen (und Einschreiben), besonders bei schweren Gegenständen. Für die deutlich günstigeren Preise muss man allerdings eine längere Laufzeit der Sendung in Kauf nehmen und auf jegliche Extras verzichten.

= Update =
War bisher nur ein Versand innerhalb Deutschlands möglich, so liefert Hermes seit dem 4. September 2006 auch in die meisten anderen EU-Länder (ausgenommen Griechenland, Malta und Zypern sowie französische Übersee-Departements, Azoren, Madeira, Ceuta, Kanaren und Melila). Bei Abgabe im Paket-Shop und Verwendung eines Online-Paketscheins beträgt hier der Preis für ein Paket "S" 13,90 EUR, für "M" 18,90 EUR und für "L" 28,90 EUR; ohne Online-Paketschein jeweils 1 EUR mehr. Die Konditionen sind dabei die selben wie bei einem Versand innerhalb Deutschlands (s.o.), jedoch gibt es nur 3 Zustellversuche. Hermes gibt hier eine Laufzeit von 3-7 Werktagen an.  
Je nach Gewicht, Größe und Bestimmungsland zahlt man also bei dem internationalen Paketversand von Hermes teilweise deutlich weniger als bei DHL, wo der Versand eines (versicherten) Pakets ins europäische Ausland günstigstenfalls 17,00 EUR (0-5 kg z.B. nach Frankreich), ungünstigstenfalls 45,00 EUR (10-20 kg z.B. nach Ungarn) kostet.
Für den Versand von Sendungen mit einem Gewicht über 20, aber unter 25 kg ist Hermes eine Alternative zur kostspieligen Beauftragung einer Spedition oder der ebenso kostspieligen Aufteilung auf mehrere Sendungen.
Für Pakete nach Griechenland, Malta, Zypern und in alle Nicht-EU-Staaten einschließlich Norwegen und Schweiz kann man jedoch nach wie vor nicht Hermes nutzen.
Ein Paket, das ich mit Hermes nach Italien (Rom) geschickt habe, brauchte genau eine Woche und sein Inhalt (Glas) kam unbeschädigt an.
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