Hawai - Kunstfflug,Segelflug,Fallschirmspringen

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Training in Hawaii und Anflugziele

 Wer einen Besuch in Hawaii mit Ausbildung oder aeronautischer Weiterbildung verbinden möchte, hat außer verschiedenen Flugschulen in Honululu, Kahului, Lihue, und in Kona noch die Möglichkeit zum Segelflug, Kunstflug, oder zum Fallschirmspringen.

 Der zur Zeit einzige Sportflugplatz im engen Sinne ist Dillingham Airfield, auf der Hauptinsel Oahu - ein ehemaliger Militärflugplatz an der äußersten Nordwestspitze der Insel. Hier wird ausschließlich zum Spaß geflogen, und hier geben sich Fallschirmspringer, Segelflieger und Kunstflug-Piloten ein Stelldichein. Der Flugplatz ist dicht an einen Bergkamm gebaut, der natürlich den Wind in immer wieder unberechenbare Richtungen ablenkt. Gelegentlich sieht man die Windsäcke an beiden Enden der Bahn in verschiedene Richtungen zeigen. Nicht nur aus purem Sadismus schicken Fluglehrer ihre Schützlinge hierher, um Touch-and-Go's zu üben; Der kompetente Umgang mit Crosswind und Turbulenz im kurzen Final ist eine Pflichtkür für das Fliegen in Hawaii. Wenn Sie in Honolulu ein Flugzeug chartern, werden Sie Dillingham ganz sicher bereits beim check-out Flug kennenlernen. Trotz des intensiven Betriebs ist Dillingham einer der schönsten Flugplätze Hawai'is. Der Strand ist 50 m von der Bahn entfernt, und in der Wintersaison sieht man häufig Wale im Gegenanflug. Die Augen muß man aber auf die Platzrunde halten -- Segelflieger und Schleppflugzeuge benutzen das verlängerte Ende der  Bahn zu Start und Landung, und eine 500 Fuß Platzrunde unterhalb der für Motorflugzeuge. In das Abflugende der Bahn fallen regelmäßig die Fallschirmspringer, und deren Flugzeug, eine King-Air-Twin, mogelt sich gelegentlich in einem atemberaubenden Sturzflug aus 10.000 Fuß in die Platzrunde, nachdem Sie ihre Kundschaft abgesetzt hat. Zahlreiche Eigenkonstruktionen sieht man in Dillingham, und hier ist auch der Sitz der "Historic Aircraft Association", die Rundflüge und check-outs in Spornrad Flugzeugen anbietet.

 Trainingsflüge werden auf Oahu zur Zeit auch noch auf dem historischen Militärflugplatz Ford Island in der Mitte von Pearl Harbor ausgeführt. Pearl Harbor liegt ein paar Meilen westlich des Honoulu International Flughafens, unterhalb der "Class-B airspace". Aussteigen darf man nach der Landung zwar nur auf ausdrückliche Einladung des Towers, der übrigens der gleiche ist, den die angreifenden japanischen Bomber im Dezember 1941 sahen, und damit den Eintritt Amerikas in den zweiten Weltkrieg provozierte. Man sieht das Wrack des versenkten Schlachtschiffs "USS Arizona" und das darüber gebaute Mahnmal und zahlreiche moderne Schiffe der Kriegsmarine aus der Luft. Noch immer ist Pearl Harbor der bedeutsamste Kriegshafen im Pazifik, der häufig von nukleargetriebenen U-Booten angelaufen wird. Leider wird Ford Island bald der Raumnot auf Hawaii zum Opfer fallen; noch im nächsten Jahr soll der historische Flugplatz in eine Siedlung für Marinesoldaten und ihre Familien verwandelt werden.

 In der Zeit zwischen sieben Uhr abends und kurz vor Mitternacht, wenn Quantas und Air New Zealand auf ihrem Flug nach Süden zwischenlanden, wird es auf Honolulu International auf einmal ruhig. Das ist eine einmalige Gelegenheit, Nachtflug auf einem großen Flughafen zu praktizieren, und mit einem Inselrundflug zu verbinden. Approach gibt auch gerne die Genehmigung für einen ILS Übungsanflug. Der Anflug über die Lagune auf den "rabbit" zu (RAIL = runway alignment indicator lights) mit Dutzenden erleuchteter Taxiways und Landebahnen ist unvergeßlich. Nachtflüge sind auch auf die Nachbarinseln möglich, aber nicht alle Flugschulen erlauben dieses Training aus Sicherheitsgründen mit einmotorigen Maschinen.

Island hopping

 Ein Island-hopping Urlaub auf Hawaii mit gemietetem Flugzeug muß sehr gut im voraus organisiert sein, denn es gibt nicht viele Unternehmen, die ihre Flugzeuge für längere Zeit und ohne ein realistisches Stundenminimum verchartern. Mein persönlicher Vorschlag wäre ein drei-bis viertägiger Rundflug, um die Inseln einmal von der Luft zu sehen, und daran angeschlossen ein individuell gestalteter Aufenthalt auf einer der bevorzugten Inseln, von wo aus man entweder Trainingsflüge oder kürzere Abstecher zu den Nachbarinseln durchführen kann, ohne dem zwingenden Stunden-Minimum zu unterliegen. Die schönsten und einsamsten Flugplätze für das Campen oder Ausflüge mit dem (mitgebrachten) Fahrrad  sind Hana (Maui), Port Allen (Kauai), und Upolu Point (Hawai'i). Diese Plätze haben weder einen Tower noch Telefon, Reparaturmöglichkeiten, oder Benzin. Campen unter der Tragfläche wird toleriert. Nur Hana hat so etwas wie einen Warteraum mit Getränkeautomat und einem Münzfernsprecher. Bei der Flugplanung sollte man daher unbedingt die Wetterlage und die Verfügbarkeit von Sprit in Erwägung ziehen. Flugpläne werden auch aus der Luft entgegengenommen.

 Eines der romantischen Ziele ist der nur 50 Meilen von Honolulu entfernte Flugplatz der Halbinsel Kalaupapa auf Molokai. Kalaupapa ist eine flache Landzunge vor den sich türmenden Kliffs der Nordküste von Molokai, vor Millionen Jahren geschaffen durch einen kleinen Vulkan, dessen Krater noch als kleiner See inmitten der Insel sichtbar ist - etwa 50 m breit und 300 m tief, und der Legende nach Wohnsitz des Eidechsen-Gotts. Bis vor 50 Jahren war Kalaupapa das Asyl für Leprakranke von den umgebenden Inseln, eine der zahlreichen Krankheiten, die europäische Handelsschiffe aus Asien mitbrachten und dazu beitrugen, Polynesien zu entvölkerten. Zugänglich war die kleine Kolonie der Aussätzigen nur vom Wasser, und über einen sehr schmlen und beschwerlichen Eselspfad von der Landseite, der aus 42 Serpentinen besteht. Die Kranken durften die Halbinsel weder verlassen, noch war es ihren Angehörigen gestattet, sie zu besuchen. Der belgische Pfarrer Damien kümmerte sich ab 1885 für Jahrzehnte um die Kolonie der Hoffnungslosen, bis er selbst der Krankheit erlag. Vor wenigen Jahren sprach ihn die katholische Kirche heilig. Die letzten Lepraopfer und ihre Familien leben nach wie vor auf Kalaupapa, obwohl die Krankheit durch Antibiotika heute geheilt werden kann und kein Ansteckungsrisiko besteht. Nach einem Leben in der Isolation fällt es vielen schwer, sich im hektischen Treiben von Honolulu zurechtzufinden. Sie selbst verwalten Kalaupapa, und wer die Siedlung besuchen möchte braucht nicht nur eine vorherige Genehmigung, sondern auch ein Flugzeug - oder einen Esel. Flugbewegungen sind erlaubt, aber man darf das Gelände des Flugplatzes ohne vorherige Genehmigung nicht verlassen. Es besteht aber die Wahrscheinlichkeit, daß Sie einen Mann namens Richard Marks mit einem gelben Schulbus treffen, der Sie möglicherweise auf eine Rundfahrt durch das Dorf einlädt, und Ihnen dabei die Geschichte der Siedlung näherbringt. 

 Eine Reise nach Hawaii muß natürlich auch den Besuch des aktivsten Vulkans der Welt beinhalten. Seit zehn Jahren fließt die Lava aus einem von elf unzugänglichen Seitenschloten des Kilauea Kraters im Südosten von Hawaii ins Meer. Sie hat bisher schon mehrere Straßen und einige historische Siedlungen zerstört, und dabei etliche Quadratkilometer neues Land geschaffen. Die Position des Vulkans ist ungefähr 19° 22' N 155° 10' E, auf etwa 3000 Fuß. Auch ohne diese Waypoint Koordinaten sollten sie keine Probleme haben, die Rauchsäule über dem Krater und die Dampfwolke an der Küste zu finden, wo sich das flüssige Gestein ins Meer ergießt. Bei einem Überflug sollte man sich vor allem vor dem regen Hubschrauberverkehr in Acht nehmen und natürlich die schwefelhaltige Rauchwolke des Kraters vermeiden, die aber wegen der hohen Windgeschwindigkeiten meist horizontal abzieht. Zu sehen gibt es außer dem Rauch nicht viel. Die Lava bewegt sich überwiegend unterirdisch, und spektakuläre Eruptionen hat es schon seit 1983 nicht mehr gegeben. Den eindrucksvollsten Blick bekommt man eigentlich auf einer Dämmerungsführung mit einem Park-Ranger, wenn die rotglühende Lava ganz besonders deutlich zu sehen ist. Übrigens sind auch über allen Nationalparks in Hawaii 2000 ft Vertikalabstand zu halten - das gilt auch für Kilauea und den gesamten Hawaii Volcanoes National Park. Die Radio-Abdeckung ist im Süden der großen Insel wegen geographischer Hindernisse nicht besonders gut, weswegen man den Kontakt mit der Flugsicherung meist verliert. Das Gelände ist für Notlandungen denkbar ungeeignet, der nächste Flugplatz ist Hilo, etwa 25 Meilen nordöstlich. Flugplan aufgeben, und nach der Landung schließen!

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