Hasselblad – Die Erfolgsgeschichte einer schwedischen Manufaktur

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Hasselblad – Die Erfolgsgeschichte einer schwedischen Manufaktur

Die Familie Hasselblad gründet im Jahr 1841 in der Hafenstadt Göteborg im Westen Schwedens ihre erste Handelsgesellschaft, die F.W. Hasselblad & Co. Göteborg ist bereits damals durch seine Nähe zum europäischen Kontinent und mit bestehenden Handelsbeziehungen zu den Niederlanden, Deutschland, Dänemark, Großbritannien und einer ganzen Anzahl an weiteren Ländern ein geradezu idealer Firmensitz für eine aufstrebende Im- und Exportfirma. Schon kurze Zeit später zählt F.W. Hasselblad & Co. zu den erfolgreichsten Handelsunternehmungen Schwedens. Die Gesellschaft beginnt damit, Produkte und das dazugehörige Zubehör für die immer beliebter werdende Fotografie einzuführen. Der Sohn des Firmengründers, Arvid Viktor Hasselblad, ist ein begeisterter Hobbyfotograf. Er ist es, der mit dem Geschäft mit der Fotografie einen eigenen Unternehmensbereich gründet. Wörtlich soll er dies mit der Aussage begleitet haben: „Viel Geld wird uns das sicherlich nicht einbringen, aber wenigstens können wir kostenlos Fotos machen.“ Dass er mit dieser Prophezeiung unrecht hat, erweist sich schon bald, da der neue Geschäftsbereich zu einem tragenden Pfeiler der Firma Hasselblad wird. Aber auch die ersten wirtschaftlichen Erfolge mit fotografischen Apparaturen deuten noch nicht darauf hin, dass Hasselblad einmal zur weltbekannten Marke avancieren wird.

Die Firma Hasselblad im 19. Jahrhundert

Arvid Viktor Hasselblad lernt auf einer Reise nach England George Eastman kennen, den späteren Gründer der Kodak Company und Pionier der Fotografie. Die beiden Männer vereinbaren eine geschäftliche Partnerschaft, die sie wie damals üblich mit Handschlag besiegeln und die viele Jahrzehnte überdauern wird. 1888 beginnt Hasselblad als einziger Vertriebspartner in Schweden, die Produkte Eastmans zu importieren. Das Fotografieren gewinnt an Popularität und die Technik entwickelt sich immer schneller. Auf diese Weise klettert die Nachfrage nach Equipment für Fotografie ständig und Hasselblad hat Anteil an diesem Boom. Der Unternehmenssektor Fotografie wächst derart, dass dieser 1908 von der Familie in ein eigenständiges Unternehmen überführt wird. Die neu entstandene Hasselblad Fotografiska AB avanciert zum schwedischen Exklusivimporteur für die Waren des mittlerweile unter dem Namen EastmanKodak firmierenden Partners. Ein landesweites Netz von Filialen und ein Entwicklungslabor werden gegründet. Die Kooperation der beiden Gesellschaften verläuft außerordentlich erfolgreich.

Victor Hasselblad und die Entwicklung der ersten eigenen Kameras

Der 1906 geborene Victor Hasselblad, der Enkel Arvid Viktor Hasselblads, eröffnet nach Unstimmigkeiten mit der Familie 1937 in der Göteborger Innenstadt ein Fotogeschäft mit einem eigenen Fotolabor. Er beweist bei seinen ersten beruflichen Schritten außerhalb der Familie großes Talent für Geschäft und Marketing, was dazu führt, dass das Unternehmen schon bald Erfolg hat. Victor veröffentlicht zahlreiche Fachartikel über Fotografie und ihre Technik. Nicht zuletzt tragen die bedeutendsten Fotogeschäfte des Landes den Namen seiner Familie. Nachdem zu Beginn des Jahres 1940 eine deutsche Luftüberwachungskamera in die Hände der schwedischen Armee gelangt war, wurde Victor Hasselblad damit beauftragt, diese nachzubauen. Im Verschlag einer Autowerkstatt im Zentrum von Göteborg richtet er eine provisorische Kamerawerkstatt ein. Die notwendigen Bauteile liefert der Schrottplatz in der Nähe. Victor beginnt zusammen mit seinem Bruder und einem weiteren Mechaniker aus der Autowerkstatt, die deutsche Kamera zu zerlegen und die erste Hasselblad-Kamera zu entwerfen. Es entsteht die HK 7.

Das kleine Unternehmen, das zunächst den Namen Ross Incorporated trägt, ist nach wenigen Monaten auf die Größe eines Betriebs mit 20 Mitarbeitern angewachsen. Kurz darauf werden neue Räumlichkeiten bezogen und der Betrieb beginnt, die Handkamera HK 7 in Serie herzustellen. Die Kamera arbeitet bei einem Format von 7×9 cm mit einem 80-mm-Film und zwei Wechselobjektiven. Die Linsen dafür kommen von Zeiss, Schneider oder Meyer. Die Luftwaffe erteilt dem Unternehmen Ende 1941 den Auftrag, eine weitere, im Flugzeug fest installierte Kamera mit einem größeren Aufnahmeformat zu entwickeln. Das schwedische Militär zeigt sich äußerst zufrieden mit der HK 7 und auch mit der SKa4, ihrer Nachfolgerin, die sich durch verschiedene innovative Merkmale wie ein austauschbares Filmmagazin auszeichnet.

Die Hasselblad-Modelle der Nachkriegszeit

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs widmeten sich Victor und seine Leute ausschließlich der Entwicklung einer neuen Kamera für die zivile Fotografie. Hasselblad präsentierte im Herbst 1948 der Öffentlichkeit die erste Kamera des Unternehmens für den privaten Gebrauch, das Modell Hasselblad 1600 F. Auf einer Pressekonferenz in New York wird die einäugige 6×6-Spiegelreflexkamera mit wechselbereiten Kodak-Objektiven, Suchern und Filmmagazinen vorgestellt und vom Publikum enthusiastisch aufgenommen. Die 1600F wird von der Fachpresse als innovative technische Meisterleistung bezeichnet, dennoch weist das Modell Mängel bei der Widerstandsfähigkeit gegenüber den Belastungen des Alltags auf. Dies hat zur Folge, dass das Unternehmen damit beginnt, einen Verbesserungsschritt dem nächsten folgen zu lassen. Aus dieser technischen Entwicklungsarbeit geht als Ergebnis eine neue Kamera hervor, die 1000F, die der ganze Stolz der Gesellschaft wird. Eine neue Objektivserie mit sechs Objektiven sowie zahlreiche Verbesserungen sind die zunächst ins Auge fallenden Merkmale der neuen 1000 F. "Modern Photography", eine US-Fachzeitschrift, führt mit der Hasselblad 1000F einen Praxistest durch und berichtet von erstaunlichen Ergebnissen. Die Redakteure verbrauchen 500 Rollen Film und werfen die Kamera sogar absichtlich auf den Boden. Der Fotoapparat bleibt unversehrt und zeigt noch nicht einmal kleinste Verwerfungen. Die früheren Probleme mit der Widerstandsfähigkeit sind endgültig überwunden.

Weitere Erfolge mit zuverlässigen Kameras

Die Basis für das weitere Wachstum des Unternehmens sind der Erfolg der Kameras und das Geld, das sich mit ihnen erwirtschaften lässt. Die Entwicklung geht weiter, neue Modelle werden entworfen. Victor Hasselblad nutzt in dieser Phase sein weitreichendes Netzwerk und seine eigenen Erfahrungen als Fotograf und setzt die Empfehlungen und Impulse um, die ihn erreichen. 1957 erscheint die Hasselblad 500C: Mit diesem Apparat knüpft das Unternehmen an den Erfolg ihrer ersten Kameras mit einem revolutionären Modell an. Hervorstechende Merkmale dieser Kamera sind eine Blitzsynchronisation bei allen Belichtungszeiten und Objektive mit Zentralverschluss. Nachdem 1954 die Hasselblad SWA auf dem Markt erscheint, ist ab 1957 das Weitwinkelmodell Hasselblad SWC erhältlich. 1965 wird die Hasselblad 500 EL mit Motortransport der Öffentlichkeit vorgestellt. Für viele Jahre bleiben diese Kameras die tragenden Pfeiler des Hasselblad-Systems. Das System wird oft kopiert, doch die Maßstäbe Hasselblads werden nicht erreicht. Der Name Hasselblad steht für hervorragende Bildqualität und ultimative Zuverlässigkeit.

Die Hasselblad im All

1962 entscheidet sich ein junger Astronaut der NASA sicherlich auch aufgrund des guten Rufes der Kameras, eine Hasselblad mit in den Weltraum zu nehmen. Auf diese Weise beginnt eine langjährige und gegenseitig bereichernde Zusammenarbeit mit der größten Raumfahrtorganisation der Welt. Auch bei der ersten Reise zum Mond, der Raumfahrtexpedition der Apollo 11 von 1969, ist eine Kamera von Hasselblad an Bord. Die ersten Fotografien von Menschen auf dem Mond und die ersten Bilder der Erde vom Mond aus betrachtet werden von Edwin „Buzz“ Aldrin Jr. und Neil Armstrong mit einer Hasselblad 500EL/70 gemacht. Diese Aufnahmen dürften die wohl bekanntesten und berühmtesten sein, die mit Hasselblad-Kameras überhaupt geschossen wurden. Das Know-how, das speziell für die Weltraumkameras entwickelt wurde, übertragen Victor und seine Mitarbeiter unmittelbar in neue Funktionsmerkmale für die Kameras, die anschließend für den öffentlichen Verkauf bestimmt sind.

Der Wandel macht auch vor der Firma Hasselblad nicht halt

Hasselblad veräußert 1966 die Handelsgesellschaft und die Einzelhandelskette „Hasselblad Fotografiska AB“ an die heute an der US-amerikanischen Wall Street notierten Eastman Kodak Co. Dadurch wird eine über viele Jahrzehnte andauernde Geschäftsbeziehung beendet, allerdings nicht die Freundschaft der Familien. Victor Hasselblad beabsichtigt die Leitung des Unternehmens völlig aus der Hand geben und er entscheidet sich für die schwedische Investmentgesellschaft Säfveån AB, an die die Victor Hasselblad AB schließlich abgegeben wird. Kurz darauf verstirbt er 1978 im Alter von 72 Jahren.

Hasselblad und die digitale Fotografie

Im Zuge der Digitalisierung bringt das Unternehmen 2002 als Teil der nächsten technischen Generation ein revolutionäres Kamerasystem auf den Markt. Die 6×4,5-Mittelformatkamera wird der Fachwelt mit sämtlichen zu diesem Zeitpunkt neuesten Funktionsmerkmalen einschließlich modernster Chipsteuerung und Autofokus präsentiert. Auch diese bereits mit Digitaltechnologie ausgerüstete Kamera wird ein großer Erfolg. Die Shriro Group, ein bewährter Vertriebspartner von Hasselblad in der asiatisch-pazifischen Region, übernimmt kurz darauf die Mehrheit der Victor Hasselblad AB. In der Herstellung zeichnen sich ebenfalls grundlegende Wendungen ab. In Göteborg wird eine neue Produktionsstätte errichtet, um das nicht mehr ausreichende Hasselblad-Werk, das nahezu von Anfang an die Hasselblad-Kameras produzierte, zu entlasten. Der folgende bedeutende Entwicklungsschritt, der zum neuen Image und dem zukunftsweisenden neuen Kamerasystem passt, besteht in der Übernahme des Scanner- und Digitalrückteil-Herstellers Imacon durch die Shriro Group. Hasselblad und Imacon werden auch wirtschaftlich zusammengelegt. Der Großteil der sich daraus ergebenden Synergie stellt die professionelle Digitalfotografie dar, an der die Nachfrage stetig wächst.

Eine rein digitale Spiegelreflexkamera bot Hasselblad 2005 mit der H2D mit 22 Megapixeln der Fachwelt an, auf die 2006 das 39-Megapixel-Nachfolgemodell H2D-39 folgte. Weitere digitale Modelle wie die H3D II, die zunächst mit 39 Megapixel herausgebracht wurde und die 2008 auf 50 Megapixel (Fläche des Sensors: 48 mm × 36 mm) erweitert wurde. Im Jahre 2009 erscheint die Kamera als 60-Megapixel-Version. Darüber hinaus ist eine Multishot-Variante auf dem Markt. Mittlerweile sind Kameras mit 60 Mpix-, 80Mpix und 90Mpix-Sensoren verfügbar. Die Modelle tragen die Namen H4D-50 und H4D-60. Diese Kameras sind mit einer neuartigen Fokustechnik ausgestattet, die unter den Bezeichnungen True Focus mit Absolute Position Lock angeboten werden.

Hasselblad steht für qualitativ hochwertige Kameras, die von professionellen Fotografen und äußerst ambitionierten Amateuren geschätzt werden.

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