Hans, ist das DEIN Syberia?

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Wie ich zu diesem Spiel kam

Von meinem Onkel aus den USA bekam ich einen Amazon-Gutschein, für den ich verzweifelt noch eine weitere Bestellung neben der DVD „Vidocq" suchte. Und dann stieß ich auf Syberia II, von dem ich einst den ersten Teil als Demo spielte und schon da begeistert war. Noch dazu für 10 Euro dachte ich mir, da packste zu!

Die Ausstattung und CD-Wechsel

Das Spiel kommt in einer Doppel-Cd - Box, eine Anleitung befindet sich im Verzeichnis der ersten CD.

Aufgepasst: Es gibt keinen nervigen CD-Wechsel während des Spiels, denn die zweite CD braucht man nur bei der Installation!!

Genre und Steuerung

Syberia II ist ein klassisches Adventure, das das besondere Augenmerk auf die Grafik und liebevolle Geschichte lenkt.

Wie es sich für dieses Genre gehört, wird ausnahmslos mit der Maus interagiert. Die Fortbewegung funktioniert durch einfaches Klicken, ebenso wie das Sprechen mit den vielfältig gestalteten Menschen. Im Inventar muss man nicht verschiedene Dinge kombinieren, denn dies geschieht automatisch, jedoch müssen viele Dinge an die rechte Stelle in der Geschichte gelegt werden, um den Fluss der Story zu garantieren!

Vorgeschichte - Syberia Teil I

Da der zweite Teil komplett an Teil 1 anschließt, soll hier kurz der Inhalt dessen erläutert werden; die Kenntnis des Vorgängers ist auch in Bezug auf das Verständnis der komplexen Story zu empfehlen.

Der Spieler schlüpft in die Rolle von Kate Walker, einer New Yorker Anwältin, die im Auftrag ihres Büros in das kleine und abgelegene Alpendorf Valadilène reist, um dort den Verkauf einer kleinen, traditionsreichen Fabrik für mechanische Apparate an einen amerikanischen Großkonzern zu regeln. Unglücklicherweise ist die Besitzerin, Anna Voralberg, kurz vor Kates Ankunft verstorben. Die Hoffnungen, einen problemlosen Verkauf durchführen zu können, zerschlagen sich, als plötzlich die Existenz eines Erben bekannt wird, Anna Voralbergs seit über 50 Jahren tot geglaubter Bruder Hans.
Hans Voralberg, ein Genie, was die Entwicklung mechanischer Automaten angeht, ist in seiner Jugend nicht - wie vermutet - gestorben, sondern hat nur die Stadt verlassen und lebt heute wahrscheinlich irgendwo in Sibirien. Kate Walker muss sich nun auf die Suche nach diesem einzigartigen Mann machen, die Stationen seines Lebens nachvollziehen und seine Geschichte ergründen.
Auf der abenteuerlichen Reise gen Osten spricht der Spieler mit den exzentrischsten Personen und lernt die entlegendsten Orte kennen, in denen auch Hans Voralberg große Teile seines Lebens verbracht hat und deren Erscheinen er auch mit seinen immer brillanter werdenden mechanischen Erfindungen entscheidend geprägt hat.

Die Geschichte - Syberia Teil II

Nach dem überraschenden Verzicht auf die Rückkehr in ihre Heimat nimmt Kate Walker dem genialen Erfinder Hans Voralberg das Versprechen ab, ihm bei der Erfüllung seines einzigen Wunsches zu helfen: die Mammuts in Syberia sehen. Dieses Versprechen führt beide, in Begleitung des schrulligen Zugführers Oscar, durch verschneites Niemandsland auf eine lange Reise zu einer geheimnisvollen Insel, von der jeder behauptet, dass es sie nicht gibt. Wird Hans’ sehnlichster Wunsch erfüllt werden? Wird Kate Walker ihr Versprechen halten? Es ist ungewiss, denn unterwegs lauern viele Gefahren, die unüberwindbar erscheinen. Die Stationen sind vielfältig: Romansbourg - der letzte Außenposten vor der Wildnis, ein Kloster voller schweigender Mönche, Sibiriens schneeige Wildnis und eisige Wüste, ein Indianerdorf inmitten eines Schneehügels und zu guter letzt Syberia?

Die Rätsel


Die Rätsel wurden für Syberia II „verschlimmbessert". Sie sind genauso leicht gelöst wie im ersten Teil, wirken aber schwerer, weil sich ihr Sinn manchmal erst auf den dritten Blick oder nach langem Knobeln erschließt. Sei’s drum, denn sie sind in die Geschichte sehr gut eingebettet. Benoit Sokal legt auch hier keinen Wert auf anspruchsvolle Rätselspiele, sondern entfaltet seine wahre Stärke: die Imagination eines mystischen Universums, das der Welt entrückt und trotzdem greifbar nahe erscheint. 

Die Grafik & Videosequenzen

Das Auffälligste an Syberia II ist für mich die einmalige schöpferische Qualität seiner Grafik. Wenn sie im 1. Teil sensationell war, dann ist sie in diesem 2. Teil atemberaubend schön. Es sind nicht nur die prachtvoll illustrierten Hintergrundkulissen, die vielfältig wechselnden Perspektiven oder der leise rieselnde Schnee, sondern vor allem Benoit Sokals unverwechselbarer, prägnanter Stil, der Syberia zu einem so herausragenden Adventure macht. Und wie um diesem Kunstwerk die Krone aufzusetzen, wird Kates bewegende Reise ins Ewige Eis von hinreißenden Videosequenzen begleitet, die stets im richtigen Moment einsetzen, um die Spannung erhöhen und die eigenen Empfindungen zu verstärken. Das Rattern des vorbeirasenden Zuges auf seinem Weg durch die nordische Schneewüste hatte mir mehrmals Schauer über den Rücken gejagt. Ebenso wie die Pferde in Zirkos’ Kabarett, die mich wieder einmal ehrfürchtig über Sokals detailverliebte Phantasiewelt der wundersamen Spielautomaten staunen ließen. Aber es gibt auch kleine Schockelemente, als Kate etwas beim Öffnen der Hüttentür durch das Gebrüll eines Bärens aufgeschreckt wird.

Die Figuren

Was Syberia ebenfalls so perfekt macht: die Entfaltung der Spielcharaktere. Jede Figur erzählt ihre von persönlichen Erfahrungen, Sehnsüchten und Zweifeln behaftete Geschichte, wirkt leicht überzeichnet, aber kein bisschen lächerlich, sondern äußerst glaubwürdig und authentisch. Zum einen liegt das an der sehr guten Synchronisation, die es – bis auf kleine Ausnahmen – schafft, den Figuren sehr viel Leben einzuhauchen. Zum anderen liegt es an ihrem Schöpfer selbst, der es wie kein anderer versteht, unseren stärksten Gefühlen auf den Grund zu leuchten und seine Spielfiguren berichten zu lassen, was er gefunden hat. So kann man mit Hans, dem unterentwickelten Genie, dessen Leiden und Begabung in seiner Kindheit begründet liegt, mitfühlen, wie er seinen Traum von Syberia verwirklichen will, aber auch Kates Wandlung von der Karrierefrau zur Besessenen, was das Ziel angeht.

Sound und Geräuschkulisse

Der Sound ist vielleicht etwas zu außergewöhnlich geraten, so dass man sich manchmal fragt, was eine Zirkusmelodie im tiefsten Winter zu suchen hat. Ganz im Gegensatz hierzu die Geräuschkulisse. Es mag wie euphorische Schwärmerei klingen, aber sie ist dramaturgisch perfekt und erstaunlich realistisch in Szene gesetzt. Sei es das Pfeifen des eisigen Nordwindes oder die einfühlsame, unter die Haut gehende Musik: alles, was ich hörte, gliederte sich unaufdringlich in das Geschehen ein und wirkte in keinem Moment störend oder unpassend. 

Die „negative Seite"

Was passiert, wenn man von einem Spiel begeistert ist? Man will es so schnell wie möglich zu Ende bringen. Und genau hier liegen die großen Schwächen von Syberia II.

Zum einen ist die Länge oder hier wohl besser passend die Kürze des Abenteuers ein echter Minuspunkt; denn hat man Zeit, so ist die Reise nach Syberia in 3 Tagen zu Ende, ich würde mal auf ca. 25 Spielstunden tippen.

Und hat man das Ende erreicht, knüpft sich ein weiterer Gesichtspunkt an. Für so ein bild- und gefühlsgewaltiges Epos hatte ich einen würdigen Abschluss erhofft, ein letztes Aufbrausen nach einem großen Konzert, nach dem ein letzter Paukenschlag erfolgt und der Zuhörer gebannt in der Stille zurückbleibt, die Gänsehaut seiner Eindrücke genießend. Stattdessen war die Reise zu den Mammuts nach einem letzten Rätsel enttäuschend schnell beendet und ich saß etwas verdattert vor dem Abspann.

Gesamteindruck


Der zweite Teil war für mich eine Steigerung in allem, was Syberia so speziell macht. Fast kein Spiel hat mich bisher so fasziniert wie dieses zauberhafte Universum an der Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Seine Geschichte ist ein surreales Traumgebilde. Seine magische Anziehungskraft liegt in seinem geheimnisvollen Zauber und feinsinnigen Nuancen, sein roter Faden ist eine Reise ins Ungewisse. Seine technische Präsentation ist perfekt, seine Atmosphäre so eindringlich wie in kaum einem anderen Adventure. Kurz gesagt: Syberia ist einfach nur Syberia und mit nichts vergleichbar. Am besten lässt es sich mit der leisen Ironie seines heimlichen Hauptdarstellers Oscar beschreiben: „So einen wie mich findet man nicht alle Tage".

Technische und sonstige Daten

Release: Mai 2004
Entwickler: Microids
Publisher: Atari

Windows 98/Me/2000/XP

Pentium II 350 MHz-Prozesser

16 MB Direct3D (DirectX 8.1)-kompatible 3D-Grafikkarte

64 MB-RAM

400 MB verfügbare Festplattenspeicherkapazität

16x - CD-ROM - Laufwerk

DirectX7 - kompatible Soundkarte

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