Gute Wartung ist wichtig: Bremsbeläge, Handbremsseile & Co. können lebenswichtig sein!

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Sollten immer gut gewartet sein: Bremsbeläge, Handbremsseile & Co können lebenswichtig sein!

Damit Autofahren sicher für alle Beteiligten ist, sind funktionierende Bremsen besonders wichtig - nicht nur bei hoher Geschwindigkeit. Um dies zu gewährleisten, müssen die einzelnen Teile von den Bremsbelägen über die Bremsscheiben bis hin zu den Handbremsseilen regelmäßig gewartet werden. Welche Teile dabei besonders zu berücksichtigen sind und weshalb deren Wartung so bedeutsam ist, zeigt Ihnen dieser Ratgeber.

Der Verschleiß von Bremsbelägen und Bremsbacken

Der Bremsbelag - oder auch Bremsstein - ist bei Autos für das Reduzieren der Geschwindigkeit zuständig. Dies geschieht über Reibung an einer Bremsscheibe oder Trommel, wodurch Wärme erzeugt wird. So wird zwischen Scheibenbremsen und Trommelbremsen unterschieden. Bei Kraftfahrzeugen ist die Scheibenbremse allerdings weiter verbreitet als die Trommelbremse. Bremsbeläge einer Scheibenbremse verlangsamen das Tempo, indem sie gegen die sich drehende Scheibe gepresst werden. Bremsbacken einer Trommelbremse hingegen drosseln den Wagen durch Druck von innen auf die Außenwände. Dabei besteht der Bremsbelag in der Regel aus einer Trägerplatte aus Metall und Reibmittel, das sich aus verschiedenen Substanzen zusammensetzt. Hierzu gehören unter anderem Kupfer, Antimontrisulfid, Bariumsulfat und Harz. Letzteres verkokt durch die Wärmeeinwirkung bei der Herstellung, wodurch es alle Partikel miteinander bindet. Zudem verfügen Modelle mit Bremsklötzen über eine Geräuschdämpfplatte, die aus Metall oder Kunststoff besteht.

Bezüglich Bremsbelägen wird international zwischen vier Reibkategorien unterschieden: Semi-Metallic, Organic, Low-Metallic sowie Ceramic. Die Übergänge lassen sich hier jedoch nicht immer klar abgrenzen. Besonders weit wird dabei der Begriff "Ceramic" gefasst. Um zuverlässig bremsen zu können, sollte die Reibungszahl eines Bremsbelags möglichst gleichbleibend sein. Zudem muss er bei Temperaturen bis ca. 800°C bestehen. Letztes Kriterium ist die mechanische Belastbarkeit. Bei neuen Bremsbelägen kann es eine Weile dauern, bis diese ihre volle Bremsleistung entfalten, sie müssen also erst eingefahren werden. Bremsbeläge gehören zu den Verschleißteilen eines Autos, daher sollten diese regelmäßig gewartet werden. Der Bremsbelag, der auf die Bremsbacken geklebt wird, verschleißt im Vergleich zum Bremsbelag der Scheibenbremse jedoch etwas langsamer.

Die ECE R-90 Norm für Ersatzteile von Bremsbelägen

Gerade bei den Ersatzteilen für Ihre Bremsen sollten Sie auf hochwertige, geprüfte Qualität achten. In diesem Bereich werden viele Billigimporte angeboten. Doch wenn es um die Sicherheit geht, bezahlt man unter Umständen mit dem Leben, wenn am falschen Ende gespart wird. Eine Norm, die als Qualitätsmerkmal für Bremsbeläge gelten soll, ist die ECE R-90 Norm. Tests zum Reibwert oder dem Bremsverhalten entscheiden darüber, ob ein Bremsbelag mit dieser Norm zertifiziert wird. Dabei ist bezüglich des Reibwerts im Vergleich zu Original-Belägen jedoch eine Abweichung von /- 15 % gestattet. Ebenso wird auf Geschwindigkeits-Sensibilität, mechanische Belastbarkeit sowie Druck- und Scherfestigkeit geprüft. War Asbest früher ein fester Bestandteil von Bremsbelägen, so erhält ein Bremsbelag heute nur die ECE R-90 Norm bei Asbestfreiheit. Zur Erkennung dieser Bremsbeläge erhalten diese eine aufgerduckte R-90 Nummer. Die Prüfnummer beginnt dabei mit einem E.

Es gibt jedoch auch Kritik an dieser Norm, da diese unter anderem wenig darüber aussagt, inwiefern das Pedalgefühl, die Korrosionsfestigkeit oder das Verschleißverhalten dem der Originalteile entspricht.

Die Belastung und der Verschleiß von Bremsscheiben

Die Bremsscheibe ist Teil einer Scheibenbremse und sitzt in dieser radseitig. Damit die Drehbewegung und im Endeffekt die Geschwindigkeit des PKW gedrosselt wird, wirken die Bremsbeläge des Bremssattels auf die Bremsscheibe. Die gängigen Bremsscheiben werden aus Grauguss hergestellt. In diesem Gusseisen kommt der enthaltene Kohlenstoff als Graphit vor. Bremsscheiben werden zudem aus Sphäroguss - Gusseisen mit Kugelgraphit - oder geeigneten Stahl-Legierungen gegossen und spanend bearbeitet.

Im Rennsport kommt aufgrund der hohen Bremsleistung und Verschleißfestigkeit auch Carbon zum Einsatz. Nach der Bearbeitung durch Drehen werden Bremsscheiben ausgewuchtet. Dies verringert die Unwucht, die jedem starren Körper innewohnt, der um eine feststehende Achse rotiert. Dadurch wird verhindert, dass das Fahrwerk aufgrund möglicher ungleich verteilter Massen bei höheren Drehzahlen Zusatzbelastungen ausgesetzt ist.

Ebenso wie die Bremsbeläge unterliegt die Bremsscheibe einem Verschleiß. Während des Bremsvorgangs sind Bremsscheiben hohen Belastungen - mechanischer sowie thermischer Art - ausgesetzt. Das liegt daran, dass sie kinetische Energie, also die Bewegungsenergie des Fahrzeugs - in Wärme umwandeln müssen. Dabei heizt sich das komplette Bremssystem auf. Die Bremsscheiben erhitzen aufgrund ihrer höheren Wärmeleitfähigkeit mehr als die Bremsbeläge. Dabei kann es auch zu Überhitzung der Bremsscheiben kommen, was zur Minderung der Bremsleistung führt. Dies liegt zum einen an dem niedrigeren Reibungskoeffizienten der Eisenlegierung bei über 500°C und zum anderen an der Entstehung von Dampfblasen aufgrund der Erhitzung der Bremsflüssigkeit, wodurch der Bremsdruck vermindert wird und der Fahrer Gefahr läuft, plötzlich "ins Leere" zu treten. Diesem Phänomen können Sie jedoch entgegen wirken, indem Sie die Bremsflüssigkeit regelmäßig austauschen. Eine weitere Folge von Überhitzung der Bremsscheiben können Wärmespannungen sein, wodurch ein bleibender Verzug droht. Der Fahrer merkt dies durch Vibrationen, woraufhin die Bremsleistung vermindert ist, da die Bremse langsamer anspricht. Da dieses Phänomen jedoch erst ab einer gewissen Geschwindigkeit auftritt, ist es äußerst gefährlich. Des Weiteren kann ein Verzug schließlich zu Spannungsrissen führen, wodurch die Wärmeableitung verschlechtert wird. Infolgedessen kann es schlimmstenfalls zum Abriss des Radträgers kommen.

Für jede Bremsscheibe gibt es eine Verschleißgrenze, durch die der Hersteller deren Lebensdauer eingrenzt. Dies bezieht sich auf die Mindestdicke der Scheibe, die im Laufe der Zeit durch die Bremsbeläge abgeschliffen wird. Oft ist dieser so bemessen, dass noch ein einziger Satz Bremsbeläge abgefahren werden kann, wenn dieser Wert erreicht ist. Daraufhin wird im Fahrtenbuch das Erreichen des letzten Intervalls eingetragen. Ist die Fahrtstrecke, die aus dem bisherigen Belagverschleiß errechnet werden kann, schließlich erreicht, müssen die Bremsscheiben und -beläge gleichzeitig ausgetauscht werden. Kommt es jedoch vor Erreichen der Verschleißgrenze zur Überhitzung der Bremsscheiben, ist es möglich, dass diese bereits eher gewechselt werden müssen.

Bremsleitung: Bremsflüssigeit für den richtigen Bremsdruck

Bremsleitungen haben die Aufgabe, die Bremsflüssigkeit und somit auch den Bremsdruck im Bremssystem weiterzuleiten. Diese sind in der Regel aus Gummi gefertigt. Da dieses jedoch nach einer Weile porös werden kann, empfiehlt es sich, Bremsleitungen in einer gewissen Regelmäßigkeit - ca. alle vier bis fünf Jahre - auszutauschen. Aufgrund dieser porösen Stellen kann Luftfeuchtigkeit in das Bremssystem eindringen, die mit der hygroskopischen (feuchtigkeitsbindenden) Bremsflüssigkeit aufgenommen wird. Sinkt aufgrund dessen die Siedetemperatur der Bremsflüssigkeit, können sich Dampfblasen bilden. Ein Bremsausfall ist die Folge. Des Weiteren besteht bei Bremsschläuchen die Gefahr, dass diese von innen aufquellen, was den Querschnitt verkleinert. Dadurch wirkt der Bremsschlauch im schlimmsten Fall wie ein Ventil. Das heißt, dass der Bremsdruck zwar noch an den Bremssattel oder den Radbremszylinder weitergegeben wird, sich jedoch nicht mehr abbaut, nachdem der Bremsvorgang abgeschlossen ist. Als robustere Alternative zu Bremsleitungen aus Gummi gelten Stahlflex-Bremsleitungen. Diese mit Stahlgeflecht ummantelten Bremsschläuche weisen eine hohe Lebensdauer auf. Da sie sich nicht unter Druck weiten, ist der Druckpunkt exakter und die Dosierbarkeit genauer. Des Weiteren können Marder das Material nicht durchnagen.

Die Handbremse: Handbremsseile warten bevor sie reißen

Die Handbremse wird betätigt, um die Räder eines Fahrzeugs dauerhaft zu blockieren und gegen unkontrolliertes Wegrollen zu sichern. Gerade an leichten Abhängen ist dies wichtig. Dabei handelt es sich bei einer Handbremse um eine mechanische Feststellbremse. Das heißt, dass alle Räder einer Achse permanent blockiert sind. Betätigt wird diese per Hand über reine Muskelkraft. Wenn der Handhebel gezogen wird, wird diese Zugkraft über Seilzüge oder Gestänge an die Bremsbeläge oder -klötze übertragen. Dank einer Ausgleichsverbindung wirkt die weitergeleitete Zugkraft ausgewogen auf beide Seiten der Achse verteilt. Von der Betriebsbremse muss die Handbemse unabhängig sein.

Ebenso wie bei den anderen Teilen einer Bremsanlage gilt es, die Bremsseile der Handbremse regelmäßig zu warten, um deren einwandfreie Funktion zu garantieren. Ist die Ummantelung eines Bremsseils beschädigt, kann Feuchtigkeit eindringen. Infolgedessen kann es zu Korrosion oder Festfrieren und schließlich zum Ausfall der Handbremse kommen. Bei einem Handbremsseil besteht nach langem, intensivem Gebrauch auch die Gefahr, dass dieses reißt. Hier gilt es, dieses so schnell wie möglich auszutauschen.

Bremsleuchten zeigen Verkehrsteilnehmern den Bremsvorgang an

Zwar sind sie nicht aktiv für den Bremsvorgang und die Drosselung der Geschwindigkeit eines Fahrzeugs selbst zuständig, dennoch sind bei Autos zwei Bremsleuchten nach §53 der StVZO Pflicht. Seit 1998 schreibt das EU-Recht für Neuwagen sogar drei Bremsleuchten vor. Diese zeigen dem Verkehr nach hinten den Bremsvorgang an, sobald das Bremspedal betätigt wird, bis der Fahrer den Fuß wieder runter nimmt. Dabei müssen die roten Leuchten so hell sein, dass diese auch bei Tageslicht gut zu erkennen sind. Ist eine Bremslichtbirne defekt, muss sie ausgetauscht werden. Sie sitzt jeweils links und rechts bei den Schlussleuchten. Die dritte befindet sich mittig des Fahrzeugs - oft als LED-Leiste in der Heckscheibe - oberhalb der anderen beiden Leuchten.

Das sollten Sie beim Warten Ihrer Bremsanlage beachten

Die Bremsanlage gehört zu den wichtigsten Bestandteilen eines Personenkraftwagens, daher empfiehlt es sich, dessen Einzelteile regelmäßig zu warten. Die einzelnen Komponenten, darunter Bremsbeläge, Bremsleitungen sowie Handbremsseile, unterliegen beim Bremsvorgang starken Belastungen und Verschleiß. Damit die Bremse auch nach mehreren Jahren noch sicher bremst und Leben rettet, sollten einzelne Teile nach einer Weile ausgetauscht werden. Dies können Sie mit viel Fachkenntnis und Erfahrung selbst erledigen. In der Regel gilt jedoch, solch bedeutende Autoteile in die Expertenhände einer Fachwerkstatt zu geben. Sowohl bei den Einzelteilen als auch bei der fachgerechten Wartung sollten Sie auf Qualität achten. Wenn es um die eigene Sicherheit geht, sollten Sie in Zuverlässigkeit, Qualität und Langlebigkeit investieren.

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