Guide für den Kauf von Techno-Musik

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Guide für den Kauf von Techno-Musik

Techno – beliebt im Underground wie im Mainstream

Was ist eigentlich Techno?

Häufig spricht man von Techno, wenn man allgemein elektronische Musik oder Tanzmusik meint. Das ist aber nicht ganz richtig. Techno hebt sich von der ursprünglichen Tanzmusik insbesondere durch seinen improvisatorischen Charakter ab. Die Verwendung von Melodien und Akkorden hat – wenn überhaupt – eine eher untergeordnete Bedeutung, währenddessen viel mit Klangfarben, ungewöhnlichen Sounds, elektronischen Effekten und neuartigen Produktionstechniken experimentiert wird. Außerdem hat Techno in der Regel einen gleichförmigeren Rhythmus als herkömmliche elektronische Musik. Dieser kann zwar monoton wirken, erleichtert aber das Hinzufügen von neuen elektronischen Effekten sowie das Mixen von verschiedenen Stücken. Somit ist Techno eine sehr DJ-freundliche Musikrichtung.

Schließlich unterscheidet sich Techno von den meisten anderen Stilen durch seinen starken Bezug zum Underground. Er hat sich zum großen Teil in Clubs entwickelt, wo bekannte DJs immer wieder neue Trends gesetzt haben. Zwischen Anfang und Mitte der 1990er Jahre sind sodann insbesondere in Deutschland durch ortsansässige Labels regionaltypische Stile entstanden. Spätestens als Mitte der 1990er Jahre international bekannte DJs wie Aphex Twin und Goldie anfingen, Musikalben zu produzieren, ist Techno im Mainstream angelangt. Mittlerweile gehört Techno neben House zu den beliebtesten Formen elektronischer Tanzmusik und elektronischer Musik überhaupt. Der moderne Techno ist durch eine Vielzahl verschiedener Musikstile geprägt worden, insbesondere den ursprünglichen Detroit Techno, Industrial, EBM (eine elektronische Stilrichtung der Neuen Deutschen Welle), House und Acid House. Noch immer kann man Alben kaufen, die mittlerweile vergriffen sind, was insbesondere bei weniger kommerziellen Produktionen häufig der Fall sein kann. Auch können Sie häufig Sammlungen gebraucht von unterschiedlichen Produktionen zu günstigen Preisen erwerben.

Wichtige Stilrichtungen des Techno

Die Ursprünge – Detroit Techno

Seinen Ursprung hat der moderne Techno insbesondere im Detroit Techno der 1980er Jahre. Diese Stilrichtung hat sich an europäischen Formen der elektronischen Musik (Electro Pop, EBM, Industrial) orientiert, zugleich aber Strömungen der amerikanischen Musikkultur aufgegriffen. So beinhaltet Detroit Techno Elemente von House Music, Funk, Electro-Funk und insbesondere auch schwarzem, US-amerikanischem Garage-Funk. Detroit Techno stellt aufgrund seines stark experimentellen Charakters gewissermaßen eine Gegenbewegung zur damaligen eher konventionellen Dance Music dar. Da der Detroit-Techno die sozialen Probleme der damaligen Zeit thematisiert hat, wirkt die Musik oft düster und entrückt. Andererseits gibt es aber auch viele Stücke, die eine aufbauende Stimmung vermitteln. Kennzeichnend für diesen Stil ist vor allem die minimalistische Ästhetik, die jedoch weniger auf stilistische Eigenwilligkeiten als vielmehr auf den damaligen Stand der Technik zurückzuführen ist. Äußerst beliebt war etwa der Track „Strings of Life“ (1987) von Rhythm is Rhythm.

Ein unverwechselbarer Sound – Acid Techno

Acid Techno verbreitete sich Anfang der 1990er Jahre und orientiert sich am Acid House, der in den späten 1980er Jahren sehr beliebt war, wobei sich der Acid Techno jedoch durch einen wesentlich härteren Sound abhebt. Zentrales Merkmal ist der sehr prägnante Acid-Sound, der durch den damals sehr beliebten Roland-TB-303-Synthesizer erzeugt wird. Die Modulationsmöglichkeiten dieses Synthesizers werden extrem ausgereizt. Die hierdurch erzeugten Sounds reichen von tiefem Brummen bis hin zu extrem hohen, geradezu kreischenden, beißenden Sounds. Dazu wird der Cut-Off-Regler hochgedreht, was ein schmatzendes Geräusch erzeugt, das Assoziationen zu Säure (englisch Acid) weckt – daher der Name. Stiltypisch ist beispielsweise der Track „Hardfloor will survive“ von Hardfloor feat. Phuture 303.

Für eingefleischte Techno Fans – Hardcore Techno

Hardcore Techno - auch Hardcore oder Hard Techno genannt - ist wohl die härteste und schnellste Tanzmusik, die es gibt. Es werden viele hart klingende Sounds, insbesondere eine harte, verzerrte Bassdrum verwendet. Darüber hinaus werden typischerweise Samples und auch Stimmen verzerrt und entfremdet. Darüber hinaus fließen häufig Metal-Samples in die Tracks mit ein. Das Tempo bewegt sich in der Regel zwischen 150 und 200 BPM (Schläge pro Minute), wobei es bei einzelnen Varianten zu extremen Abweichungen nach oben oder unten kommen kann. Sehr bekannte Stilrichtungen des Hardcores sind Gabber, Speedcore und Happy Hardcore.

Äußerst unkonventioneller Techno - Gabber

Gabber ist eine sehr harte Variante, die aus den Niederlanden stammt und insbesondere in den frühen 1990er Jahren sehr beliebt war. Die Stücke folgen in der Regel noch weniger musikalischen Konventionen als es bei anderen Varianten des Hardcore der Fall ist. Charakteristisch für Gabber ist zum einen die Bassdrum, die stark ausgereizt wird. Hierdurch werden zum einen extreme Frequenzen und ein aggressiver Sound, zum anderen eigenwillige melodische Effekte erzielt. Typisch ist auch der sogenannte Hooversound aus dem Roland Alpha Junosynthesizer. Auf tiefen Frequenzen gespielt klingt er düster und trübsinnig, auf hohen Frequenzen schrill und aggressiv. Gabber wurde zuweilen mit rechtsextremistischen und rassistischen Tendenzen in Verbindung gebracht. Hiervon hat sich die Gabber-Szene jedoch deutlich distanziert.

Techno zum schnellen Abtanzen - Speedcore

Speedcore zeichnet sich durch extreme, zum Teil als absurd hoch empfundene Geschwindigkeiten von meistens über 300 BPM aus, die insbesondere durch übersteuerte Percussions erreicht werden. Zum Teil werden sogar Geschwindigkeiten von über 1000 BPM, in Extremfällen sogar über 1500 BPM erzielt. Typisch sind weiterhin sehr künstlich wirkende Synthesizergeräusche, die meistens düster wirken. Hinzu kommen häufig eingängige Monologe oder Laute und Schreie aus Horrorfilmen. Wie auch beim Gabber werden die Sounds durch Synthesizer häufig stark moduliert, wodurch extreme Frequenzen entstehen. Die eigenwilligen Soundeffekte können zusammen mit den extremen Geschwindigkeiten und der Lichtberieselung auf Partys zu einer Reizüberflutung führen, die das Publikum mitunter in einen Rauschzustand versetzen kann. Ein typischer Track ist etwa „Injected“ von The Shapeshifter.

Weniger düsterer Techno - Happy Hardcore

Happy Hardcore ist eng mit Gabber verwandt, unterscheidet sich jedoch von diesem und anderen Hardcore-Varianten durch einen eher fröhlichen Sound. Er hat eine hohe Geschwindigkeit, ist jedoch mit 160 – 180 BPM zumeist erheblich langsamer als normaler Speedcore. Typisch sind weiterhin Gesangseinlagen und sentimentale Texte. Zum Teil werden auch Tracks dem Happy Hardcore zugeordnet, die einen fröhlichen Stil aufweisen, aber keine Hardcore-Elemente enthalten. Ein sehr fröhliches Happy Hardcore-Stück ist etwa „Elysium Plus“ von Scott Brown.

Mittlerweile im Mainstream – die deutsche Techno-Variante Schranz

Der Stil wurde Mitte der 1990er Jahre von deutschen DJs entworfen, war über lange Zeit erst einmal ein lokales Phänomen, hat sich mittlerweile aber weltweit durchgesetzt. Kennzeichnend für Schranz sind repetitive, verzerrte Percussionloops. Hinzu kommen harte, treibende Bässe sowie Loops von Trommeln, Rasseln und Fabrikgeräuschen. Der Stil lässt sich als hart, minimalistisch und mitunter monoton beschreiben. Im Gegensatz zum Hardcore sind die Soundeffekte weniger extrem. Immer wieder kommt es vor, dass die Grundstruktur für Stücke aus anderen Stilrichtungen übernommen wird oder aus Schranz-Tracks-Remixe erstellt werden. Somit ist diese Variante mittlerweile im Mainstream angekommen.

Back to the roots - Minimal Techno

Minimal Techno kann als Gegenbewegung zu den technisch immer ausgereifteren Produktionen und als Rückbesinnung auf den ursprünglichen Detroit Techno angesehen werden. Der Stil zeichnet sich durch einen gleichbleibenden Rhythmus, einfach gehaltene Arrangements und mitunter eine starke Monotonie aus. Durch die einfach gehaltene Struktur ist es jedoch andererseits möglich, einzelne Klänge, Klangvariationen und Unregelmäßigkeiten stärker zur Geltung zu bringen. Ein recht prägnantes Beispiel für diesen Stil ist der Track „Perfecture: Somewhere around now“ von dem bekannten US-amerikanischen Techno-DJ Jeff Mills.

Ein hybrider Stil – Techno Dub

Diese Stilrichtung hat ihren Ursprung in den 1990er Jahren in Berlin und wurde Anfang 2000 populär. Dub Techno ist eine Variante des Techno, welche das rhythmische Grundmuster des Detroit Techno mit der Musikproduktionsweise des Dub und einzelnen Elementen des Dub-Reggaes kombiniert hat. Die Stücke weisen oft einen sanften, warmen und atmosphärischen Klang auf, viele sind auch durch die Stilrichtung des Ambient beeinflusst. Werke, welche den technotypischen Beat nicht oder nur in geringem Umfang aufweisen, werden auch als Ambient-Dub bezeichnet.

Rave – mehr ein Lebensgefühl als eine Techno-Stilrichtung

Der Begriff Rave bezeichnet grundsätzlich Tanzveranstaltungen, auf denen alle Arten von elektronischer Musik gespielt werden können. In der Zeit zwischen 1993 und 1996 bezog sich der Begriff auch auf einen schnellen Technostil, der sich durch verzerrte, harte Bassdrums sowie eingängige tranceartige Melodien und Synthriffs auszeichnete. Heutzutage bezeichnet der Begriff Rave Music aber in erster Linie Klassiker aus der Anfangszeit des Techno.

Techno-Abspaltungen und verwandte Stile

Trance

Trance wird manchmal dem Techno zugerechnet. Dabei handelt es sich eigentlich um eine eigenständige Musikrichtung, die sich aus dem Techno, insbesondere dem Hardcore und dem Rave und darüber hinaus aus dem Acid House entwickelt hat. Im Gegensatz zum Techno sind jedoch Trance-Produktionen äußerst melodisch und harmonisch. Mit seinen atmosphärischen Klängen weist er starke Bezüge zum Ambient auf, hat jedoch im Gegensatz zu diesem einen prägnanteren Rhythmus und ist deswegen besser zum Tanzen geeignet. Die Trance Music hat Elemente aus den verschiedensten Musikrichtungen wie Techno, House, Pop, Chill out, klassischer Musik und Filmmusik übernommen. Auch Trance weist eine Vielzahl von verschiedenen Stilen auf, von denen einige wegen ihres engen Bezugs zum Techno hier kurz erläutert werden.

Goa

Goa wird auch als Goa-Trance oder Psytrance bezeichnet und ist nach den Trance-Outdoor-Partys benannt, die in den 1980er Jahren im indischen Bundesstaat Goa stattgefunden haben. Goa stellt eine Mischung aus Trance und Acid-Techno-Elementen dar. Darüber hinaus enthält diese Stilrichtung zum Teil akustische Ethno-Elemente mit psychedelischem Charakter. Die Goaszene identifiziert sich mit der 68er Bewegung und einem alternativen Lebensstil. Es finden zahlreiche Festivals statt, die von Spiritualität geprägt sind. Auch bei Mitgliedern der Technoszene finden Goapartys zum Teil großen Anklang, sodass es mitunter zu einer gegenseitigen Beeinflussung dieser Musikrichtungen kommt. Als Beispiel sei der Track „Mysterious Traveller“ von Derrik May / System 7 genannt.

Euro Trance / Hands up

Euro Trance, auch als Hands up bezeichnet, hat sich zwischen Mitte der 1990er Jahre und Anfang der 2000er Jahre aus den Stilrichtungen Eurodance, Happy Hardcore und Uplifting Trance entwickelt. Heutzutage ist Hands up etwas aus der Mode gekommen, findet sich jedoch noch auf Dance-Compilations.

IDM (Intelligent Dance Music)

Intelligent Dance Music hat sich zum Teil aus dem Techno entwickelt, sie enthält aber auch Elemente aus zahlreichen anderen Musikgattungen wie beispielsweise Industrial, Breakbeat oder Ambient. Der umstrittene Begriff impliziert, dass vom Hörer insofern mehr Intelligenz gefordert wird, als er sich in die Musik intensiver einhören muss als bei herkömmlicher Popmusik. Diese Musikrichtung ist insofern schwerer zugänglich, als sie stärker mit ungewöhnlichen Klängen und Soundeffekten experimentiert als herkömmliche Unterhaltungsmusik. Durch ihre rhythmische und melodische Komplexität unterscheidet sie sich andererseits aber auch vom Techno. Mittlerweile werden eher die Begriffe Independent Dance Music (IDM) oder Electrola verwendet.

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