Guide für Blues-Musik

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Guide für Blues-Musik

Der Blues und seine Stilrichtungen

Der Blues entstand in den Vereinigten Staaten gegen Anfang des 20. Jahrhunderts. Er enthält neben Elementen afrikanischer Musik auch europäische und karibische Teile. Der Blues wurde vor allen Dingen von der schwarzen Unterschicht gespielt und gehört, er spiegelte mit der Blues-Tonleiter deren tristen Alltag wider. Aus dem Blues bildeten sich unzählige Musikrichtungen wie zum Beispiel Jazz, Rock, Rock 'n' Roll und Soul heraus. Zudem entwickelte er sich in den verschiedenen Gegenden der Vereinigten Staaten durch jeweils andere Einflüsse in andere Richtungen. Auch Rhythm and Blues und Hip-Hop gingen daraus hervor. Der Name „Blues“ leitet sich vom geflügelten Wort „I`ve got the blues“ („ich bin traurig“) ab. Er lässt sich zudem in verschiedene Stilrichtungen unterteilen, wobei die berühmte zwölftaktige Bluesform erstmals 1912 verwendet worden ist. Als Instrument kam in der Urform nur Mundharmonika oder Gitarre zum Einsatz, mit dem sich der Sänger selbst begleitete. Später kamen dann E-Gitarre, Akustikbass, Saxofone und Schlagzeuge hinzu. Bei eBay finden Sie unzählige Tonträger mit den unterschiedlichsten Stilrichtungen aus allen Epochen des Blues.

Der „klassische“ Blues – auch Vaudeville Blues genannt

Dieser Bluesstil orientiert sich am Jazz der frühen 1920er Jahre. Er ist im Umfeld urbaner Vaudeville-Theater entstanden. Dieser Blues wurde meist von Frauen gesungen, die von einem Jazz Orchester begleitet worden sind. Die Songs des Vaudeville Blues waren auch die ersten Songs, die aus kommerziellen Gründen auf Grammofonplatten aufgenommen wurden. Im Jahr 1910 waren die Sängerinnen Alberta Hunter, Bessie Smith, Ma Rainey und der Komponist W.C. Handy unter den Afroamerikanern sehr populär. Durch die Veröffentlichung von Handys „Memphis Blues“ kamen immer mehr Amerikaner mit dem Blues in Kontakt. Als Erste brachte jedoch Mamie Smith die Nummer „That Thing Called Love“ heraus, während Smith mit dem Titel „Crazy Blues“ in die Hitparaden kam und so den Begriff Blues noch weiter verbreitete. Da sich der Bluesgeschmack des Publikums mehr in Richtung Delta Blues verschob, wurden bald immer weniger Frauen produziert und deren bis dahin dominierende Stellung im Blues an die männlichen Kollegen abgegeben.

Barrelhouse Piano – der Blues der „Fasshäuser“

In den 1920ern bis 1930ern wurde damit begonnen, die Musik von der Gitarre auf das Klavier zu übertragen. Der Name stammt dabei von den Kneipen, in den diese Bluesrichtung aufgeführt worden ist, denn hier wurde der Schnaps direkt aus den Fässern (barrel) ausgeschenkt. Aus dem Barrelhouse Blues entwickelte sich der Boogie-Woogie. Charakteristisch für diesen Stil ist ein sehr lauter und harter Anschlag auf dem Klavier, damit die Stimmen der Gäste übertönt werden konnten. Auch wurde oftmals das Klavier mit Papier ausgelegt, um einen besonderen Effekt zu bekommen.

Chicago Blues in zwei Phasen

Diese Richtung des Blues entstand aus der Abwanderung der verarmten schwarzen Arbeiterschicht vom Süden der USA in den Westen. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich ein städtischer Blues, der den klassischen Blues mit dem Country Blues vereinte. Dieser Stil war weniger archaisch als der Delta Blues. Die zweiten Phase nach dem Zweiten Weltkrieg gilt als Blütezeit dieser Stilrichtung. Hier prägten Muddy Waters oder Howlin´ Wolf den Stil. Charakteristisch für den Chicago Blues ist in beiden Phasen die Besetzung mit Blues Harp, Piano, Schlagzeug und Kontrabass oder E-Bass.

Country Blues aus den Südstaaten

Diese Stilrichtung hat ihren Ursprung in den ländlicheren Regionen der Südstaaten. Er unterteilt sich in weitere Richtungen, den Atlanta-Blues, Delta Blues und den Texas-Blues.

Der Blues der texanischen Großstädte

Der Texas Blues entstand in den 1920er Jahren. Die Texte haben mehr Witz als die Texte des Delta Blues. Das Gitarrenspiel bildet eher mit dem Gesang eine Einheit, als ihn zu kontrapunktieren. Charakteristisch für diesen Blues ist eine swingende und entspannte Spielweise, zum Beispiel von The Fabulous Thunderbirds oder Albert Collins.

Atlanta Blues – bekannt für die 12-saitige Gitarre

Der Atlanta Blues bezeichnet eine Bluesrichtung, die in den 1920ern und 1930ern ihre Blütezeit in Atlanta hatte. Besonders markant für den Atlanta Blues ist das Spiel auf der 12-saitigen Gitarre. Einer der bekannteren Vertreter ist dabei Peg Leg Howell, dessen erste Aufnahmen aus dem Jahr 1926 stammen. Weitere berühmte Interpreten sind Barbecue Bob, Laughing Charley Lincoln und Eddie Mapp.

Der Blues des Mississippi-Deltas

Im Mississippi-Delta entstand zu dieser Zeit eine eigene Richtung des Blues. Hier begleitet nur eine akustische Gitarre den Gesang. Der Mississippi-Blues ist durch rauen und intensiven leidenschaftlichen Gesang geprägt. Die Akkorde werden häufig offbeat geschlagen. Auch wird die Stimme des Sängers oftmals gedoppelt oder kontrapunktiert, wobei zudem das Spiel mit dem Bottleneck ein wesentliches Merkmal des Delta Blues ist. Bekannte Vertreter sind hierbei Robert Johnson oder Charley Patton.

Detroit Blues und John Lee Hooker

Der Nachfolger des Delta Blues, der Detroit Blues, stammt aus Detroit. Er ähnelt dem Chicago Blues der 1920er Jahre und entstand durch die Abwanderung der schwarzen Arbeiter in die Großstädte des Mittleren Westens. Er unterscheidet sich vom Delta Blues durch die elektrisch verstärkten Instrumente und dadurch, dass Bassgitarre und Piano dazukamen. Einziger Vertreter, der weltweiten Erfolg hatte, ist John Lee Hooker.

Memphis Blues als Erweiterung des Country Blues

Anfang des 20. Jahrhunderts legte der Country Blues mit der Entwicklung des Memphis Blues die Melancholie ab und die Lieder wurden mit mehr Lebensfreude gespielt. Erstmals wurde zusätzlich zu einer Rhythmusgitarre eine Sologitarre eingesetzt. Diese Kombination wurde später Standard im Rock 'n' Roll. B. B. King und Howlin`Wolf sind nur zwei der bekanntesten Musiker dieser Epoche.

Hokum-Blues oder auch Hot Jazz

Dieser Musikstil war zwischen den 1920ern und den 1930er Jahren populär. Dieser von afroamerikanischen Musikern gespielte schnelle, tanzbare Blues ist gekennzeichnet durch seine teilweise schlüpfrigen Texte. Der Name Hokum bedeutet Schwindel oder Aufschneiderei. Als Hauptvertreter dieser Musikrichtung gilt der Gitarrenvirtuose Tampa Red, der zusammen mit dem Gitarristen Georgia Tom auftrat.

Jump Blues und St.-Louis-Blues

Eine schnelle Spielart des Blues der 1940er Jahre ist unter anderem der Jump Blues. Charakteristisch für diesen Blues sind Blechbläser, synkopischer Gesang und ein treibender Rhythmus. Auch die Gitarre gehört hierbei zu den Rhythmusinstrumenten. Da die typischen Elemente der Musik ein treibender Rhythmus, lauter Gesang und röhrende Saxofoneinlagen sind, gilt der Jump Blues als Vorläufer des Rock 'n' Roll. Früher waren Louis Jordan oder Big Joe Turner bekannte Vertreter. Eng verwandt mit dem Jump Blues ist auch der pianobetonte St.-Louis-Blues. Dabei werden meist mehrere Sänger von einem Piano und mehreren Rhythmusinstrumenten begleitet. Ein bekannter Musiker dieser Richtung, der auch in die Blues Hall of Fame Aufnahme fand, ist Walter Davis.

Louisiana Blues und Swamp Blues

Anfangs hatte der Louisiana Blues noch Ähnlichkeiten mit dem Chicago Blues. Zusammen mit dem langsamen Rhythmus und einer entspannten Spielweise ergibt sich ein dichtes und dunkles Klangbild. Rund um Baton Rouge entwickelte sich unter Verstärkung dieser Merkmale der Swamp Blues. Zu den wenigen, aber bekannten Vertretern lassen sich Slim Harpo oder Lonesome Sundown zählen. Auch der Swamp Blues zeichnet sich durch eine entspannte Spielweise und einen langsamen Rhythmus aus. Hier sind aber daneben noch Einflüsse aus der Cajun Musik zu hören.

Piedmont Blues aus dem Küstengebiet

Das Küstengebiet Piedmont von Richmont in Virginia bis zu Atlanta in Georgia ist die Geburtsstätte des Piedmont Blues. Dieser Blues wurde meist im Duo gespielt und neben der Gitarre kam Klavier, Geige, Banjo oder Mundharmonika als zweites Instrument zum Einsatz. Der Piedmont Blues zeichnet sich durch seine fröhlichen Texte und den lustigen Wendungen in den Themen aus. Zu den typischen Musikern des Piedmont Blues gehört Lonnie Johnson und auch Brownie McGhee.

Der West Coast Blues

Der von Jazz und Jump Blues beeinflusste West Coast Blues hat seine Ursprünge in den 1940er Jahren. Der Texaner T-Bone Walker spielte bei der Entwicklung dieser Musikrichtung eine zentrale Rolle. Er war auch ein Pioneer beim Blues auf der elektrischen Gitarre. Bald folgten andere texanische Bluesmusiker, die den Weg nach Westen nahmen und sich in Kalifornien niederließen. Bis heute ist die Westküste eine der wichtigsten Bluesregionen der USA, deswegen gibt es hier auch zahlreiche Vertreter dieser Richtung. Etta James, Johnny Otis und Charles Brown sind nur drei der bekanntesten Musiker dieses Stils.

Bluesrock – Blues und Rockmusik

Mitte der 60er Jahre begannen Rockbands, Elemente der Bluesmusik in ihre Stücke aufzunehmen. Typisch waren dabei Improvisationen im Stil des Blues und das sogenannte Powertrio. Dieses bestand aus E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug. Dabei ist der Gitarrist oft auch zugleich der Sänger. Ein berühmter Vertreter ist in den Vereinigten Staaten die Band ZZ Top oder in Großbritannien der Künstler John Mayall.

Rhythm and Blues als Teil und Weiterentwicklung des Blues

Rhythm and Blues ist neben dem ursprünglichen Blues wohl die bekannteste Richtung des Blues. Der R&B kann dabei in den klassischen R&B zwischen den 1940ern und den 1980ern und in den Contemporary Rhythm and Blues ab den 1980ern eingeteilt werden. Anfangs wurde der R&B nur von Afroamerikanern für Afroamerikaner gespielt. Nach dem Zweiten Weltkrieg traten immer mehr Solokünstler in kleineren Bands auf, da es für die Radiostationen billiger kam, Schallplatten abzuspielen, als Big Bands zu engagieren. Der Stil änderte sich insofern, als dass das bis zu dieser Zeit vorherrschende Piano durch elektrische Gitarren ersetzt wurde. Der Rhythm and Blues verschmolz mit den Jahren mit diversen anderen Musikrichtungen, so in den 1950ern mit dem Gospel zu Soulmusik. Auch der Rock and Roll übernahm das Metrum und den Gesangsstil des Rhythm and Blues. Ab den 1980ern bezeichnet man den Rhythm and Blues als Contemporary Rhythm and Blues, wobei auch eine Verbindung zwischen Popmusik und Soul so genannt wird. Aber Contemporary Rhythm and Blues kann ebenso eine Verbindung zwischen Hip-Hop und R&B bezeichnen. Im Laufe der Zeit vermischte sich dieser Stil auch mit Rapmusik, Crunk und anderen Musikrichtungen.

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