Güllepumpe defekt? Tipps zum Kauf von gebrauchten Kühlsystemen für die CX 500

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Güllepumpe defekt? Tipps zum Kauf von gebrauchten Kühlsystemen für die CX 500

Viele Autos und Motorräder haben von ihren Fans – oder Neidern – ganz besondere Spitznamen erhalten, bis heute dürfte beispielsweise die „Ente" für den Citroën 2CV jedem Autonarr ein Begriff sein. Unter den Motorrädern sind eher klingende Beinamen wie Ninja, Africa Twin oder Monster üblich, womit so aber meist die Hersteller ihre Bikes „auszeichnen".

Andere Spitznamen sind hingegen deutlich weniger schmeichelhaft und sind eigentlich auch nicht als Schmeichelei gedacht. Das gilt wohl für einen Namen wie „Güllepumpe", welcher aber – ganz sicher ohne jede Absicht – das entsprechende Modell zu einer kleinen Berühmtheit machte. Um das Rätsel zu lösen: Mit „Güllepumpe" wird gern die CX 500 beschrieben, die bei Honda ab Ende der 1970er bis Mitte der 1980er vom Band rollte. Was der Spitzname mit einem berühmten Comic-Helden zu tun hat und für was die Güllepumpe eigentlich steht, verrät Ihnen dieser Motorrad-Ratgeber.

Die Tourer kommt: Honda bringt CX 500 anno 1978

Zuerst einmal: Die Honda CX 500 „Güllepumpe" war keinesfalls ein Fahrzeug für die Landwirtschaft, sondern ein völlig normales Motorrad. Tatsächlich zeigte sich die CX 500 nicht als Enduro oder vollwertige Geländemaschine, sondern als schlichte Tourer. Bekennende Biker erkennen in einer solchen Tourer ein Motorrad, das weniger auf Sportlichkeit und Schnelligkeit, sondern vielmehr auf Komfort und ein möglichst bequemes Fahren ausgelegt ist. Ende der 1980er gingen aus diesen Tourern schließlich die Sporttourer hervor, die mittlerweile ebenfalls recht gut motorisiert sind.

Die Honda CX 500 jedenfalls war noch eine herkömmliche Tourer, wobei der verbaute Motor trotzdem begeistern konnte. Der nämlich entpuppte sich als V2-Maschine mit 496 Kubik und immerhin 20 kW beziehungsweise 27 PS. Die deutsche Version des CX 500 scheint jedoch aus diversen Gründen gedrosselt, denn der V2 konnte sogar bis zu 37 kW und 50 PS leisten, wobei in dieser Version das maximale Drehmoment 43 Nm betrug.

Die zwei Zylinder des V2 waren in einen Winkel von 80 Grad angeordnet, wobei zuerst sogar 90 Grad angepeilt waren. Dann aber hätte der Fahrer der CX 500 Probleme mit seinem Knien bekommen, weswegen der Zylinderwinkel schließlich auf 80 Grad geändert wurde. Dabei entpuppte sich gerade der Motor der Honda CX 500 als gelungen und kam in modifizierter Version Anfang der 1980er mit der „Flat Tracker" sogar zum Einsatz auf der Rennstrecke.

Acht Jahre in Bau: 1986 wird die Honda CX 500 eingestellt

Obendrein sollte es nicht allein bei der Standardversion der CX 500 bleiben. Nach und nach stellte Honda weitere Versionen auf die Räder, die allesamt Erfolge feierten. Als Ableger der CX 500 sind beispielsweise die CX 500 C für Custom von 1980 bis 1983 oder die CX 500 E für Euro Sport von 1984 bis 1986 zu nennen. Interessant war außerdem die Honda CX 500 Turbo, die bis heute als einziges Honda-Motorrad mit Abgasturbo gilt.

Weitere Ableger und Modellvarianten der CX 500 waren die Honda GL 500 und GL 650 Silver Wing, deren Verkleidung und Rücklichter von der „großen Schwester" GL 1100 Goldwing stammten. Parallel gab es noch einige GL-Ableger, genauer die GL 500, GL 650 und GL 700. Insbesondere die GL zeigte Raum für Ideen und war beispielsweise als GL 650 Silver Wing außer mit Vollverkleidung und Koffern sogar mit CB-Funk oder Radio ausgestattet. Angeboten wurde dieses Sondermodell jedoch allein auf dem japanischen Heimatmarkt.

1986 stellte Honda die Produktion der CX 500 schließlich ein, ohne offiziellen Erben. Allein die GL-Modelle sowie die Honda ST 1100 nahmen einige konstruktive Ideen der Tourer auf.

Zuverlässig: Die Honda CX 500 gilt bis heute als beliebt

Bis heute gilt die japanische Tourer jedenfalls als beliebt, weil äußerst zuverlässig und robust. Kombiniert war der Antrieb der CX 500 beispielsweise mit einem Kardanantrieb, welcher ebenfalls als recht wartungsarm gilt. Obendrein war die Maschine ein Innovationsträger, denn die CX 500 ist das erste Motorrad in Serie, das schlauchlose Reifen verwenden konnte. Heute sind diese Reifen Norm und am Kürzel „TL" für „tubeless" – zu Deutsch „schlauchlos" – erkennbar, während Motorradreifen mit Schlauch die Bezeichnung „TT" für „Tube Type" oder „Reifen mit Schlauch" tragen.

Für Honda war die CX 500 im Fazit sicherlich ein Erfolg, denn allein 1981 wurden in der damaligen Bundesrepublik fast 10.000 Modelle verkauft. Bis heute haben sich zahlreiche Fanclubs gehalten, die national wie ebenso international aufgestellt sind. Einige Fanclubs kümmern sich aktiv um den Erhalt der CX 500, ein Club in Dänemark produziert mittlerweile sogar nötige Ersatzteile. Die werden sicherlich nach originalen Bauplänen gebaut, was insbesondere für Maschinen der ersten Baujahre in Hinsicht auf das H-Kennzeichen interessant ist. Tipps für den Erhalt eines solchen Oldtimer-Kennzeichen und somit den Status einer Klassiker werden Ihnen am Ende dieses Ratgebers verraten.

Werner & die Güllepumpe: wie die CX 500 zu ihrem Spitznamen kam

Zuvor dürfte eines nämlich wichtiger sein: Woher bekam eine moderne und sogar innovative Tourer wie die Honda CX 500 einen Spitznamen wie Güllepumpe? Die Antwort ist so einfach wie kurios: Erfunden hat den Namen ein Comic-Zeichner, genauer ein gewisser Rötger „Brösel" Feldmann. Der Mann war begeisterter Schrauber an alten Horex-Regina-Maschinen und erschuf quasi nebenbei eine der berühmtesten Comicfiguren der deutschen Geschichte: Werner.

In einem seiner Kinofilme – „Werner" – griff Feldmann insbesondere das Kühlsystem der Honda CX 500 auf. Seiner Meinung nach brauchte ein durchdachtes Motorrad mit vernünftiger Konstruktion keine Wasserkühlung, zumal Brösel auch die Form der neuen modernen Bikes nicht zusagte. Kurzum deklarierte Feldmann den Pumpenumlauf der CX 500 zur Güllepumpe, die in einem seiner Comics tatsächlich Gülle umwälzt. Selbstredend war der Spitzname seitens Brösel rein ironisch gemeint und sollte quasi seine persönliche Meinung über Design und Konstruktion moderner Motorräder und nicht allein der CX 500 ausdrücken. Trotzdem sollte die Honda-Tourer diesen Beinamen nie wieder loswerden.

Vorsicht Defekt: So erkennen Sie eine kaputte „Güllepumpe"

Wie jedes andere Bauteil kann eine solche „Güllepumpe" – korrekterweise besser als Kühlsystem bezeichnet – durchaus einmal kaputt gehen. Symptome zeigt eine defekte Kühlanlage beispielsweise mit extrem steigender und entsprechend hoher Kühlwassertemperatur, einem ungewöhnlich heißen Motor oder schlichtweg durch auslaufendes Kühlwasser.

In solchen Fallen gibt es nur eine einzige Lösung: Anhalten und den Schaden reparieren. Zwar können Sie mit einem defekten Kühlsystem durchaus noch kurze Wege zurücklegen, doch spätestens auf längeren Touren droht im schlimmsten Fall ein kapitaler Motorschaden. Also: Lassen Sie Ihre CX 500 stehen, denn weder Kühlsystem noch Motor sind aufgrund der bereits 1986 eingestellten Produktion heute als Massenware erhältlich.

Neue Güllepumpe: Wo gibt es noch Ersatzteile für die CX 500?

Tatsächlich ist die Versorgung mit Ersatzteilen für das schon etwas ältere Honda-Motorrad recht problematisch. Letzten Endes wird der einzige Ausweg wohl ein gebrauchtes Kühlsystem sein, das immerhin noch zu finden ist. Zuerst lohnt eine Suche in speziellen Oldtimer-Märkten und Auktionen. Zweitens kann der Kontakt zu einem der vielen CX-500-Fanclubs einen Erfolg verheißen. Drittens lohnt der bereits erwähnte dänische Fanclub, der einige nicht mehr erhältliche Ersatzteile anfertigt. Eine ähnliche Adresse findet sich in Großbritannien, wo ebenfalls ein Fan diverse Bauteile produziert.

Nötige Ersatzteile gebrauchter Art zu finden, ist also zumindest möglich. Allerdings haben Gebrauchtteile natürlich ihre Nachteile, denn neuwertig sind die Ersatzteile selbstredend nicht mehr. Seriöse Verkäufer teilen Ihnen aber in Auktionen oder Börsen freiwillig oder spätestens auf Nachfrage Alter und Laufzeit der Teile mit. Obendrein sollten Sie auf Ihren Instinkt und insbesondere Ihre Augen vertrauen.

Jede Art von größerer Beschädigung ist ein Grund, den Kauf abzulehnen. Kleinere Schrammen und Blessuren werden Sie hingegen bei gebrauchten Ersatzteilen hinnehmen müssen, da die Teile selten nicht schon mal in einer CX 500 verbaut waren.

Aufgepasst: Frühere CX 500 Baujahre sind schon Oldtimer

Arg verölte oder verschmutzte Teile sollten Sie bei aller Not ebenfalls ablehnen, wobei mitunter ein Tuch und etwas Wasser schon helfen und ein durchaus noch brauchbares Bauteil zu Tage fördern können. Wichtig ist jedenfalls, dass Sie originale Bauteile verwenden oder wenigstens Originalnachbauteile. Denn die früheren Baujahre der Honda CX 500 gelten längst als Klassiker, die nach deutschem Gesetz eine Erstzulassung aufweisen müssen, die mindestens 30 Jahre zurückliegt.

Eine Honda CX 500 Baujahr 1980 erfüllt dieses Kriterium somit längst. Und selbst die letzten Baujahre der CX 500 anno 1985 oder 1986 müssen nicht mehr allzu lange auf ein H-Kennzeichen warten, mit denen allein Oldtimer ausgezeichnet werden – unter anderem zu einem pauschalen und recht niedrigen Steuersatz.

Oldtimer: Welche Kriterien muss, meine CX 500 für das H-Kennzeichen erfüllen?

Damit Ihr Honda-Oldtimer als solcher anerkannt wird, müssen Sie einige gesetzliche Vorgaben erfüllen. Die Originalität in Form originaler Bauteile wurde bereits genannt. Inwieweit diese Originalität speziell das gesuchte Kühlsystem Ihrer CX 500 betrifft, wird Ihnen gern der TÜV in einem kurzen Gespräch verraten.

Allein mit der Originalität ist es allerdings noch nicht getan. Auch Pflege und Zustand Ihrer Klassiker müssen die Prüfer überzeugen, weswegen die CX 500 natürlich fahrbereit sein sollte. Sollten Sie tatsächlich alle Vorgaben erfüllen, dürfte das Kennzeichen Ihrer Honda CX 500 bald das besondere „H" zieren. Wie gesagt: Genaue Informationen können spezielle Organisationen wie TÜV oder Dekra besser geben. Eine Anfrage bei entsprechenden Stellen kann daher nur lohnen.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden