Grüne Plakette als Eintrittskarte für alle Umweltzonen – Wissenswertes über die Feinstaubplakette

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Grüne Plakette als Eintrittskarte für alle Umweltzonen – das sollten Sie über die Feinstaubplakette wissen

Mit Wirkung zum 1. März 2007 wurde die „35. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes“ eingeführt. Seither wurden weit mehr als 50 Umweltzonen in deutschen Städten und Ballungsgebieten errichtet. Für die Halter und Führer von Pkw und Lkw bedeutet dies: Sie benötigen eine Umweltplakette, die zum Einfahren in die Umweltzone berechtigt. Doch längst nicht jedes Fahrzeug kann eine solche Umweltplakette erhalten.

Die Umweltzone: Verkehrsverbotszone für die Reduzierung der Feinstaubbelastung in Ballungsräumen

Die der Einführung der Umweltzonen zugrunde liegende Problematik ist die in Großstädten teilweise über den erlaubten Grenzwerten liegende Konzentration an Feinstaub in der Luft. Bei Feinstaub handelt es sich um kleinste Staubpartikel, die einen aerodynamischen Durchmesser, der kleiner als 10 Mikrometer ist, aufweisen. Studien zufolge kann Feinstaub folgende Erkrankungen begünstigen:

  • Asthma,
  • diffizile Erkrankungen der Lunge,
  • Herz- und Kreislauferkrankungen,
  • Lungenkrebs,
  • Allergien und
  • Mittelohrentzündung (hauptsächlich bei Kindern).

Feinstaub kann zwar auf natürliche Art und Weise entstehen, beispielsweise durch die Erosion von Gesteinen, durch Brände oder durch Pollen. Für die überhöhte Konzentration ist jedoch in erster Linie der Mensch verantwortlich, der Feinstaub durch die Industrie, durch Elektrizitäts- und Fernheizwerke, im privaten Haushalt und insbesondere durch den Straßenverkehr verursacht. Am Aspekt des Straßenverkehrs, der sich in Ballungsgebieten extrem häuft, setzen die Umweltzonen an.

Was ist eine Umweltzone?

Bei einer Umweltzone handelt es sich um Verkehrsverbotszonen, die in großen Städten und Ballungsräumen eingeführt werden können. Indem hierbei Fahrzeuge bestimmter Schadstoffgruppen, die einen zu hohen Schadstoffausstoß aufweisen, vom Verkehr ausgeschlossen werden, soll die Feinstaubbelastung nachhaltig gesenkt werden. In den meisten Städten wurden und werden die Umweltzonen schrittweise eingeführt, indem zunächst die erste Stufe (Schadstoffgruppe 1, Fahrzeuge ohne Plakette) ausgeschlossen wird. Erst nach und nach wird dann auch Fahrzeugen mit roten und gelben Plaketten das Einfahren und Parken innerhalb der Umweltzone verboten.

Die Einführung und Aufrechterhaltung der Umweltzonen ist allgemein umstritten. Nicht nur Verbraucher klagen über Einschränkungen hinsichtlich ihrer Mobilität. Forscher stellten fest, dass in den Städten, in denen die Umweltzonen bereits seit einigen Jahren bestehen, bisher kein positiver Einfluss auf die Feinstaubentwicklung zu beobachten ist.

Die Schadstoffgruppen: Welches Fahrzeug bekommt welche Feinstaubplakette?

Die zum Verkehr zugelassenen Pkw und Lkw werden für die Vergabe der Feinstaubplaketten in vier Schadstoffgruppen eingeteilt.

Schadstoffgruppe 1

In Schadstoffgruppe 1 werden alle älteren Fahrzeuge eingruppiert, die mit einem Dieselmotor oder mit einem Benzinmotor ohne geregelten Katalysator ausgerüstet sind. Für Autos und Lastwagen dieser Schadstoffgruppe wird keine Feinstaubplakette ausgestellt. Dementsprechend dürfen Sie in keine Gebiete einfahren, die als Umweltzone gekennzeichnet sind, sofern Ihr Fahrzeug keine Ausnahme darstellt.

Ob ein Fahrzeug zu dieser Schadstoffgruppe gehört, lässt sich anhand der Emissionsschlüsselnummern herausfinden:

  • Fahrzeuge mit Dieselmotor: 0–24, 34, 40, 77, 88, 98
  • Fahrzeuge mit Benzinmotor: 0, 3–13, 15, 17, 88, 98

Hauptsächlich handelt es sich dabei um Fahrzeuge, die zwischen 1992 bis 1997 gebaut wurden.

Schadstoffgruppe 2

Fahrzeuge, die in die Schadstoffgruppe 2 eingruppiert werden, erhalten eine rote Plakette. Auch ihnen ist die Einfahrt in die Umweltzonen nicht erlaubt. In diese Gruppe werden ausschließlich Diesel-Fahrzeuge eingruppiert. Sie müssen dann eine der folgenden Emissionsschlüsselnummern aufweisen: 25–29, 35, 41, 71.

Schadstoffgruppe 3

Fahrzeuge der Schadstoffgruppe 3 erhalten die gelbe Feinstaubplakette und müssen bei der Einfahrt in eine Umweltzone anhand des entsprechenden Hinweisschildes überprüfen, ob ihr Fahrzeug zugelassen ist. Anfänglich durfte man mit der gelben Plakette noch in jede Umweltzone einfahren. Seit 2012 gibt es jedoch erste Umweltzonen, in denen nur noch Autos und Lkw mit der grünen Plakette erlaubt sind.

In die Schadstoffgruppe 3 werden nur Dieselfahrzeuge integriert, die die Emissionsschlüsselnummer 30, 31, 36, 37, 42, 44–52 und 72 aufweisen. Fahrzeuge mit der Partikelminderungsstufe 1 (PM1) erhalten eine gelbe Plakette, wenn ihnen die Emissionsschlüsselnummer 14, 16, 18, 21, 22, 25–29, 34, 35, 40, 41, 71 und 77 zugewiesen wurden.

Schadstoffgruppe 4

Der Schadstoffgruppe 4 – und damit mit einer grünen Plakette gekennzeichnet – gehört Ihr Fahrzeug an, wenn es mit einer der folgenden Antriebsarten geführt wird:

  • Benziner mit geregeltem Katalysator (G-Kat)
  • Diesel mit oder ohne Partikelfilter
  • Flüssiggas
  • Erdgas
  • Ethanol
  • Wasserstoff
  • Brennstoffzellen

Insbesondere bei Dieselfahrzeugen ist wiederum auf die Emissionsschlüsselnummern zu achten:

  • Diesel ohne Partikelfilter: 32, 33, 38, 39, 43, 53–70, 73–75
  • Diesel mit Partikelfilter: 49–52, 27 (PM1); 30, 31, 36, 37, 42, 44–48, 67–70 (PM2); 32, 33, 38, 39, 43, 53–66 (PM3)

Benziner sollten eine der Emissionsschlüsselnummern 1, 2, 14, 16, 18–70, 71–75 oder 77 aufweisen, um eine grüne Feinstaubplakette zu erhalten. Mit der grünen Plakette darf jede Umweltzone uneingeschränkt befahren werden.

Emissionsschlüsselnummern herausfinden: So lesen Sie die Information aus dem Fahrzeugschein heraus

Welche Feinstaubplakette Ihr Auto oder Lkw verdient, können Sie selbst aus dem Fahrzeugschein bzw. aus der neueren Zulassungsbescheinigung Teil I herauslesen. Sofern Sie einen alten Fahrzeugschein mit einem Ausstellungsdatum vor dem 1. Oktober 2005 besitzen, suchen Sie den Punkt „zu 1“ und lesen die zwei zuletzt genannten Ziffern ab. Sie stellen die Emissionsschlüsselnummer dar. Bei der neueren Zulassungsbescheinigung Teil I, die seit Oktober 2005 ausgestellt wird, finden Sie die Information im Punkt 14.1. Auch hier handelt es sich um die zwei letzten Ziffern.

Bei Autos, die eine ausländische Zulassung besitzen, ist die Schadstoffgruppe oft nicht ohne Weiteres aus dem Fahrzeugschein erkennbar. Deshalb wird hier ein vereinfachtes Verfahren angewendet. Fahrzeuge mit ausländischer Zulassung werden demnach im Regelfall anhand des Jahres der Erstzulassung, also entsprechend ihres Alters eingestuft.

Ahndung des Befahrens einer Umweltzone ohne gültige Plakette

Wenn Sie eine Umweltzone befahren, ohne dass Sie eine gültige Feinstaubplakette an Ihrem Auto angebracht haben, müssen Sie mit einem Bußgeld in Höhe von 40 Euro sowie einem Punkt im Flensburger Verkehrszentralregister rechnen (Stand: August 2013). Seit Anfang 2009 sieht der Bußgeldkatalog zudem dieselbe Bestrafung vor, wenn Sie Ihr Fahrzeug ohne Plakette im Bereich einer Umweltzone parken. Bei der Verhängung von Strafen spielt es keine Rolle, ob das Fahrzeug die Umweltzone aufgrund seiner Emissionswerte hätte befahren dürfen. Einzig und alleine die sichtbare Anbringung der Plakette ist ausschlaggebend.

Ausnahmen vom Verkehrsverbot: Befahren der Umweltzone ohne Umweltplakette

Die 35. BlmSchV enthält in Anhang 3 zu § 2 Abs. 3 verschiedene Ausnahmen von der Kennzeichnungspflicht mit einer Feinstaubplakette. So sind folgende Fahrzeuge vom Verkehrsverbot ausgenommen:

  • transportable Geräte und Maschinen
  • spezielle Arbeitsmaschinen
  • Zugmaschinen für die Land- und Forstwirtschaft
  • Kraftfahrzeuge mit zwei und drei Rädern (z. B. Motorräder, Trikes)
  • Kranken- und Arztwagen im medizinischen Einsatz
  • Fahrzeuge für den Transport von Gehbehinderten, Hilflosen oder Blinden (Merkzeichen aG, H oder Bl im Schwerbehindertenausweis)
  • Fahrzeuge von Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr, Katastrophenschutz, Zoll, Straßenbauverwaltung
  • mindestens 30 Jahre alte Old- und Youngtimer mit H-Kennzeichen oder rotem 07er-Kennzeichen
  • Diplomatenfahrzeuge

Zudem kann eine Ausnahme ausgesprochen werden, wenn Anwohner der Umweltzone oder Gewerbetreibende schon vor der Einführung der Zone ein Fahrzeug besessen haben, das nicht nachgerüstet werden kann. Auch wenn die Beschaffung eines Fahrzeugs mit Umweltplakette in wirtschaftlicher Hinsicht nicht zumutbar ist, können Ausnahmegenehmigungen erteilt werden. Hierbei handelt es sich allerdings um regionale Ausnahmen, die von Stadt zu Stadt variieren und nicht überall gleichermaßen Anwendung finden.

Nutzung eines Quads – Wann Sie eine Umweltplakette benötigen

Ein Quad fällt nicht unter die Ausnahme der zwei- und dreirädrigen Fahrzeuge. Im Regelfall werden sie mittels der Fahrzeugklasse L zugelassen, wodurch keine Plakettenpflicht begründet wird. Sollte ein Quad jedoch wie ein Pkw zugelassen werden, kann eine Plakettenpflicht entstehen. In diesem Fall sollten Sie bei der ausgebenden Stelle nachfragen, welcher Schadstoffgruppe Ihr Quad zugewiesen wird.

Die Ausgabe der Feinstaubplaketten: An diesen Stellen können Sie die Plaketten erwerben

Grundsätzlich werden die Feinstaubplaketten von den Kfz-Zulassungsstellen ausgegeben. Hierbei sollten Sie sich auf einen Preis von bis zu 7 Euro einstellen. Auch die technischen Dienste, z. B. TÜV und Dekra, geben die Plaketten aus, ebenso wie Werkstätten, die zur Abnahme der Abgasuntersuchung berechtigt sind. Diese können ihre Preise allerdings selbst festlegen. Günstiger erhalten Sie Ihre Feinstaubplakette bei eBay. Sie müssen beim Erwerb lediglich eine Kopie des Fahrzeugscheins oder -briefs bzw. der Zulassungsbescheinigung vorlegen. Bei einem Kauf über eBay kann dies auch mithilfe eines per E-Mail übersandten Scans oder per gut lesbarem Fax erfolgen. Die Plakette kann dann nur für dieses eine Fahrzeug genutzt werden.

Anbringen der Feinstaubplakette: im Optimalfall in der unteren Ecke der Windschutzscheibe auf der Beifahrerseite

Die Autoplakette muss an der Innenseite der Windschutzscheibe angebracht werden. Es wird empfohlen, hierfür die untere Ecke der Windschutzscheibe auf der Beifahrerseite zu nutzen, da sie hier gut erkennbar ist und das Sichtfeld des Fahrers nicht beeinträchtigt. Alternativ kommt auch die untere Ecke auf der Fahrerseite in Frage. Sofern die Windschutzscheibe einen Grünkeil aufweist, kann die Plakette aufgrund der Verfälschung der Plakettenfarbe nicht in den oberen Ecken angebracht werden.

Gehen Sie beim Aufkleben sorgfältig vor. Wenn Sie den Feinstaub-Aufkleber falsch herum oder schief aufkleben, können Sie ihn zwar grundsätzlich wieder abziehen und noch einmal ankleben. Sie entspricht dadurch allerdings nicht mehr den Vorschriften, da beim Abziehen die Sicherheitsoberfläche beschädigt wird. Dies ist sichtbar, wenn die Plakette erneut aufgeklebt wird. Sollten Sie mit einer beschädigten Plakette in einer Umweltzone in eine Verkehrskontrolle geraten, müssen Sie mit demselben Bußgeld rechnen, als hätten Sie überhaupt keine Plakette angebracht.

Entwicklung der Umweltzone: Wo gibt es sie in Deutschland bereits?

Die ersten Großstädte, die bereits im Januar 2008 ihre Umweltzonen errichteten, waren Berlin, Hannover, Köln und Dortmund. Alleine in diesem ersten Jahr der Feinstaubplakette wurden insgesamt 24 Umweltzonen errichtet. Nach und nach zogen weitere Städte nach, sodass es inzwischen mehr als 50 Umweltzonen gibt. Es gibt allerdings auch Städte, so beispielsweise Aachen und Dresden, die sich gezielt gegen den Erlass eines Verkehrsverbotes ausgesprochen haben und lieber mit anderen Mitteln und Wegen versuchen, die Feinstaubbelastung zu reduzieren.

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