Grammophonliebhaber wissen es: kurbeln und kratzen gehört dazu!

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Grammophonliebhaber wissen es: kurbeln und kratzen gehört dazu!

Der ein oder andere der älteren Generation mag sie noch kennen: Grammophone. Als Vorläufer des heutigen Plattenspielers werden sie nur noch von Liebhabern und Nostalgikern benutzt. Gerade die ältesten Modelle strahlen eine starke Faszination aus, kamen sie doch ganz ohne Elektrizität aus.

Was für uns heute das selbstverständlichste von der Welt ist, war für die damalige Zeit eine Revolution: Töne – Sprache, Geräusche und Musik – festzuhalten, sie zu speichern und bei Bedarf immer und immer wieder abspielen zu können. Vor hundertdreißig Jahren musste das wie Zauberei wirken.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten war dem Grammophon jedoch ein schneller Aufstieg beschieden. Es entstanden unterschiedlichste Formate und Bauformen. Die Welt hatte gefallen gefunden an der neuen Unterhaltungstechnik.

Noch bis in die 1950er Jahre hinein wurde das Grammophon und die dazugehörige Schellack-Schallplatte verwendet. Danach verdrängte der Plattenspieler und die Vinylplatte die alte Technik jedoch völlig. Seit war das Grammophon nur noch ein Nischenprodukt für Liebhaber und Sammler.

Wenn Sie sich für diese alte Technik interessieren und wissen wollen wie sie funktioniert und wie sie entstanden ist, dann ist dieser Ratgeber genau das Richtige für Sie. Vielleicht interessieren Sie sich auch für den Kauf eines Gerätes, weil Sie im Besitz einer Schellackplattensammlung sind? Dann können Sie ebenfalls getrost weiterlesen.

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Alles in allem beruht die Entwicklung und Erfindung der Schallplatte und des Grammophons auf einer ganzen Reihe unterschiedlicher technischer Erfindungen, die im Vorfeld entstanden waren. Als der Deutsch-Amerikaner Emil Berliner 1887 mit seinem Entwurf für eine – wie er es bereits nannte – „Schallplatte“ vor dem Patentamt stand, hatte er sich bereits mit den Vorarbeiten von Thomas Alpha Edison und einigen anderen beschäftigt.

Fast zeitgleich hatte Edison seinen „Phonograph“ patentieren lassen, der ebenfalls Schall auf einem walzenförmigen Datenträger speichern konnte. Jedoch entstanden hieraus einige Nachteile. Dass jede Tonwalze ein Unikat und nicht reproduzierbar war, stand der kommerziellen Nutzung der Technik jedoch besonders im Wege.

Berliner hatte – neben der rein technischen Verbesserung – diesen Aspekt seiner Erfindung bereits mitgedacht: Die Tonaufzeichnung und –Wiedergabe sei etwas für den Unterhaltungsbereich. Aus der heutigen Sicht mutet diese Annahme etwas grotesk an, damals war sie noch eine Vermutung, die es zu beweisen galt.

Emil Berliner hatte Glück. Seine Schallplatte und das dazugehörige Grammophon wurden ungeahnt erfolgreich. Jedoch musste der Erfinder und Geschäftsmann Berliner zunächst einige Täler durchschreiten, denn in seiner Wahlheimat USA interessierte sich keiner für seine Erfindung.

Erste Grammophone und Schallplatten in schlechter Qualität

Berliner, der 1870 in die USA ausgewandert war, kehrte deswegen nach Europa zurück. In Waltershausen, Thüringen fand er einen ersten Geschäftspartner, eine Spielwarenfabrik, die die erste Serienfertigung einfacher Grammophone anfertigte. Die hierauf abspielbaren Schallplatten waren jedoch von so schlechter Qualität, dass der Text der Aufnahme gleich auf die Rückseite der Platte gedruckt wurde, damit der Käufer alles verstand.

Das lag zu einem großen Teil auch an dem verwendeten Material der Schallplatten. Die Pressungen waren zunächst mit Gummi, Zelluloid oder Zink vorgenommen worden. Zwar wurden ungefähr 25.000 Schallplatten dieser Art gepresst, der kommerzielle Erfolg stellte sich für Berliner jedoch noch nicht ein.

Daher kehrte Berliner in die USA zurück, wo er verschiedene Firmen gründete und das Grammophon und die Schallplatte weiterentwickelte. Durch die Gewinnung von Investoren und die Gründung der Berliner Gramphone Company trat das neue Unterhaltungsgerät in eine neue Phase seiner Entwicklung ein.

Emil Berliner verbesserte die Konstruktion, aber vor allen dingen experimentierte er mit weiteren Materialien für die Schallplatte. Ab 1896 ließ Berliner Platten aus einem Gemisch von Schieferpulver, Baumwollflock und Schellack pressen. Dies verbesserte die Klangqualität und Haltbarkeit der  Platte nachhaltig.

Hierdurch sowie durch geschickte Werbekampagnen explodierte die Nachfrage nach Grammophonen und Schellackplatten mit einem Mal. Berliner expandierte und gründete Tochtergesellschaften in England und im Deutschen Reich: die Deutsche Grammophon-Gesellschaft war geboren.

Das Grammophon wurde zum begehrten Unterhaltungsmedium

Hervorgerufen durch Vertragsstreitigkeiten und dem schlechten patentrechtlichen Schutz seiner Erfindung, begannen immer mehr Firmen mit der Produktion von eigenen Grammophonen und Schallplatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dadurch entstand ein schnelllebiger aber auch innovativer Industriezweig.

Dadurch etablierten sich zunächst eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme und Standards auf dem Markt. Mit der Zeit konnte sich jedoch die Schellackschallplatte mit einer Geschwindigkeit von 78 Umdrehungen pro Minute durchsetzen. Die Nadeln sollten nach jedem Abspielen einmal ausgetauscht werden.

Grammophone in einfacher Ausführung waren bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs so preisgünstig, dass sie auch für die unteren Schichten der Bevölkerung erschwinglich wurden. Die Klangqualität der Platten konnte dabei durch die Jahre hindurch stetig gesteigert werden. Bekannte Künstler und Musiker der Zeit interessierten sich immer mehr für den neuen Tonträger und bescherten den Plattenfirmen einen weitaus größeren Umsatz.

Eine kleine Revolution: Grammophone mit elektrischem Antrieb

Der Erste Weltkrieg setzte dem prosperierenden Schallplatten- und Grammophonhandel ein Ende. Erst nach 1918 kam der Welthandel erst langsam wieder in Schwung. Die Plattenabsätze wurden besonders durch die wirtschaftlichen Krisen zu Beginn der 1920er Jahre stark beeinflusst.

Gegen Mitte des Jahrzehnts kamen elektrisch betriebene Grammophon-Plattenspieler auf den Markt. Diese verdrängten schlagartig die bis dahin bestehenden akustisch-mechanisch arbeitenden Geräte. Auch hier war wieder eine Zunahme an Klangqualität und ein Rückgang von Produktionskosten zu verzeichnen.

Mit den 1930er brach auch in der in Plattenindustrie ein dunkles Zeitalter herein. Viele Plattenfirmen und Hersteller, die in jüdischem Besitz waren, wurden enteignet und aufgelöst. Im Zweiten Weltkrieg brach die Schallplattenproduktion gleich ganz weg.

Das Grammophon und die Schellackschallplatte treten ab

Nach dem Krieg lief die Produktion – trotz bereits bestehender Verfahren mit Vinylscheiben – mit Schellackplatten wieder an. In Deutschland entstanden mehrere neue Plattenmarken. In der sowjetisch besetzten Zone wurden diese in schneller Folge verstaatlicht.

Als in den 1950er Jahren die Spulentonbandtechnik, aber besonders auch die neuen Plattenspieler mit Vinylschallplatten auf den Plan traten, verlor das Grammophon und mit ihm die Schellackplatte schnell an Bedeutung. Die Produktion wurde 1958 ganz eingestellt.

Auf dem Grammophon liegt in horizontaler Lage die Schalplatte auf, auf der Töne mechanisch aufgezeichnet werden. Erste Schallplatten bestanden aus wachsbeschichtetem Zink. Für eine Aufnahme musste die sogenannte „Schalldose“ (heute der elektrische „Tonabnehmer“) an einer Spindel spiralenförmig über die Platte geführt werden.

Der gebündelte Schall bewegte dabei eine Membran. An dieser ist ein spezielles Hebelsystem befestigt, das die Schwingungen an die Nadel weitergibt. Die Nadel schafft damit ein Abbild des Schalls in Form einer (spiralförmig verlaufenden) Rille auf der Platte.

Normalerweise war ein handelsübliches Grammophon jedoch nicht mit einer solchen Aufnahmemechanik ausgestattet, sondern fungierte als einfacher Abspieler. Dabei wurde die Nadel durch die Rille hindurchgeführt und übertrug in umgekehrter Richtung ihre Bewegung über ein Hebelsystem an die Membran, die ihrerseits diese Schwingungen in Schall umsetzte.

Immer fleißig kurbeln oder doch lieber mit Strom: der Antrieb

Bei den ältesten Modellen funktionierte der Antrieb zunächst rein mechanisch und von Hand. Dazu besaßen Grammophone eine Kurbel, die ein Federwerk im inneren des Gerätes aufzog. Dieses Federwerk war so optimiert, dass es mindestens eine Seite der Schellackplatte vollständig abspielen konnte – bei konstanter Geschwindigkeit.

Modelle mit Elektromotoren kamen – wie gesagt – erst in den 1920er Jahren auf. Das lag vor allen dingen auch daran, dass es nun mehr Haushalte mit einem Elektroanschluss gab.

Die Geschwindigkeit des Plattentellers musste sehr konstant sein. Diese war jedoch bei  den ersten Modellen sehr unterschiedlich. Es gab Grammophone mit einer Umdrehungszahl von 70 bis 75 Umdrehungen pro Minute, später auch 75 bis 80 UpM. Erst in den 1920er Jahren setzte sich die Standardgeschwindigkeit von 78 UpM durch.

Das Grammophon besaß unterschiedliche Bauformen

Die ganz frühen Grammophon-Modelle besaßen eine Trägerleiste, auf der der Trichter sowie die Schalldose angebracht waren. Die Kurbeln für den Federantrieb waren nicht selten auf der Oberseite angebracht, wanderten aber bald an die Seite des Gerätes.

Verbesserte Bauweisen mit leichteren Tonarmen und Kugellager für die Verbindung zum Trichter, sowie hochklappbare Schalldosen zum leichteren Auswechseln der Tonnadeln kamen in schneller Folge auf dem Markt.

Nadeln waren aus Stahl und verschlissen ziemlich schnell. Deswegen wurden sie auch in Dosen mit 100 oder 200 Stück verkauft. Mit der Zeit wurde der Außentrichter immer mehr als unansehnlich empfunden. Er verschwand daher schnell im Inneren eines Schranks oder Tischs.

In den 1920er Jahren kamen Koffergrammophone in Mode. Diese hatten den Trichter im Inneren des Gehäuses. Das Grammophon wurde auch als Bausatz für Bastler angeboten, die die Geräte nach einer mitgelieferten Bauanweisung zusammensetzten.

Koffergrammophone waren noch bis in die 1950er Jahre hinein beliebt. Sie wurden dann allerdings schnell durch die elektrisch verstärkten und aufgenommenen Schallplattenspieler ersetzt.

Wie dieser Ratgeber gezeigt hat, ist das Grammophon der MP3-Spieler der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gewesen. Noch heute gibt es eine große Auswahl an Schellackplatten und liebevoll restaurierte Grammophone, die das Flair dieser Zeit sehr gut wiedergeben.

Wenn Sie sich vielleicht für den Kauf eines solchen Gerätes interessieren, dann bestehen Sie auf einer lückenlosen Dokumentation. Hochauflösende Fotos sind genauso wichtig. Wenn Sie Fragen haben, die die Produktbeschreibung des Grammophons offen lässt, dann zögern Sie nicht, den Verkäufer direkt zu kontaktieren.

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