Goldschmiede aufgepasst: Einkaufsratgeber Pinzetten

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Goldschmiede aufgepasst: Einkaufsratgeber Pinzetten

Ehrenvoll und traditionell: das Goldschmiedehandwerk

Betrachtet man die Grabbeigaben jahrtausendealter archäologischer Funde, sind es immer wieder die besonders kunstvollen Goldschmiedearbeiten, die sofort ins Auge fallen. Die Kunst, das begehrte Metall in die schönsten Formen zu bringen, erfordert damals wie heute höchstes Geschick und Talent. Denn das Schmieden von Gold ist nicht nur filigrane Feinstarbeit. Es muss gezogen, getrieben, gewalzt und manchmal sogar mit Lungenkraft in Form geblasen werden. Zur mitunter sehr harten körperlichen Arbeit gehört auch noch ein profundes Wissen um die metallurgischen Eigenschaften der Edelmetalle. Das Ergebnis sind auch heute noch atemberaubende Schmuckstücke, deren Wert das ohnehin schon edle Ausgangsmaterial weit übersteigt. Der Goldschmied ist auch heute noch ein höchst respektierter Beruf, der hohes Ansehen genießt.

Der Goldschmied: Nur so gut wie sein Werkzeug

Wie bei allen Handwerken erfordert das Gestalten von Edelmetall eine fundierte Ausbildung. Ebenso wie ein Diamantschleifer so lange mit Glas und billigem Quarz üben muss, bis er sich an Rubin, Diamant und Smaragd wagen darf, muss auch der Goldschmied durch eine mehrjährige Ausbildung gehen. Aber auch ausgewiesene Meister dieser Kunst können nur mit bestem Werkzeug auch die erwarteten Ergebnisse liefern. Bei den Werkzeugen sparen bedeutet in jedem Handwerk, die Produkte unnötig zu verschlechtern. Es mag Bereiche geben, in denen das toleriert werden kann. Das Goldschmiedehandwerk gehört aber mit Sicherheit nicht dazu.

Breite Palette der Goldschmiedewerkzeuge

Die Werkzeuge für Goldschmiede zeichnen sich durch eine außerordentliche Vielfalt aus. Das ist auch kein Wunder, denn zur Kunst des Metallformens gehören zahlreiche, sehr unterschiedliche Verfahren. Beim Handwerk des Goldschmiedens kommen sogar noch einige notwendige Fertigkeiten dazu, die ein normaler Kunstschmied oder Schlosser im Grunde nicht braucht. Das Ziehen und Flechten von Goldfäden zu kunstvollen Ketten und Bändern ist ein Beispiel dafür. Hinzu kommen noch die wesentlich höheren Anforderungen an die Präzision und Optik der hergestellten Kunstwerke. Die Anforderungen an die Werkzeuge für Goldschmiede sind also sehr hoch: präzise Bearbeitung, sicherer Halt, aber auch exzellente Langlebigkeit wird von Werkzeugen für Goldschmiede erwartet. Dies reicht von leistungsfähigen Arbeitslampen in allen Variationen - man denke hier beispielsweise an hochwertige Lupenlampen - über hand- oder maschinenbetriebene Walzen zur Blech- und Drahtbearbeitung. Schließlich gehören hochwertige Brennöfen, Galvanisierungstechnik, Polier- und Ätzmaterialien sowie Mess- und Prüfmittel in jede Werkstatt eines Goldschmiedes. So breit und umfangreich die Palette des Werkzeugs eines Goldschmiedes auch ist, sie bietet keinen Platz für billiges oder minderwertiges Arbeitsmaterial.

Pinzetten - die verlängerten Finger

Die Pinzette ist ein ausgesprochen oft und gern verwendetes Werkzeug von Goldschmieden. Wie soll man sonst die wertvollen Edelsteine in die Fassungen bekommen? Ob Medizintechnik, Kosmetik oder Hausgebrauch, ohne diese Erfindung aus der Steinzeit wäre vieles nicht machbar gewesen. Wie alle anderen Werkzeuge für Goldschmiede werden auch an die Pinzetten besondere Anforderungen gestellt. Obwohl optisch den haushaltsüblichen Pinzetten teilweise sehr ähnlich, tragen diese Werkzeuge jedoch in der Regel selbstbewusst die Bezeichnung "Zange". Der feste Griff, ohne dabei das Material zu beschädigen oder zu zerkratzen, ist dabei die Hauptanforderung an die Pinzetten für Goldschmiede. Die Entwicklung der Technik hat dabei zahlreiche Innovationen und Erfindungen hervorgebracht, so dass viele dieser Werkzeuge nur noch entfernt mit den handelsüblichen Pinzetten vergleichbar sind.

Steinhalter

Die Namen der Spezialpinzetten für Goldschmiede zeigen schon, dass sich hier eine eigene Welt des Werkzeugs auftut. Ein Steinhalter gehört auch zu den Pinzetten, obwohl er wirklich nicht so aussieht. In Form und Aussehen erinnert er eher an einen Kugelschreiber. Und so funktioniert er auch: Mit einem Druck auf einen Knopf an seinem hinteren Ende fahren an seiner vorderen Seite vier gleich große Krallen aus. Mit diesen kann der Edelstein sicher gepackt werden. Beim Loslassen des Knopfes fahren die Krallen wieder in den Steinhalter hinein, werden aber jetzt von dem festgehaltenen Stein blockiert. Im Ergebnis hat man einen ermüdungsfreien und dauerfesten Griff, der sich zudem an jede Steingröße automatisch anpasst. Man kann jetzt, ohne Gedanken an die sichere Fixierung des Steins verschwenden zu müssen, sich in aller Ruhe auf das Einsetzen des Steins in die vorgesehene Fassung konzentrieren. Ein weiterer Druck auf den hinteren Knopf löst den Stein wieder aus dem Griff des Steinhalters und der Arbeitsschritt des Einsetzens ist erfolgreich beendet.

Die druckknopfbetriebenen Steinhalter im Kugelschreiberformat sind sehr zuverlässig und komfortabel. Sie haben aber den Nachteil, dass sie nur sehr begrenzte Durchmesser von Steinen sicher packen können. Ab ca. 6 mm Durchmesser des Edelsteins können die ausfahrenden Zangen den Stein nicht mehr sicher umschließen. In so einem Fall eignet sich ein Steinhalter in Ringform. Dieser hat eine wesentlich einfachere Mechanik: Ein Metallring wird von einer zur Zange ausgeformten Öffnung unterbrochen. Man muss nur den Ring weit genug auseinander biegen, dann können auch größere Steine sicher gepackt werden. Durch die Ringform ist die Arbeit aber weniger handlich und komfortabel als mit dem Steinhalter in Stiftform.

Kornzange

Die den Pinzetten ähnlichsten Werkzeuge sind in der Werkstatt für Goldschmiede die Kornzangen. Diese sind optisch teilweise kaum von herkömmlichen Pinzetten zu unterscheiden. Dennoch sollte man nicht den Fehler machen und in einem Kosmetikfachhandel auf die Suche nach einem Werkzeug für die Goldschmiedewerkstatt gehen. Kornzangen sind für das Handhaben von Edelsteinen und Perlen ausgelegt und sollten auch nur dafür verwendet werden. Falsche bzw. ungeeignete Pinzetten können mit Kratzern, schlechtem Griff und unkomfortablem Handling zu schlechten Ergebnissen führen. Gerade bei der Goldschmiedekunst ist dies immer mit sehr hohen Kosten verbunden. Aber auch bei den Kornzangen gibt es Variationen: Kornzangen mit verlängerbaren Armen oder integrierter Schaufel erleichtern das Arbeiten eines Goldschmiedes erheblich.

Ringpinzette, Kreuzpinzette, Uhrmacherpinzette & Co

Unter dem Begriff "Pinzette" sind auch einige Werkzeuge für Goldschmiede zu finden. Diese sehen mitunter sehr skurril aus, sind aber hochpräzise und spezialisierte Instrumente für die professionelle Bearbeitung von Schmiedestücken. Mit einer Ringpinzette können Ringe zur Gravur, Politur oder Galvanisierung sicher gehandhabt werden. Eine Kreuzpinzette kombiniert einen ermüdungsfreien, sicheren Halt mit einer hochpräzisen Führung. Sie wird hauptsächlich für Lötarbeiten verwendet. Die hochwertigsten Variationen dieses Werkzeugs bestehen aus Titan. Da das Löten von Metall immer eine "heiße Angelegenheit" ist, sind Lötpinzetten meistens mit Griffpolstern versehen. Eine andere Variante der Lötzangen erkennt man an der integrierten Spannspirale. Diese dient zum Einspannen und sicheren Fixieren des zu bearbeitenden Werkstücks.Zum Einlegen und Bewegen von besonders filigranen Einzelteilen sind die Uhrmacherpinzetten das geeignete Werkzeug. Diese sind an den besonders fein ausgearbeiteten Spitzen zu erkennen. Aber Vorsicht - an diesen Pinzetten piekst man sich auch leicht.

Was der Goldschmied sonst noch braucht

Pinzetten eignen sich nur zum Halten und Führen von Werkstücken, auf die keine mechanische Gewalt ausgeübt wird. Wenn am Werkstück gebogen oder gezogen werden soll, sind Pinzetten nicht das richtige Werkzeug, da sich die Kräfte auf sie übertragen. Am Ende hat man die Pinzette verbogen und damit unbrauchbar gemacht. Wenn kräftig zugepackt werden soll, kommt man an den echten Zangen nicht vorbei.

Zangen

Die Zangen des Goldschmiedes sind es, die den Schmuckstücken erst ihre Form geben. Die Vielfalt ist dabei so riesig wie notwendig. Eine Spezialität der Werkzeuge für Goldschmiede sind dabei die Rundhohlzangen. Bei diesen Zangen greift eine Nut in eine passende Feder. Mit einer Auswahl von verschiedenen Radien dieser Ausformungen stehen dem Goldschmied alle Möglichkeiten der kunstvollen Bearbeitung offen. Ein weiteres Spezialwerkzeug bei den Zangen für Goldschmiede ist die Parallel-Flachzange. Bei dieser Zange gehen die Backen nicht im Winkel, sondern stets parallel auseinander. Eine breite, sichere Grifffläche zur formenden Bearbeitung oder sicheren Halt macht dieses Spezialwerkzeug häufig notwendig und hilfreich. Um jedoch nachhaltig Kratzer, Brüche oder andere Beschädigungen zu vermeiden, sollte auch immer eine ausreichende Anzahl an Wechselbacken für die Zangen zur Verfügung stehen. Diese preiswerten und leicht zu reinigenden Überschuhe für die Backen der Zangen gewähren ein sicheres und verschmutzungsfreies Arbeiten, ohne dabei ungewollte Spuren auf den Werkstücken zu hinterlassen. Besonders beißfreudig sind hingegen die Gussabschneidezangen. Damit lassen sich die Gießkanäle präzise abschneiden, um das frisch gegossene Werkstück der weiteren Bearbeitung zuführen zu können.

Natürlich stehen dem Goldschmied auch noch alle anderen Formen der handelsüblichen Zangen zur Verfügung: Seitenschneider, Kneif- und Beißzangen, Wasserpumpenzangen, Flachzangen und Revolverlochzangen sind auch für die Goldschmiedewerkstatt erhältlich. Mit einem speziellen Zangenhalter hält der Goldschmied die notwendige Ordnung und Übersichtlichkeit über seine Werkzeuge. Dennoch sollte man keinesfalls vergessen, dass diese Werkzeuge auch speziell für die Arbeit mit Edelmetallen ausgelegt sein müssen. 

Guter Halt auch auf der anderen Seite

Sind Pinzette, Zange und Co gute Werkzeuge für die Führung eines Schmuckstücks, benötigt der Goldschmied auch auf der anderen Seite ein geeignetes Mittel, um sicher und präzise arbeiten zu können. Wie in einer Schlosserei ist auch in der Goldschmiedewerkstatt der Schraubstock das übliche Gerät.

Schraubstöcke

Wie bei allen anderen Werkzeugen für Goldschmiede auch, fallen die Schraubstöcke zwar um einiges kleiner, dafür aber nicht weniger leistungsfähig aus. Da die angewandten Kräfte für die Bearbeitung eines Schmuckstückes mitunter wesentlich geringer sind als bei herkömmlichen Schlosserarbeiten, können auch Spezialkonstruktionen bei den Schraubstöcken entwickelt werden. Der Vakuum-Schraubstock mit Kugelkopf erlaubt ein freies und beliebiges Drehen des Werkstücks, ohne dabei den sicheren Halt zu gefährden. Das macht die Arbeit des Goldschmiedes besonders leicht und er kann seiner ganzen Kreativität freien Lauf lassen. Sinnvolle Erweiterungen für hart zupackende Schraubstöcke sind spezielle Werkstückhalter mit Kunststoffbacken. Mit der Verwendung von weichen Kunststoffen werden Beschädigungen an den weichen Metallen der Schmuckstücke vermieden. Mit Winkelaufschlägen erweitert man den Schraubstock um ein Hilfsmittel zur präzisen Bearbeitung. Eine Präzisionssägeauflage führt ein Sägeblatt genau nach Wunsch durch das Werkstück. Mit einer Profilspannvorrichtung und einer Profilschnittlehre werden die gewünschten Querschnitte in Ketten und Bänder eingebracht. Scharnierschneider und Scharnierabschneider geben den Armbändern und Halsketten die gewünschten Eigenschaften. Mit den passenden Schutzbacken vermeidet man Schäden am Schmuckstück oder an den anderen Werkzeugen.

Recycling - auch von den Goldschmieden erfunden

Bei keinem anderen Beruf ist der Abfall so wertvoll wie bei den Goldschmieden. Aus diesem Grund sind alle Werkzeuge dieses Berufs auf eine möglichst umfassende Reduzierung und Vermeidung von Schnittresten ausgelegt. Die Zangen sind um einiges schärfer, die Pinzetten um einiges präziser als bei herkömmlichen Werkzeugen. Es gehört auch zu den Aufgaben des Goldschmiedes, die Verschnitte und die Schmiede- und Schleifreste seines Handwerks einzusammeln und neu einzuschmelzen. Die Verluste wären sonst auch für den besten Goldschmied der Ruin. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, stets die für Goldschmiede ausgewiesenen und speziellen Werkzeuge zu verwenden.

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