Gitarren - Verstärker: Tips aus dem Nähkästchen

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war

Was will ich? Vom Schlafzimmer auf die Bühne

Die E-Gitarre fasziniert durch Ihre vielen Ausdrucksmöglichkeiten. Um sie richtig klingen zu lassen braucht´s einen Verstärker. Nach gut 40 Jahren Musikerleben habe ich diesen kleinen und vollkommen subjektiven Ratgeber verfasst. Alles beruht auf persönlicher Erfahrung. :-)

Nicht jeder hat das Glück sofort in einem Proberaum zu landen sondern muss erstmal daheim üben. Nachdem ich meine erste E-Gitarre an die Stereoanlage angeschlossen hatte und einen üblen glasklaren Klang erzeugte bis die Boxen aufgaben wurde deutlich, dass ein Amp her musste. Bis das nötige Kleingeld vorhanden war diente ein altes Röhrenradio als Amp, schon etwas besser im Klang und es nahm in der Garage, die als Proberaum diente, auch wenig Platz weg.

Schliesslich reichte das Geld für einen ersten Kombo der Firma ROZZ. Legendär laut! Allerdings war dies ein Transistoramp und brachte keine schönen eigenen Verzerrungen mit. Ausserdem gab der Lautsprecher bei hohen Tönen schnell auf. Ich wunderte mich damals, wieso mein Freund einen so geilen Gitarrenton hatte. Schnell war klar: Er hatte eine kleine Box (TS), die diesen irren Sound ermöglichte.

Nachdem mir der Amp dann irgendwann mal abgebrannt war (!) und sich etwas Kleingeld auf dem Konto befand erwarb ich einen Marshall 6100 nebst 4x12er Box. Das war ein Quantensprung, auch wenn es sich um einen Hybridamp handelte. Der tat sehr lange Gutes, unterstützt von Multi-Efx, wobei ich hier lange mit Korg und dann mit Boss - Pedalen gespielt habe. Das ME 25 ist wirklich ein extrem gutes Gerät für sehr kleines Geld! Ich habe dieses Setup jahrelang sowohl im Studio als auch live benutzt und der VS 6100 war ein dankbarer Amp, dessen Cleankanal sich sehr gut durch MultiEfx anschieben liess.

The holy Grail: Röhre vs. Modelling

In den letzten Jahren hat sich das Modelling, also die elektronische Nachbildung von Amps mittels Chips, stark verbessert. Ich selber habe zwei Modelling Amps von Fender, die sich durch viele gute Sounds für das Aufnehmen im Studio und geringes Gewicht beim Schleppen zu Gigs auszeichnen. Diese Amps haben sehr viele Effekte und man kann so ziemlich jeden Sound einstellen. Vorteil ist, das auch bei Zimmerlautstärke (naja ... :-)) fast jeder Sound steht, also nicht Klang mittels Röhrenkraft (und Lautstärke) erzeugt wird.

Interessant ist ja auch die Feststellung, dass der Sound von daheim/Studio oft für Live-Acts nichts taugt, weil man viel zu viel Bässe mag. Eine Live-E-Gitarre muss sich Live bei einer Rockband gegen Bass und Keyboard frequenziell abheben und da heisst es dann: Bässe raus, Mitten rein.

Das Setup für die feste Band sieht noch etwas anders aus, denn hier spielt zum einen der Klang des Amps und die Schaltung / Reiehnfolge der Effekte (ich benutze lediglich Chorus, Delay und Hall) eine weit wichtigere Rolle.

Vor ca. vier Jahren hörte ich zum ersten Mal bewusst einen ENGL - Powerball - Amp und der haute mich um. Ich besorgte mir diesen Amp und das Spielgefühl ist einfach unglaublich, egal ob clean, crunch oder lead. Mit vier Kanälen und zwei Mastervolumes ist die Bedienung in jedem Moment sehr gut steuerbar. Als Effektboard kommt ein DigiTech RP1000 zum Einsatz. Hier werden alle Modelling-Amps abgeschaltet und per Vierkabel-Methode die Effekte in der richtigen Reihenfolge geroutet, ohne das der Klang des Amps verlorengeht (Chorus VOR die Vorstufe, Delay und Hall HINTER die Vorstufe). Ich habe damals auch den Marshall 410H ausprobiert - die Wahl war mehr als eindeutig Pro-ENGL. Für kleinere Gigs habe ich noch einen ENGL Gigmaster 30 besorgt, ein Combo, der einen tollen KLang hat und ziemlich laut ist Ich selber spiele lieber eine 4x12er Box, da ein Kombo eine "Soundschneise" erzeugt, man steht entweder direkt vor dem Combo (auf jeden Fall einen Ständer besorgen, damit der Amp höher steht und nicht über den Flur bläst) und man hört alles, oder man steht daneben und auf einmal ist der Klang weg, weil der Drummer alles übertönt. Hier ist ggf. die Anschaffung eines Diffusors aus Plexiglas ratsam, damit macht man sich zum Freund des Keyboardes und alle hören die Gitarre gleich laut.

Was Röhrenamps angeht ist ENGL für mich die erste Wahl. Das ist subjektiv, denn Kollegen von mir spielen andere Amps, die auf ihre Art auch sehr gut klingen, z.B. Mesa Boogie oder Bogner. Ich bin selbst kein großer Freund mehr von Marshall, obwohl die Amps ihre Berechtigung haben, für meine Ohren aber zu matschig klingen.

Wer einmal einen Röhrenamp gespielt hat wird festgestellt haben, dass nur so der richtige Sound entsteht. Alles Modelling klingt für das geübte Ohr eben doch nicht ganz rund. Das kann im Kontext der Band untergehen, aber wenn jeder in der Band sagt: "Och ja, 95% des Machbaren reichen!" dann klingt es in Summe eben auch so.  Mit meinem Setup und einer Gitarre, die zugegebenermassen auch nicht von der Stange ist, versuche ich meinen Part auf 100% zu bringen, das bin ich meiner Leidenschaft "Musik" schuldig.

Gerne kann man mich anschreiben, wenn es um Kaufberatung für E-Gitarren, Amps oder Pedale geht.
Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden