Gibt es eine Norm für Fernbedienungen?

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Gibt es eine Norm für Fernbedienungen?

Fernbedienungen zur Steuerung von Geräten gibt es bereits seit den vierziger Jahren. Die ersten Modelle arbeiteten noch per Kabelverbindung, aber schon in den Fünfziger Jahren wurden die ersten drahtlosen Verbindungen mit Lichtstrahlen entwickelt. Weitere Fernbedienungsvarianten mit Tonsignalen folgten in den sechziger Jahren, darunter Versionen mit mechanisch erzeugtem Ultraschall ohne jeglichen Strombedarf! Sie wurden in den siebziger Jahren von der Infrarotfernbedienung verdrängt, die sich bis heute insbesondere im Unterhaltungssektor halten konnte. Funkfernbedienungen waren lange Jahre dem Industriebereich vorbehalten und traten vergleichsweise spät in die Privathaushalte ein. Sicher haben Sie die eine oder andere Fernbedienung in Ihrem Haushalt und haben sich vielleicht auch schon gefragt, warum es für jedes Gerät eine eigene Fernbedienungsversion geben muss. Könnte mit einer allgemeinen Norm die Anzahl der notwendigen Fernbedienungen eingegrenzt werden? Leider gibt es eine solche Norm nicht, aber die Begründung dafür liegt nicht nur in der Umsatzpolitik der Hersteller. Es kann lediglich von einigen Gemeinsamkeiten je Fernbedienungsart gesprochen werden. Die folgenden Hinweise und Tipps sollen die Informationsflut zu den vielen Arten von Fernbedienungen eindämmen, Ihnen einige Gemeinsamkeiten bei Sendeverfahren und Bedienung aufzeigen und Anwendungsbeispiele an die Hand geben.

Gemeinsamkeiten in der Sende- und Empfangstechnik: Infrarot-Technik und Funkwellen

Die meisten aktuellen Fernbedienungen setzen Infrarotstrahlen zur Gerätesteuerung ein. Für das menschliche Auge ist das verwendete Infrarot-Spektrum nicht sichtbar. Diese Technik ist in Deutschland nicht genehmigungspflichtig, und es gibt auch keine Norm, an die sich Hersteller zwingend halten müssen. Es gibt allerdings einige technische Gemeinsamkeiten. Für die Übertragung werden Infrarot-Leuchtdioden mit einer Wellenlänge von etwa 950 nm verwendet. Die Infrarotstrahlung wird in einem Frequenzspektrum von 20-70 kHz moduliert, um mögliche Störungen durch andere Lichtquellen zu minimieren.

Die von der Fernbedienung gesendeten Informationen unterliegen einem der zahlreichen Übertragungsprotokolle wie RC5, RC6, RCA, NEC-Code, Sony-SIRC oder JVC-Code. Bei der Übertragung wird eine Kodierung angewendet, der sogenannte Manchester Code. Am Gerät nimmt ein Infrarot-Empfänger in Form einer Fotodiode die Infrarot-Signale der Fernbedienung an, dekodiert sie zu Schaltinformationen und leitet diese an die Gerätesteuerung weiter.

Infrarot-Fernbedienungen gelten als sehr robust und betriebssicher, sie unterliegen allerdings einigen Einschränkungen. Ihre Reichweite ist begrenzt auf wenige Meter, und in sehr hellen Räumen sinkt die Zuverlässigkeit der fehlerfreien Übertragung rapide. Der notwendige „Sichtkontakt" zum empfangenden Gerät verhindert das Durchdringen von Wänden.

In den neunziger Jahren wurden Funksysteme hauptsächlich für Garagentorsteuerungen oder Kfz-Schließanlagen verwendet, mittlerweile haben sie Einzug in die heimischen Wohnräume gefunden und steuern dort diverse Geräte wie Funklautsprecher oder Funksteckdosen. In der Computerwelt ist die Funktechnik wesentlich häufiger zu finden als Infrarot-Technik. Wesentliche Vorteile dieser Fernbedienungsart sind ihre räumliche Unabhängigkeit und die große Reichweite. Im Gegensatz zur Infrarot-Fernbedienung kann eine Funkfernbedienung Wände durchdringen, Sie können damit also auch Geräte in anderen Räumen bedienen, ohne Sichtkontakt zu ihnen haben zu müssen. Diese Fähigkeit prädestiniert Funksteuerungen für eine Vielzahl von Aufgaben in der Hausautomationstechnik. So können Funkfernbedienungen Heizungen steuern, Fenster öffnen und schließen, Rollläden oder Markisen steuern und Alarmanlagen scharf schalten.

In Deutschland müssen sich die Hersteller Produkte mit Funkwellentechnik je nach Frequenznutzung genehmigen lassen. Als technische Gemeinsamkeit ist die Verwendung der 2,4 GHz-Frequenz bei aktuellen Geräten zu nennen.

Nachteilig bei Funkfernbedienungen ist die Störanfälligkeit gegenüber anderen Funksystemen. Funktelefone und Audio- bzw. Videoübertragungssysteme können sich bei Schaltfunktionen untereinander beeinträchtigen. Hochwertige Systeme bieten eine Kanaltrennung mit bis zu vier verschiedenen Frequenzen an, um diesen Effekt zu vermeiden.

Gemeinsamkeiten in der Bedienung

Einige Grundfunktionstasten sind bei allen Fernbedienungen der Unterhaltungselektronik vorhanden. Neben dem obligatorischen „On/Off" gibt es einen Zahlenblock für die Eingabe von Sendeplätzen oder Titelnummern. Tasten für Abspielen, Stoppen, Vorwärts- und Rückwärts-Sprünge sowie Lautstärkeregler und Programmwahl mit Plus und Minus sind ebenfalls einheitlich vorhanden. Eine Lautsprecher-Stummschaltung und eine Menütaste finden sich in der Regel ebenfalls. Bei der Tastenbeschriftung hat sich bei den Herstellern eine gewisse Symbolik „standardisiert". Als Beispiele sind die Symbole der Tasten „On/Off", „Lautsprecher stumm" sowie „Abspielen" etc. zu nennen.

Mischformen: Kombination von Infrarot- und Funktechnik

Ein einfaches Anwendungsszenario veranschaulicht die kombinierte Anwendung von Infrarot und Funktechnik. Sie möchten gern auf Ihrer Terrasse Musik hören, die sich auf Ihrem Homeserver in Form von MP3-Dateien befindet. Der Homeserver kann im Wohnzimmer über einen Mediastreamer mit Infrarotfernbedienung erreicht werden. Für die Wiedergabe der MP3-Dateien können Sie ein Paar Funklautsprecher auf der Terrasse aufstellen und mit dem Mediastreamer via Sender und Empfänger verbinden. Wie aber kann nun der Mediastreamer von der Terrasse aus bedient werden? Die Infrarotfernbedienung reicht ja für diesen Zweck nicht aus – es muss also ein Funksystem eingesetzt werden. Dabei geht allerdings die Infrarot-Fähigkeit verloren. Die Lösung dieser Problemstellung gelingt mit Systemen, die Funksignale und Infrarotsignale kombinieren und passend umsetzen. Sie müssen dazu noch nicht einmal auf die Original-Fernbedienung des Media-Streamers verzichten: Dessen Signale werden einfach auf Funkübertragung umgesetzt und am Zielort wieder als Infrarotsignal abgegeben. Ein bewährtes kombiniertes Übertragungssystem ist das ELV FS20. Es ist beliebig skalierbar und ermöglicht die unterschiedlichsten Gerätesteuerungen im ganzen Haus bis hin zur Klingel oder Alarmanlage.

Schaffen Sie sich doch einfach Ihre eigene „Norm": Universalfernbedienungen

Die zunehmende Anzahl der Infrarot-Fernbedienungen im Haushalt lässt sich mit einer Universalfernbedienung auf ein einziges Gerät reduzieren. Diese Fernbedienungen beinhalten eine große Anzahl von Fernbedienungssteuerungen in einem Speicher und können mehrere Geräte steuern. Auf diese Weise können Sie die Fernbedienung von TV, Satelliten-Receiver, DVD-Player und A/V-Receiver in einer einzigen Universalfernbedienung zusammenfassen.

Man unterscheidet hierbei einfache Universalfernbedienungen mit Gerätelisten und lernfähige Universalbedienungen. Die Geräteliste enthält Herstellerdaten zu bestimmten Fernbedienungen, diese Daten müssen mit jeder Fernbedienung abgeglichen werden, und der somit ermittelte Herstellercode wird in die Universalfernbedienung eingegeben. Wenn Sie keine direkte Zuordnung finden können, bleibt Ihnen ein sehr lange dauernder Suchlauf nicht erspart. Mit etwas Glück ist Ihre Fernbedienung mit der Steuerung irgendeiner anderen Fernbedienung identisch, sodass Ihre Universalfernbedienung die Funktionen trotzdem übernehmen kann.

Einfache Universalfernbedienungen werden unter anderem von Philips hergestellt und sind bei eBay erhältlich. Besser ausgestattete Universalfernbedienungen können via Internet auf den neuesten Gerätelistenstand der Hersteller gebracht werden. Einige Modelle benötigen dazu noch nicht einmal einen USB-Anschluss, sie werden über eine Tonsequenz über den PC-Lautsprecher aktualisiert.

Die lernfähige Variante einer Universalfernbedienung ist in der Lage, die Infrarotsignale einer beliebigen Fernbedienung aufzuzeichnen und nach einer entsprechenden Zuordnung wieder abzustrahlen. Der Lernvorgang an sich ist dabei sehr einfach: Aktivieren Sie bei der Universalfernbedienung den Lernmodus, legen Sie die betreffende Fernbedienung vor den Infrarotsender der Universalfernbedienung und betätigen Sie eine passende Funktionstaste wie „Play" oder „on/off". Ordnen Sie dann diese Funktion einer der Universalfernbedienungstasten zu. Hochwertige Universalfernbedienungen nutzen die Lernfähigkeit auch zur Ausführung ganzer Schaltsequenzen (auch Makro genannt). Sie können beispielsweise mit einem Tastendruck den Fernseher einschalten, den Satellitenreceiver auf Ihr Wunschprogramm einstellen und das Soundsystem mit einer vorgewählten Lautstärke aktivieren. Gute lernfähige Universalfernbedienungen gibt es bei eBay von der Firma Logitech.

Ein Blick in die Zukunft: Sind Smartphones und Tablets die „Norm" für Fernbedienungen?

Diese Frage kann zurzeit noch nicht mit einem klaren „Ja" beantwortet werden. Smartphones und Tablets finden als Around-Geräte in unserem Alltag immer mehr Verwendung. Beide sind hardware- und softwaretechnisch durchaus in der Lage, über spezielle Apps Geräte zu steuern, und könnten zukünftig die klassischen Infrarot- und Funkfernbedienungen ersetzen. Noch gelingt das nicht auf direktem Wege, da vielen Modellen eine Infrarot-LED fehlt. Es ist jedoch eine Reaktion der Tablet-Hersteller zu beobachten. So hat Sony bereits 2011 eine Infrarot-Schnittstelle in das Tablet S integriert, und auch das Sony Xperia Z hat diese technische Möglichkeit. Eine Makroprogrammierung ist mit dem Experia Z ebenfalls möglich, und es kann eine große Anzahl von Geräten steuern. Ein weiteres Tablet mit der technischen Eignung zur Fernbedienung erschien 2012 mit dem Samsung Galaxy Note 10.1.

Auch bei den Smartphones gibt es eine kleine Renaissance der guten alten Infrarot-Schnittstelle. Das HTC One und das Samsung Galaxy S4 können als Infrarot-Fernbedienung eingesetzt werden, und die zugehörigen Apps dienen sogar als Programmzeitschrift. Lediglich bei der Auswahl der zu bedienenden Endgeräte sind beide Smartphones auf Fernseher und Beamer beschränkt. Fehlt bei Ihrem Smartphone oder Tablet die Infrarot-Schnittstelle? Kein Grund zur vorzeitigen Aufgabe einer geplanten Fernbedienungsablösung. Sie können Ihr Smartphone oder Tablet mit einem Infrarot Transmitter (z. B. FPLR für iPhone und iPod) in eine vollwertige Infrarot-Fernbedienung verwandeln. Selbst wenn für Ihr mobiles Gerät kein Transmitter zur Verfügung steht, es aber bluetoothfähig ist, können Sie das Unity Remote von der Firma Gear 4 verwenden. Beide Lösungen stellen Apps zur Verfügung, die Ihnen die Einrichtung und Zuordnung Ihrer Endgeräte mit einem Abgleich auf bis zu 250.000 Endgeräte erleichtert. Falls doch ein Gerät nicht gefunden wird, kann über die Lernfähigkeit der Code der originalen Fernbedienung antrainiert werden.

Bei WLAN-fähigen Endgeräten gibt es noch Probleme zu lösen. Viele Hersteller von W-LAN fähigen Geräten lassen nur Apps für die eigenen Produkte entwickeln. Wenn Sie Geräte von mehreren Herstellern verwenden, wechseln Sie dann statt der realen Fernbedienungen Apps aus, was der ursprünglichen Zielsetzung widerspricht. Es mangelt an einer Norm oder an einem Standard für WLAN-Fernbedienung.

Ob eine Infrarotfernbedienung oder eine Funkfernbedienung abgelöst werden soll – bei der Bedienung müssen zumindest bei den Smartphones Abstriche gemacht werden. Zum einen fehlt der von der Fernbedienung gewohnte Effekt des Tastendrucks, zum anderen schränkt die Display-Größe die Darstellung der Fernbedienungselemente auf Grundfunktionen ein. Eigentlich ist das eine Frage der Anwender-Akzeptanz, die Zukunft wird zeigen, ob hier ein grundlegender Wechsel vollzogen werden kann und uns vielleicht ein umfassender Standard erwartet.

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