Gibt es Mutter-Kind-Kuren überhaupt noch?

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Die Krankenkassen machen keine Werbung mehr dafür und doch ist es eine Pflichtleistung der Krankenkassen. Was also tun wenn ich "kurreif" bin.
Zunächst muss ich mir überlegen, ob ich selbst eine Kur beantrage, hier gibt es nur noch bundesweit 7 Häuser, die Mütter ohne Kinder für 3-4 Wochen für eine Kurmaßnahme aufnehmen. Oder fahre ich in Mutter-Kind-Kur und nehme meine Kinder als Begleitpersonen oder Patienten mit?

Eine Mutter-Kind-Kurmaßnahme dient in erster Linie nur für die Mutter, ist das Kind erheblich kränker als die Mutter wird von der Krankenkasse eine Kinder-Reha angeraten... Das klingt kompliziert? Richtig, ist es auch, denn mittlerweile schieben sich Krankenkasse und Rententräger die Verantwortung hin und her. Die Ärzte müssen geschult sein um die Atteste ausfüllen zu können und können dann die Atteste maximal mit einem Quartalsbesuch abrechnen.



Wie nun komme ich zur Kur, wenn mich im Vorfeld schon diese "Antragsformularien" beschäftigen. Ich gebe Ihnen den Tipp, suchen Sie sich eine Kurberatung, diese sind immer kostenlos. Dabei würde ich eine freie Kurhilfe bevorzugen, also eine Kurhilfe die nicht an eigene Häuse gebunden ist wie die Caritas, das Müttergenesungswerk oder die Arbeiterwohlfahrt.

Man kann bei der Krankenkasse anrufen und sich Unterlagen anfordern, es gibt mittlerweile viele Kliniken die die Kurunterlagen auf ihren Seiten zum Download anbieten oder etwas Kurhilfen. Die Kurhilfe Saarland z.B. reserviert die Wunschklinik, hilft beim eventuellen Widerspruch, erklärt die Atteste und füllt zusammen einen Selbstauskunftsbogen aus.

Wichtig für uns Mütter ist, dass wir in eine passende Klinik kommen. So hat die Silberbergklinik in Bodenmais z.B. einzigartig für eine Mutter-Kind-Kur-Klinik 2 Dermatologen an Board und natürlich den hauseigenen Stollen. Andere Kliniken wie Friesenhörn zeichnen sich durch eine Schwerpunktkur "Trauma" aus und haben besonders viel psychologischen Beistand. Die Klinik Saarwald nimmt Patienten mit Behinderungen auf.
So gibt es für jeden Anspruch und jede Indikation die passende Klinik.



Man sollte bei all dem nicht vergessen, dass Kuren nach wie vor Pflichtleistungen der Krankenkassen sind, diese aber die Kur in der Regel zur Zeit (Stand April 2010) meist erst mal ablehnen. Dabei erhalten dann die kurwilligen Mamis oft den (wie ich finde) beschämenden Hinweis, dass die Belastung von ihnen nicht über eine "mütterspezifische Belastung" hinaus ginge. Wie gut dass man eine mütterspezifische Belastung überhaupt messen kann. Wußten Sie z.B. dass die kompletten Mutter-Kind-Kurmaßnahmen die Krankenkassen genau 0,2 % ihres Gesamtbudgets pro Jahr kosten und dass die Mütter hier am meisten kämpfen müssen?

Zur Zeit gibt es cirka 165 Kliniken in Deutschland, einige sind von der Schließung bedroht, weil man den Müttern wie eben erwähnt, keine Kuren mehr genehmigt. Dabei kann man in der richtigen Klinik so viel Gutes und Nachhaltiges erfahren! Es gibt mittlerweile einige Kliniken die sich auf Mütter mit ADHS / ADS Kindern spezialisiert haben, diese Mütter haben natürlich eine höhere Belastung, als Mütter mit einem "normalen" Kind (ich spreche da aus eigener Erfahrung. In Kliniken wie dem Hänslehof bietet man also Angebote für Mutter und Kind an, um die Beziehung zu stärken, den Alltag einfacher zu machen.



Wären da nicht die Ablehnungen. Geht man davon aus, dass die Mütter den Klinikaufenthalt nicht mit einem Urlaub verwechseln und bereit sind aktiv mitzuarbeiten vor Ort, kann eine Kur so viel bringen. Das ist an der geringeren Infektanfälligkeit erwiesen und an der Motivation auch zu Hause etwas zu bewegen. Kuren können von Müttern z.B. bei folgenden Indikationen beantragt werden:

- Adipositas
- Trauer
- Diabetes
- Neurodermits
- Drohender Burn Out / Erschöpfungssyndrom
- Raucherentwöhnung
- Schwierige Mutter-Kind-Beziehung
- Gerade erfolgte Trennung
- Mobbing
- Asthma Bronchiale

und das sind nur einige Gründe.

In der Regel bewilligt eine Krankenkasse alle vier Jahre ein Kur (oder auch nicht), bei besonderen Gründen die die Teilhabe am regulären Leben nach 2 Jahren nicht mehr zulassen, kann eine Kur auch in Ausnahmefällen nach 2 Jahren erneut beantragt werden.



Eine Kurmaßnahme kostet die Mama (inklusive allen mitfahrenden Personen) 10 € pro Tag Eigenanteil, von diesem kann man sich von der Krankenkasse in diversen Umständen befreien lassen. Die Zugfahrt 2'er Klasse wird von der Krankenkasse übernommen, reist man mit dem Auto an, wird ebenfalls der Preis für eine Bahnfahrt 2'er Klasse (Hin- und Zurück) zu Grunde gelegt. Es gibt Kliniken die bei einer gewissen familiären Kostellation erlauben, dass der Vater mitfährt, um den Kurerfolg zu garantieren. Andere Kliniken stellen Personal vom Kinderhaus für die Mahlzeiten zur Seite.

Es gibt viel über Kuren zu schreiben, viel über Kuren zu erfahren. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich bei weiteren Fragen einfach kurz kontaktieren, gerne auch auf der Website der der Kurberatung Deutschland (einfach in Google eingeben). Die Kurberatung aus Schwalbach arbeitet (kostenlos!) überregional. Auf der Website befinden sich Erfahrungsberichte und ein Forum.

Eine Frage die übrigens oft gestellt wird, was ist mit dem Gepäck? Das kann gegen eine (geringe) Gebühr von Hermes per Post vorgeschickt werden.
Was tun bei einer Ablehnung? 2 x darf man in den Widerspruch gehen, nach einer dritten Ablehnung hilft nur der Gang vors Sozialgericht (oder der Wechsel der Krankenkasse).

Ich wünsche allen eine nachhaltige Mutter-Kind-Kur - ich selbst habe nach 5 Jahren auch wieder eine Maßnahme beantragt und warte täglich auf Post von meiner Krankenkasse.
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