Gewandung für LARP u. Mittelalter - Fehler vermeiden

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Wer sich bei eBay die passende Gewandung für Mittelalter oder LARP anschaffen möchte, wird eine Fülle von Angeboten unterschiedlichster Qualität und Preisklassen finden.
Ich möchte aus gegebenem Anlaß davor warnen, bei der Ausübung dieses Hobbys Gewandung aus Kunstfasern zu tragen. Diese Materialien sind FEUERGEFÄHRLICH. Auf Märkten, Lagern und LARP-Treffen wird oft genug mit offenen Flammen zur Beleuchtung oder an Kochstellen hantiert.
Schleppenärmel, wehende Schleier und Reifröcke stellen ein weiteres Risiko dar, weil sie schnell mal in die Flammen hineingeweht werden.

Man weiß heutzutage, dass Schleppenärmel und Schleier ein Privileg hochgestellter Frauen waren, die zum Kochen über Bedienstete verfügten. Reifröcke hingegen tauchten auch erst im 16. Jh. auf, und zwar als erstes bei hochgestellten Ladies aus Spanien und England (Tudorzeit). Und auch diese hatten zum Kochen ihre Bediensteten.
Aber selbst wenn man sich vom Kochfeuer fernhält, bleiben genug Risiken: Kerzenflammen, Räucherwerk und die allabendliche gemütliche Runde am Lagerfeuer. Brennendes Nadelholz spritzt meterweit mit Funken. In Naturfasern führt sowas schon mal zu einem Brandloch oder -Fleck. Anders sieht es aus mit Kunstfasern.

Kunstfasern wie Pannesamt, Satin (meistens aus Polyester oder Acetat) und Fleece sind leicht entflammbar. Manchmal genügt ein Funke und man brennt sofort lichterloh wie eine Fackel. Und das Zeug ist höllisch, weil es sich nicht leicht löschen läßt. Außerdem schmilzt es und brennt sich tief in die Haut ein.

Allein dieser Grund sollte also genügen, um von Kunstfasern Abstand zu nehmen.

Weitere Gründe, um Naturfasern den Vorzug zu geben, sind die besseren Eigenschaften beim Tragen und in der Optik. Eine einfache Leinentunika mit etwas Brettchenborte eingefaßt sieht um Klassen edler und schöner aus als ein hochherrschaftliches Polyesterpannesamtkleid. In Pannesamt schwitzt man tagsüber und friert nachts. Polyestersatin lädt sich auch gern mal elektrisch auf und sorgt für "knisternde" Atmosphäre. Es lohnt sich wirklich, auf gutes Material zu achten, egal ob man fertige Gewandung kaufen möchte oder selbst nähen.

Kauftipps:

"Samt" und "Satin" sind Stoffbindungsarten, besagen aber allein noch nichts über das Material.
Bei Pannesamt kann man von Kunstfaser ausgehen, auch bei allem mit Stretchanteilen sind Kunstfasern enthalten.
Richtiger Samt nennt sich Baumwollsamt. Der ist deutlich teurer, dafür aber trageangenehmer und nicht so schnell entzündlich wie Pannesamt. Außerdem schimmert richtiger Samt edel und matt.
Satin wird sowohl aus Kunstfasern als auch aus Baumwolle hergestellt und bezeichnet auch nur die Stoffbindungsart. Baumwollsatin schimmert leicht, ist aber niemals hochglänzend. Dann kann man schon vermuten, dass da Kunstfaser verarbeitet ist. Hochglänzender Satin ist fast immer aus Polyester.
Auch hier kann man sagen, dass der Baumwollsatin teurer ist als Polyestersatin, allerdings nicht unerschwinglich.

Ausnahme bei Samt und Satin: Stoffe mit Seidenanteil schimmern und glänzen, obwohl sie Naturfasern sind. Seidensamt wird meistens gemeinsam mit Viskose verarbeitet und ist nicht für Gewandung zu empfehlen (zu zart und empfindlich). Seidensatin ist ebenfalls nur für die Adelsdarstellung zu verwenden. Diese Stoffe sind damals wie heute Importware gewesen und dementsprechend teuer.

Vorsicht bei Fleece: Es ist warm, günstig und wird in allen möglichen Farben angeboten. Aber für Mittelalter und LARP eignet es sich nicht, weil es eben feuergefährlich ist. Und ausgerechnet abends, wenn man am Lagerfeuer sitzt, wird man wohl kaum den wärmenden Umhang ablegen wollen wegen der Feuergefahr.
Die einzige wahre Alternative ist tatsächlich ein Wollstoff. Am besten sind Lodenqualitäten, die können auch schon mal einen leichten Schauer vertragen, ohne durchzunässen. Auch trotzen sie dem Wind. Ein guter Wollumhang kostet natürlich sein Geld, aber bei eBay bekommt man für knapp 40,--€ incl. Versandkosten schon 3,5m tollen schweren Wollstoff (ab 400g/m) mit einer gewalkten Seite. Und daraus kann man sich ohne große Kenntnisse und Fertigkeiten einen tollen Halbkreismantel nähen, der einen tagsüber als Umhang wärmt und Nachts als Zusatzdecke verwendet werden kann.

Wenn man sich nicht sicher ist, ob der Stoff, den man gekauft hat, wirklich Naturfaser ist oder nicht, hilft vielleicht folgender Test:
Macht eine Brennprobe (natürlich in feuersicherer Umgebung und Löschwasser dabei). Schmilzt das Probestückchen, ist es höchstwahrscheinlich  Kunstfaser.
Brennt es langsam, ist es Baumwolle oder Leinen. Wolle stinkt nach verbrannten Haaren (das macht der Schwefel, der in Haaren aller Tiere enthalten ist).

Bitte seid vorsichtig im Umgang mit Feuer bei LARP und Mittelalterveranstaltungen, das gilt für Aktive und Besucher gleichermaßen.

Bitte gebt besonders auf die Kinder acht. Gerade sie haben noch kein Gefahrenbewußtsein.
Viele kleiden ihre Kinder in irgendwelche billigen Kostüme und lassen sie über die Märkte toben. Wer öfter solche Veranstaltungen besucht, sollte überlegen, ob er nicht einfach eine wollene Gugel für den Nachwuchs anschafft. Das reicht den meisten Kindern schon als Verkleidung, hält viele Jahre lang und sie sind warm angezogen und eben weniger feuergefährdet.


Die zuerst teurere Anschaffung von Kleidung aus Naturfasern macht sich schnell bezahlt, weil sie sicherer ist, angenehmer in der Tragweise, pflegeleichter, optisch ansprechender und vor allem viel länger haltbar.


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