Geschichte des Korsetts

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Als Korsett (von frz. corset, ursprünglich Diminutiv von altfrz. cors „Körper“) wird ein steifes, zur Unterkleidung gehöriges Kleidungsstück bezeichnet, das eng am Oberkörper anliegt und diesen der jeweils geltenden Modelinie entsprechend formen soll. Daher veränderte das Korsett im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals Form und Schnitt; die Versteifungsmethoden wandelten sich mit dem Fortschritt der Technik.

 

 

Inhaltsverzeichnis:

1 Geschichte
2 Gesundheit und Kleiderreform
3 Heute
4 Rekorde 

Geschichte:
 
Die ersten Vorläufer des Korsetts entwickelten sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus versteiften Miedern. Ihre Existenz ist vor 1562 nur insofern erwiesen, als die in Gemälden dargestellten Kleider ab ca. 1530 in der dargestellten Form (flachgedrückte Brust und kegelförmiger Oberkörper) ohne Korsett nicht möglich wären. Das älteste erhaltene Exemplar stammt aus dem Grab der Eleonora di Toledo (gestorben 1562) und ist mit Rohr versteift.

Die spanische Hoftracht, die um 1600 vorherrschend war, erforderte ein Korsett, das den Oberkörper zu einem Konus formte und die Brust flachdrückte. Um ca. 1640 entwickelte sich daraus eine ebenfalls konische Korsettform, die aber die Brust nicht flachdrückte, sondern hochhob. Mit geringen Veränderungen blieb diese Form bis zur Französischen Revolution gültig. Den Begriff „Korsett“ gab es damals noch nicht; man sprach von steifen Miedern (Frauenzimmer-Lexicon, 1715), Leibstückern (Liselotte von der Pfalz, um 1720), Schnürleibern oder Schnürbrüsten (Journal des Luxus und der Moden, 1780er).

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts blieb Fischbein das wichtigste Versteifungsmaterial, auch wenn im Lauf des späten 19. Jahrhunderts Korsettstäbe aus Federstahlband, Stahlspiralen und Horn erfunden wurden.

In der Zeit von Directoire, Empire und frühem Biedermeier waren Korsetts nicht unbedingt nötig; erst um ca. 1840 wurden sie wieder unabdingbar. Stattdessen trugen unter dem Einfluss des Dandytums um ca. 1820–50 häufig Männer Korsetts. Etwa um diese Zeit fasste der Begriff Korsett im deutschen Sprachgebrauch Fuß. 1828 wurden metallene Schnürösen erfunden, 1829 der erste Vorderverschluss mit Haken und Ösen (Planchet).

Zwischen 1840 und 1870 entwickelte sich die Sanduhrform, die heute noch als die klassische Korsettform gilt: Relativ große Ober- und Hüftweite bei möglichst kleiner Taillenweite. Bis um 1870–85 wurden die Korsetts nach unten hin länger, d. h. sie formten auch die Hüfte und den Bauch, der bei den früheren Korsetts hervorquoll. In den 1890ern erforderte die Mode ganz besonders kleine Taillenweiten.

Gegen 1900 entwickelte sich eine neue Korsettform: Das S-Korsett, das die Brust raus- und den Bauch reindrückt und damit eine unnatürliche Haltung erzwingt. Um 1910 wurde dieses S-Korsett durch Unterbrustkorsetts abgelöst; um 1913–15 gerieten Korsetts im Zuge der stärker werdenden Frauenbewegung und sprunghaft zunehmender Berufstätigkeit von Frauen (wegen des Ersten Weltkrieges) vollends aus der Mode. Stattdessen wurden bis in die 1960er Jahre hinein Hüfthalter getragen.


Gesundheit und Kleiderreform:
 
vermutete Organquetschung durch das KorsettSchon im 18. Jahrhundert warnten Ärzte vor dem schädlichen Einfluss der Schnürbrust, die bei verfrühtem Schnüren den Knochenbau verformte und bei übertriebenem Engschnüren die inneren Organe einquetschte. Die Modedamen der Zeit ließen sich dadurch aber nicht im Geringsten beeindrucken. Mitunter wurden schon Kleinkinder in schnurgesteifte Mieder gesteckt; Mädchen bekamen ihre erste Schnürbrust im Alter von 12 bis 14 Jahren. Die daraus resultierende Verformung des Skeletts wurde nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern war sogar erwünscht, insbesondere da es den Frauen im weiteren Verlaufe ihres Lebens die Schnürung erleichterte.

Die Kritik wurde im Verlauf des 19. Jh. immer lauter, verstärkt durch die Forderungen der Frauenbewegung. Erste Versuche einer „reformierten“, d.h. korsettlosen Frauenkleidung gab es Mitte des 19. Jh. mit dem „Bloomer-Kostüm“, aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts gewann die Reformbewegung unter dem Einfluss von Jugendstilkünstlern Anhänger. Bis um 1910 waren „Reformkleider“ regelrecht sackartig, als ob eine elegante Linie ohne Korsett nicht vorstellbar wäre. Erst mit den Modeschöpfern des Art Déco, allen voran Paul Poiret und Gabrielle "Coco" Chanel, entwickelte sich ab ca. 1912 eine Modelinie, die auch ohne Korsett elegant wirkte.


Modernes Korsett:


Heute
Seit den 1920er Jahren werden Korsetts fast nur noch zu erotischen Zwecken, als sexueller Fetisch oder unter historischen Kostümen (z.B. im Theater oder beim Reenactment) getragen. Weiterhin werden Korsette zu medizinischen Zwecken getragen. Sie können bei Wirbelsäulen-Erkrankungen wie Skoliose und Kyphose helfen.


Männlicher Bottom in Latex Ganzanzug und Korsett im Rahmen eines BDSM SzenariosHervorzuheben ist die Schwarze Szene, insbesondere die Gothic-Subkultur, in der, ebenso wie im BDSM-Bereich, häufig Korsetts getragen werden. Dies kann nicht nur für den Top gelten; ein Korsett kann auch in einem BDSM Szenario als Strafmaßnahme für den Bottom eingesetzt werden.

Seit den 1990er Jahren wurde das Korsett mehr und mehr salonfähig. Vorbilder in der Musikszene und der Modewelt ebneten den Weg für eine breitere Verwendung von Korsetts. Das Korsett wurde langsam wieder ein akzeptierter und zum Vorteil der Figur verwendeter Bestandteil der Damenmode.

Weniger enge und steife, meist elastische Korsetts werden auch als Korseletts (gleichbedeutend zu fr. corselet und altfr. corsel = kleiner Leib) bezeichnet.


Rekorde:


Die schmalste dokumentierte Taillenweite wird Ethel Granger zugeschrieben, die ihre Taille auf 13 Zoll (33 cm) schnürte. Das Guinness-Buch der Rekorde gibt an, dass die schmalste Taille an einer lebenden Frau Cathie Jung gehört, die mit ihrem Mann Bob, einem ehemaligen orthopädischen Chirurgen, im US-Bundesstaat North Carolina lebt. Cathie Jung schnürt ihre Taille zu besonderen Anlässen auf 38 cm, im Alltag auf 43 cm ein.

 

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