Gebrauchtreifen PKW - Tips zu Reifenreparaturen

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Grundsätzliches zu Reifenschäden


Schäden in der Lauffläche eines PKW-Reifens können zumeist behoben werden, sofern der Reifen durch den Druckverlust und Einsatz nicht zu stark beschädigt wurde. Bei Druckverlust also auf keinen Fall weiterfahren, denn durch die Walkarbeit an den Reifenflanken entsteht große Hitze die den Reifen unwiederbringlich schädigt. Fachleute können dieses "Plattfahren" an Verfärbungen und Gummirückständen in der Innenseite des Reifens erkennen.

Das entstandene Loch nennt man den Stichkanal, oder auch Schadenkanal. Eine Reparatur ist im sogenannten 80%-Fensters der Lauffläche möglich. Dies bedeutet bei einer Reifenbreite von 40 cm muß von beiden Seiten jeweils 4 cm nach innen eine Sicherheitszone berücksichtigt werden in der eine Reparatur nicht empfohlen wird.

Keine Reparatur ohne Demontage !!!


Zur Reparatur wird der Reifen von der Felge abgezogen und von einem Fachmann begutachtet. Dieser erkennt Schäden am Reifen und verantwortet eine fachgerechte Reparatur. Die Reparatur selbst wird mit zwei Bestandteilen vorgenommen: dem Pflaster und dem Pfropfen.

Auf der Innenseite des Reifens wird an der Schadstelle ein Pflaster (sog. Deckenpflaster) angebracht, nachdem der gereinigte und frisch angeraute Stichkanal mit einem Gummipfropfen verschlossen wurde. Das Verschließen des Stichkanals kann entweder mit einem Reparaturkörperoder mit Rohgummi erfolgen. Meistens wird statt Pflaster und Pfropfen ein Kombireparaturkörper in Pilzform verwendet.

Dieser Pilz wird nach aufrauhen der Schadensstelle von der Innenseite des Reifens nach außen mit Hilfe einer Spezialzange durchgezogen und dichtet den Stichkanal durch den Schaft und die Innenseele durch das Deckenpflaster ab. Reparaturkörper vulkanisieren auf chemischem Wege bei normaler Umgebungstemperatur. Dazu ist die klebrige Bindeschicht an der Oberfläche des Reparaturkörpers mit einer abgestimmten Vulkanisationsflüssigkeit (Gummilösung/Reifenzement) zusammen zu bringen. Der überstehende Teil des Reparaturschafts wird auf Höhe des vorhandenen Profils abgeschnitten. Diese Kombireparaturkörper dürfen nur in der Lauffläche des Reifens, innerhalb des vorgenannten 80%-Fensters der Lauffläche eingesetzt werden.

Bei Reparatur in einer Fachwerkstatt mit Erfahrung, Sachkenntnis und nicht veraltetem Reparaturmaterial und Lösungen, erscheint eine Reparatur sinnvoll und vertretbar zu sein. Der Gewerbetreibende (Vulkaniseur) hat dies zu prüfen, da dieser vor dem Gesetz für die durchgeführte Reparatur auch die Verantwortung übernehmen muss.

Der Gesetzgeber hat hierzu im §36 STVZO eine Basis für eine einheitliche und verbindliche Regelung geschaffen. Detaillierte Hinweise gibt hierzu die „Richtlinie für die Instandsetzung von Luftreifen“ (Bundesverkehrsblatt Dokument B 3620) wo seit 1. Juni 2008 keinerlei Einschränkungen zum Geschwindigkeitsindex des Reifens mehr aufgeführt sind. Es sind nun auch ZR-Index Reifen zur Reparatur zugelassen.

Einschränkungen der Reifenhersteller und Reparaturmaterial-Hersteller


Es existieren jedoch Einschränkungen der Reifenhersteller und Reparaturmaterial-Hersteller wie einzusetzendes Fachpersonal, Teilnahme an Schulungen, Meisterzwang bzw. qualifiziertes Personal gemäß §7a für Vulkanisierhandwerk der Handwerksrolle. Hier gibt es zertifizierte Fachbetrieb wie z.B. Master Tyre Repairers MTR der Firma Stahlgruber die einer detailierten Dokumentations und Nachweispflicht der von ihnen durchgeführten Reparaturen unterliegen.

Auch Einschränkungen bei den Versicherern sind vorhanden. Entsprechend der Vorgaben des Reparaturmaterial-Herstellers sollten bei Pkw-Reifen keine Reparaturen in der Wulstzone durchgeführt werden, wenn auch Gewebe geschädigt ist. Reine Gummiverletzungen an der Wulst können repariert werden. Seitenwandreparaturen sind mit warm vulkanisertem Gummi im ausgearbeiteten Schaden und einem Deckenpflaster mit Gewebeverstärkung reparierbar (nur durch Fachleute mit entsprechender Ausbildung nach der Handwerksordnung).

Pannensprays / Reparatur ohne Demontage


Die auf dem Markt erhältlichen Pannenhilfen sind nur als Notbehelf anzusehen. Auf jeden Fall ist das Einlegen eines Luftschlauches zum Abdichten eines beschädigten Reifens in Deutschland nicht zulässig. Die in anderen europäischen Ländern zugelassene Reparatur ohne Demontage des Rades und Reifens ist in Deutschland nicht zulässig, da eine zuverlässige Erkennung eines verdeckten Schadens am Reifen nicht gewährleistet werden kann.

STAND 08/2010                               Wir wünschen Ihnen eine gute Fahrt
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