Gebrauchte PKW Anhänger – darauf sollten Sie beim Kauf achten

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Gebrauchte PKW Anhänger – darauf sollten Sie beim Kauf achten

Pkw-Anhänger sind heute längst nicht mehr nur für Gewerbebetriebe geeignet. Dank der überaus günstigen Preisewerden gerade einfachere Anhängermodelle auch für Privatpersonen erschwinglich. Wer nicht viel Wert auf besondere Features legt, ist daher meist mit einem neuen Modell aus dem niedrigen Preissegment gut bedient. Ein Anhänger mit hoher Zuladung, einer großen Ladefläche und einer hochqualitativen Verarbeitung ist jedoch für kleines Geld nur auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich. Worauf Sie beim Kauf eines gebrauchten Pkw-Anhängers achten sollten, erfahren Sie in den folgenden Tipps.

Die grundsätzlichen Vorüberlegungen: Was soll Ihr neuer Pkw-Anhänger leisten können?

Auch vor dem Kauf eines gebrauchten Anhängers sollten Sie sich zunächst Gedanken darüber machen, was Ihr Pkw-Anhänger leisten können muss, damit er Ihnen eine Hilfe ist. Beantworten Sie sich dafür folgende Fragen:

  • Benötigen Sie den Autoanhänger hauptsächlich für den Transport des immer gleichen Guts, beispielsweise eines Bootes oder eines Motorrades, oder geht es um einen Allrounder für verschiedenste Einsatzzwecke im Alltag?
  • Welche Last sollte der Anhänger mindestens tragen können?
  • Benötigen Sie einen Einachser oder Zweiachser?
  • Welche Anhängelast weist Ihr Zugfahrzeug auf?
  • Soll der Anhänger mit einer Bremse ausgestattet sein?
  • Reicht Tempo 80 oder muss der Anhänger so ausgestattet sein, dass er mit 100 km/h gefahren werden kann?
  • Wo wird der Anhänger untergebracht? Passen die Außenmaße zum Stellplatz und ist das Material witterungsbeständig (z. B. feuerverzinkt)?

Wenn es darum geht, ob ein Ein- oder Zweiachser gewählt werden soll, spielt oft die höhere Nutzlast des Zweiachsers eine Rolle. Vorteilhaft ist an einem solchen Modell allerdings auch das ruhigere Fahrverhalten. Dafür rangiert es sich mit einem Einachser angenehmer und durch das geringere Eigengewicht wird die zulässige Gesamtmasse nicht zu sehr beansprucht. Zudem sparen Sie Geld, wenn es um den Ersatz der Reifen geht. Bei der Anhängerbremse sollten Sie möglichst nicht sparen. Ein Anhänger mit Bremse bietet nicht nur einen verkürzten Bremsweg, sondern hält auch bei Vollbremsungen besser die Spur als eine ungebremste Achse.

Die Kontrolle des Fahrgestells: das Herzstück der Sichtprüfung beim gebrauchten Anhänger

Wenn Sie auf ein passendes Angebot eines privaten oder gewerblichen Händlers aufmerksam geworden sind, sollten Sie für die Besichtigung viel Zeit einplanen. Die Sichtprüfung des Fahrgestells steht hier zunächst im Fokus, denn es sorgt für die Stabilität des Anhängers und trägt die gesamte Last. Kontrollieren sollten Sie in diesem Zusammenhang:

  • Den Zustand der Achse(n) und des Zugrohrs
  • Die Auflaufeinrichtung
  • Den Anhängekopf
  • Den Gasdruckdämpfer im Zugrohr.

Die Achsen und das Zugrohr

Die wichtigsten Teile des Anhängers sind die Achse(n) und das Zugrohr. Die Achsen dienen der Verbindung der Reifenpaare, während das Zugrohr die Verbindung zwischen der Anhängerkupplung und dem Achsaggregat darstellt. Beide Teile sollten sich in einem einwandfreien Zustand befinden. Dies bedeutet, dass weder Rost noch Beschädigungen oder schadhafte Teile vorhanden sein dürfen. Wenn Sie bei der Sichtprüfung feststellen, dass an den Achsen oder dem Zugrohr herumgebastelt wurde oder Beschädigungen notdürftig geflickt wurden, sollten Sie besser die Finger davon lassen. Dadurch werden nicht nur die Stabilität des Anhängers und damit die Verkehrssicherheit schwer gefährdet, sondern Sie riskieren damit auch, dass der TÜV Ihnen bei der nächsten Hauptuntersuchung keine Plakette ausstellt. Auch die Tatsache, dass der Anhänger beim letzten Mal noch durch die TÜV-Prüfung gekommen ist, ist kein Kaufargument, denn nicht jeder TÜV-Prüfer ist gleich kulant. Sie können heute nicht mehr nachvollziehen, unter welchen Umständen die TÜV-Plakette damals ausgestellt wurde.

Übrigens sollten Sie schon alleine aus Kostengründen darauf achten, dass Achsen und Zugrohr in Ordnung sind, denn der Austausch dieser elementaren Teile kann jeweils je nach Modell rund 500 bis 1.000 Euro kosten. Beim Kauf eines gebrauchten Anhängers ist dies ein Kostenfaktor, der das Geschäft schnell unrentabel werden lassen kann.

Die kleineren Einzelteile des Fahrgestells

Das gesamte Fahrgestell besteht natürlich aus zusätzlichen Einzelteilen, die beispielsweise die Auflaufbremse oder die Radbremse bilden. Auch auf sie sollten Sie ihr Augenmerk richten. Wenn dort Schäden vorhanden sind, können Sie diese im Regelfall relativ kostengünstig reparieren lassen. Dennoch verursacht es Ärger und kostet Zeit, wenn am gebraucht gekauften Anhänger direkt Reparaturen fällig werden. Zudem schärft der Blick auf die Einzelteile Ihren Blick auf das „Ganze“: Sind sie in einem schlechten Zustand, lässt dies darauf schließen, wie in den letzten Jahren hinsichtlich der Pflege mit dem Anhänger umgegangen wurde.

Insbesondere bei relativ alten Pkw-Anhängern könnten Sie allerdings im Bereich der Einzelteile noch mit einem anderen, wesentlich schwerwiegenderen Problem konfrontiert werden: Nicht immer ist die Teileversorgung vollständig gewährleistet. Insbesondere bei Herstellern, die schon seit vielen Jahren nicht mehr am Markt vertreten sind, wurde im Laufe der Zeit die Ersatzteilversorgung des Fachhandels eingestellt. Dementsprechend sind Originalteile dann nur noch im gebrauchten Zustand erhältlich, wenn überhaupt. Besonders problematisch ist dies bei der Auflaufeinrichtung, denn die meisten Hersteller fertigen diese Teile im eigenen Haus. Die Folge ist, dass nach der Geschäftsaufgabe nicht einfach ein beliebiges anderes Teil verbaut werden kann, sondern Sie sich auf die Suche nach dem richtigen Gebrauchtteil machen müssen. Werden Sie nicht fündig, haben Sie unter Umständen Pech gehabt.

So testen Sie den Verschleißzustand des Anhängekopfes und des Zugkopfes

Den Anhängekopf können Sie mithilfe eines einfachen Tests überprüfen. Nehmen Sie den Kopf in beide Hände und versuchen Sie, ihn zu bewegen. Wackelt er oder hat auffällig viel Spiel, sollten Sie wachsam bleiben. Dies kann nämlich bedeuten, dass die Zugstange oder die Buchsen im Zugrohr starke Verschleißerscheinungen zeigen. Dieser Fall kann eintreten, wenn über Jahre hinweg vergessen wurde, die Teile zu schmieren. Auch durch einen zu stark verschlissenen Anhängekopf riskieren Sie, dass Sie die TÜV-Plakette nicht erhalten.

Der Zugkopf darf ebenfalls nicht zu viel Spiel haben, wenn er auf der Anhängerkupplung sitzt. Das Problem ist hier, dass weder der Laie noch der Profi auf den ersten Blick erkennen können, ob der Verschleiß in einem annehmbaren Rahmen angesiedelt ist. Sicherheit können Sie sich mit einer speziellen Messlehre verschaffen, wie sie der TÜV verwendet. Auch hier deutet ein zunehmender Verschleiß darauf hin, dass der Zugkopf nicht regelmäßig geschmiert wurde.

Achtung, Händlertrick: Ersatz billiger Teile für eine bessere Gesamterscheinung

Wenn Sie einen Pkw-Anhänger kaufen, sollten Sie vorsichtig sein, wenn der Anhänger auf den ersten Blick sehr gut aussieht. Die Radabdeckungen glänzen in der Sonne und das Stützrad wirkt neuwertig. Doch hierbei handelt es sich um einen typischen Händlertrick: Der Händler investiert in einige sichtbare Einzelteile wie beispielsweise ein neues Stützrad, einen Anhängekopf oder Radabdeckungen, um das Gesamtbild „neuer“ erscheinen zu lassen. Dadurch wird jedoch oft versucht, über andere Mängel hinwegzutäuschen. Gerade wenn solche auffällig neuen Teile vorhanden sind, sollten Sie beim Rest des Anhängers, beispielsweise bei den Achsen und der Zugstange, genauer hinsehen.

Der Bremsencheck: Die Bremsspur verrät den Zustand der Bremsanlage

Die Bremsen testen Sie am besten im Rahmen der Probefahrt. Hängen Sie den Anhänger hierfür an Ihr Zugfahrzeug und ziehen Sie die Feststellbremse an. Wenn Sie nun losfahren, sollten die Räder im Optimalfall komplett stillstehen. Drehen sie sich mit, können Sie davon ausgehen, dass an der Bremse Mängel vorhanden sind. Führen Sie diesen Test auf einem unbefestigten Weg aus, können Sie an der Bremsspur erkennen, ob alle Räder richtig blockieren. Ist die Bremsspur nicht gleichmäßig, sollten Sie überprüfen, ob die Radbremse, ein Bowdenzug oder das Gestänge einen Mangel aufweisen.

Bringen Sie Licht ins Dunkel: der Check der Beleuchtungsanlage

Dass die elektrischen Anschlüsse und die Beleuchtungsanlage funktionieren, ist essenziell für Ihre Sicherheit und die der anderen Verkehrsteilnehmer. Schließen Sie den Stromanschluss des Anhängers an Ihr Zugfahrzeug an. Schalten Sie nun das Licht an und überprüfen Sie die Funktion jeder einzelnen Lampe. Zudem sollten Sie testen, ob die Blinker ordnungsgemäß funktionieren. Wenn nur einzelne Lampen oder Blinker nicht funktionieren, können Sie davon ausgehen, dass die Lampen ausgetauscht werden müssen. Dies ist zwar ärgerlich, ist aber schnell erledigt und nicht teuer. Größer ist das Problem, wenn überhaupt keine Lichter funktionieren. Dies bedeutet nämlich, dass entweder die gesamte Elektronik des Anhängers defekt ist oder dass der Stecker ausgetauscht werden muss.

Und er rollt und rollt und rollt: Alter und Zustand der Reifen überprüfen

Beim Pkw achten die meisten Menschen auf den regelmäßigen Wechsel der Reifen, doch beim Autoanhänger wird dies gerne übersehen. Die Folge sind oft völlig überalterte Reifen, deren Gummi bereits porös geworden ist. Solche Reifen stellen ein Sicherheitsrisiko dar, zumal Risse auftreten oder der Reifen sogar platzen kann.

Grundsätzlich gibt es zwar kein Höchstalter für Reifen. Wenn Ihr Anhänger für eine Geschwindigkeit von 100 km/h zugelassen ist, gilt aber eine Ausnahme. In diesem Fall müssen Sie nämlich sicherstellen, dass die Reifen nicht älter als sechs Jahre sind. Davon abgesehen sind Sie als Führer eines Pkw und eines Anhängers verpflichtet, sicherzustellen, dass die Anhängerreifen nicht porös sind und einem verkehrssicheren Zustand entsprechen.

Ganz zum Schluss: Die Probefahrt liefert die letzte Sicherheit

Wenn Sie die Sichtprüfung beendet haben und Ihnen keine Mängel aufgefallen sind, die einen Kauf des Anhängers obsolet machen, können Sie eine Probefahrt starten. Kuppeln Sie den Kfz-Anhänger ordnungsgemäß an und fahren Sie los. Fahren Sie dabei am besten nicht nur auf geteerten Straßen, sondern auch einmal auf einem Feldweg, um zum einen das Bremsverhalten und zum anderen das Fahrverhalten auf unebenem Untergrund zu testen. Auf der geteerten Straße achten Sie darauf, ob der Anhänger die Spur hält. Schlägt er seitlich aus, ohne dass Sie die gerade Stellung des Lenkrads verändern, sollten Sie hellhörig werden. Auch wenn sich während der Fahrt das Autolenkrad verzieht, kann dies ein Hinweis auf einen Schaden sein.

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