Gebrauchte Akustische Gitarren, was ist zu beachten ?

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Gebrauchte Gitarren bieten die Gelegenheit, günstig an ein ein gutes Instrument zu kommen. Leider werden aber auch viele Instrumente deshalb angeboten, weil sich im Laufe der Jahre Schäden eingestellt haben. Ich möchte daher einmal die wichtigsten Schwachpukte aufzeigen, damit es beim Auspacken der neuen alten Gitarre keine unangenehmen Überraschungen gibt.

Gitarren aus den 60er bis 80er Jahren werden oft als 1:1 Kopien teurer amerikanischer Modelle angepriesen. Aber ein nachgeahmter Schriftzug und ein dreigeteilter Boden machen noch keine Martin D35. Zu Zeiten als es noch keine luftdichten Seecontainer gab, war es kaum möglich, Massivholzgitarren ohne Schäden durch tropische Gewässer zu transportieren. Daher sind fast alle asiatischen Gitarren aus dieser Zeit aus mehrschichtigen Hölzern (Laminat) aufgebaut. Nicht selten wurden die gleichen Modelle in Japan selbst mit einer Massivdecke verkauft. Auch wenn diese Gitarren teilweise hervorragend klingen, es kann nicht der Sound der Originale sein !! Aber die kosten halt auch immer noch ein paar Tausender während man eine alte "Japanerin" für ein Zehntel davon bekommen kann.

Werden Gitarren aus dieser Zeit als massiv oder gar vollmassiv angepriesen, ist Skepsis angebracht. Gibt es kein gutes Foto vom Rand des Schalloches, auf dem man sehen kann wie die Jahresringe von oben nach unten durchgehen, sollte man den Verkäufer um ein solches Bild bitten. Verkäufer tun sich schwer damit, Fehler einzugestehen, mit einem Foto haben sie weniger Probleme. Die Schichten des Laminats sind nicht immer gut zu sehen, sieht man aber keine Jahresringe, dann ist es Laminat ! Ist die Gitarre aus Laminat, kann man damit natürlich auch glücklich werden. Manche der alten Asiatinnen sind wahre Schönheiten und können auch mit ihrem Klang bezaubern.

Leider gibt es bei vielen ein Problem. Die Laminate sind zwar stabiler als Massivholz, können aber meist weniger Zugkräfte aufnehmen. Daher wölbt sich im Verlauf der Jahre die Decke hinter dem Steg hoch. Damit nimmt auch die Höhe der Saiten zu. Die verstellbaren Stege waren wohl diesem Problem geschuldet. Wer keine Lust hat, die Brücke mit dem Bandschleifer zu bearbeiten, sollte auf ein Foto Wert legen, das den Hals und die Saiten von der Seite zeigt. Liegen die Saiten noch niedrig (ca. 3mm am 12.Bund) und ragt auch noch die Stegeinlage ein paar Millimeter aus dem Schlitz heraus. dann ist alles OK. Zur Sicherheit zeigt ein Foto den Hals entlang, ob mit dem Einstellstab getrickst wurde und ob eine Verdrehung des Halses vorliegt. Auch einen kaputten Halsstab würde man an einer hohen Saitenlage erkennen.

Gibt der Verkäufer keine Auskunft zum Zustand der Bünde und zeigt auch kein Foto, solle man nachfragen. Kuhlen und Riefen im Griffbrett sind mehr ein optisches Problem, gehen aber oft mit abgespielten Bündern einher. Neue Bünde kosten Geld und das Schnäppchen wird dann teuer. Wer Wert auf Originalmechaniken legt, sollte auf deren Zustand achten, ansonsten kosten Mechaniken nicht die Welt.

Werden Schäden erwähnt, aber nicht gezeigt, dann Vorsicht !! Überhaupt sollte bei Verwendung des Begriffes "defekt" ein Warnlicht angehen. Auch Begriffe wie Dachboden- oder gar Kellerfund sind kein gutes Zeichen und signalisieren eine unsachgemäße Lagerung.
Je jünger eine Gitarre ist, umso geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit eines Defekts. Meist lassen sich zudem die Spezifikationen im Internet überprüfen und wer teil- oder vollmassive Instrumente sucht, wird hier eher fündig.
 
Ideal ist für mich ein Verkäufer der in seiner Beschreibung alle wichtigen Problemfelder mit Sachkenntnis abhandelt und das mit aussagekräftigen Bildern hinterlegt. Wer nur die Gitarre von vorne zeigt und sonst nichts, der muß nichts zu verbergen  haben. Aber ich habe erlebt, dass sich hinter einem solchen Foto ein mehrfacher Totalschaden verbarg.
Fragen kostet nichts, eine kaputte Gitarre zu ersteigern schon!! Und wenn der Verkäufer rumdruckst, dann um Fotos bitten, man kann daran nur lernen.

Also dann, es gibt auch richtig tolle Gitarren zu ersteigen und
ich wünsche Euch viel Spass beim Bieten ...

Lothar
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