Gebrauchsanleitungen für alte Kameras – Wissenswertes für Historiker, Sammler und Bastler

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Gebrauchsanleitungen für alte Kameras – interessantes Informationsmaterial für Historiker, Sammler und Bastler

Gebrauchsanleitungen für Kameras jeder Ära der Fotografie werden auch heute noch in großer Zahl zum Teil als antiquarische Besonderheit für Sammler, Bastler und Geschichtswissenschaftler angeboten. Dabei sind solche Bedienungsanleitungen außerordentlich wertvolle Zeugnisse ihrer Zeit, da sie den jeweiligen Stand der technischen Entwicklung in exakter Weise abbilden. Natürlich gilt dies auch für die Errungenschaften der Fotografie, für die es zumindest ab einem bestimmten Zeitpunkt auch Gebrauchsanleitungen gegeben hat.
Das Darstellen der Realität beschäftigt die Menschheit schon seit dem Beginn der Zeit. Dabei ist es von den ersten Höhlenmalereien bis zur modernen digitalen Fotografie eine lange Strecke. Allerdings sind die ersten Schritte der Fotografie die bedeutendsten Meilensteine auf diesem Weg, da nun die Qualität der Abbildungen nicht mehr vom zeichnerischen Talent seines Schöpfers abhängig war. Selbstverständlich wurde es auch erst mit der zunehmenden Verbreitung der Kameras notwendig, die Geräte zum allgemeinen technischen Verständnis zusammen mit Bedienungsanleitungen dem Kunden auszuhändigen.

Die Anfänge der modernen Fotografie

Die Geschichte und die Entwicklung sind durch die Wiederentdeckung der Prinzipien der Laterna magica und der Camera obscura gekennzeichnet. Das Konzept der Camera obscura, das die lateinische Bezeichnung für eine dunkle Kammer ist, war ursprünglich ein abgedunkelter Raum oder Kasten mit einem Loch in einer der Wände. Das durch dieses Loch einfallende Licht projizierte auf die gegenüberliegende Wand ein auf dem Kopf stehendes Abbild der Außenwelt. Die Funktionsweise wurde schon im 4. Jahrhundert vor Christus von Aristoteles erkannt. Prinzipiell kann davon ausgegangen werden, dass Leonardo da Vinci als Erster gegen Ende des 15. Jahrhunderts das Konzept der Camera obscura funktional exakt darstellte. Die ursprüngliche Camera obscura wurde im 17. Jahrhundert zu einer mobilen Variante weiter entwickelt.

Von der Plattenkamera bis zur Einführung des Rollfilms

Die Anfertigung eines Bildes wurde in den frühen Jahren der Fotografie durch die umständliche Handhabung der Platten-Kameras sehr erschwert. Nicht nur das Gewicht behinderte die Arbeit. Darüber hinaus war es auch notwendig, dass für jede Aufnahme eine neue Platte in den Apparat eingelegt werden musste. Daher entwickelte der US-Amerikaner George Eastman 1889 zusammen mit einem Partner den Rollfilm. Damit konnte gewährleistet werden, dass mehrere Aufnahmen nacheinander geschossen werden konnten. George Eastman war auch Erfinder des Systems, den Fotografen von dem für ihn besonders aufwendigen Vorgang der Entwicklung und des Abziehens der Bilder zu entlasten. Diese Tätigkeiten konnte der Pionier der Fotografie für seine ersten selbst entwickelten Kameramodelle als Dienstleistung anbieten. Wenn der Besitzer einer Kamera seinen Rollfilm mit Aufnahmen gefüllt hatte, konnte er den kompletten Apparat zum Anbieter zurück schicken und erhielt wenig später die Abzüge und eine mit einem neuen Film versehenen Fotoapparat zurück. Ab der Wende zum 20. Jahrhundert wurde die Fotografie durch dieses System immer attraktiver. Bedienungsanleitungen für Plattenkameras oder Fotoapparate, die für die ersten Rollfilme vorgesehen waren, sind bei ihrer Anschaffung aufgrund ihres frühen Entstehungsdatums recht selten und entsprechend teuer. In vielen Fällen gehört eine entsprechende Gebrauchsanleitung beim Kauf einer antiquarischen Kamera zum Zubehör.

Die Boxkamera erobert das frühe 20. Jahrhundert

Mit der Beendigung des 19. Jahrhunderts beginnt in der Amateurfotografie die Ära der sogenannten Boxkameras. Das Konzept dieser Fotoapparate wurde ursprünglich in den USA entwickelt. Die Zielsetzung war, eine kompakte, preiswerte Kamera zu produzieren, die relativ einfach zu bedienen war und die auf der Basis des Rollfilms funktionierte. Die sogenannte Brownie Nr. 2 von Eastman Kodak aus dem Jahr 1901 zählt beispielsweise zu den frühen Boxkameras. Mit der Brownie konnten Aufnahmen im Format sechs Mal neun, dem klassischen Mittelformat, angefertigt werden. Auch in Deutschland konnten ab etwa 1915 wettbewerbsfähige Rollfilme produziert werden. 1916 erschienen erste deutsche Boxkameras wie die Ernemanns Film-K-Modelle. Der wirkliche Erfolg der Boxkamera in Deutschland entwickelte sich jedoch erst etwa zehn Jahre später, als 1924 Ica die Onix der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Mit der wachsenden Beliebtheit kamen zahlreiche weitere Boxkameras in den Handel. Viele der damals namhaften Hersteller sind heute lediglich noch in Sammlerkreisen bekannt. Ihre Namen, die in unserer Zeit fast niemand mehr mit der Fotografie in Verbindung bringt: EHO, Beier, Balda, Goerz, ESPI, Certo und Bilora. Bedienungsanleitungen für die Fotoapparate dieser Firmen werden aber auch heute noch regelmäßig gehandelt.

Innerhalb weniger Monate veräußerte Agfa mit einer spektakulären Marketing-Aktion rund 900.000 der sogenannten Preis-Boxen. Dieser Werbefeldzug, bei dem die Fotoapparate für vier Mark angeboten wurden, war initiiert worden, um den Absatz der eigenen Filme anzukurbeln. Die Wettbewerber boten jedoch ebenfalls bald vergleichbar preiswerte Geräte an. Es ist allerdings bis heute nicht geklärt, wie die Konkurrenz bei den Billig-Preisen auf ihre Kosten kommen konnte. Zeiss Ikon übernahm 1926 mit der Akquisition von Goerz die Herstellung der Tengor Box. Damit bediente das Unternehmen das gehobene Marktsegment besonderer Boxkameras. Spätere Modelle wiesen drei Schärfebereiche auf, die durch das Einschwenken von Vorsatzlinsen vor ein Fixfoxus-Objektiv realisiert wurden.
Wie zahlreiche andere Produktionsketten wurde die Fotoindustrie während des 2. Weltkrieges auf Rüstungsgüter umgestellt. Für die angestammte Fotowirtschaft bedeute dies das vorübergehende Aus. Erst ab etwa 1948 wurde wieder mit der Herstellung begonnen. Alte und neue Anbieter wie Carl Braun, Vredeborch, Adox und Friedrich Linden läuteten eine weitere Blütezeit der Boxkameras ein, die bis in die 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts andauerte. Danach verdrängten Kompaktkameras für Kleinbildfilm und neue Varianten wie Pocket- und Instamatic-Kameras die Boxkameras. Gebrauchsanleitungen für diese Apparate werden allerdings auch heute noch in großer Zahl angeboten.

Das Zeitalter der Kleinbildkamera

In der Regel werden als Kleinbildkameras 35-Millimeter-Film-Kameras mit einem Bildformat von 24 × 36 Millimeter bezeichnet. Die Modelle verwenden die Kleinbildpatrone vom Typ 135. In einer weiteren Definition gehören alle Apparate dazu, die mit einem Format von etwa zwei bis vier Zentimetern Kantenlänge arbeiten. Nahezu alle einfachen Kameras wurden als Sucherkamera konstruiert. Hinzu gezählt werden müssen noch einige weitere System-Sucherkameras der gehobenen Preisklasse, vor allem die Leica-M-Serie, die normalerweise Mess-Sucherkameras genannt werden. Auf diese Weise eroberten sie den größten Anteil unter den Kleinbildkameras. Sucherkameras gab es von vielen Produzenten. Fast jeder Markenanbieter hatte einige Modelle in seinem Programm. Besonders hervorzuhebende Varianten sind die die Panoramakamera Hasselblad XPan sowie die Unterwasserkamera Nikonos von Nikon. Die teilweise recht umfangreichen Bedienungsanleitungen dieser Kameras können auch heute noch bei vielen Anbietern erworben werden.

Wie funktioniert die Spiegelreflexkamera?

Das Licht dringt bei einer Spiegelreflexkamera durch die Linsen des Objektivs. Danach wird es vom Schwingspiegel zurück geworfen und auf die Einstellscheibe projiziert. Das gewünschte Motiv wird durch die Reflexion innerhalb des Dachkantpenta-Prismas und durch die Sammellinse im Sucher erkennbar. Das Prisma ist in vielen Fällen mit einem individuellen Dioptrien-Ausgleich versehen.

Viele Spiegelreflexkameras arbeiten nach einem anderen Prinzip. Hierbei wird anstelle ein Porro-Spiegelsucher oder eines Prismensuchers mit Dachkantpenta-Prisma ein Lichtschachtsucher verwendet. Das Funktionskonzept der einäugigen Spiegelreflexkamera kann derart beschrieben werden, dass der Spiegel sofort vor dem Schießen eines Bildes nach oben klappt und sich dabei der Verschluss öffnet. Auf diese Weise wird das Motiv nicht mehr in das Dachkantpenta-Prisma umgeleitet, sondern gelangt unmittelbar auf den Bildsensor, auf die Filmebene oder direkt auf den Film.

Manche Sonderkonstruktionen benutzen anstelle eines Schwingspiegels einen fest montierten, zum Teil durchlässigen Spiegel oder ein Prisma. Dies verringert die Verzögerung zwischen dem Auslösen und der Belichtung und gestattet bei motorbetriebenen Kameras deutlich schnellere Folgen von Aufnahmen. Allerdings ist hierbei auch von Nachteil, dass dieses ein dunkleres Sucherbild produziert und nicht mehr so viel Licht zum Film durchlässt, weil der Spiegel das Licht verteilt. In aller Regel werden etwa ein Drittel des Lichts in den Sucher projiziert und zwei Drittel zur Belichtung weiter geleitet. Bedienungsanleitungen für Spiegelreflexkameras sind auch heute noch meist im guten Zustand und für nahezu alle Modelle erhältlich.

Spiegelreflexkameras und ihre Vorzüge

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Spiegelreflexkameras der jüngeren Generationen besteht in den wechselfähigen Objektiven. Hierdurch ergibt sich eine sehr große Zahl von Aufnahmeoptionen. Abhängig von Modell und Anbieter umfasst die Bandbreite der einsetzbaren Objektive Fish-Eye-Objektive mit über 180 Grad Bildwinkel, sehr lichtstarke Festbrennweiten, Shift-Objektive für Architekturaufnahmen, extreme Teleobjektive und zahlreiche spezielle Optiken beispielsweise mit justierbarer Weichzeichnung oder Makro- oder Lupen-Objektive. Die Hersteller von Spiegelreflexkameras stellen teilweise ein sehr umfangreiches Systemzubehör zur Verfügung. Unter anderem sind dies bei filmbasierten Modellen Motorantriebe und Wechselsucher. Im Vergleich mit Kompaktkameras sind digitale Spiegelreflexkameras mit wesentlich größeren Sensoren ausgestattet, mit denen sich vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen bessere Bilder schießen lassen. Ein weiterer Vorteil der Digitalkamera gegenüber den analogen Fotoapparaten ist die Übereinstimmung von Aufnahme- und Blickachse. Das heißt, dass der Fotograf das Bild im Sucher erkennen kann, was sich auch auf die gleiche Weise auf Film oder Sensor in Bildwinkel, Ausschnitt und Perspektive und ohne die berüchtigte Verschiebung der Parallaxe darstellt.

Gebrauchsanleitungen im digitalen Zeitalter der Fotografie

Bedienungsanleitungen haben im Zeitalter der digitalen Fotografie ihre bedeutende Stellung eingebüßt im Hinblick darauf, dass sie nicht nur ein Mal pro Gerät in gedruckter Form dem Nutzer zur Verfügung stehen. Viele Hersteller legen natürlich auch nach wie vor eine Gebrauchsanweisung in Print-Form ihrer Kamera bei, allerdings gehört diese sozusagen bereits zum Lieferumfang des Produktes und kann auch im Display des Geräts nachgelesen werden. Darüber hinaus sind nahezu sämtliche Bedienungsanleitungen für alle Modelle im Internet auf den jeweiligen Seiten der Kamera-Produzenten abrufbar. Ferner können sich auch die jeweiligen Internet-Foren als hilfreich erweisen.

Gebrauchsanleitungen für Kameras und fotografisches Zubehör sind nach wie vor für Bastler, Sammler und Wirtschaftshistoriker interessant und bieten Einblicke in die Welt heute nicht angewandter Techniken.

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