Gartenteich - Anlegen einer Wasseroase

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Gartenteich

Einen Gartenteich anzulegen ist prinzipiell nicht schwer, wenn man einige Dinge von vorneherein beachtet. Grundsätzlich sollte meiner Meinung nach allerdings auf einen Gartenteich verzichtet werden, wenn a) kleine Kinder unter 6 Jahren den Garten nutzen oder wenn b) nicht ausgeschlossen werden kann, dass kleine Kinder den Garten unbeobachtet betreten können.

Voraussetzungen:
Zunächst gilt es die Lage des Teichs festzulegen. Weder in der ganztägig prallen Sonne, noch im Dauerschatten oder unter Nadelbäumen sollte ein Teich angelegt werden. Die Lage bestimmt dann – zumindest teilweise – die Größe, also die Wasserfläche und –tiefe. Diese Parameter bestimmen dann wiederum, ob, und falls ja, was für ein Fischbesatz möglich ist. Einheimische – zugegebenermaßen nicht allzu farbenprächtige – Fische wie Moderlieschen und Gründling sind relativ anspruchslos, Koi oder Stör stellen dagegen sehr hohe Anforderungen an das Becken und die Wasserqualität. Die Wassertiefe sollte bei Teichen mit Fischbesatz mindestens 80cm, möglichst jedoch über 100cm betragen, damit im Winter nicht die Gefahr des durchfrierens besteht.

Fertigteich:
Die vielleicht einfachste Art, etwas Wasser in seinen Garten zu bringen, sind Fertigteiche, in der unteren Preisklasse aus PE (also Kunststoff) hergestellt, in der etwas höherwertigen Variante auf GFK (Glas-Faserverstärkter-Kunststoff, formstabil). Die Größe dieser vom Baumarkt bis zum Fachhandel beziehbaren Becken reicht von ca. 100 bis zu 10.000 Liter und von wenigen bis zu mehreren tausend Euro. Fertigbecken „werden in den Sand gesetzt“, also in eine Grube gestellt, mit ca. einem Drittel Wasser gefüllt und dann von den Seiten her mit Sand eingeschwämmt. Dieser Vorgang sollte mit Bedacht und Sorgfalt durchgeführt werden, da ein einmal eingerichtetes Becken sich nur mit sehr großem Aufwand aus einer schiefen Lage zurechtrücken lässt. Fertigbecken kommen meist dann zu Einsatz, wenn es darum geht auf wenig Fläche viel Wasser unterzubringen, da die Seitenwände hierbei deutlich steiler sind, als Sie bei reinen Folienteichen gestaltet werden können.

Folienteich:
Auch hier gibt es unterschiedliche Materialien und Materialstärken:

Folie aus PE, Polyethylen, kann geschweißt werde, preisgünstigste Variante, jedoch nicht UV-stabil, d.h. alle Stellen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind werden mit der Zeit brüchig.
Folie aus PVC, Polyvinylchlorid, kann geklebt und geschweißt werden, ist relativ steif, also nur im Sommer gut zu verlegen
Folie aus EPDM, Kautschuk, kann vulkanisiert werden, sehr elastisch, meines Erachtens die beste und hochwertigste Folie.

Die Folien gibt es je nach Hersteller in Stärken von 0,5 mm bis 1,5 oder mehr. Alle Folien haben gemeinsam, dass der Untergrund sehr sorgfältig vorbereitet werden muss. Es darf nichts im Untergrund schaffkantig oder spitz sein, damit die zwar stabile aber auf Dauer doch empfindliche Folie nicht beschädigt wird. In der Regel erreicht man den notwendigen Schutz durch ein Sandbett und / oder eine entsprechende Fliesunterlage. Der Vorteil der Folie gegenüber dem Fertigbecken ist, dass man bei der Gestaltung seines Teiches „fast“ völlig frei Hand hat und sich den räumlichen Voraussetzungen des eigenen Gartens seht gut anpassen kann. Die Folie kann je nach Lieferant und Hersteller in fast jeder gewünschten Form bestellt werden. Die Größe der Folie wird berechnet: Länge + (Tiefe x 2) + Rand/Reserve und Breite + (Tiefe x 2) + Rand/Reserve. Auch wenn es in der Summe ins Geld geht, sollte man den Rand/Reserve-Bereich fest mit einplanen. Durch ein paar Falten sind schnell einige Zentimeter verloren. Ich empfehle daher mindestens 50 cm je Seite für den Rand zu kalkulieren. 

Anlage des Teichs:
Die schönste Teichanlage bereitet keine Freude, wenn das Wasser ständig trüb oder veralgt ist , wobei gegen einen normalen Algenbewuchs nicht einzuwenden ist, es sei denn man wünscht einen „steriles“ Gewässer. Algen – Fadenalgen oder auch die für die Grünfärbung verantwortlichen Schwebealgen – sind das Ergebnis eines Überangebots von Nährstoffen im Wasser. Dem zu begegnen gibt es viele Möglichkeiten. Ein paar davon möchte ich hier aufzählen:

Pflanzen verringern das Nährstoffangebot für die Algen. Faustregel: je mehr Pflanzen, je weniger Algen. Die Nährstoffaufnahme ist jedoch unterschiedlich. Als Beispiel für „Algenvernichter“ seien hier Tannewedel (Hippuris vulgaris), Tausendblatt (Myriophyllum) oder Teichsimse (Schoenoplectus), genannt.
KEIN Regenwasser verwenden, Leitungswasser ist als Teichwasser deutlich besser geeignet.
Mit Schwimmpflanzen wie Wassersalat (Pistia stratiotes), Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) oder Wasserlinse (Lemna minor L.) sowie großblättrigen See- und Teichrosen werden Schattenbereiche im Wasser geschaffen.
Alle Pflanzen sollten keinesfalls in Gartenerde, aber auch nicht in Teicherde gepflanzt werden. Den Wurzeln reicht ein Bett aus Sand oder feinem Kies, die Nährstoffe sollen ja dem Wasser entzogen werden.
Fischbesatz dem Wasservolumen anpassen. Selbst Teiche mit guten und leistungsstarken Filtersystemen verkraften i. d. R. nur 500g Fisch je 1000 Liter Wasservolumen.
Zur nachhaltigen Algenbekämpfung empfehle ich von chemieschen Keulen die Finger zu lassen. Es gibt zwar durchaus Mittel, die Algen abtöten und vermutlich auch den Fischen nicht schaden, dennoch wird das eigentliche Ziel, nämlich die Nährstoffe aus dem Teich zu entfernen, nicht erreicht. Die abgestorbenen Algen bilden sofort die Basis für die nächste Generation.
Unnötige Belastungen – z. B. hereinfallendes Laub entweder mit einem Laubschutznetz fernhalten oder aus dem Becken entfernen, bevor sich irgendetwas zersetzen kann.
Regelmäßiger Teilwasserwechsel mit Leitungswasser oder – sofern die Werte stimmen – auch mit Brunnenwasser entfernen auch das, was Fische oder Schnecken im Wasser hinterlassen.
… und dann das Thema Teichfilter.
Ein schier unerschöpfliches Thema und bis auf wenige Ausnahmen die einzige Möglichkeit wirklich Freude an Fischen im Gartenteich zu haben. Ein gutes Filtersystem sollte das Wasservolumen ca. 1 mal je Stunde umwälzen. Achten Sie dabei auf stromsparnende Pumpen. In einem guten  Filtersystem wird mechanisch und biologisch greinigt (zu diesem Thema werde ich einen eigenen Ratgeber veröffntlichen).

Als Nachtrag noch ein Literaturhinweis: Mein absoluter Favorit ist der "Mergus Gartenteichatlas", zum einen ein riesieges Nachschlagewerk zur Bestimmung von Pflanzen und Tieren am Wasser, zum anderen aber auch ein Buch mit vielen nützliche Tips und Hinweisen zur Anlage eines Gartenteichs (Habe nebenbei über den Mergus auch einen Ratgeber geschrieben).


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