Ganz nah am Herzen: Medaillons aus der Biedermeier-Zeit

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Ganz nah am Herzen: Medaillons aus der Biedermeier-Zeit

Heutzutage nutzt fast jeder, der ein Smartphone besitzt, als Startbild oder Bildschirmschoner ein Foto von jemandem, der ihm ganz besonders am Herzen liegt: Freund oder Freundin, Ehepartner, Kind, Enkelchen oder auch Haustier. Auf diese Art und Weise haben wir die, die wir lieben, immer bei uns und stets vor Augen. Noch zu Zeiten unserer Eltern waren es vor allem kleine Fotografien im Portemonnaie, die den Besitzer oder die Besitzerin bei jedem Bezahlvorgang an das Kostbarste in seinem oder ihrem Leben erinnerten. Gehen wir noch einige Generationen weiter zurück, so finden wir ein ganz besonderes Schmuckstück an den Herzen vieler Frauen: das Medaillon. Diese älteste Variante des Tragens von Bildnissen gelangte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der sogenannten Biedermeier-Zeit, zu ihrer Blüte.

 

Von römischen Helden und christlichen Märtyrern: zur Geschichte des Medaillons

Der Gedanke, das Abbild eines besonderen Menschen ganz nahe bei sich zu tragen, ist schon sehr alt. So kennen die Liebhaber antiker Kunst bereits aus der römischen Antike Sondermünzen, die das Bildnis eines Kaisers, berühmten Dichters oder auch Gottes trugen. Auch war es damals schon üblich, diese Münzen als Kettenanhänger zu tragen. Eine weitaus größere Bedeutung hatte das Medaillon jedoch im Mittelalter. In dieser Zeit wurde es ausschließlich zu religiösen Zwecken getragen. Es enthielt Christus-, Marien- und Heiligenbilder und war häufig mit sakralen Elementen geschmückt. In „weltlicher“ Gestalt existierten Medaillons ab dem 15. Jahrhundert in Form von Taschenspiegeln, die meist am Gürtel getragen wurden. Mit dem ausklingenden Mittelalter verschwand auch das Medaillon weitgehend aus den Schmuckkästchen.

 

Die Medaillon-Renaissance während der Biedermeier-Zeit

Die Epoche, die wir heute als Biedermeier bezeichnen, dauerte von 1815 bis zum Beginn der 1848er Revolution. Sie war durch einen starken Rückzug des Bürgertums aus dem politischen Geschehen und eine damit verbundene Betonung alles Privaten gekennzeichnet. Das traute Heim und die Sicherheit der Familie waren wichtiger als die weltpolitischen Ereignisse. Dies mag einer der Gründe für die Beliebtheit des Medaillons sein: Geliebte Menschen sollten in Bildform nahe am Herzen getragen werden. Ein weiterer Grund, der sicherlich zur Renaissance der verschließbaren Anhänger beigetragen hat, ist die Entwicklung der Fotografie, die ebenfalls im Biedermeier große Fortschritte machte.

 

Besonderheiten der Medaillons aus dem Biedermeier

Die Medaillons der Biedermeier-Zeit weisen kaum noch religiöse Motive auf, sondern waren Schmuckstücke, die ganz zu privaten Zwecken getragen wurden. Wie auch in der bildenden Kunst spielten bei der Gestaltung vor allem Naturmotive eine Rolle, während im Inneren Fotografien oder auch Haarlocken von geliebten Menschen aufbewahrt wurden. Die zur Herstellung verwendeten Materialien waren sehr unterschiedlich: Gold und Silber waren beliebt, Ersteres häufig auch als Schaumgold. Daneben wurden aber auch Elfenbein oder Buchsbaumholz verarbeitet. Die Oberflächen der meist ovalen, runden oder herzförmigen Anhänger waren oftmals kunstvoll verziert, wobei neben dem Aufsatz von Perlen oder Edelsteinen auch die Emaille-Technik zum Einsatz kam. Aufgrund der für diese Epoche typischen Schlichtheit und Eleganz lässt sich Biedermeier-Schmuck auch heute noch sehr gut tragen.

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