Fußrastenanlagen für Adler Motorräder – müssen es Original-Teile sein?

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Fußrastenanlagen für Adler Motorräder – müssen es Original-Teile sein?

Die moderne Motorradszene wird von Namen wie Kawasaki, Honda, Suzuki, Yamaha, Moto Guzzi, Ducati, Harley-Davidson oder BMW dominiert, was natürlich nicht immer so war. Tatsächlich gab es früher einige namhafte Hersteller, die zwar längst keine Motorräder mehr produzieren und mitunter nicht einmal mehr existieren, trotzdem aber bis heute eine gewisse Bekanntheit haben.

Einer dieser ehemaligen Hersteller war Adler oder vielmehr die Adlerwerke, die im hessischen Frankfurt am Main beheimatet waren. Allerdings war Adler nicht allein für Motorräder bekannt, sondern ebenso für Autos. Zuletzt wurden sogar nur noch Büromaschinen hergestellt, und selbst die Anfänge der damaligen Adlerwerke lagen in einem ganz anderen Segment.

Adler-Motorräder jedenfalls sind heute echte Klassiker und schlichtweg Motorrad-Oldtimer. So manch ein Fan solcher alter Motorräder mag daher tatsächlich im Besitz einer fahrbereiten Adler sein – doch was tun, wenn etwas kaputt geht? Der sprichwörtlich gute Rat ist dann wohl teurer als die nötigen Ersatzteile, die seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut werden. Alles, was Sie zum Thema Adler-Motorräder und -Klassiker wissen müssen, erfahren Sie hier im Adler-Motorrad-Ratgeber.

Adlerwerke: Historie auf zwei, vier und null Rädern

Gegründet wurden die ehemaligen Adlerwerke bereits 1880, und zwar unter dem Namen des Gründers als Heinrich Kleyer GmbH. Schon 1889 umfasste das Adler-Areal rund 18.000 Quadratmeter, 600 Mitarbeiter wurden in Lohn gehalten. Gebaut wurden anfangs Zweiräder, genauer gesagt Adler-Fahrräder. Später folgten Dreiradwagen und Autos, die von französischen De Dion-Bouton-Motoren befeuert wurden.

1895/1896 wurden aus der ehemaligen GmbH und nunmehrigen H. Kleyer AG die Adlerwerke AG formiert. 1898 starteten diese Adlerwerke schließlich die Produktion von Schreibmaschinen. Weitere drei Jahre später – somit 1901 – stellte Adler sein erstes Motorrad auf die Räder, das anfangs ebenfalls mit De Dion-Motoren ausgestattet wurde. Ab 1903 begann Adler jedoch die Entwicklung eigener Motoren, die bereits 1904 in die Serienproduktion gingen. Trotzdem wurde die Fertigung von Motorrädern schon wieder 1907 eingestellt, dafür konzentrierte sich Adler ab 1909 auf Luftschiffmotoren.

Mit Unterbrechung: Adler-Motorräder von 1901 bis 1957

Zwischen den Weltkriegen baute Adler vor allem Autos. 1930 lagen die Adler-Automobile in puncto Zulassungen hinter Opel und Auto Union auf Platz drei, ab 1936 musste man sich mit dem vierten Rang hinter Mercedes-Benz begnügen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Adler-Produktion etliche Jahre brach, 1948 erfolgte eine Neuausrichtung des Unternehmens – von da an ohne den Bau von Autos.

Dafür wurden ab 1949 – und somit nach mehr als vier Jahrzehnten Pause – wieder Adler-Motorräder gebaut; außerdem Fahrräder, Büro- und Werkzeugmaschinen. Vor allem in den 1950ern waren die Motorradmodelle der Adlerwerke beliebt, das damalige Topmodell stellte die Adler MB 250 S, eine Sportversion mit einem Zweitakt-Zweizylinder und 18 PS. 1955 brachte Adler mit dem Modell Junior sogar einen Motorroller auf den Markt, der 100 Kubik aufwies.

Wegen Triumph: Adler stellt Motorrad-Produktion ein

Doch die Tage von Motorrädern waren längst gezählt, der Absatz ging stetig zurück. Tatsächlich sollten die Adlerwerke die Produktion entsprechender Modelle bereits 1957 endgültig einstellen, als ein gewisser Max Grundig nicht nur die Triumph-Werke übernahm, sondern parallel ein großes Aktienpaket an den Adlerwerken. Die Konsequenz betraf vor allem Adler, wo man zugunsten von Triumph auf den Bau von Motorrädern ab sofort verzichtete.

Nur ein Jahr später legte Grundig die beiden neu erworbenen Unternehmen mit seinem eigenen zusammen. Fortan konzentrierte sich die neu firmierte Triumph-Adler Büromaschinen-Vertriebsgesellschaft auf die Produktion sowie den Verkauf von Büromaschinen, womit nach den längst eingestellten Automobilen nun auch die Ära der Motorräder mit Adler-Logo enden sollte. Obwohl Adler später noch einige andere Besitzer fand, beispielsweise Litton Industries und sogar Volkswagen, baute Adler weiterhin nur noch Büromaschinen.

Die letzten Jahre: Schreibmaschinen statt Autos & Bikes

1993 wurden die Adlerwerke erneut verkauft, 1998 wurde schließlich die letzte Fertigung von Schreibmaschinen eingestellt. 1999 kaufte HBAG Real Estate die meisten Aktien der Adlerwerke auf, die seit 2002 als Adler Real Estate tätig ist und sich ganz dem Immobiliensektor verschrieben hat. Motorräder wurden somit nur wenige Jahre gebaut – tatsächlich kommen Adler-Motorräder auf keine 20 Jahre Geschichte. Trotzdem brachten die Adlerwerke einige interessante Modelle hervor, die heute allesamt als Adler-Oldtimer geschätzt werden, jedoch sehr selten geworden sind.

Auf zwei Rädern: berühmte Motorräder von Adler

Doch selbst heute tauchen immer wieder einige frühere „Bikes" von Adler als sogenannte Garagenfunde oder Scheunenfunde auf, die von ihren Besitzern über die Jahre vergessen wurden und bei einem Verkauf von Haus und Hof plötzlich wieder entdeckt werden.

Selbstredend gab es trotz der eher wenigen Produktionsjahre einige Modelle mit Adler-Logo, die einen gewissen Ruhm erlangten. Obendrein finden sich entsprechende Modelle oder zumindest deren Ersatz- und Bauteile auf gewissen Auktionsportalen, etwa zur Adler MB 200 oder zur Adler M 200. Erwähnenswert sind ebenso die Adler M 100 oder die Adler M 250, wobei diese Klassiker durchaus einige Tausend Euro kosten können.

Tatsächlich werden im Internet für eine – wohlgemerkt fahrbereite und gut gepflegte – Adler M 250, Baujahr 1951, runde 7.000 Euro verlangt. Auch eine Adler MB 250, Baujahr 1955, ist mit 5.500 Euro kaum billig zu nennen. In speziellen Börsen und Aktionen sind hingegen wieder günstigere Adler-Modelle zu finden, beispielsweise eine Adler Luxus MR 100 im „Top-Zustand" für deutlich unter eintausend Euro. Fans flotter Klassiker können mit einer Adler somit durchaus einen schicken Oldtimer aus den 1950ern ergattern, der unter Umständen sogar relativ günstig zu kaufen ist. Wobei auf genannte Preise natürlich keine Gewähr gegeben werden kann und diese letzten Endes vom Verkäufer und Ihrem eigenen Verhandlungsgeschick abhängen.

Ersatzteile: Hier finden Sie neue Teile für Ihr Adler-Motorrad

Selbst zum Thema Ersatzteile scheinen sich künftige Besitzer eines Adler-Motorrads weniger Sorgen und Gedanken machen zu müssen. Viele Ersatzteile werden heute in Börsen und Aktionen nach wie vor feilgeboten, wobei gerade das Internet bei der Suche eine große Hilfe ist.

Obendrein gibt es besondere Internetseiten, die sich ganz dem Adler-Motorrad verschrieben haben und neben nötigen Bauteilen für Reparaturen sogar ein Händlerverzeichnis offenlegen. In solchen Verzeichnissen finden Sie gleich einige Händler samt Anschrift, Telefon und Onlineadresse, die Adler-Ersatzteile verkaufen und sich auf Adler-Motorräder oder wenigstens Oldtimer-Motorräder längst vergangener Zeiten spezialisiert haben.

Und doch dürften so manche Teile wohl nur noch schwer, wenn sogar gar nicht mehr zu bekommen sein. Ein solcher Problemfall könnten eventuell die Fußrasten Ihrer Adler sein, die meist weniger gut beachtet werden als deutlich wichtigere Teile wie Motor, Getriebe, Sitzbank oder sonstige mechanische Dinge. Doch für ein H-Kennzeichen sind Originalteile wichtig.

Es müssen Originalteile sein: Adler Motorräder sind echte Klassiker

Gerade für Klassiker ist das sogenannte H-Kennzeichen interessant, das beispielsweise einen vergünstigten pauschalen Steuersatz gewährt, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen erteilt wird. Zum einen muss der Oldtimer einen gepflegten Eindruck machen, heruntergekommene oder verwahrloste Maschinen werden kaum mit einem Oldtimer-Kennzeichen belohnt.

Außerdem müssen die meisten Teile der Klassiker original oder zumindest originale Nachbauten sein – oder aber fachmännisch restauriert. Diese Originalität gilt jedenfalls für die meisten Bauteile einer Klassiker, beispielsweise Reifen und Räder, Elektrik oder Auspuff.

Zuletzt muss das Motorrad eine Erstzulassung vorweisen können, die mindestens 30 Jahre zurückdatiert und mit entsprechenden Dokumenten belegt werden kann.

Da Adler die Produktion von Motorrädern Ende der 1950er einstellte, ist zumindest die letzte Frage klar beantwortet. Jedes Adler-Motorrad ist zumindest vom Alter für ein H-Kennzeichen berechtigt, womit Pflegezustand sowie die Originalität entscheiden. In punkto Pflege kann jeder Adler-Halter selbst Hand anlegen, geht es hierbei doch um eine gewisse Sauberkeit sowie außerdem die Fahrbereitschaft des Motorrads.

Neue Fußrasten: Wo gibt es entsprechende Adler-Teile?

Interessant sind daher vor allem die verbauten Ersatzteile, die bei einer Maschine aus den 1950ern wohl kaum mehr alle in der Erstausstattung vorhanden sind. Zumal Oldtimer auch gern einmal bewegt werden wollen, was selbstredend weiteren Verschleiß fördert. Und selbst Motorräder, die jahrelang in der Garage verstauben, sind vor Korrosion und Rost nicht gefeit.

Wo es entsprechende Ersatzteile für Ihre Adler geben könnte, wurde bereits verraten – auf Börsen und Auktionen, bei Fanclubs und spezialisierten Adler- und Oldtimer-Händlern. Die Fußrasten könnten jedoch zum Problem werden, wobei es nicht ganz klar ist, wie authentisch diese Bauteile für die Originalität Ihrer Adler sein müssen.

Hier dürfte der Besuch einer Prüforganisation wie TÜV oder Dekra lohnen, wo solche Fragen sicherlich besser und vor allem exakt erklärt werden können. Die Prüfer wissen anhand ihrer Fragebögen ganz genau, was original sein muss und wo eventuell Ausnahmen gemacht werden können. Da die Fußrasten vielleicht nicht gerade der wichtigste Teil eines Motorrads sind – weder in punkto Optik noch in punkto Technik –, könnten Sie hier eventuell auch mit weniger originalen Teilen Chancen auf ein H-Kennzeichen haben.

H-Kennzeichen: Da schaut der TÜV beim Adler-Motorrad genauer hin

Ansonsten werden TÜV und Co jedoch genau auf Ihre Adler-Oldtimer schauen, was insbesondere für die Originalität von Antrieb, Abgasanlage oder Reifen gilt. Einige Teile dürfen übrigens durchaus sogenannte Originalnachbauteile sein, inwieweit diese aber für Adler-Motorräder angeboten werden, müssten Sie selbst recherchieren. Möglicherweise bekommen Sie sogar Fußrasten, die den damaligen Exemplaren originalgetreu nachempfunden sind oder sogar angefertigt werden können.

Sollten Sie keine entsprechenden Bauteile für Ihre Adler-Klassiker finden können, ist vielleicht ebenfalls der TÜV ein guter Ansprechpartner und hat eine hilfreiche Adresse parat. Ebenso lohnt der Kontakt zu einem Fanclub, wo mancher Besitzer seine nicht mehr fahrbereite Adler-Maschine als Ersatzteilspender verkaufen mag.

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