Für eine handvoll Euros...Chinaroller-Erfahrungen

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Anläßlich der steigenden Spritpreisen , der zunehmenden Parkplatznot und dem generellen städtischen und ländlichen Vorkommen fällt bei vielen Führerscheinbesitzern die Entscheidung für einen Motorroller...
Da der Markt mit mehreren Modellen belegt und eine dementsprechende Auswahl vorhanden ist, wird der Preis ein zunehmendes Kaufkriterium.
Ungeschlagen auf diesem Gebiet sind neben der Nr. 73 süß-sauer mittlerweile die Roller von Baotian , Rex, MKS etc. aus dem Reich der Mitte, die sich letztendlich alle bei den selben Zulieferfirmen bedienen und daher im Grunde gleich sind.
Vor der Anschaffung sollte man jedoch folgende Dinge bedenken....

2005 schaffte ich mir einen Baotian BT49QT-7 an, den ich für ca. 700 Euro beim Orbis-Center in Koblenz via ebay "sofort kaufte".
Die Firma ist meines Wissens heute pleite, was relativ vielen Vertriebspartnern ergangen ist.
Da die chinesen weltmeister im schamlosen imitieren, also klauen sind, ist dieser Roller eine 1:1 Kopie des Kymco Top Boy, der weiterhin unter dem namen MKS Ecobike, JinLung Panther und leicht modifiziert unter weiteren Bezeichnungen auf den deutschen Markt geworfen wurde.
Was sofort auffällig ist: der Preis, der zTeil nur ein Drittel von den Rollern der namhaften Hersteller beträgt.
Um es gleich vorweg zu nehmen...dieser Preis macht sich bemerkbar, da ja irgendwo gespart werden musste.
Die Optik des Rollers ist als "vorne hui, hinten pfui" zu bezeichnen, was jedoch Geschmackssache ist. Das Modell wirkt größer als viele anderen der Konkurenz...

Nachfolgend möchte ich den "Leidensweg" bisher aufzeigen, der ggf. vor dem Kauf eines solchen Rollers beachtet werden sollte.

1. Was auch immer an diesem Roller rosten kann... wird auch rosten!
2. Nach einem halben Jahr fiel die Elektrik der linken Lenkerseite aus. Seit dem funktionier nur noch der rechte hintere Blinker. Die Hupe tut es ebenfalls nicht mehr.
3. Die Kurvenlage wird durch den Haupt- und Seitenständer stark begrenzt, die im Laufe der Zeit gleichmäßig auf dem Asphalt abgeschmirgelt werden. Macht aber nichts, da hier Punkt 1 in Kraft tritt und sich der Hauptständer nach ca. einem Jahr in Rost auflöste.
4. Die Dichtungen vom Helmfach und Batteriefach lösen sich recht schnell und wurden bei mir durch Silikon stabilisiert.
5. Nach 3000 km war der erste Hinterreifen fällig, der durch das abgenutzte Federbein stark einseitig abgefahren war.
6. Alle Plastikanbauteile sind durch Steckverbindungen zusammengehalten, die mit einer Schraube "arretiert" sind.
Es ist fast unmöglich die Verkleidung ab- und anzubauen, ohne einige Stecker abzubrechen.
7. Die Tachowellen kauft man am besten im Dreierpack, da sie sehr schnell durchgebrochen sind.
8. Das Zündkabel ist aufgrund des ungeschickten Verlaufs unter dem Helmfach bereits zweimal ausgetauscht worden.
9. Nachdem der Roller geknackt wurde und das Zündschloß mitsamt der Plastikverkleidung herausgebrochen wurde, funktioniert der E-Starter nicht mehr, der es eh aufgrund einer zu schwachen Batterie fast nie tat.
10. Der "Kat" oder auch die Abgasrückverbrennung wurde durch Rost undicht. Kurze Zeit nach der Demontage entstand ein Loch im Krümmerbereich (ca. 6500 km)...siehe Punkt 1 - Austausch des Auspuffs
11. Der Zug der hinteren Trommelbremse rostete fest, so daß diese eine Zeit lang unbrauchbar war. Die Scheibenbremse blockiert aus unbekannten Gründen das Vorderrad beim Rückwärtsschieben.
12. Der Kickstarter drehte auf der Welle durch Abschleifung der Zähne durch, wodurch der Hebel, die dahinterliegende Welle und Schnecke ausgetausch werden mußte.
13. Die Scheinwerferbirne mußte erneuert werden, fernlicht funktioniert nicht mehr und die Zündkerze ging auch schon kaputt (was jedoch normaler Verschleiß ist).

Man sieht recht deutlich, dass es nach nunmehr 3 Jahren und knapp 7k Kilometern nie langweilig mit dem China-Kracher wurde.

Allerdings gibt es auch posiives zu berichten:
1. Der Motor, angeblich ein Yamaha-Lizenznachbau, war bisher immer zuverlässig.
2. Der Roller ist recht sparsam, allerdings fast der Tank entgegen der angegebenen 5,5 Litern gerade mal 3.
3. 60 -65 km/h sind nach der Einfahrzeit im Originalzustand durchaus drin.
4. Der Fußbereich ist vergleichsweise riesig und kann für alle möglichen Transportzwecke genutzt werden.
5. Die Unterhaltskosten sind sehr gering.
6. Die Ersatzteilversorgung ist via ebay etc. absolut problemlos.
7. Der Preis...

Fazit:
Man sollte sich bei den Chinarollern generell bewußt machen, dass der niedrige Preis im Endeffekt mit der teilweise unzureichenden Verarbeitung und den teilweise minderwertigen verbauten Materialien erreicht wird. Das gilt in erster Linie für die Anbauteile und nicht den Motor. Ich habe alle kaputten Teile durch höherwertige ausgetauscht(sofern nötig).
Des weiteren haben wir hier einen 4Takt-Roller, der sicherlich kein Sprintwunder ist. Das bringt auch einige Motorteile mit sich, die im Vergleich zum Zweitakter zusätzlich kaputt gehen können. Die Stärke ist sicherlich die Endgeschwindigkeit, wohingegen die Beschleunigung am Berg vollends einbricht. Andere Variogewichte würden hierbei wahrscheinlich Abhilfe schaffen.
Wer selber Spaß und Kenntnis vom Rumschrauben hat und mit den oben angeführten Zipperlein leben kann, sollte sich ruhig auf das Abenteuer "Peking-Ente" einlassen. Andere sollten eine Werkstatt in der Nähe haben oder sich einen qualitativ besseren Roller kaufen. Ich selber werde meinen bis zum Zusammenbruch weiterfahren, immer in der gespannten Erwartung, was als nächstes passiert... Der Original-Antriebsriemen wäre nach 7k eigentlich überfällig;-) 
Nicht zu vergessen: Baujahr 2005! Wahrcheinlich wird die Qualität der heutigen Modelle besser sein, so dass sich der Kaufpreis wohl recht schnell amortisiert hat. (Ich warte ja noch auf den Aldi-Roller für 499 Euro!:-) 
























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