Für die einen Schrott, für die anderen eine Goldgrube: Videorecorder für Bastler

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Für die einen Schrott, für die anderen eine Goldgrube: Videorecorder für Bastler

Wenn es nach der Meinung der Massen geht, sind Videorecorder längst überholt und taugen höchstens noch für den Elektroschrott. Tatsächlich haben aber noch erstaunlich viele Menschen Videorecorder in Gebrauch – und dies nicht ohne Grund. Oft sind es große Videosammlungen aus VHS-Kassetten, die es den Nutzern schwer machen, auf modernere Geräte wie DVD- oder Blu-ray-Player umzusteigen. Auch wenn zwar grundsätzlich die Möglichkeit besteht, diese auf modernere Medien wie eine DVD oder Blu-ray zu überspielen, funktioniert dies meist nur mit Qualitätsverlusten – ganz zu schweigen von der zeitraubenden Arbeit des Überspielens.

Zudem ist der gute alte Videorecorder auch ein Stückchen Nostalgie. In der heutigen schnelllebigen Zeit, in der moderne Multimediageräte oft schon nach einem oder zwei Jahren überholt sind, stehen Videorecorder wie ein Fels in der Brandung und verrichten selbst nach Jahrzehnten der Nutzung immer noch zuverlässig ihren Dienst. Grund genug für viele Verbraucher, auch heute noch einen neuen Videorecorder zu kaufen oder den defekten Recorder doch noch einmal zu reparieren.

Die grundsätzliche Entscheidung: Normales VHS oder höhere Bildqualität mit S-VHS?

Bei herkömmlichen analogen Videorecordern lassen sich die zwei Technologien VHS (Video Home System) und S-VHS (Super Video Home System) unterscheiden. Der wesentliche Unterschied ist die Qualität der wiedergegebenen Bilder. S-VHS ist eine Weiterentwicklung des älteren VHS-Standards und baut das Bild aus 60 Prozent mehr Zeilen auf. Dadurch können die Fernsehbilder schärfer und detailreicher dargestellt werden. Das gesamte Bild wirkt klarer und eindrucksvoller. Zudem ist es S-VHS zu eigen, dass die farbigen Anteile der Bilder von Schwarzweißanteilen getrennt erfasst und verarbeitet werden.

Wenn Sie gerne Filme auf Ihrem Videorecorder ansehen, sorgt S-VHS zwar für ein deutlich bessere Bilder, macht jedoch keinen riesigen Unterschied zu VHS, sind die Werte doch vom heutigen HD-TV noch weit entfernt. Wesentlich wichtiger ist S-VHS allerdings für das Aufnehmen und Überspielen von Filmen. Bei der Aufnahme oder beim Kopieren von Filmen und Serien treten stets Verluste bei der Bildqualität auf. Im Falle von S-VHS, das das Bild aus mehr Bildzeilen aufbaut als das normale Fernsehbild, können diese Verluste allerdings außerordentlich gering gehalten werden. Daher ist die Qualität einer mit S-VHS aufgenommenen Kassette meist immer noch besser als die einer originalen VHS-Kassette.

Übrigens müssen Sie für einen S-VHS-Recorder nicht zwingend die sehr teuren S-VHS-Kassetten kaufen. Achten Sie bei der Auswahl Ihres Recorders darauf, dass dieser die S-VHS-ET-Technik unterstützt. Das Gerät bietet dann nämlich die Möglichkeit, auch auf herkömmlichen VHS-Kassetten in der hervorragenden Bild- und Tonqualität der S-VHS-Technologie aufzunehmen. Dies erleichtert Ihnen auch die Nutzung Ihrer Kassetten, wenn Sie zusätzlich einen normalen VHS-Recorder nutzen oder die Kassetten gerne mit Freunden tauschen, da VHS-Recorder die S-VHS-Kassetten meist nicht abspielen können. Möglich ist dies nur dann, wenn der Recorder die „S-VHS Quasi-Playback“-Funktion aufweist. Umgekehrt gibt es übrigens keine Probleme beim Abspielen von VHS-Kassetten auf S-VHS-Recordern, da sie aufwärtskompatibel sind.

Der Anschluss des Videorecorders: Unterschiedlich je nach Fernsehanschluss

Der Anschluss eines Videorecorders ist gewöhnlich recht einfach. Das Gerät muss an das Antennenkabel bzw. an den Anschluss des Kabelfernsehens angeschlossen werden. Zum Abspielen ist zusätzlich die Verbindung des Recorders mit dem TV-Gerät über ein Videokabel erforderlich. Dank des integrierten TV-Tuners ist es dann möglich, direkt Programme aufzunehmen und währenddessen andere Sendungen am Fernseher zu verfolgen.

Problematisch wird es allerdings, wenn Sie das Satellitenfernsehen über einen angeschlossenen Receiver nutzen. Die wenigsten Videorecorder weisen einen integrierten Satellitenreceiver auf. Sie haben daher die drei folgenden Alternativen:

  •  Sie investieren vergleichsweise viel Geld in einen Videorecorder mit integriertem Satellitenreceiver.
  • Sie kaufen einen günstigeren Videorecorder und zusätzlich einen externen Satellitenreceiver, den Sie an den Recorder anschließen können.
  • Sie verzichten auf die Möglichkeit, parallel zur Aufnahme eines Films ein anderes Programm ansehen zu können.

Nützlich ist in jedem Fall ein Videorecorder, der die Funktion „External Link“, häufig als EXT-L abgekürzt, besitzt. Dies ermöglicht es dem Gerät, die Steuerung über den Satellitenreceiver zu übernehmen. Dadurch müssen Sie den Receiver nicht zwingend auf dem richtigen Programm stehen lassen, damit die Aufnahme beim richtigen Programm starten kann. Der Videorecorder schaltet dann selbst zum richtigen Kanal, rechtzeitig bevor die aufzunehmende Sendung beginnt.

Nützliche Funktionen für die komfortable Nutzung eines modernen Videorecorders

Während die ersten Videorecorder nach einer aufwändigen Programmierung lediglich in der Lage waren, ein ganz bestimmtes Programm aufzuzeichnen, sind die modernen Geräte wesentlich komfortabler und einfacher zu bedienen. Um den Komfort bei der Installation des Geräts, der Aufnahme und dem Abspielen von Sendungen zu erhöhen, gibt es eine riesige Vielfalt an zusätzlichen Funktionen.

Das Einprogrammieren von Sendungen: Durch moderne Technik stark vereinfacht

Heute müssen Sie nicht mehr einer unüberschaubaren Anzahl von Schritten aus dem Handbuch folgen, um eine Sendung in Ihren Videorecorder einzuprogrammieren. Je nach Modell können Sie die Programmierung über die ShowView-Technik schnell vornehmen oder sich über den Fernsehbildschirm durch die Menüs führen lassen.

Sendungen schnell und einfach einprogrammieren: Kein Problem mit der ShowView-Technik

Bereits seit 1991 gibt es die ShowView-Technik, die das Einprogrammieren von Sendungen im Videorecorder revolutioniert hat. Dabei wird jeder Sendung im Fernsehen eine Code-Zahl mit bis zu neun Stellen zugewiesen. Dieser Code enthält in einer speziellen verschlüsselten Form die wichtigsten Daten für die Aufnahme:

  • Datum der Sendung
  • Beginn der Sendung
  • Dauer der Sendung
  • Der Sender, auf dem das Programm läuft

In Ihren Videorecorder, der ShowView unterstützt, müssen Sie nun nur noch diese Code-Zahl eingeben und schon wird die gewünschte Sendung automatisch eingespeichert.

Manuelle Programmierung der Aufnahme von Sendungen – auch ohne Handbuch machbar

Statt sich wie früher über das viel zu kleine Display an die Programmierung heranzuwagen, können Sie sich heute das Aufnahmemenü praktischerweise auf dem TV-Bildschirm anzeigen lassen. Hier können Sie in einer entsprechenden Maske den Sender sowie den Zeitpunkt und die Dauer der Sendung einstellen und so innerhalb weniger Minuten eine Sendung einprogrammieren.

Tipp: Wenn Sie eine wiederkehrende Sendung regelmäßig aufzeichnen möchten, beispielsweise einmal jede Woche oder sogar täglich, dann sollten Sie auf die entsprechende Funktion achten, die bei einigen Videorecorder-Modellen integriert ist. Dies erspart Ihnen nämlich das wiederholte tägliche oder wöchentliche Einprogrammieren der Serie.

Wenn der Platz wieder einmal nicht reicht: Videorecorder mit Longplay-Funktion

Üblicherweise hat eine normale VHS-Kassette Platz für etwa vier Stunden Aufnahmezeit. Früher entsprach dies etwa zwei Spielfilmen. Da heute jedoch nicht nur viele Filme Überlänge haben, sondern schon alleine die Werbeunterbrechungen in die Länge gezogen werden, wird der Platz auf dem Band meist eng. Dies ist besonders dann ärgerlich, wenn dann ausgerechnet der Schluss des spannenden Action-Streifens fehlt.

Für diesen Fall kann es sich lohnen, einen Videorecorder mit Longplay-Funktion zu nutzen. Diese Funktion ermöglicht es, die Bandlänge zu strecken. Dies bedeutet, dass das Band langsamer abgespult wird und die Daten dementsprechend enger aufgenommen werden. Dies führt zwar im Endeffekt zu einer etwas geringeren Bildqualität, was aber leicht zu verschmerzen ist, wenn dadurch der Schluss noch mit auf die Kassette passt. Im extremsten Fall lässt sich damit die Laufzeit einer normalen VHS-Kassette um bis zu das Doppelte strecken.

Damit nicht der ganze Film in der schlechteren Qualität aufgenommen wird, gibt es auch die Funktion „Auto Longplay“. Dabei berechnet der Videorecorder automatisch, wie lange die Restspielzeit der aufzunehmenden Sendung ist und wie viel Restband verfügbar ist. Sollte es eng werden, schaltet das Gerät automatisch auf Auto Longplay um. Reicht das Band aus, wird die Longplay-Funktion nicht genutzt.

Sofern Sie auf die Longplay-Funktionalität verzichten möchten, sollten Sie wenigstens auf ein Gerät mit Restbandanzeige zurückgreifen, um selbst prüfen zu können, ob der Film noch Platz hat oder nicht.

Weitere nützliche Funktionen moderner Videorecorder

Um Ihnen das Verständnis zu erleichtern, wenn Sie die Funktionslisten verschiedener Videorecorder lesen, erhalten Sie hier jeweils eine kurze Erklärung zu unterschiedlichen Funktionen rund um den Videorecorder:

  • VPS: Fernsehsender strahlen ein VPS-Signal aus, das Videorecorder mit entsprechender Funktion empfangen können. Es zeigt an, wann eine Sendung tatsächlich beginnt, sodass auch bei der Verschiebung des Sendebeginns die komplette Sendung aufgezeichnet werden kann.
  • Automatisches Zurückspulen: Wenn das Ende der VHS-Kassette erreicht ist, wird sie vom Videorecorder automatisch zurückgespult, ohne dass Sie dazu eine Fernbedienung benutzen oder einen Knopf drücken müssen.
  • Erkennung von Zwei-Kanal-Ton: Wenn ein Film in Zwei-Kanal-Ton ausgestrahlt wird, also beispielsweise auch die Originalsprache empfangbar ist, werden beide Kanäle getrennt aufgezeichnet. Später können Sie beim Abspielen des Videos wählen, welche Sprache Sie hören möchten.
  • Aufzeichnen von Untertiteln: Auch hier werden die Untertitel aufgezeichnet und können später nach Wunsch ein- und ausgeschaltet werden.
  • Automatische Installation: Der Videorecorder erkennt automatisch alle angebotenen TV-Sender und sortiert diese in einer bestimmten Reihenfolge.
  • Link-Funktion: Der Videorecorder gleicht mit dem Fernsehgerät seine Senderliste ab und verändert sie entsprechend, sodass bei beiden Geräten dieselben Sendernummern zugewiesen werden.
  • Automatische Reinigung: Um den Verschleiß der Video- und Tonköpfe zu reduzieren, können manche Geräte diese Teile selbst reinigen. Dadurch bleibt die Videoqualität lange Zeit ungetrübt und konstant.
  • Zeitlupe: Bilder können in Zeitlupe wiedergegeben werden. Dadurch wird eine Szene langsam abgespult und Sie können bildgenau eine ganz bestimmte Stelle aufsuchen.
  • Standbildfunktion: Sie können das Video an einer beliebigen Stelle anhalten und es als Standbild ansehen.
  • Spulgeschwindigkeiten: Sie können in unterschiedlichen Geschwindigkeiten vor- und zurückspulen. Dadurch decken Sie einerseits das schnelle Spulen des gesamten Bildes, aber auch die langsame Suche nach einer bestimmten Stelle ab.
  • Umgang mit dem NTSC-Format: Wenn Sie immer wieder einmal Videos aus den USA ansehen, sollte Ihr Videorecorder das NTSC-Format unterstützen. Dieses ist mit dem europäischen PAL-Standard nicht kompatibel.

Insbesondere für größere VHS-Sammlungen ist ein Archivsystem unerlässlich. Bei dieser Funktion legt der Videorecorder ein elektronisches Verzeichnis an, in dem Informationen zur aufgenommenen Sendung anhand einer Index-Nummer festgehalten werden. Notieren Sie die Index-Nummer auf den Kassetten, können Sie später über den Speicher ganz einfach herausfinden, auf welcher Kassette sich welche Sendungen befinden. Solche Archivsysteme gibt es bei günstigeren Recordern für etwa 20 bis 30 Kassetten. Hochwertigere Modelle unterstützen jedoch teilweise sogar mehrere Hundert Kassetten.

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