Für die Wiesn und andere Feste: die passenden Herren-Trachtenschuhe

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Für die Wiesn und andere Heimatfeste: Ratgeber für den Kauf von Herren-Trachtenschuhen

Einmal im Jahr heißt es „Ozapft is!" und halb Deutschland sammelt sich auf dem Oktoberfest, um das größte Volksfest der Welt zu feiern. Doch nicht nur zu diesem Anlass werden Trachten getragen. In Bayern werden die traditionellen Kleidungsstücke auch zum Ausgehen und auf vielen Heimatfesten angezogen. Damen tragen Dirndl und Herren werfen sich in ihre Lederhosen. Doch was sollte man „untenrum" anziehen bzw. wie sieht das perfekte Schuhwerk zur Oktoberfest Trachtenmode aus? Dieser Ratgeber liefert Antworten.

Tradition hat einen Namen: Haferlschuh

Der Haferlschuh ist ein besonderes Schuhmodell, das ursprünglich aus dem Allgäu stammt und noch immer in vielen kleinen Familienbetrieben nach alter Handwerkskunst hergestellt wird. Der Haferlschuh gehört zu vielen alpenländischen Trachten dazu, kann aber auch als normaler Alltagsschuh getragen werden. Früher waren Haferlschuhe das Arbeitsschuhwerk der Bevölkerung in der Alpenregion. Mit der Zeit wurden sie dann zu Trachten getragen. Die Schuhe gibt es in verschiedenen Ausführungen, haben aber gemeinsame Merkmale, die typisch für einen Haferlschuh sind. In Österreich werden Haferlschuhe Schützenschuhe genannt, in Bayern findet man sie auch unter dem Begriff Bundschuh. „Haferl" steht bei den Schuhen für das englisch Wort „half", da es sich bei den Modellen um Halbschuhe handelt. Sie fragen sich, warum ein Alpenschuh eine englische Bezeichnung hat? Ganz einfach: Viele reiche Engländer reisten Ende des 19. Jahrhunderts in die Alpen und entdeckten dort den Arbeiterschuh. Sie nannten ihn „half shoe", was verdeutscht dann zu „Haferlschuh" wurde.

Der Vater der Haferlschuhe: Franz Schratt

Der Haferlschuh wurde 1803 in einer Werkstatt in Oberstorf geboren. Sein Vater ist der Schuhmacher Franz Schratt, der den Schuh für Bergbauern und Jäger entwickelte. Seine Robustheit machte das Schuhwerk schnell beliebt und es wurde zu einem modischen Klassiker. Ende des 19. Jahrhunderts fertigten bereits mehr als 800 Schuhmacher den Haferlschuh an.

Zwiegenähte Schuhe

Die oberbayerische Variante des Haferlschuhs hat eine seitliche Schnürung, die dem Aussehen der Schuhe etwas Besonderes verleiht. Nur selten gibt es Straßenschuhe in dieser Form, daher sind Haferlschuhe mit seitlicher Schnürung elegant und fallen auf. Die Allgäuer Version weist eine normale Ristschnürung aus. Fast alle modernen Haferlschuhe weisen eine zwiegenähte Verarbeitung auf, die normalerweise typisch für Bergschuhe ist. Damit ein Schuh fertiggestellt werden kann, müssen seine zwei wichtigsten Bestandteile, die Sohle und der Schaft, miteinander verbunden werden.

Bei der zwiegenähten Machart wird der Außenschaft nach außen auf die Laufsohle umgeschlagen. Dort wird er mit einer Doppelnaht mit der Sohle verbunden. Die Einstechnaht befindet sich also außen sichtbar auf dem Rahmen, direkt daneben liegt die Doppelnaht. Da Schaft und Boden also durch zwei Nähte miteinander verbunden sind, wird die Machart als zwiegenäht bezeichnet. Die Technik wurde vom Deutsch-Amerikaner Eppler entwickelt, in dem er das typische Rahmennähen abänderte. Die Zwienaht ist eine der aufwendigsten Nähmethoden, aber besonders robust, denn doppelt genäht hält schließlich besser und länger. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Zwienaht aus den Alpenländern kommt, wo an Schuhe besondere Anforderungen gestellt werden. Bergbauern und Waldarbeiter benötigten und benötigen noch immer robuste und langlebige Schuhe, mit denen sie auch in unwegsamem Gelände unterwegs sein können. Viele hochwertige Schuhe werden daher auf diese Weise vernäht.

„Original Zwiegenähte"

Wenn Sie Schuhe mit dem Prädikat „Original Zwiegenähte" Ihr Eigen nennen, besitzen Sie besonders robuste Exemplare. Nur Schuhe, bei denen an dem Riss der Brandsohle das Schuhfutter, das Oberleder und der Rahmen angenäht sind, dürfen diese Bezeichnung tragen. Das Oberleder und der Rahmen müssen dabei nach außen gearbeitet und mit einer Doppelnaht mit der Laufsohle verbunden werden.

Merkmale von Haferlschuhen

An der zwiegenähten Machart erkennt man einen Haferlschuh sofort. Doch gibt es weitere typische Merkmale der Trachtenschuhe. Ihr Schaft ist so tief ausgeschnitten, dass er unter dem Knöchel liegt. Seine Schuhspitze hat eine nach unten hin rechtwinklige Schaftkante. Außerdem neigt sich die Schuhspitze gen Himmel und ähnelt einem Schiffsbug. Daher wird dieser Teil des Schuhs auch „Schiffchen" genannt. Die Spitzensprengung der Modelle ist stark ausgeprägt. – Unter Sprengung versteht man die Ausformung der Sohle, die ein Abrollen des Fußes beim Gehen erlaubt. Die Spitzensprengung bezeichnet dabei den Abstand der Schuhspitze vom Erdboden, wenn sich der Schuh auf einer ebenen Fläche befindet. Weitere Merkmale sind der hochgezogene Fersenteil und das fehlende Schaftfutter.

Der Allzeit-Trachtenschuh

Haferlschuhe sind die bekanntesten und beliebtesten Trachtenschuhe und haben ein zeitloses Design. Für handgefertigte Modelle, die auf Ihre Maße zugeschnitten werden, müssen Sie tief in die Tasche greifen. Aber die Investition lohnt sich, denn die Produkte sind sehr langlebig und halten bei guter Pflege etliche Jahre. Wenn Sie Haferlschuhe zu Ihrer Tracht tragen, sind Sie bereits gut angezogen. Seitliche Schnürungen sind dabei noch dekorativer als Ristschnürungen. Fast immer werden die Modelle aus Wildleder oder Glattleder gefertigt. Die Zwienaht sollte nach alter Tradition farblich abgesetzt und erkennbar sein. Einige Haferlschuhe verfügen über Stickereien auf ihrer Oberfläche. Durch die filigranen Arbeiten wird deutlich, dass die Modelle feine Trachtenschuhe sind, anstatt für ihren ursprünglichen Zweck als Arbeiterschuhe eingesetzt zu werden.

Ledersohle oder Gummisohle

Die Schuhsohlen sind bei Herrenschuhen ein wichtiger Bestandteil, bei besonders hochwertigen Modellen gibt es zum Teil sogar mehrere Sohlen.

Haferlschuhe gibt es mit Leder- oder Profilsohle. Grubengegerbte Ledersohlen sorgen für ein gutes Fußklima, da die Feuchtigkeit durch die Lederporen nach außen dringen kann. Viele Herren setzen auf derartige Sohlen, da sie ein Qualitätsmerkmal sind und eine hochwertigere Optik garantieren. Auch der Laufkomfort ist bei den Ledermodellen sehr hoch. Nach zwei bis drei Wochen Einlaufzeit sind sie verhältnismäßig rutschfest – allerdings sind sie nicht dauerhaft für Regenwetter geeignet und kommen an die Rutschfestigkeit von Gummisohlen nicht heran. Bei schlechtem Wetter kann es schnell passieren, dass durch die Sohle Wasser nach innen eindringt und Ihre Füße kalt und nass werden. Ledersohlen sind daher eher für trockene Tage geeignet.

Gummisohlen dominieren mittlerweile bei Herrenschuhen, da sie weniger pflegeintensiv sind und auch bei klassischen Schuhen die Optik nicht negativ beeinflussen. Auch sie können von hoher Qualität sein. Gummisohlen sind widerstandsfähiger bei starker und andauernder Nässe und sie sind in besonders rutschfesten Varianten erhältlich. Allerdings verringern diese Modelle die Atmungsaktivität und die Sohlen trocknen schlechter, was zulasten der Rahmennaht gehen kann. Ist diese häufig feucht, kann sie anfangen zu modern oder auch reißen. Im Winter sind Gummisohlen definitiv die beste Wahl, denn sie bieten auch auf rutschigem Untergrund wie Eis und Schnee einen besseren Halt. Auch sind die Isolation und der Schutz vor Bodenkälte effektiver.

Wenn Sie Haferlschuhe mit Ledersohle besitzen, können Sie diese mit einer dünnen Gummisohle nachrüsten lassen. Diese wird dann auf die Ledersohle geklebt oder angenäht. Der Aufwand lohnt sich aber nur für Modelle, die hochwertig und robust sind und ein langes Schuhleben vor sich haben.

Berg- oder Wanderschuhe zur Lederhose

Haferlschuhe sind nicht die einzigen Modelle, die Sie zu Ihrer Herrentracht tragen können. Auch Berg- oder Wanderschuhe passen zur Lederhose und das Outfit sieht stimmig aus. Die Modelle sind höher geschnitten als Haferlschuhe und präsentieren sich äußerst robust. Berg- oder Wanderschuhe sind recht klobig. Um ihre Optik aufzulockern, werden die Trachtenschuhe häufig mit Ledergurten bestickt oder mit Schnallen versehen. Diese sind schwarz oder passend zum Schuh in Lederfarben und laufen über die Schnürleiste.
Häufig wird für die Schuhe Nubukleder verwendet, das Sie an seiner samtartigen Oberflächenstruktur erkennen können. Es wirkt besonders elegant und wertvoll und ist von hoher Qualität. Die Häute stammen meistens von Kälbern oder Rindern und werden an der Außenseite der Haut geschliffen. Schuhe aus Nubukleder schmiegen sich an Ihren Fuß an und sind daher nach dem Einlaufen sehr bequem. Allerdings ist das Material eher für gutes Wetter geeignet, denn es ist sehr saugfähig und Wasser kann schnell durch die Schuhe dringen.

Einen Nachteil von Berg- oder Wanderschuhen stellt ihr hohes Gewicht dar. Wenn Sie den ganzen Tag über die Wiesn laufen, bekommen Sie schnell warme Füße. Haferlschuhe sind eine leichtere Alternative zu den schweren Schuhen.

Modische Trachten-Sneaker

Für junge Menschen gibt es modische Alternativen zum traditionellen Trachtenschuh. Viele Sneaker werden auf den Wiesn-Look getrimmt und sind praktische Oktoberfest-Schuhe. Das heißt, ihr Innenfutter ist weiß-blau kariert, der Stoff ist außen in Hellbraun oder Dunkelbraun gestaltet. Auf dem Stoff können sich verschiedene Aufnäher befinden. Dies sind zum Beispiel kleine Brezeln, Bierkrüge oder die bayerische Flagge. Damit man das Innenfutter sieht, können Sie den Schaft umkrempeln, was vor allem zu Lederhosen gut aussieht. Wenn Sie auf der Wiesn keine traditionelle Tracht anziehen, können Sie die sportlichen Trachten-Sneaker auch zu Jeans tragen.

Es kommt nicht nur auf die Schuhe an

Bei der Suche nach perfekten Trachtenschuhen, dürfen Sie die passenden Socken nicht vergessen. Haferlsocken sind die klassische Fußmode zur Lederhose. Naturfarbene Trachtensocken lassen sich mit verschiedensten Modellen kombinieren und passen sehr gut zu Lederschuhen. Richtige Trachtensocken bedecken nicht nur den Fuß, sondern auch Ihre Wade. Auf dem Oktoberfest und auf Heimatveranstaltungen sind Tennissocken und kurze Modelle verpönt. Einzige Alternative zu traditionellen Kniebundstrümpfen sind Trachtensocken in Kombination mit Wadenwärmern. Dabei schauen die Socken nur ein Stück aus dem Schuh heraus und die Wadenwärmer werden knapp unterhalb des Knies angebracht. Fast immer werden die Produkte im Set verkauft, damit sie zueinander passen. Die Wadenwärmer werden auch als Stutzen oder Loferl bezeichnet und sind Kleidungsstücke der Volkstracht. Traditionell werden Sie nur zu kurzen Lederhosen angezogen.

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