Für Sammler mit Geschichtsbewusstsein: Münzen aus Böhmen & Mähren

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Für Sammler mit Geschichtsbewusstsein: Münzen aus Böhmen & Mähren

Die Geschichte des Protektorats Böhmen und Mähren

Die Tschechoslowakische Republik war im Jahre 1918 aus Teilen Preußens, Österreich-Schlesiens und den Gebieten Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien entstanden. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, aus dem das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn als Verlierer hervorgingen, kam es zur Unabhängigkeit und Zusammenfassung all dieser Gebiete in der Tschechoslowakischen Republik. In den nördlichen und westlichen Gebieten, die vorher zu Preußen gehörten, kam es in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zu Unmut innerhalb Teilen der Bevölkerung, die sich als Deutsche sahen und eine tschechische Verwaltung grundsätzlich ablehnten. Ab 1933 unterstützte Adolf Hitler diese nationalistischen Bestrebungen und plädierte offen für eine Annektierung dieser Teilgebiete.

Bereits am 1.Oktober 1938 besetzte das Dritte Reich Teile der Tschechoslowakei. Diese Gebiete, die sich entlang der Grenze zu Deutschland zogen, wurden als Sudetendeutschland bezeichnet und aufgrund des deutschsprachigen Bevölkerungsanteils annektiert. Die Zone wurde dem Deutschen Reich direkt angegliedert und wurde nicht Teil des späteren Protektorats Böhmen und Mähren. Dieses entstand am 15./16. März des Jahres 1939, in einer von Hitler geplanten und vom tschechischen Staatspräsidenten Emil Hacha unterschriebenen Schutzerklärung. Kurz zuvor hatte die Slowakei, ebenfalls unter Druck von Hitler, ihre Unabhängigkeit erklärt. Deutsche Truppen besetzten im Laufe des 15. März den Rest der Tschechoslowakei und Prag sollte die Hauptstadt des selbstverwaltenden Protektorats werden. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 blieb das Protektorat Böhmen und Mähren bestehen und besaß in dieser Zeit neben einer eigenen Postdirektion auch eine eigene Währung.

Die gültigen Währungen zwischen 1939 und 1945

Im Protektorat Böhmen und Mähren besaßen gleich drei unterschiedliche Währungen Gültigkeit. Vor dem Einmarsch und der Machtübernahme durch die Deutschen im Jahre 1939 war in der Tschechoslowakei die tschechische Krone offizielles Zahlungsmittel. Diese wurde von der neuen Verwaltung zunächst ohne Änderungen übernommen. Die Prägung von Münzen der tschechischen Krone wurde jedoch 1939 eingestellt, ebenso wie die Herausgabe neuer Geldscheine. Mit der Gründung des Protektorats wurde die deutsche Reichsmark als zweite Währung eingeführt und musste in allen Bereichen akzeptiert werden. Damit folgte man der Handhabungen in den anderen Nebengebieten, zu denen nun auch Böhmen und Mähren zählten.

Zwischen 1939 und 1940 wurden teilweise auch Geldscheine der tschechischen Krone mit provisorischen Aufdrucken versehen, um sie als Währung des Protektorats zu kennzeichnen. Ab 1940 folgten dann die ersten Prägungen von Münzen der neuen Währung, der Krone des Protektorats Böhmen und Mähren. Auch Geldscheine wurden im gleichen Jahr gedruckt. Die tschechische Krone blieb jedoch bis 1944 gültiges und offizielles Zahlungsmittel, sodass das Protektorat über einen Großteil seines Bestehens drei offizielle Geldwährungen besaß. Eine Krone Böhmens und Mährens bestand aus 100 Hellern.

Das Ende des Protektorats Böhmen und Mähren

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs endete auch das Protektorat Böhmen und Mähren. Die Tschechoslowakei wurde von den Alliierten größtenteils in den Grenzen von 1938 wiederhergestellt. Dies hatte auch auf das Währungssystem große Auswirkungen, denn sowohl die Reichsmark als auch die Krone Böhmens und Mährens verlor ihre Gültigkeit. Besonders die Münzen des Protektorats sind bei Sammlern begehrt, da ihre Auflage relativ niedrig war. Ab 1945 war die tschechische Krone nun wieder offizielles Zahlungsmittel im ganzen Land und mit dem Ablauf des 31.Oktobers 1945 war die böhmische Krone für ungültig erklärt worden.

Die Münzen der böhmischen Krone

1940 wurden die ersten Münzen der neuen Währung geprägt. Als Münzprägestätte wurde eine Möbelfabrik im tschechischen Lysá nad Labem umgebaut, in der fortan bis 1944 alle Münzen der böhmischen Krone geprägt werden sollten. Es wurden Nominale mit 10-, 20- und 50 Hellern gefertigt. Alle Münzen wurden sowohl mit deutschen als auch mit tschechischen Aufdrucken versehen. Dieser Aufdruck findet sich auf dem Avers der Münzen, wo „Böhmen und Mähren“ sowie „Cechy a Morava“ eingeprägt ist. Der Heller hieß in der Landessprache Haler. Die Vorderseite sah bei allen Heller-Münzen gleich aus. Sie sehen auf ihr den böhmischen Löwen, der bereits im 13. Jahrhundert in verschiedenen Landesteilen als Wappentier verwendet wurde. Auch das Prägejahr findet sich auf dieser Seite der Münzen, und zwar direkt unterhalb des Löwen.

Die 50-Heller-Münze

Die 50-Heller-Münze stellte bis 1941 die größte der Prägungen dar und sie wurde wie alle Münzen der böhmischen Krone aus technischem Zink gefertigt. Ihr Durchmesser betrug 22 Millimeter und das Gewicht lag bei 3,7 Gramm. Zwischen 1940 und 1944 wurden insgesamt 53.270.000 Prägungen angefertigt, was die 50-Heller-Münze zur seltensten der vier Nominale macht. Auf der Rückseite sind zwei Ähren und Zweige zu sehen, die mit einem Band in der Mitte zusammengehalten werden. Die Darstellung entspricht damit exakt jeder der tschechischen 50-Heller-Münze, was auch bei den anderen Heller-Prägungen so fortgeführt wurde. Münzen der böhmischen und tschechischen Krone können Sie also nur anhand der Vorderseiten und des Materials unterscheiden, denn die Heller der tschechischen Krone wurden zu jeder Zeit aus einer Kupfer-Nickel-Legierung gefertigt.

Die 10-Heller-Münze

Die Kleinste der Münzen war die 10-Heller-Münze. Als Motiv auf dieser Münze sehen Sie die berühmte Karlsbrücke aus Prag, die sich auch auf den tschechischen 10-Haleru-Münzen findet. Die Unterscheidung gelingt jedoch sehr einfach, da die tschechischen Münzen aus Bronze geprägt sind und somit eine bräunliche Farbe besitzen, während die Münzen der böhmischen Krone aufgrund des verwendeten Zinks silbern glänzen. Unter der Verwaltung des Protektorats Böhmen und Mähren wurden bis 1944 insgesamt 82.114.000 Münzen dieses Nominals gefertigt. Eine Münze wog 1,88 Gramm und hatte einen Durchmesser von 17 Millimetern.

Die 20-Heller-Münze

Die Serie der Prägungen wird von der 20-Heller-Münze komplettiert. Diese Münzen sind mit einer Gesamtauflage von 106.526.000 Stück die Meistgeprägten aus der Serie der böhmischen Heller. Auf der Rückseite befindet sich hier ebenfalls dasselbe Motiv wie auf den tschechischen 20-Heller-Stücken, fünf Ähren, die von einem Band gehalten werden, und eine Sichel. Die Münze misst 20 Millimeter im Durchmesser und wiegt dabei 2,63 Gramm. Auch von ihr existieren Prägungen aus den Jahren 1940 bis 1944.

Die 1-Kronen-Münzen

Münzen mit dem Wert von einer Krone wurden ab 1941 gefertigt. Diese unterscheiden sich von den restlichen Münzen dadurch, dass Sie die Prägung der Jahreszahl nicht auf der Vorder-, sondern auf der Rückseite finden. Auch hier wurde als Material Zink gewählt und das Gewicht der Münze liegt bei 4,5 Gramm. Dabei misst sie 23 Millimeter im Durchmesser. Als Motiv auf der Rückseite sind zwei Zweige zu sehen, welche die Wertprägung umranden. Dies ist die einzige Münze des Protektorats Böhmen und Mähren, die sich deutlich von den Motiven auf den tschechischen Kronen unterscheidet. Auf jener 1-Kronen-Münze ist nämlich eine Arbeiterin abgebildet, die mit einer Sichel die Ernte einbringt. Die Vorderseite ist im gleichen Stil gehalten wie bei den Heller-Münzen. Zwischen 1941 und 1944 sind 102.817.000 Exemplare der 1-Kronen-Münzen geprägt worden, sodass Sie heutzutage noch viele dieser Münzen finden.

Die Münzen der tschechischen Krone

Während in der 1939 gegründeten Republik Slowakei eine neue und eigene Währung eingeführt wurde, blieb die tschechische Krone in Böhmen und Mähren als Zweitwährung in Benutzung. Seit 1919 existierte die tschechische Krone, sie löste damals die nach dem Ersten Weltkrieg inflationäre österreichische Krone ab. Von der tschechischen Krone waren 1939 viele Münzen im Umlauf, von 2-Heller-Stücken bis hin zu 20-Kronen-Münzen. Die vier Münzen, die von der Verwaltung des Protektorats Böhmen und Mähren herausgegeben wurden, besitzen dabei die gleichen Motive wie die entsprechenden Münzen der tschechischen Krone. Unterschiede finden sich in der Beschriftung auf den Münzen sowie im Material. Die deutsche Aufschrift fehlt auf diesen Prägungen komplett, dafür finden Sie den Schriftzug „Republika Ceskoslovenska“.Besonders selten sind die 10- und 20-Kronen-Münzen aus Silber, die nur zum Anfang der 30er Jahre geprägt wurden. Diese bestehen zu 70 Prozent aus Silber und zu 30 Prozent aus Kupfer.

Krone und Heller - Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Obgleich alle diese Münzen als Aufschrift auf die nicht mehr existierende Republik Tschechoslowakei hinwiesen, sah die Verwaltung des Protektorats keinen akuten Handlungsbedarf, die Prägungen aus dem Umlauf zu entfernen. Dies geschah erst im Jahre 1944. Den Münzen der böhmischen und mährischen Krone am ähnlichsten kommt dabei die 2-Heller-Münze. Sie wird, ebenso wie die 10-Heller-Prägung, von der Karlsbrücke geziert und ist aus demselben Material gefertigt wie die Münzen der böhmischen Krone, nämlich Zink. Jedoch wurden diese nur in den Jahren 1923 bis 1926 geprägt. Alle Münzen wurden übrigens in Kremnica gefertigt. Mit der Trennung der Tschechoslowakei in die Republik Slowakei und das Protektorat Böhmen und Mähren im Jahre 1939 fiel die Münzprägeanstalt jedoch an das Staatsgebiet der Slowakei, sodass eine neue Fertigungsanlange errichtet werden musste.

Die 5- und 10-Heller-Stücke wurden aus Kupfer gefertigt, sodass durch den Farbunterschied eine Unterscheidung von den Münzen aus Böhmen und Mähren einfach möglich ist. Bei der 20-Heller-Münze ist dies schon schwieriger, da sie aus einer Nickellegierung besteht und somit ebenfalls silbern schimmert. Auch das Motiv gleicht dem auf den böhmischen Kronen. Alleine die Beschriftung und die Jahreszahl der Prägung geben Aufschluss, ob es sich um eine tschechische oder böhmische Krone handelt. Im täglichen Handel machte es faktisch keinen Unterschied, ob man mit einer 20-Heller-Münze der tschechischen oder böhmischen Krone bezahlte, denn beide Währungen wurden im Verhältnis eins zu eins getauscht.

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