Für Freunde mechanischer Blechspielzeuge: Originale gefertigt vor 1945

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Für Freunde mechanischer Blechspielzeuge: Originale gefertigt vor 1945

Mechanisches Blechspielzeug vor 1945 - ein Leitfaden für Sammler und Neugierige

Die Begeisterung für originales Blechspielzeug aus der Vorkriegszeit ist ungebrochen. Das zeigt die große Auswahl an Herstellern und Modellen bei eBay. Ob Lehmann, Bing, Märklin oder Karl Bub – die Sammelleidenschaft kennt keine Grenzen. Viele der alten Muster erscheinen sogar in Neuauflagen. Für Sammler zählen natürlich nur die Originale vor 1945. Sie lassen sich anhand der klassischen Firmenzeichen leicht von den Nachahmungen und von Modellen aus der Nachkriegszeit unterscheiden.  

Ein kurzer Überblick über die Anfänge der Blechspielzeug-Herstellung

Die ersten Blechspielzeugstücke wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts hergestellt. Damals fand jedoch noch keine industrielle Produktion wie ab Mitte des 19. Jahrhunderts statt. Die Modelle entstanden in handwerklicher Fertigung, zumeist von Flaschnern. Diese in geringer Stückzahl erzeugten Spielzeuge waren sehr teuer. Dementsprechend konnte sich nur die wohlhabende Stadtbevölkerung diese Spielzeuge leisten. Das änderte sich jedoch 1815 mit einer Erfindung aus Frankreich. Das sogenannte Blechdrücken erlaubte es den Handwerkern, in kurzer Zeit eine hohe Stückzahl herzustellen. In Fürth, Unterfarnbach und Nürnberg entstanden ab 1815 die meisten Fabriken für Blechspielzeug. Während 1851 nur zwei offizielle Hersteller in Nürnberg bekannt sind, existieren rund zehn Jahre später über 200 Meisterbetriebe.  

Blechspielzeug-Originale erkennen

Jeder Hersteller von Blechspielzeug hat seine Produkte mit einem markanten Firmenzeichen versehen. Das Firmenzeichen behielt jedoch nicht über die ganze Produktionszeit hinweg das gleiche Aussehen. Der Hersteller Karl Bub zum Beispiel hat zwischen 1850 und 1945 das Logo drei Mal verändert. Großen Variantenreichtum bewies das Nürnberger Unternehmen Bing. Neben Aufdrucken tragen viele Produkte von Bing ein separates kleines Blechschild mit den Firmeninitialen. Anhand dieser Merkmale können Sie erkennen, ob es sich um ein Original aus der Zeit vor 1945 handelt. Mit etwas Glück erhalten Sie zu den wertvollen Stücken einen Original-Karton. Die meisten Blechspielzeug-Objekte werden jedoch ohne die ursprüngliche Verpackung angeboten.  

Berühmte Hersteller von Blechspielzeug

Die Nürnberger Region ist ein Vorreiter im Bereich Blechspielzeugherstellung. Demnach finden sich hier auch die größten und bekanntesten Hersteller von Blechspielzeug. Die Auswahl an Originalen vor 1945 hält folglich eine riesige Bandbreite dieser Hersteller bereit.  

Bing - größter Blechspielzeughersteller aus Nürnberg

Der Blechspielzeughersteller Bing stammt aus Nürnberg. Die Brüder Ignatz und Adolf Bing gründeten das Unternehmen 1866 und beschränkten sich zunächst auf den Großhandel. 1879 begannen sie schließlich mit der Produktion von Spielzeug und Haushaltswaren. Rund fünf Jahre später waren bereits über 500 Personen bei Bing beschäftigt. Das Unternehmen entwickelte sich schnell zum größten Spielzeughersteller der Welt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Bing um weitere Geschäftsbereiche erweitert, musste jedoch die Spielzeugherstellung aufgrund finanzieller Probleme 1932 einstellen.

Zu den bekanntesten Blechspielzeugstücken von Bing gehören die Eisenbahnen. Der Hersteller produzierte Waggons, Loks, Schienen und Zubehör für die Spurweiten 1, 0 und 00. Vor allem in den großen Spurweiten 0 und 1 gehörte Bing zu den Marktführern. Einer der Renner des Nürnberger Herstellers war die Tischeisenbahn. Sie kam 1922 auf den Markt und besaß eine Spurweite von 16,5 mm. Die Bing-Tischeisenbahn war das Muster für die Express-Modelleisenbahn von Trix. Nachdem die Spielzeugherstellung bei Bing 1932 ein Ende gefunden hatte, wechselte der Inhaber Stephan Bing zu Trix und verfeinerte dort die bisherigen Entwicklungen von Bing.

Die Weltwirtschaftskrise führte dazu, dass Bing einen Großteil seiner Werkzeuge und Maschinen veräußern musste. Viele bekannte Nürnberger Spielwarenhersteller, unter anderem Kraus, Falk und Karl Bub, erwarben diese Stücke und führten fertige Produkte von Bing unter ihrem Namen. Einige Teile der Bing-Eisenbahn wurden zum Beispiel bis 1937 unter der Bezeichnung „Karl Bub Miniatur Eisenbahn“ weiter vertrieben.  

Die Markenschilder von Bing Blechspielzeugen

Im Laufe der Zeit veränderte Bing mehrmals Markenname und Logo. Die Marke wurde entweder aufgedruckt, in Form einer kleinen Metallplatte ergänzt oder in den Spielzeugkörper eingraviert. Möchten Sie ein Original von Bing erwerben, müssen Sie also auf eine dieser speziellen Kennzeichnungen achten. Die unterschiedlichen Markennamen sind unter anderem in Spielzeugkatalogen aufgelistet. Anhand der Ausprägung, Form und Gestaltung der Firmenzeichen ist auch erkennbar, aus welcher Zeit das Blechspielzeug stammt, da bestimmte Zeichen nur in einem bestimmten Zeitabschnitt verwendet wurden. Eines ist den Markenschildern beziehungsweise Markenaufdrucken jedoch gemein: Sie beinhalten die Initialkürzel GBN (Gebrüder Bing Nürnberg), GB (Gebrüder Bing) oder den gesamten Namen BING.  

Lehmann - originelle und humorvolle mechanische Blechspielzeuge

Die Firma Lehmann wurde 1881 gegründet. Es handelte sich um einen Zusammenschluss des aus Berlin stammenden Buchhalters Paul Lehmann und des Nürnbergers Jean Eicher. Die erste Fabrik für Blechspielzeug entstand in Brandenburg an der Havel. Nur wenige Jahre später arbeiteten bereits rund 900 Personen bei Lehmann und die Stücke erlangten weltweite Bekanntheit. Um die Qualität des Spielzeugs zu schützen und die Konkurrenz von Nachahmungen abzuhalten, wurden die Stücke schon früh durch ein internationales Patent geschützt. Die Firma Lehmann vertrieb ihre Waren zumeist selbst und machte sich somit vom Großhandel unabhängig.

Typisch für das Blechspielzeug von Lehmann sind die originellen Mechanismen. Alle Modelle trugen zudem einprägsame, witzige Namen. Außerdem orientierte sich Lehmann an den neuen technischen Errungenschaften und entwickelte Modelle von Motorrädern, Autos, Flugzeugen und Zeppelinen. Viele der Figuren spiegelten aktuelle Ereignisse wider, so zum Beispiel die Figur des „Hauptmann von Köpenick“. Einige Stücke wie der „Tanz-Matrose“ und der „Kletteraffe“ waren so erfolgreich, dass die Serien über Jahrzehnte hinweg produziert wurden, ohne eine Änderung der Gestaltung. In den zwanziger Jahren kamen durch den Einstieg des Erfinders Johannes Richter zahlreiche raffinierte mechanische Neuentwicklungen hinzu. Er führte die Firma als Alleininhaber nach dem Tod Paul Lehmanns im Jahr 1934 fort. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Produktion aufgrund von Materialknappheit deutlich eingeschränkt. Johannes Richter gehörte zu den wenigen Blechspielzeugherstellern, die der politischen Aufforderung widerstanden, militärisches Spielzeug herzustellen. Interessanterweise gelang es Richter, selbst während des Zweiten Weltkriegs Spielzeug statt Rüstungsgüter herzustellen.  

Karl Bub - Blechspielzeug-Eisenbahnen in Hülle und Fülle

Karl Bub gründete seine Blechspielzeugwaren-Fabrik im Jahr 1851 in Nürnberg. Über die Modelle der Anfangszeit ist wenig bekannt. Stücke, die vor 1900 hergestellt wurden, sind kaum noch erhältlich, ebenso verhält es sich mit Musterblättern oder Katalogen. Besser sieht die Situation bei den Spielzeugeisenbahnen und Spielzeugautos aus, die ab 1905 entstanden. Auf diesen Bereich konzentrierte sich Karl Bub in den folgenden Jahrzehnten. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg entstanden in den Fabrikationshallen des Nürnberger Unternehmers elektrische Eisenbahnen. Die Mehrzahl der Produkte war jedoch nach wie vor uhrwerkbetrieben.

Weltweite Bekanntheit erhielten die Produkte von Karl Bub in den zwanziger Jahren. Neben Lehmann und Bing etablierte sich der Nürnberger damit zu einem der größten Hersteller von Blechspielzeug. Beliebt waren und sind bis heute die typischen robusten Automodelle. Nachdem der Hersteller Bing 1932 Konkurs anmelden musste, übernahm Karl Bub einen Teil der Maschinen, Materialien und Modelle von Bing.

Bei eBay sind von Karl Bub vor allem Waggons und Loks erhältlich. Kein Wunder – immerhin gehörte der Nürnberger von 1900 bis 1945 zu den Pionieren der Blecheisenbahn-Herstellung. Sehr selten und entsprechend teuer sind hingegen die Stücke aus dem 19. Jahrhundert. Wenn Sie eine solche Rarität entdecken, die darüber hinaus in gutem Zustand ist, sollten Sie nicht mit dem Kauf zögern.  

Blechspielzeug reparieren und restaurieren

Wie bei allen antiken Spielzeugstücken kann es auch beim Blechspielzeug zu Beschädigungen kommen. Intakte, funktionstüchtige Produkte mit geringen Gebrauchsspuren sind dementsprechend im hochpreisigen Sortiment anzusiedeln. Für Bastler lohnt es sich dennoch, Blechspielzeug zu ersteigern, bei dem einige Teile fehlen oder bei dem das mechanische Werk nicht mehr funktioniert. Bei eBay finden Sie eine große Auswahl an Zubehör und Ersatzteilen, mit denen Sie die Stücke wieder herrichten können.  

Zubehör und Ersatzteile für Blechspielzeug

Wer geschickt ist, kann die Mechanik des Spielzeugs selbst reparieren. Dafür stehen unter anderem Uhrwerke, Uhrwerksfedern und Fahrwerke zur Verfügung. Bei den alten Stücken sollten Sie jedoch beim Auseinanderbauen äußerst vorsichtig vorgehen. Die kleinen Blechnasen und mechanischen Kleinteile brechen leicht. Eine ruhige Hand und der Einsatz einer Pinzette sind hier Grundvoraussetzung. Falls Sie sich unsicher sind, wie Sie das schöne Stück aus Blech reparieren, sollten Sie besser einen Fachmann mit der Reparatur beauftragen.

Der Schlüssel zum Aufziehen fehlt? Bei eBay finden Sie Originalschlüssel fast aller Hersteller. Da die meisten Blechspielzeugprodukte für Vierkantschlüssel ausgelegt sind, passen die Schlüssel auch bei Modellen anderer Hersteller, unabhängig davon, ob Sie Tiere, Autos oder ein Karussell zum Leben erwecken möchten.  

Tipps zum Reinigen von Blechspielzeug

Bei den meisten Stücken handelt es sich um gebrauchtes Blechspielzeug, das teilweise durch Generationen weitergegeben wurde. Schmutzrückstände gehören daher zur Tagesordnung. Haben Sie ein schönes Stück erstanden, steht zunächst eine Grundreinigung der Außenflächen an. Nutzen Sie hierfür keine aggressiven Reinigungsmittel oder Bleichmittel, das kann die Farbschichten zerstören. Eine sanfte und zugleich gründliche Reinigung ist zum Beispiel mit Feinwaschmittel möglich. Verwenden Sie immer einen fusselfreien Lappen und entfernen Sie zunächst grobe Verschmutzungen. Was Sie auf jeden Fall unterlassen sollten, ist das Einweichen in Wasser.  

Kratzer am Blechspielzeug behandeln

Bei kleinen Schrammen oder Kratzern empfiehlt sich der Einsatz von Spiritus. Besprühen Sie die betroffene Stelle, löst sich der alte Spiritus-Lack etwas auf. Dadurch können Sie die Farbschicht auf die beschädigte Stelle verteilen. Sollte es sich um einen tiefen Kratzer handeln, können Sie für die Ausbesserung einen Pinsel benutzen. Damit lassen sich selbst kleine abgesprungene Lackstellen ausbessern. Statt Spiritus können Sie zum Behandeln der Risse auch Schellack verwenden. Er ist mit Spiritus lösbar und wird schnell hart. Sie müssen lediglich darauf achten, transparenten Schellack zu verwenden.

Komplizierter gestaltet sich die Restauration bei sehr tiefen Kratzern oder großflächigen Lackschäden. In diesen Fällen müssen Sie die Höhenunterschiede im Lack ausgleichen und daher eine Grundierung aufbringen. Vor der Grundierung müssen kleinere Lackreste entfernt werden, damit sie gut haftet. Die Grundierung bietet auch eine gute Möglichkeit, Dellen auszugleichen. Vor dem Auftragen muss die entsprechende Stelle zunächst geschliffen werden. Verwenden Sie dafür entweder einen kleinen Bohrschleifer oder feines Sandpapier. Anschließend tragen Sie die Grundierung auf, bis die Höhe der ursprünglichen Lackschicht erreicht ist.

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