Fünf Dinge, die in keiner Sammlung bäuerlicher Werkzeuge fehlen dürfen

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Fünf Dinge, die in keiner Sammlung bäuerlicher Werkzeuge fehlen dürfen

Zur Geschichte bäuerlicher Werkzeuge

Um die Zeit von etwa 9000 vor Christus ist das Sesshaftwerden des Menschen datiert. Dieser Zeitrahmen – auch Neolithische Revolution genannt – läutete für die Bevölkerung eine gänzlich veränderte Erhaltungsweise und Lebensform ein. Mit dem Verbleib an einem Ort waren die Voraussetzungen für Viehhaltung - damals hauptsächlich Rinder und Ziegen - und Landwirtschaft gegeben. Die Gründung des Berufsstandes der Bauern kann also demnach für das Neolithikum, auch Jungsteinzeit bezeichnet, vor circa 11000 Jahren, angenommen werden. Dieses hohe Alter muss auch dem Aufkommen der ersten bäuerlichen Werkzeuge zugestanden werden, die bis in die Gegenwart nicht die große Weiterentwicklung in Form und Funktion durchgemacht haben, die Sie vielleicht annehmen würden. Für Sammler wie Sie ist das erfreulich, denn die antiken Geräte und Werkzeuge sind aufgrund ihrer Zweckmäßigkeit und Funktionalität erhalten geblieben und teilweise noch immer einsatzfähig.

Bedeutende Werkzeuge des bäuerlichen Berufsstandes

Die Entwicklung der Hochkultur und in weiterer Folge die Industrialisierung der Menschheit hat sogenannte alte Berufe gänzlich aussterben lassen. Die Bebauung und Bestellung von Bodenflächen, wie Sie es von einzelnen Bauern oder Landwirten kennen, ist noch nicht verschwunden, jedoch hat diese Branche einen ungeheuren Wandel durchgemacht. Minimal strukturierte Betriebe oder Kleinbauerhöfe mit wenig Weideland und/oder geringer Ackerfläche sind unrentabel und können mit dem geringen Ertrag den Erhalt der Familien nicht mehr gewährleisten. Die Landwirtschaft als Nebenerwerb fortzuführen, kommt für die Bauern aufgrund des hohen Zeitaufwandes kaum noch in Frage. So verwaisen oft die Höfe, nicht mehr benötigte Geräte werden wenig gewinnbringend zwangsversteigert oder verrotten. Zahlreiche bäuerliche Werkzeuge, die einst das Überleben vieler Menschen sicherten, landen mit Glück in einem lokalen Heimatmuseum oder Sie finden diese eventuell bei eBay.

Die steinalte Sichel

Das halbmondförmig gebogene Metallwerkzeug ist nachweislich bereits vor der Jungsteinzeit für den Schnitt von Getreide und Gräsern verwendet worden. Die Sichel, sie wird auch Sense oder Hippe genannt, zählt damit zu den bäuerlichen Werkzeugen mit wirklich uralten Wurzeln. Dem Wortursprung nach leitet sich Sichel aus dem lateinischen Begriff für sezieren ab, was im Deutschen mit schneiden oder abschneiden übersetzt wird. Für Ihre Sammlung ist es eventuell noch wesentlich zu wissen, dass Sie zwei Typen von Sicheln unterscheiden können, die Hakensichel und die Bogensichel.

Sie darf in keiner Sammlung fehlen: die Bogensichel

Wie der Name schon sagt, ist das ursprünglich aus Stein, später aus Bronze oder Schmiedeeisen hergestellte Werkzeug bogenförmig gefertigt worden, um über eine möglichst lange Klinge gleichmäßige Schnitte zu erzielen. Die Sichel selbst steckt in einem hölzernen Griff, der bei Werkzeugen Heft genannt wird. Für die Bestimmung des Alters Ihres mitunter antiken Fundstückes konzentrieren Sie Ihren Blick auf die Klinge, denn das Holz des Heftes kann mit wenigen geschickten Handgriffen viele Jahre später ersetzt worden sein. Im Gegensatz dazu stehen sogenannte Handsensen, die sich von Sicheln durch die Form ihrer Klinge unterscheiden. Diese verläuft gerade bis leicht gebogen.

Die Hakensichel

Die wenigen historisch belegten Hakensicheln die von Archäologen gefunden wurden, stammen aus dem böhmisch-mährischen Raum im heutigen Tschechien. Von den Historikern werden sie zeitlich in die Jungbronzezeit bis in die Anfänge der Spätbronzezeit eingeordnet. Ihre Verbreitung fanden die besonders geformten Sicheln hauptsächlich gen Osten, also in Richtung Siebenbürgen, Rumänien. Wenn Sie also die Gelegenheit bekommen, Ihre Sammlung bäuerlicher Werkzeuge um eine Hakensichel zu erweitern, sollten sie die Chance nutzen.

Die Hacke

Um zum Beispiel Ihre Online-Suche nach einem anderen alten Handwerkszeug der Bauern, nämlich der Hacke, erfolgversprechend zu gestalten, ist es für Sie als Sammler wichtig zu wissen, dass dafür unzählige Ausdrücke gebraucht werden. Das traditionell bäuerliche Werkzeug, mit dem der Boden gehackt oder auch geharkt beziehungsweise das Erdreich gehauen wird, trägt im süddeutschen Raum und auch in Teilen Österreichs den Namen Haue. Verbreiteter ist die mundartliche Variante „Heindl“. Viele verschiedene Formen davon finden Sie auch im antiquarischen Angebotsumfang von eBay. Je nach Beschaffenheit des Bodens greifen Bauern und Landwirte zu unterschiedlichen Modellen.

Feldhacken für das Bearbeiten von Feldern

Bereits über 5000 Jahre zurück liegen die ersten Aufzeichnungen aus Ägypten über den Einsatz von Feldharken. Die Verwendungsweise ergibt sich bereits aus der etymologischen Übersetzung des Begriffes, die besagt, dass es sich bei der Feldhacke um eine Haue für die Bearbeitung von Flächen auf dem Ackerland handelt, die für einen Pflug nicht zugänglich sind.

Spitzhacke für die Reinigung des Erdreichs

Während der Bauer oder auch Gärtner mit der Feldhacke den Boden durchzieht, um dabei die Lagen der Erdschichten nicht zu zerstören, wird die Spitzhacke in erster Linie dazu verwendet, Steine aus den Böden der Felder heraus zu lösen. Oft finden Sie dieses alte Werkzeug auch unter der Bezeichnung Kreuzhacke, in Österreich ist sie beispielsweise als Krampe bekannt.

Sonderformen bäuerlicher Hacken, Harken oder Hauen

Suchen Sie für Ihre Sammlung bäuerlicher Werkzeuge noch nach einer Haue, die anstatt des herkömmlichen flachen Hackblattes in zwei Spitzen endet, finden Sie dieses möglicherweise unter der Bezeichnung Pickel. Die Einsatzmöglichkeiten für Hacken sind so vielfältig, dass sich im Laufe der Geschichte zahlreiche Formen entwickelt haben. So empfiehlt sich für Rodungen von Flächen, die bis in die Tiefen mit Wurzeln durchzogen sind, eine sogenannte Rodehacke. In etwas abgewandelter Form ist diese Form bereits als Werkzeug von Zimmermännern oder Steinmetzen im Alten Ägypten bekannt. Die Hackenblätter differieren in Form und Funktion voneinander, alle gemeinsam haben die Werkzeuge das hölzerne Heft, das deutlich länger ist, als etwa zuvor bei der Sense. In weiterentwickelter Form ergab sich eine Hackenvariante mit mehreren Spitzen und einem noch längeren Stiel – in der Regel zwei Meter. Der Erdrechen war geboren.

Der Rechen

In Teilen Europas wird der Rechen nach wie vor als Harke oder Hacke bezeichnet, obwohl sie sich in der Ausführung doch wesentlich unterscheiden. Die spitzen Metallzinken, in unterschiedlichen Abständen angeordnet, münden in den sogenannten Holm, der dann in den Stab übergeht. Verwendet werden Rechen seit jeher für Arbeiten mit lockerem Bodenmaterial, das mithilfe des alten bäuerlichen Werkzeugs gut verteilt, gelockert oder auch eingeebnet wird. Bis in die Zeit der Römer ist die Grundform des Rechens zurück zu verfolgen, die diese als wichtige Erntehelfer einsetzten und damit das Heu einbrachten. Nicht ganz so alte, aber doch teilweise mehr als hundertjährige Stücke stehen in den Schuppen nicht mehr bewirtschafteter Höfe herum. Entweder Sie versuchen auf diesem Wege Ihrer Sammelleidenschaft für alte bäuerliche Werkzeuge nachzukommen oder Sie probieren es auf eBay.

Erleichterung bei der Ernte mit der Heugabel

Märchen und Sagen ranken sich um eines der ältesten Werkzeuge der Bauern, die Heugabel, ein unentbehrlicher Bestandteil für Ihre Sammlung. Dem Ursprung nach sind Heugabeln mit einem deutlich längeren Stiel als etwa Rechen ausgeführt, denn sie wurden nicht nur zum Aufnehmen von Heuballen verwendet, mit ihnen mussten die Bauern das geerntete Heu auch in die hoch gelegenen Lager verfrachten. Die Ausführung mit zwei oder drei Zinken – ähnlich einer Gabel - erleichtert Arbeitsvorgänge wie Stechen, Verteilen oder Verladen von großen, unhandlichen, aber leichten Mengen, wie das bei Heu der Fall ist.

Eine fortschrittliche Heugabel - der Heuwender

Was in den Anfängen der Agrarwirtschaft noch mittels beschriebener Heugabel erledigt wurde, geschah ab der Mitte des 19. Jahrhunderts durch ein von Bauern weiter entwickeltes Werkzeug, den Heuwender. Im Grunde genommen setzte man dazu die bis dahin bewährte Heugabel auf ein fahrbares Gespann, das dann von Pferden gezogen werden konnte. In der Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts geschieht die Einbringung von gemähtem Gras mittels moderner Maschinen. Ihre Werkzeugsammlung können Sie daher über eBay erweitern oder vereinzelt nach antiken Stücken in Scheunen aufgelassener Bauernhöfe stöbern.

Ein Werkzeug aus Holz ist der Dreschflegel

Schon Osiris, der ägyptische Gott für Fruchtbarkeit, schmückte sich in seinen Darstellungen mit einem Dreschflegel. Im Mittelalter erreichte er neben seiner eigentlichen Funktion in der Getreideernte auch Bekanntheit als Bauernwaffe. Die Hauptteile eines Dreschflegels sind zwei unterschiedlich lange Holzstücke, die meist mithilfe eines Lederstücks verbunden wurden. Das lange Stück diente als Griff, das kürzere, etwa 30 cm lange Teil baumelte beweglich am Riemenende. Damit wurde bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts auf die geschnittenen reifen Ähren gedroschen, um so das Korn aus seiner Kapsel zu bekommen. Selbst im asiatischen Raum wurde für die Ernte ein Dreschflegel oder „Nunchaku“ eingesetzt, der den Reisbauern gleichermaßen Werkzeug wie Waffe war. Das Dreschen von Getreide mittels Dreschflegel bedeutete für die Bauern harte und kräfteraubende Arbeit, die gegenwärtig gänzlich von Mähdreschern erledigt wird.

Ihr Quintett ist nun komplett

Die Vervollständigung Ihrer antiquarischen Werkzeugsammlung kann mit Dreschflegel, Rechen, Heugabel, Sichel und Hacke kompletter gar nicht sein, denn den Bauern waren das seit Beginn der Ackerwirtschaft essentielle Hilfen, ohne die sie die Arbeit nicht bewältigen hätten können. Auch der Erhalt beziehungsweise die Übernahme von einzelnen Bestandteilen der historischen Gegenstände in moderne Maschinen zeigt, wie elementar die Entwicklung der bäuerlichen Werkzeuge war. Erleichterung also nicht nur bei den besseren Arbeitsbedingungen für die Landwirte und Helfer, Erleichterung vielleicht auch bei Ihnen, wenn Sie sich online nach antiken Werkzeugen umsehen oder vielleicht sogar bei eBay fündig werden.

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