Füllhalter, insbesondere preiswerte Kolbenfüller

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Füllhalter haben als Schreibgerät im Alltag (und nur darum geht es in diesem Ratgeber) mehrere Eigenschaften, die sie gegenüber dem so praktischen Kugelschreiber auszeichnen:
1. Sie sind mit unterschiedlicher Tinte zu bestücken, darunter wasserfester, dokumentenechter (z.B. die blau-schwarze Tinte von Montblanc, mit der ich keine Erfahrung habe, und mit Noodler's Ink, die ich seit Jahren benutze) oder einfach mit löschbarer königsblauer Tinte, wie sie mir für Hand-Einträge auf Karteikarten und in Listen lieb und wert ist.
2. Sie sind umweltfreundlich, gerade ein Kolbenfüller produziert nicht dauernd Leerpatronen oder leere Minen.
3. Sie bieten dem Schreiben einen kleinen Widerstand auf Papier und verbessern so die Handschrift.
4. Sie sind mit angepassten Federn erhältlich. Erwähnenswert wären z.B. der Meißelschliff, bei Montblanc die Feder "B" oder gleich die Bandzugfeder bei den sogenannten Schönschreibfüllern. Alle diese Federn ermöglichen es, in alten Schriften wie Deutschkurrent zu schreiben oder einfach Schönschrift zu praktizieren.
5. Mit Füllhaltern lässt sich durch den Druck beim Schreiben die Linienbreite ändern, was für die vorgenannten Schönschriften als auch für Steno leichter ist.
6. Gegenüber einem Kugelschreiber oder Steno-Bleistift ist der Strich aus dem Füllhalter besser deckend und viel deutlicher.

Füllhalterfedern

Den Füllhalterfedern sieht man es nicht an, ob sie etwas taugen. Teure aus Gold sind eine Wertanlage, obwohl ihr Preis ihren Goldwert um ein vielfaches übersteigt. Sie sind auch weicher, biegsamer und daher angenehmer im Schreiben.
Die billigste Sorte schmückt sich mit dem Wort: "Iridium Point". Ironie: Iridium ist ein sündhaft teures Edelmetall, das seit 1954 nicht mehr in Füllhaltern verwendet wird und bis 1954 konnte es weder geschmiedet, noch ordentlich aufgeschweisst werden - ganz wenige Fabriken beherrschten das Geheimnis, eine Füllhalterfeder mit diesem enorm harten, nichtrostenden Material zu fertigen.
Dennoch gibt es heute Millionen Füllhalter mit einer "Iridium Point" Feder im Angebot. Das Wort bedeutet einfach nur, dass es keine Goldfeder ist. Angeblich schreiben die alten deutschen Fabrikate besonders gut, die chinesischen Federn besonders schlecht. Ich bezweifle das. Chinesen sind Fans von Füllhaltern. Wie sollten sie diese Vorliebe entwickelt haben, wenn ihnen die guten Federn vorenthalten worden seien. An den Fähigkeiten kann's nicht liegen, chinesische Halbfabrikate sind ja auch in Schweizer Uhrwerken und deutschen Forschungsmikroskopen vertreten. Fazit: Es gibt gut und präzise gefertigte und es gibt schlechte "Iridium Point" Federn.

Patronenfüller

Patronenfüller sind eine feine Sache. Ich habe mehrere von ihnen, z.B. einen ganz billigen Pelikan-Schulfüller für die Farbe Rot. Auch unterwegs oder am Arbeitsplatz ist es schwer denkbar, einen Füllhalter aus einem Tintenfass nachzufüllen, vielleicht noch im normalen Fluss des Schreibens oder während einer Besprechung.

Konverter

Heutzutage werden Füller als "Kolbenfüller" mit sogenannten Konvertern (füllbare Einsatzpatronen) angeboten. Auch für alle Marken-Patronenfüller sind Konverter erhältlich. Meine Erfahrungen gerade mit teuren Konvertern für Markenfüller waren katastrophal und endeten mit Totalschaden zweier nicht ganz billiger Füller. Der eine klemmte und der verbliebene Rest war nicht beschädigungsfrei herauszubekommen, der andere gewährleistete keinen Tintenfluß - trotz Kauf im elitären Fachgeschäft war es wohl der falsche, ich hatte mich schon gewundert, dass der Inhaber nicht etwa in einer Liste nach der Typenbezeichnung für den richtigen guckte, sondern in den Konvertern aus einer großen Schublade  solange wühlte, bis er einen fand, der wenigstens mechanisch ungefähr passte. Darüberhinaus verbinden Konverter nur die Nachteile beider Systeme - ihr Tinteninhalt, wenn überhaupt, ist höchstens so groß wie der einer einzigen Patrone (und normalerweise passt noch eine Reservepatrone in einen Füller), und ihr Gebrauch ist unweigerlich mit Flecken und umständlicher Handhabung (aufschrauben, drehen, kontrollieren...) verbunden. Mein Fazit: Für Patronenfüller verwendet man Patronen, für nachfüllbare Tinte nimmt man Kolbenfüller, und eingekauft wird nur noch im Versand.

Kolbenfüller

Mit einem Kolbenfüller hat man die Wahlfreiheit für Tinte und, gegenüber der Patrone, einen lang andauernden Vorrat an Tinte im Schreibgerät, denn ihre Tintenkammer ist ja vom Innendurchmesser des Füllhalters selber bestimmt und nicht von dem winzigen Inhalt der kurzen Patronen.

Reform Kolbenfüller 1745

Vorbemerkung: dies ist kein bestellter oder bezahlter Test, und ich verkaufe keine Füllhalter. Ich bin aber zufriedener Kunde.
Meine Erfahrung ist, dass billige Füllhalter im Alltag auch nicht schlechter schreiben als teure. Dies hat mir indirekt ein Fachhändler ebenso gesagt - er weiss, dass die innere Mechanik (Tintenleiter etc.) in den teuren Exemplaren seiner Markenfüller dieselbe ist wie in den Schulfüllern, und in der Tat habe ich mehrere Schulfüller in Gebrauch.
Kolbenfüller auch als Schulfüller fangen jedoch erst in der zweistelligen Preisregion an. Ich bestellte mir daher testweise den Reform Kolbenfüller 1745. Anscheinend haben ein oder mehrere Ebayer ganze Container von diesem in der DDR gefertigten Füllhaltern fabrikneu gebunkert und verkaufen sie äußerst preiswert. Der Reform 1745 ist ein sehr zierlicher Füller, nur ca. 12 Zentimeter von der Federspitze bis zum oberen Ende und ist so dünn wie sonst eher ein Kugelschreiber. Für meine nicht ganz kleinen Hände ist er dann ausgewogen, wenn die Kappe aufgesteckt wird - andere Füller aus Vollmetall, z.B. mein prächtiger chinesischer Patronenfüller, haben mit Kappe das Übergewicht in der oberen Hälfte. Erhalten, der Anleitung folgend mit warmem Wasser erst einmal innen ausgewaschen, ausgeschüttelt und über Nacht mit Kontakt der Feder zu saugfähigem Tissue-Papier einigermaßen trocknen lassen und der Füller schrieb sofort an. Die Spitze ("Iridium Point", angesichts des Alters dieses Modells wohl deutscher Fabrikation) kratzt nicht, die Linienbreite ist variabel und bei kräftigem Druck auch sehr breit. Ich jedenfalls bin mit meinen im Doppelpack ersteigerten Reform 1745 zufrieden und überlege, ob ich mir auch noch ein Exemplar des für größere Hände gedachten Reform 125 zulege...
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