Fotopapier, Beleuchtung & Chemie für Ihre Profi-Dunkelkammer

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Fotopapier, Beleuchtung und Chemie – so richten Sie sich eine professionelle Dunkelkammer ein

Die Geschichte der Fotografie

Eines der ersten Fotos der Welt wurde im Jahre 1838 aufgenommen. Es zeigt eine Straße in Paris und wurde vom Erfinder des ersten Fotoverfahrens, Louis Jaques Mandé Daguerre aufgenommen. Gleichzeitig gilt dieses Bild als das erste Foto, das Menschen darstellt: einen Schuhputzer und seinen Kunden. Sie waren die Einzigen in der belebten Straße, die lange genug in ihrer Position verharrten, um bei der langen Belichtungszeit von ca. 10 Minuten einen Eindruck auf dem Fotomaterial zu hinterlassen. Dieses Material war eine mit Silber beschichtete Kupferplatte, die durch das Bedampfen mit Brom oder Jod lichtempfindlich gemacht wurde.

Die Camera obscura und Verwendung von Fotoplatten

Das Prinzip der Camera obscura war bereits bekannt: Durch eine Linse dringt das Licht der Außenwelt in eine lichtdichte Box. An die Rückwand der Box wird nun das Bild projiziert, das allerdings auf dem Kopf steht und seitenverkehrt ist. Daguerres Verdienst bestand darin, die Projektionsfläche der Camera obscura mit einer lichtempfindlichen Schicht zu versehen, die in der Lage war, das projizierte Bild aufzunehmen und festzuhalten. Damit enthält der von ihm konstruierte Apparat bereits alle grundsätzlichen Elemente des Fotoapparates. Einen wesentlichen Unterschied zu heutigen Kameras gab es allerdings: Das entstandene Bild war ein Unikat und konnte nicht vervielfältigt werden. Es war gleichzeitig Negativ und Positiv. Abhängig von den Lichtverhältnissen erschienen die belichteten Stellen des Bildes entweder heller oder dunkler. Der Betrachter musste die sogenannte Daguerreotypie also aus einem bestimmten Blickwinkel ansehen, um das korrekte Bild zu erkennen.
Erst mit der Entwicklung von Fotoplatten bzw. -filmen wurde das Negativ-Verfahren eingeführt, so wie man es heutzutage kennt. Der Lichteinfall hinterlässt auf dem Fotomaterial dunkle Stellen. Dort wo kein Licht auftrifft, also an den eigentlich dunklen Stellen des Bildes, erscheint das Negativ nach dem Entwickeln klar und lichtdurchlässig. Dies macht den nun folgenden Prozess erst möglich: die Herstellung des eigentlichen Fotos. Dabei wird in einem Verfahren, das dem Fotografieren sehr ähnlich ist, quasi das Negativ fotografiert. Das lichtempfindliche Medium ist nun das Fotopapier, welches zunächst weiß ist. Stellen, die belichtet werden, erscheinen nach dem Entwickeln dunkel. Durch die zweifache Umkehrung der Lichtrelationen (einmal beim Fotografieren, einmal beim Vergrößern) erscheinen nun auf dem Foto tatsächlich die hellen Stellen des Bildes hell und die dunklen Stellen dunkel – man betrachtet das Positiv.

Die Farbfotografie

Dieser Prozess des doppelten Umkehrens findet auch bei Farbfotos Anwendung. Hier werden allerdings zusätzlich zu den Helligkeitsunterschieden Farbinformationen umgekehrt: Das Farbnegativ zeigt sogenannte Komplementärfarben, die durch das Ausbelichten auf Farb-Fotopapier in die richtigen Farben zurückgeführt werden. Von einem Negativ können viele Abzüge hergestellt werden, es lässt sich also nahezu unbegrenzt vervielfältigen. Bis zur Einführung der Digitalfotografie, also etwa bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, war dieses Verfahren alternativlos. Die Digitalfotografie setzte eine inflationäre Entwicklung in Gang. Weil kein teurer Film mehr benötigt wird, können viel mehr Fotos „ins Blaue" geschossen werden. Allerdings schafft nur ein geringer Prozentsatz dieser Bilder den Weg von der Speicherkarte auf ein Bild aus Papier. Fotos werden oft nur noch auf dem Display betrachtet. Viele Menschen denken mit einer gewissen Wehmut an die Zeit, in der man Fotos noch anfassen konnte. Ebenso geht es vielen Fotografen. Sie verwenden ganz bewusst das alte, analoge Negativ-Verfahren. Sie verbringen Stunden in der Dunkelkammer und sind fasziniert, wenn sich beim Entwickeln langsam die ersten Konturen des Bildes abzeichnen. Die Wahl des Ausschnitts, die Bildbearbeitung bis hin zu spektakulären Effekten setzen diese Fotografen nicht mit Bildbearbeitungsprogrammen um, sondern mit Optik, Chemie und viel Geduld.

Die eigene Dunkelkammer – aber wo?

Die technischen Voraussetzungen für eine eigene Dunkelkammer sind recht übersichtlich. Eine Raumgröße von ca. 6 Quadratmetern reicht bereits aus. Die Dunkelkammer sollte einen stabilen Tisch fassen, der den Vergrößerungsapparat trägt. Auf einer weiteren Arbeitsplatte müssen drei rechteckige, flache Schalen Platz finden, in denen die Papierbilder entwickelt, zwischengewässert und fixiert werden. Diese Schalen sollten mindestens so groß sein wie das Papier selbst. An den Wänden können Regale angebracht werden, in denen Material und Zubehör Platz findet. Weiterhin sollte der Raum einen Wasseranschluss und natürlich einen Stromanschluss besitzen. Er sollte vollständig abgedunkelt sein. Nicht unbedingt nötig, aber sehr wünschenswert ist eine Lichtschleuse. Diese besteht aus zwei Türen bzw. zwei lichtdichten Vorhängen. Beim Eintreten schließen Sie die erste Tür hinter sich und befinden sich nun in dem vollständig dunklen Raum zwischen beiden Türen, der Lichtschleuse. Nun kann die zweite Tür geöffnet und die Dunkelkammer betreten werden. Diese Vorrichtung beansprucht etwas Platz, aber sie erlaubt Ihnen, Ihr privates Fotolabor bei laufendem Betrieb zu verlassen bzw. zu betreten.

Die Beleuchtung der Dunkelkammer

Was sich zunächst wie ein Widerspruch anhört, ist eigentlich keiner. Fotopapier, insbesondere Schwarz-Weiß-Papier ist für bestimmte Farben lichtunempfindlich. Üblicherweise ist dies rotes Licht. Sie können Ihre Dunkelkammer mit einer geeigneten Rotlichtlampe also durchaus so ausleuchten, dass Sie ohne Probleme arbeiten können. Die Augen gewöhnen sich an die rote Farbe und nehmen sie nach einiger Zeit nicht mehr bewusst wahr.

Das Vergrößerungsgerät

Der Vergrößerungsapparat befindet sich über dem Tisch, auf dem das Fotopapier liegt. Das Papier wird mittels verstellbarer Schienen fixiert, sodass es rutschfest und faltenfrei aufliegt. Der Vergrößerungsapparat projiziert nun das Negativ auf das Fotopapier. Er ist höhenverstellbar, sodass verschieden große Bildformate belichtet werden können. Er besteht aus einer Lichtquelle, einem Einschub für die Negative und einem Objektiv. Durch seine verstellbare Brennweite erlaubt das Objektiv das Scharfstellen des projizierten Bildes. Abhängig von der Empfindlichkeit des Papiers kann eine bestimmte Belichtungszeit eingestellt werden. An der Technik der Vergrößerungsgeräte hat sich in den letzten Jahren kaum etwas geändert. Es bedeutet deshalb kein Defizit, wenn Sie ein Gerät älterer Bauart verwenden. Bei eBay finden Sie Vergrößerungsgeräte jeden Alters, vom Sammlerstück bis zum Hightech-Gerät mit Autofokus.

Das Entwickeln des Bildes

Mit der Entwicklerflüssigkeit wird das zunächst latente Bild, das beim Belichten entsteht, auf dem Fotopapier sichtbar gemacht. Fotopapier enthält eine Schicht aus Silberhalogenidkristallen, die bei Lichteinfall Silberionen, gewissermaßen Silberkeime bilden. Die Entwicklerflüssigkeit, kurz Entwickler genannt, gibt Elektronen an diese Silberionen ab, welche sich nun zu metallischem, sichtbarem Silber verbinden, das schwarz sichtbar wird. Bekannte Firmen wie Agfa oder Kodak bieten Entwickler namens Neofin bzw. Tmax an. Diese Chemikalien sind als kristalline Substanz erhältlich und werden in einem geeigneten Verhältnis in Wasser gelöst.

Das Unterbrechen des Entwicklungsvorganges

Über einige Minuten hinweg wird das Bild auf dem Fotopapier allmählich sichtbar. Wenn die vom Hersteller empfohlene Zeit erreicht oder – und hier kommt die Kreativität des Fotografen ins Spiel – die gewünschte Gradation erreicht ist, muss der Entwicklungsvorgang unterbrochen werden. Das Foto wird zu diesem Zweck in eine Schale mit Unterbrecherlösung gelegt, die aus einer 2-prozentigen Essig- oder Zitronensäurelösung besteht. Dabei sollte ein pH-Wert von 4 bis 5 eingehalten werden.

Das Fixieren des Bildes

Im Fixierbad wird das Fotopapier lichtunempfindlich gemacht, um das Bild möglichst dauerhaft zu erhalten. Die nicht belichteten Silbersalze werden herausgelöst. Dies geschieht mit einer Natrium- oder Ammoniumthiosulfatlösung. Auch dieser Vorgang muss nach einer gewissen Zeit abgebrochen werden, damit nicht auch die belichteten Teile des Bildes angegriffen werden. Für die Fixierzeit gibt es ebenfalls Herstellerangaben, sie ist aber auch von der Frische bzw. vom Erschöpfungsgrad des Fixierbades abhängig. Der Erschöpfungsgrad bezeichnet die Anreicherung des Bades mit herausgelösten Silberkristallen. Das Fixierbad gilt nach längerer Verwendung als erschöpft, wenn sich die notwendige Fixierzeit verdoppelt hat.

Wässern und Trocknen

Der größte Teil der Silberkristalle wird bereits im Fixierbad ausgewaschen. Alle Reste von löslichen Silberkristallen und Chemikalien werden nun im abschließenden Wasserbad entfernt. Um dieses Wasserbad frisch zu halten, wird ein ständiger Zu- und Abfluss empfohlen. Die Zeit des Wässerns muss nicht ganz so akribisch gemessen werden wie die Entwicklungs- und Fixierzeit, Im Wasserbad können Sie Fotos sammeln und anschließend trocknen. Jedoch sollte auch das Bad spätestens nach 15 Minuten beendet sein. Das Trocknen der Bilder geschieht am besten, indem Sie die Abzüge auf eine ebene Fläche legen bzw. spannen. Zum Trocknen kann ein spezielles Gerät dienen, das beheizt wird und den Vorgang beschleunigt. Oft gibt es Dunkelkammer-Szenen in Spielfilmen, in denen Fotos zum Trocknen an einer Leine hängen. In der Praxis eines Fotolabors dürfte das eine ungeeignete Methode sein, da man bevorzugt Abzüge ohne Falten, Wellen oder gebogene Ecken erhalten möchte.

Was benötigen Sie wirklich und was kostet es?

Fotopapier war und ist nicht billig. Der Preis richtet sich nach dem Format, der Körnung, der Lichtempfindlichkeit und der Oberfläche (glänzend oder seidenmatt). Farbpapier ist entsprechend teurer als die gewöhnliche Variante. Ungewöhnliche und interessante Materialien wie Fotoleinen ergänzen das Angebot. Es liegt auf der Hand, dass der technische und finanzielle Aufwand mit der Größe der Bilder steigt. Bei allen technischen Komponenten können Sie jedoch wahre Schnäppchen ergattern. Vom Vergrößerungsgerät bis zur Dunkelkammerbeleuchtung gibt es sehr günstige Angebote bei eBay. Dabei verrichten gebrauchte Geräte ihren Dienst meist ebenso gut wie neue. Die nötigen Chemikalien sind sehr preisgünstig zu haben. So können Sie mit wenigen Hundert Euro eine Dunkelkammerausrüstung erwerben, die bereits professionellen Ansprüchen genügt. Eine professionelle Ausrüstung ist jedoch noch keine Garantie für professionelle Ergebnisse. Als Neueinsteiger können Sie von einem breiten Angebot an Tutorials, Büchern über Geschichte und technische Grundlagen der Fotografie sowie Gebrauchsanweisungen profitieren. In vielen Foren und Communities teilen erfahrene Fotografen Ihre Kenntnisse mit Ihnen. Schließlich ist Ihr wahres Kapital als Fotograf nicht die Ausrüstung, sondern insbesondere gute Fotos, Erfahrung, Geduld, Genauigkeit und Kreativität.

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